Die Universität Göttingen unter dem Nationalsozialismus
[Göttingen University under National Socialism]
Ed. by Becker, Heinrich / Dahms, Hans-Joachim / Wegeler, Cornelia
Aims and Scope
Zum 250jährigen Bestehen der Universität Göttingen erschien 1987 der Band Die Universität Göttingen unter dem Nationalsozialismus. Das Ziel der Verfasser war es, die typischen und für die Universität Göttingen spezifischen Einwirkungen des Nationalsozialismus auf den akademischen Bereich zu verdeutlichen und die Veränderungen vor, während und nach der Zeit der Hitlerdiktatur anhand der Entwicklung einzelner Fakultäten, Fächer und Institute aufzuzeigen. Als Quellen wurden zeitgenössische Werke der Institutsmitglieder, Zeitungen, Zeitschriften und Gespräche mit Zeitzeugen, hauptsächlich aber die Akten des Universitätsarchivs Göttingen herangezogen. Der zeitliche Rahmen, der durch die erstmals systematisch ausgewerteten Archivbestände dokumentiert wird, umspannt die Zeit von 1933 bis 1945, die Spätphase der Weimarer Republik und die Nachkriegszeit. Bereits in der ersten Auflage wurde deutlich, daß sich Göttingen im Nationalsozialismus in einer wesentlichen Hinsicht von anderen Universitäten unterschied: vor allem in den Bereichen Mathematik und Physik, auf die sich der internationale Ruf der Universität gründete, gab es nach 1933 die radikalsten "Säuberungsaktionen", d.h. Entlassungen aus rassischen und politischen Gründen. Diese "Säuberungsmaßnahmen" führten zu einem erheblichen Substanzverlust der Universität. In der nun vorliegenden zweiten Auflage wurde zunächst eine Vollständigkeit hinsichtlich der Opfer der nationalsozialistischen "Säuberungspolitik" angestrebt, so daß sich eine fast vollständige Fallgeschichte von Emigration und Vertreibung an einer Universität ergibt. Darüber hinaus wurde der Band um neue Beiträge zu einzelnen Fachbereichen erweitert, die wesentlich dazu beitragen, das Gesamtbild der Universität Göttingen unter der nationalsozialistischen Diktatur zu erhellen. * Der Beitrag zum Bereich Anglistik verdeutlicht den Zwiespalt, in den Dozenten gerieten, wenn sie Literatur und Kultur von Ländern hochhalten wollten, zu denen das Dritte Reich in prinzipielle Gegnerschaft geriet.* Im Artikel über Kunstgeschichte wird dargestellt, inwiefern der Nationalsozialismus verhindert hat, daß hier Persönlichkeiten wie Nikolaus Pevsner ihren Weg machen konnten, die in der Emigration zu Berühmtheiten wurden.* Der Chemie-Beitrag zeigt, daß die chemischen Institute lediglich durch eine Reihe glücklicher Umstände und das Engagement des Nobelpreisträgers Adolf Windaus nicht dasselbe Maß an Zerstörung wie die mathematischen und physikalischen Fachbereiche erlitten.* Die deutlichste (und erschreckendste) Ergänzung bildet der Artikel über die Medizinische Fakultät. Ein umfangreicher Bericht über 100 Seiten zu den Vorgängen in dieser Fakultät gibt Einblick in ein besonders dunkles Kapitel akademischen Lebens während der Zeit des Nationalsozialismus und wirft ein neues Licht auf die Universität Göttingen. Wie die Autoren herausfanden, gab es in Göttingen fast 2.000 Fälle von Zwangssterilisationen und über 300 Opfer der "Euthanasie". Zudem legt der Bericht dar, daß es offenbar eine Mitwisserschaft von einigen Göttinger Medizinern an den Menschenversuchen im KZ Dachau gegeben hat.
- 759 pages
- DE GRUYTER SAUR
- Language:
- German
- Subjects
- History > History, General and Miscellaneous
- History > Contemporary History, Politics
- Social Sciences, Economics > Education > Science, University System
- History > History, General and Miscellaneous
- History > Contemporary History, Politics
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