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Allgemeines Künstlerlexikon - Internationale Künstlerdatenbank - Online

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Vita

Brunelleschi, Filippo, ital. "inventore" und Architekt, Begründer der Renaiss.-Baukunst, Bildhauer und Goldschmied. *1377 Florenz, dort ansässig und vorrangig tätig, †15.4.1446 ebd. (begr.im Dom, wo ihm 1447 ein Ehrenmal errichtet wurde mit Inschr.-Taf. und Bildnistondo, ausgef. von seinem Schüler und Pflegesohn Andrea di Lazzaro di Cavalcanti, gen. Buggiano).

Biogramm

Wichtigste Quelle zu Leben und Werk ist die wohl von Antonio di Tuccio Manetti um 1485 verf. Vita B.s. Er begann als Goldschmied, als der er 1398 in die Zunft der Florentiner Seidenhändler, zu der die Goldschmiede gehörten, aufgenommen wird. 1404 Einschreibung als Goldschmiedemeister. Seine ersten erh. Werke schuf er offenbar um 1399/1400 für den Silberaltar im Dom von Pistoia; zugeschr. werden ihm die Halbfiguren zweier Propheten, eine sitzende Evangelistenfigur und die Ganzfigur des hl.Augustinus. 1401/02 entstand das berühmte Bronzerelief mit der Darst. der Opferung Isaaks anläßl. des Wettb. für eine neue (die nördl.) Tür am Florentiner Baptisterium (Florenz, Bargello). Den Wettb. gewann Lorenzo Ghiberti, wohl vorrangig aus Kosten- und Herstellungsgründen (B. hatte deutlich mehr Bronze benötigt und sein Relief aus mehr Einzelteilen zusammenfügt als Ghiberti). Denn in der Komp., die den got. Vierpaßrahmen geradezu negiert, und in der auf den Handlungshöhepunkt verdichteten, expressiven Erzählweise ist B.s Relief jenem Ghibertis fraglos ebenbürtig und sogar wegweisender (vgl. die szen. Reliefs Donatellos). Neben anderen, nicht mehr erh. Werken schuf er vermutl. gegen 1425 das Kruzifix aus Holz in S.Maria Novella, in dem er Christus - wie Giorgio Vasari zugespitzt, aber treffend vermerkt - nicht als "Bauern" dargestellt habe wie Donatello bei seinem Kruzifix in S.Croce, sondern als eine Gestalt von "äußerster Feingliedrigkeit". Danach lieferte B. offenbar nur mehr Entwürfe bzw. Modelle für bildhauer. Arbeiten, die er jedoch nicht selbst ausführte (vgl. die neueste Zusammenstellung bei J. Poeschke, Die Skulpt. der Renaiss. in Italien, I, M. 1990, 59-61). Ab 1404 scheint sich B. zunehmend mit Archit. beschäftigt zu haben. 1404-06 ist er Mitgl. einer Gutachterkommission zur Beurteilung der Strebepfeiler der Chortribunen des Florentiner Doms; 1412 wird er als "capomaestro" bez., was bereits auf eine längere architekton. Tätigkeit schließen läßt. Doch erst 1419 beginnt die Reihe seiner großen Bauwerke in Florenz, die seinen Ruhm als Erneuerer der Baukunst und Revolutionär der Bautechnik schon zu Lebzeiten begründeten. Er verkehrte mit den damals wichtigsten Künstlern und Intellektuellen der Stadt, so mit Donatello, Ghiberti, Masaccio, Nanni di Banco, Luca Della Robbia und Leon Battista Alberti (der ihm sein Malereitraktat von 1436 widmete), mit dem Mathematiker Paolo dal Pozzo Toscanelli, den Humanisten Niccolo Niccoli, Giannozzo Manetti und wohl auch Leonardo Bruni, mit dem Patristiker Ambrogio Traversari und mit Cosimo de'Medici ("il Vecchio"), für den er ein Modell eines bes. prachtvollen Pal. anfertigte, der jedoch nicht ausgef. wurde. Als der führende Baufachmann bereiste er zudem zahlr. Städte innerhalb, aber auch außerhalb des Florentiner Territoriums zur Begutachtung, Beratung oder Planung von Bauprojekten aller Art (von Sakralbauten über einen Hospital- und Brückenbau bis zu versch. Befestigungsanlagen). Manetti erwähnt auch Aufenthalte in Rom (so um 1402 zus. mit Donatello), wo er die Kunst der Antike studierte. - B.s Werk: In die Frühzeit setzt Manetti die Perspektivexperimente B.s, die ihn zur Ergründung einer der Hauptregeln der Renaiss. überhaupt leiteten. Das Ergebnis waren nach Manetti 2 wegen ihrer Wirklichkeitstreue verblüffende (nicht erh.) "prospettive". Die erste Taf., auf die Manetti auch näher eingeht, stellte das Baptisterium und seine Umgebung dar, gesehen von einem Standpunkt im Inneren des Domes, 3 Florentiner Ellen (à 0,584 m) hinter dem Mittelportal. Welches Verfahren B. zur zentralperspektiv. exakten Aufnahme anwendete, ist nach wie vor in Diskussion. Am plausibelsten ist die jüngst von V.Hoffmann (1990) vorgestellte These, wonach sich B. des von Alberti in seinem Malereitraktat beschriebenen Fadennetzes (= "velo") bedient habe und folgendermaßen vorgegangen sein könnte: Er spannte dieses "velo" in die Portallaibung des Domes. In 3 Florentiner Ellen Abstand postierte er eine Platte mit einem Loch in Augenhöhe und tastete dann mit Hilfe des von diesem Augpunkt ausgehenden Sehkegels durch das "velo" hindurch das Baptisterium Quadrat für Quadrat ab. Zur Aufzeichnung des Sehbildes benützte B. nach Manetti eine quadrat. Taf. von einer 1/2 Florentiner Elle Seitenlänge, auf der das Quadratraster des "velo" maßstabsgetreu verkleinert reproduziert war. Von Hand konnten darauf die Punkte und Linien des Sehbildes in einem Quadrat des "velo" in das entsprechende der Tafel übertragen werden. Das so entstandene Punkt- und Liniengerüst brauchte nur mehr 'ausgemalt' zu werden. B.s Bauten In Florenz: Dom S.Maria del Fiore, Kuppel, Laterne und Exedren: Möglicherweise stehen B.s Perspektivstudien in direktem Zusammenhang mit seiner Planung der Domkuppel (spätestens ab 1417), also jenes gewaltigen, ca. 42 m weiten und bis 83 m hinaufreichenden achteckigen Klostergewölbes, dessen Form seit 1367 bereits feststand, an dessen Ausführung sich jedoch keiner gewagt hatte. 1418 wurde ein Wettb. ausgeschrieben, an dem neben B. u.a. auch Ghiberti teilnahm. B. konnte ihn mit einem Ziegelmodell, an dem Donatello und Nanni di Banco mitgearbeitet hatten, für sich entscheiden. 1420 legte er ein Bauprogramm vor (1422 und 1426 teilweise korrigiert und ergänzt), nach dem die zweischalige Kuppel noch im selben Jahr beg. wurde. Das damals wie heute Spektakuläre der Kuppel ist, daß sie "senza armadura", also ohne Standgerüst errichtet wurde. Dabei ging B. von dem einfachen, aber konstruktiv entscheidenden Prinzip aus, wonach zueinander geneigte Körper sich gegenseitig stützen. Deshalb ließ er zum einen erst nach Abschluß eines Ringes, wenn also jeder der acht Abschnitte des Klostergewölbes die vorgeschriebene Höhe erreicht hatte, einen neuen Ring beginnen. Und zum anderen wurden die Bausteine nicht horizontal, sondern nach innen geneigt gemauert. Das Klostergewölbe ist demnach als Rotationskuppel konstruiert (Mainstone und Di Pasquale). Zur vertikalen und horizontalen Verstrebung der inneren wie äußeren Kuppel dienen 24 "sproni" (= Sporne/Rippen; 8 in den Ecken, je 2 an den 8 Seiten) und versch. Ringanker aus Stein, Eisen und Holz. (Die Marmorrippen an der äußeren Kuppel sind hingegen den Kanten nur aufgesetzt). Die Anstiegskurve der Kuppel und die Neigung der Mauerschichten berechnete B. nach der Methode des "quinto-acuto". D.h., der Kuppeldurchmesser (von einer Ecke zur gegenüberliegenden gemessen) wurde in 5 Teile geteilt; 4 derselben bilden den Radius der Kreisbögen, auf denen die Eckrippen liegen. Zur Meßkontrolle bediente sich B. zum einen offenbar Schablonen ("centine"), die gemäß des quinto-acuto-Bogens geformt waren, und zum anderen der Mittelachse des Kuppelachtecks (s. die Kritik des stellvertretenden Bauleiters Giovanni di Gherardo da Prato). Diese hat B. nach einer begründeten These V.Hoffmanns mit Hilfe von Ketten, die von einer Ecke zur gegenüberliegenden in der jeweils aktuellen Höhe gespannt wurden (= "stella"/Kettenstern) und die den Mittelpunkt des Kuppelachtecks markierten, und anhand eines optischen, mit dem Sehkegel operierenden Meßinstruments ("gualandrino", ein dreiarmiges Winkelmaß) gewonnen (vgl. dagegen Mainstone und Saalman, 1980, die sowohl die "stella" als auch den "gualandrino" anders deuten und wie schon die Kuppelforscher des 18.Jh. von einem über 80 m hohen Mastbaum als Mittelachse ausgehen). Am 30.8.1436 wurde die Kuppel eingesegnet und im selben Jahr B.s Modell für die Laterne genehmigt (Ausführung bis 1471). Ab 1439 (bis nach 1477) kamen die 4 halbrunden Exedren an der Basis des Tambours mit ihrer zukunftsweisenden Gliederung aus Halbsäulenpaaren zw. halbrund in die Mauermasse eingeschnittenen Nischen hinzu. Findelhaus: 1419 beg. im Auftrag der Zunft der Seidenhändler, Bauleitung bis 1427. Danach wurde der Bau mit Veränderungen von Francesco della Luna fortgeführt. Weihe und Eröffnung am 24.1.1445. Die Findelhaus-Fassade ist mit den schlanken monolith. Säulen der Loggia, den bis zu einem durchgezogenen Gebälk aufsteigenden Pilastern und der Ädikula-Rahmung der Fenster und Türen das erste genuin all'antica gegliederte Bauwerk der Renaissance. Die Ordnungen sind korinth. - wie beinahe stets bei B.s Bauten. (Lediglich an untergeordneten Stellen, etwa an der Laternenbalustrade der Alten Sakristei, kommen auch ion. Säulen vor). Die Anregungen hierfür lieferten aber nicht antike Bauten, sondern jene des 11./12.Jh. in Florenz (sog. Protorenaissance) - allen voran das Baptisterium. Zukunftsweisend sind überdies der gesteigerte Stellenwert des Rundbogens durch die Profilierung seiner Stirnseite, die Symmetrie und die gelagerten Proportionen sowie die Öffnung zum Platz durch die Treppe, die sich über die gesamte Breite der Loggia erstreckt. Nach wie vor umstritten ist, ob B. nur den u-förmigen Anfangsbau mit Fassadentrakt, quadrat. Hof, Kirche und Hospital plante oder von Beginn an eine vierseitig geschlossene und auch seitl. von Kirche und Hospital erweiterte Anlage vorsah. Die Veränderungen des Francesco della Luna an B.s Fassade hat Manetti überliefert und mit heftiger Kritik bedacht, so rechts die Hinzufügung eines weiteren Pilasterfeldes auf Kosten der Symmetrie (B. sah demnach zu Seiten der Loggia nur je ein Pilasterfeld vor), den umknickenden Architrav an den Kanten der Fassade, ihr zu gering ausgebildetes Dachgesims und das Fehlen von "pilastrelli" am Obergeschoß (s. dazu die Rekonstr. von Klotz und Saalman, 1993). S.Lorenzo, Alte Sakristei: um 1419-1429 / ohne Skulpturenschmuck; S.Croce, Pazzi-Kapelle: Planung um 1429; Baubeginn um 1442, bis kurz vor 1469. Die für Giovanni di Bicci de'Medici, den Vater Cosimos, erb. Alte Sakristei war urspr. wohl nur als Mausoleum der Medici gedacht (Giovanni, seine Frau Piccarda Bueri und 2 Söhne Cosimos wurden hier auch bestattet). Die Pazzi-Kapelle am ersten Kreuzgang des Klosters von S.Croce entstand im Auftrag von Andrea de'Pazzi als Kapitelsaal. Die Alte Sakristei ist B.s Debüt seiner Raumarchitektur und bereits ein Meisterwerk an Klarheit der Proportionen und geometr. Formen und ein Musterbeispiel seiner Regelstrenge in der Gliederung, die er hier wie bei fast allen seiner Bauten in bläulich grauem Sandstein (pietra serena) ausführte. Die verputzten Wände breiten sich - für B.s Baukunst gleichfalls programmatisch - als leere, weiße Flächen aus. Der Hauptraum ist ein Kubus von 11,50 m Seitenlänge, dem über Pendentifs die Halbkugel einer Schirmkuppel aufgesetzt ist. Mit ihm über das umlaufende Gebälk der korinth. Pilasterordnung verklammert ist ein kleiner, ebenfalls quadrat. Altarraum, der von einer einfachen Pendentifkuppel überwölbt wird. Prinzip der Gliederung ist nun, daß sämtl. Bögen (die Schildbögen in Haupt- und Altarraum wie auch der Chorbogen) von einem ganzen oder einem Teil eines Pilasters aufgefangen werden, wobei die Zahl der Kanneluren immer der Breite des Bogens entspricht. Weder die antike oder die frühchristl. Archit. noch jene der Florentiner Romanik kannte diese konsequente Verbindung der Gewölbe mit der Wand. Die Wurzeln liegen vielmehr im Dienst-Rippen-System der Gotik, wie es in Florenz der Dom mustergültig vorstellt. Dieses Prinzip behielt B. in allen seiner Bauten bei, auch in der Pazzi-Kapelle, die überdies eine mit der Alten Sakristei sehr ähnl. Gliederung aufweist (vgl. den Altarraum und die beiden konzentr. Arkaden der Chorwand, die in der Pazzi-Kapelle an allen vier Seiten des Hauptraumes in modifizierter Form vorkommen). Ihr architekturgeschichtl. bedeutsamer Portikus mit 6 korinth. Säulen und einer Attika, die von einem Bogen durchbrochen wird, kam erst nach B.s Tod zur Ausführung und weist im Abschluß auch einige Ungereimtheiten auf. (Dennoch war er von B. wohl geplant, v. dagegen G.Laschi/P.Roselli/P.A.Rossi, Commentari 13:1962, 24-41.) So ist das vollst. Gebälk über den kleinen Doppelpilastern der Attika ungewöhnl. (das Findelhaus legt statt dessen nur ein profiliertes Gesims nahe). Singulär im Werk B.s ist auch die geschlossene Kassettierung der Wölbungen, die zudem für den Unterbau zu schwer ist (weswegen die Säulen zum Großteil ausgewechselt werden mußten). Außerdem ragt die Pendentifkuppel des Mitteljochs zu weit hinauf, denn sie verdeckt den unteren Teil eines (heute zugemauerten) Rundfensters in der W-Wand der Kapelle. Dieses bliebe jedoch vollkommen frei bei einer Hängekuppel (vorgeschlagen auch von Saalman, 1993), deren Scheitel ja deutlich tiefer läge, und wenn das Dach (vermutl. ein Walmdach) einer Attika mit lediglich einem Abschlußgesims aufsitzen würde. S.Felicita, Barbadori-Kapelle: beg. um 1419, im 16. Jh. (anläßl. Jacopo Pontormos Ausmalung der Kap.) und im 18.Jh. stark verändert. Sie ist ein kleiner, an ein frühchristl. Ziborium erinnernder Vierstützenbau korinth. Ordnung mit eingespannten ion. Arkaden in der Südwestecke der Kirche. Als urspr. Abschluß wird an Stelle der heutigen, aus dem 18. Jh. stammenden Flachkuppel über Pendentifs eine Flachdecke bzw. eine hemisphär. Pendentifkuppel vorgeschlagen. Denkbar ist indes ebenso - auch im Hinblick auf Quellenaussagen, Gliederungsstruktur und um 1930 entdeckte Gliederungsreste aus der Zeit B.s - eine Hängekuppel über umlaufendem Gebälk. S.Lorenzo (errichtet über einer Unterkirche, beg. um 1421 mit Chorkapelle und Querhaus, Bauunterbrechung 1425-42, Langhaus ab ca. 1450-94) und S.Spirito (Planung um 1434; Lieferung der ersten Säule 1446 - 10 Tage vor B.s Tod, Aufstellung der Säulen ab 1454, 1482 Errichtung der im 18.Jh. veränderten Fassade): Beide Kirchen sind weiträumige, dreischiffige Säulenbasiliken korinth. Ordnung, wie sie in Florenz in roman. Bauten (S.Miniato al Monte oder SS.Apostoli) bereits vorgeprägt waren, die wiederum unmittelbar auf den Typus der frühchristl. Basilika zurückzuführen sind. Insofern verkörpern B.s Kirchen gleichsam Anfang und Ende der damals 1100 Jahre währenden Trad. der christl. Basilika, denn danach dominierte in Italien zuerst der Zentralbau und später die Saalkirche den Sakralbau. Die Mittelschiffe und Querarme sind flachgedeckt, die Vierungen und Seitenschiffe überkuppelt. In S.Spirito werden die Seitenschiffe auch im Querhaus und Chorarm als Umgang fortgeführt, was B. entgegen der Ausführung auch entlang der Eingangsseite vorsah (v. den vielleicht nach einem Modell B.s entstandenen Grundriß Giuliano da Sangallos; Vat. lat. Barb. 4424, fol. 14r). Um den Bau ist ein Kranz von 40 gleichförmigen, halbrunden Konchenkapellen gelegt, die außen eine gerade Mauer abschließt. In S.Lorenzo werden die Seitenschiffe von tonnengewölbten Kapellen begleitet, das Querhaus ist von Kapellen mit Hängekuppeln sowie einer flachgedeckten Chorkapelle umgeben. Während B. bei S.Lorenzo der roman. Vorgängerbau und spezif. Auflagen v.a. im Querhaus berücksichtigen mußte, konnte er S.Spirito hingegen frei disponieren. Den Grundriß legte er konsequent nach dem Prinzip des quadrat. Schematismus fest (Ausgangsgröße das Vierungsquadrat), und den Aufriß bestimmt das klare Verhältnis von 1:2 (Arkadenhöhe zur Gesamthöhe). Die Absicht zur totalen Regularisierung zeigt sich auch in der Gliederung, denn die offenen Säulenarkaden des Mittelschiffs wiederholen sich in den Seitenschiffen als halbierte Wandgliederung. In S.Lorenzo dagegen gliedern nicht Halbsäulen die Seitenschiffswände, sondern Pilaster mit fortlaufendem Gebälk. B.s Anteil wird bei S. Lorenzo kontrovers diskutiert. Die Aussagen Manettis deuten aber darauf hin, daß er nicht mit einer Erweiterung der alten roman. Kirche (V. Herzner, ZKg 37:1974, 89-115), sondern von Anfang an mit einem kompletten Neubau von Giovanni di Bicci de'Medici beauftragt wurde, wobei aber die von den Florentiner Bettelordenskirchen inspirierte Anordnung der Kapellen am Querhaus (vgl. etwa S.Croce) um 1418 vermutl. durch den Prior von S.Lorenzo, Matteo Dolfini, festgelegt worden war. Auch die Langhauskapellen waren nach Manetti von Anfang an geplant, sie wurden dann zwar kurzfristig aufgegeben, spätestens 1434 aber anscheinend wieder einbezogen. Aus diesem Jahr dat. ein Dok., dessen Inhalt wohl auf B. selbst zurückgeht (Saalman, 1993, schlägt als Autor dagegen Michelozzo di Bartolommeo vor) und das die Gliederung der Seitenschiffswände und die Kapellen präzis beschreibt; letztere allerdings nicht so, wie sie ausgef. wurden (querrechteckig und tonnengewölbt), sondern als halbrunde Konchen. Sie sollten außen durch eine gerade Mauer abgeschlossen werden. Bei S.Spirito hingegen sollten die Konchenkapellen frei heraustreten. Auch die Fassade von S.Spirito weicht wohl von seiner Planung ab, denn statt der 3 Portale waren nach Sangallos Grundriß 4 vorgesehen - analog zu den 4 Jochen des nicht ausgef. Umgangs. Städtebaulich weit wirkungsvoller wäre es überdies gewesen, wenn S. Spirito - so wie von B. nach Manetti anfangs vorgeschlagen - mit der Fassade zum Arno gerichtet mit einem Platz davor erb. worden wäre. Pal. della Parte Guelfa, Sala Nuova (ca. 1430-34/ab 1442 ?): Pal. um 1426 im herkömml., dreigeschossigen Schema beg., das B. aber radikal veränderte. Denn er setzte dem Erdgeschoß nur ein Obergeschoß mit riesigen Rundbogenfenstern und darüber liegenden Oculi auf und gliederte die Kanten mit gewaltigen, bis zum Kranzgesims aufsteigenden Pilastern, die im Abschluß allerdings unvoll. blieben. Diese Aufwertung des Obergeschosses zum veritablen piano nobile weist bereits auf den Palastbau der röm. Hochrenaiss. hin, erfuhr in Florenz aber keine direkte Nachfolge. Das piano nobile birgt den in seinen Ausmaßen repräsentativen Saal, dessen Gliederung aber erst nach B.s Tod (ab 1452) und wohl nicht in dessen Sinne ausgef. wurde; außerdem verminderte G.Vasari die Saalhöhe, als er ab 1558 zw. Rundbogenfenstern und Oculi eine kassettierte Holzdecke einzog. Da die äußeren Pilaster also zugleich die Dimensionen des Saales markieren, ist die Annahme naheliegend, daß B. im Saal eine Analogie zur Außengliederung beabsichtigte: also je einen Pilaster nur seitl. der Ecken, profilierte Rahmen um Rundbogenfenster und Oculi, ein Gesims über den Pilasterkapitellen und als Abschluß vermutl. eine kassettierte Holzdecke (zu weiteren Rekonstruktionen des Saales v. Battisti). S.Maria degli Angeli (Ausführung ab 1434, Baueinstellung 1437 bei knapp 7 m Höhe): Der heutige Bau ist im Abschluß v.a. ein Ergebnis der 1934-37 durchgeführten Rest.- und willkürl. Ergänzungsmaßnahmen. Der zum einstigen Kamaldolenser-Kloster gehörige Zentralbau ist im Hauptraum ein Oktogon, das sich an jeder Seite in hohen Pilasterarkaden zu quadrat. Kapellen öffnet. Zw. den Kapellen ergaben sich dadurch dreieckige Restbereiche, die das Oktogon außen zum Sechzehneck erweitern. Diese Restbereiche werden durchtrennt von einem schmalen Durchgang und weisen sowohl an beiden Innenseiten wie auch außen eine Nische auf. Das Polygon geht auf eine Stiftung von Matteo und Andrea Scolari zurück und sollte zunächst offenbar freistehend auf einem westl. des Klosters gelegenen Platz errichtet werden. Nach einem Dok. v. 15.5.1434 wurde dieser Bauplatz allerdings aufgegeben und das Polygon näher an die Konventsbauten herangerückt. Außerdem sollte ihm eine mehrachsige Loggia angefügt werden, die anscheinend aber gar nicht erst beg. wurde. Der um 1450 entstandene Codex des Bartolomeo Rustichi enthält eine Außenansicht, die jedoch ungenau ist und mit den got. Spitzgiebeln und den an Fialen erinnernden Aufsätzen wohl nur als ein zwar früher, aber nicht sehr glaubwürdiger Rekonstruktionsversuch des nicht fertig gestellten Baues gelten kann. Für die Gliederung im Inneren ist v.a. die Aufrißskizze G. da Sangallos aufschlußreich (Vat.lat. Barb. 4424, fol. 15v). Sie umfaßt zwei Oktogonseiten und zeigt in den Ecken lisenenartige Rücklagen. Darüber folgt ein Gebälk und dann um Oculi geführte Blendbögen, die auf diese Rücklagen bezogen sind. Ob B. tatsächl. nur Lisenen vorsah, ist indes fraglich, da in seinen Bauten die Bögen sonst von Ordnungsstützen aufgefangen werden; daher sind korinth. Eckpilaster zu erwägen. Singulär im Werk B.s wäre auch das zweite Gebälk über den Blendbögen, das die perspektiv. Skizze eines Anonymus des 16. Jh. wiedergibt (Florenz, Bibl. Laurenziana, Codex Ashburnham 1828 App.f 85). Statt dessen ist nur ein Gesims anzunehmen und darüber ein achtseitiges Klostergewölbe. Auch die Tonnenwölbungen der Kapellen auf dieser Skizze entsprechen wohl nicht der Planung B.s. Erh. Gliederungsreste in den Kapellen legen vielmehr Hängekuppeln nahe (zu weiteren Rekonstruktionen der Angeli v. G.Miarelli Mariani, Palladio 22-25:1974-76, 45-74). Obwohl nie voll., faszinierte der "tempio" der Angeli aus gutem Grund Generationen von Architekten. Denn er ist der erste reine Zentralbau der Renaiss., der zudem die wesentlichsten Forderungen Albertis bereits erfüllt, die er 20 Jahre später in seinem Architekturtraktat an den idealen Sakralbau stellen sollte. Doch standen für diese Innovationen abermals nicht antike Bauten Pate, sondern zwei ma. in Florenz, das Baptisterium und die Chortribunen des Domes. Zur Zeit B.s allerdings galt das Baptisterium als ein antikes Mon., das in eine Taufkirche umgewandelt worden war; und bes. im Inneren ist diese Auffassung durchaus nachvollziehbar (vgl. das Pantheon in Rom).

Bibliographie

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