Eine kurze Geschichte des Verlags

Die Geschichte der Gründungsverlage (pdf)


"Vermögender Kaufmann, 31 J. alt, verheiratet, Dr. phil. (Germanist), sucht Beziehungen, die zur thätigen Mitinhaberschaft oder Übernahme einer angesehenen Verlagsbuchhandlung oder Verlagsanstalt führen können." Mit diesem Inserat, 1894 im Börsenblatt erschienen, formulierte Walter de Gruyter (1862-1923) einen Unternehmenswunsch, den er 1919 mit der Fusion fünf großer Verlage zu einem der angesehensten Wissenschaftsverlage überaus erfolgreich realisierte. In der Vereinigung wissenschaftlicher Verleger, Walter de Gruyter & Co verband der umsichtige Geschäftsmann den Verlag Georg Reimer, die G. J. Göschen'sche Verlagshandlung, die J. Guttentag Verlagsbuchhandlung, den Verlag Veit & Comp. sowie den Verlag Karl. J. Trübner. Seit 1923 trug der Konzern den Namen seines Gründers: Verlag Walter de Gruyter & Co. und seit 1998 den Namen Walter de Gruyter GmbH & Co. KG.

Der älteste Teil der Verlagsgeschichte geht auf den Verlag Georg Reimer zurück. Georg Andres Reimer übernahm 1801 die Buchhandlung der Königlichen Realschule in Berlin, die 1749 durch Friedrich II. genehmigt worden war. Zunächst in Erbpacht konnte Reimer sie 1823 ganz in Besitz übernehmen, ihr den eigenen Namen geben und zu dem Verleger der deutschen Romantiker werden: Heinrich v. Kleist, Ernst Moritz Arndt, Johann Gottlieb Fichte, Friedrich Ludwig Jahn, Jean Paul, Friedrich Schleiermacher, Ludwig Tieck, August Wilhelm Schlegel, Achim v. Arnim, Jakob u. Wilhelm Grimm und Wilhelm v. Humboldt fanden im Georg Reimer Verlag ihr geistiges Zuhause. Walter de Gruyter trat 1894 als Volontär in den Verlag ein und konnte ihn im Jahr 1897 erwerben.

Die G. J Göschen'sche Verlagshandlung wurde 1785 durch Georg Joachim Göschen (1752-1828) in Leipzig gegründet. Göschen, der sich große Verdienste um die Verbesserung der Typografie erwarb, verlegte die Werke der bedeutenden deutschen Klassiker Johann Wolfgang von Goethe, Friedrich Schiller, Christoph Martin Wieland, Friedrich Gottlieb Klopstock. Nach seinem Tod verkauften die Erben den Verlag an die Cotta'sche Buchhandlung in Stuttgart. Nach mehrmaligem Besitzerwechsel konnte Walter de Guyter ihn 1919 als selbstständige Abteilung in seinen Verlag eingliedern.

Die J. Guttentag Verlagsbuchhandlung, benannt nach Immanuel Guttentag, war in erster Linie ein rechtswissenschaftlicher Verlag, dessen Programm und Profil durch die umfangreichen Sammlungen und Kommentare des kodifizierten Rechts bestimmt wurden., 1898 trat Walter de Gruyter in die Geschäftsführung des Guttentagschen Verlages ein, um ihn 1919 in die Vereinigung wissenschaftlicher Verleger zu integrieren.

Der Verlag Veit & Comp. wurde 1834 von Moritz Veit in Berlin gegründet und publizierte in erster Linie Titel aus dem Bereich der Naturwissenschaften, der Medizin und der Mathematik, aber auch der Rechtswissenschaft und Schachliteratur. 1919 ging er als eigene Abteilung in den Konzern ein.

Der jüngste der fünf Fusionsverlage ist der Verlag Karl J.Trübner. Er wurde im Jahre 1872 in Straßburg durch Karl J. Trübner gegründet. 1906 wurde Walter de Gruyter Teilhaber und 1907 alleiniger Besitzer. Schwerpunkte der Verlagstätigkeit lagen im Bereich der Sprach- und Literaturwissenschaften sowie der germanischen Altertumskunde.

Die Leitung des modern strukturierten Großverlags wurde nach dem Tod Walter de Gruyters 1923 von seinem Schwiegersohn Herbert Cram (1890-1967) übernommen. Seit 1939 führte Herbert Cram die Geschäfte zusammen mit Wolf Meinhard von Staa (gest. 1969). Die von Walter de Gruyter begonnene Verlagspolitik der Zukäufe wurde bis zum 2. Weltkrieg fortgeführt: 1927 wurde der A. Markus & E. Webers Verlag aus Bonn erworben. 1928 folgte der Verlag Friedrichsen, de Gruyter & Co. (seit 1945: Cram, de Gruyter & Co.) und 1935 der Verlag Alfred Töpelmann, Gießen, der in erster Linie Werke aus dem Bereich der Theologie und Religionswissenschaft verlegte. 1937 kam der Technische Verlag M. Krayn (umbenannt in Technischer Verlag Herbert Cram) hinzu, und 1939 wurde eine Beteiligung am J. Schweitzer Verlag, mit dem "Staudingers Kommentar zum BGB" (heute verlegt im Verlag Dr. Arthur L. Sellier & Co. - Walter de Gruyter GmbH & Co. KG) erworben.

Unter der Geschäftsführung von Kurt-Georg Cram und Kurt Lubasch setzte eine Internationalisierung der Aktivitäten des Verlags ein, was sich unter anderem in der starken Zunahme englischsprachiger Titel dokumentiert. Im Zuge dieser Entwicklung wurde 1971 die Tochterfirma Walter de Gruyter Inc. in New York gegründet. Darüber hinaus wurde 1977 der vor allem durch seine linguistischen Werke bekannte Verlag Mouton Publishers in Den Haag erworben. Vom 1978 zugekauften, sozialwissenschaftlich ausgerichteten Imprint Aldine Publishing Comp. Hawthorne, New York hat sich de Gruyter 2004 wieder getrennt.

2006 konnte de Gruyter die Verlage K.G. Saur und Max Niemeyer erwerben, wodurch Walter de Gruyter nun zu den größten geisteswissenschaftlichen Verlagen Europas zählt. Unter der Geschäftsführung von Prof. Dr. h.c. Klaus G. Saur (geschäftsführender Gesellschafter) sind Dr. Anke Beck (Mouton de Gruyter, WdG Inc.,), Wolfgang Böttner (Medizinische Wörterbücher, Medicine & Sciences, Mathematik, Herstellung), Christoph Hahne (Marketing, Vertrieb, IT), Christel Johannsen (Rechnungswesen/Allgem. Verwaltung, Controlling, Personal) und Clara Waldrich (Saur, Niemeyer) Mitglieder der Geschäftsleitung des Universalverlags Walter de Gruyter mit rund 15.000 lieferbaren Titeln.

Die Verlagsproduktion wird in den folgenden Fachabteilungen betreut:

  • Altertumswissenschaften, Philosophie, Geschichte (Fachbereich Geisteswissenschaften 1, Cheflektorin Dr. Gertrud Grünkorn)
  • Sprach- und Literaturwissenschaft (Fachbereich Geisteswissenschaften 2, Cheflektor Dr. Heiko Hartmann)
  • Theologie, Judaistik, Religionswissenschaft (Fachbereich Geisteswissenschaften 3, Cheflektor Dr. Albrecht Döhnert)
  • Linguistics, Programmbereich Mouton (Leiterin Dr. Anke Beck)
  • Medizin, Naturwissenschaften, Naturwissenschaftliche Zeitschriften (Leiter Wolfgang Böttner)
  • Medizinische Wörterbücher (Leiterin Dr. Martina Bach)
  • Mathematik, Physik (Leiter Dr. Robert Plato)
  • De Gruyter Rechtswissenschaften Verlags-GmbH (Leiter Dr. Michael Schremmer