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Allgemeines Künstlerlexikon - Internationale Künstlerdatenbank - Online

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Vita

Fathy, Hassan, ägypt. Architekt, Fachautor, *23.3.1900 Alexandria, †30.11.1989 Kairo. ∞Aziza Hassanein.

Biogramm

Stud.: 1920-26 Abschluß High School of Engineering (heute Univ.), Kairo. 1926-30 tätig am Dept. of Municipal Affairs, Kairo. 1930-46 und 1953-57 Doz. an der Fac. of FA Kairo, ab 1954 Ltg der Archit.-Abt. 1949-52 Dir. des School Building Dept. des Bildungsministeriums ebd. 1950 Berater des United Nations Relief and Works Agency. 1957 geht F., enttäuscht nach dem durch Manipulation gescheiterten Prototyp-Schulprojekt in Fares, nach Athen als Archit.-Berater bei Doxiades Assoc. und lehrt am Athener Technical Inst. 1963 Rückkehr nach Kairo, Ltg einiger Projekte für das ägypt. Forschungsministerium. 1966 UN-Berater für ein landwirtschaftl. Entwicklungsprojekt in Saudi-Arabien. 1967 Vorlesungen an der Al-Azhar-Univ. Kairo über "Phil. und Ästhetik in Stadtplanung und Archit.". 1975-77 Lehrtätigkeit an der Landwirtschafts-Fak. der Univ. Kairo. 1978 Gründung des Internat. Inst. for Appropriate Technology. Ausz.: 1959 Encouragement Prize for FA and Gold-Med.; 1975 Staatspreis für die Schönen Künste und Ausz. der Republik; 1980 Agha Khan Award of Archit.; 1984 Gold-Med. der Union Internat. des Architectes. - F. ist der bedeutendste ägypt. Architekt des 20.Jh., dessen Leistung in der Entwicklung eines universellen, die ökonom., ökolog. und sozialen Aspekte integrierenden Archit.-Konzeptes liegt, das durch die Rückbesinnung auf trad. regionale Bauweisen eine arab. Alternative zur internat. Moderne darstellt. Neben seinen Entwürfen (über 110, davon aber nur ca. 35 realisiert) wirkte er v.a. pädagog. und publizist., z.B. in seinem Buch Archit. of the Poor (1973), in dem er seine Erfahrungen mit dem Projekt in New Gourna beschrieb. F.s Schaffen gliederte sich in fünf Phasen: die frühen Projekte (1928-37) sind noch klass. und europ. orientiert. In der zweiten Phase (bis 1956) erarbeitete er sich, zunächst nur in Gouachen und lavierten Zchngn von hohem künstler. Eigenwert, sein in ägypt.-arab. Trad. wurzelndes Archit.-Programm, das er erst ab 1941 mit dem ersten Bauauftrag (Farmkomplex in Bahtim) prakt. umzusetzen begann. Basis seiner Tätigkeit war eine grundsätzl. Analyse und Kritik an der Industrialisierung und der daraus resultierenden Probleme wie Bevölkerungswachstum, Landflucht und Armut. Vor diesem Hintergrund versuchte er Grundsätze für eine ressourcenschonende, energiesparende und kostengünstige Archit., v.a. für ärmere Bevölkerungsschichten, zu entwerfen. Vorbilder fand er in den Bauten aus Lehmziegeln v.a. in Oberägypten. Andererseits studierte er an den Klöstern im Wadi Natrum Raumgliederung und v.a. Bogen-, Kuppel- und Gewölbekonstruktionen aus Lehmziegeln. Für den Wohnungsbau untersuchte er den Hausbau im islam. Kairo unter Rückgriff auf kunstgesch.-archäol. Forschung unter mehreren Gesichtspunkten: energiesparende Klimatisierung durch Nutzung der Verdunstungskühle mittels Brunnen und Wasserrinnen (arab. salsabīl) wie in Fustāt oder Luftzirkulation mittels Windfängern (arab. malkaf) in mamluk. und osman. Wohnhäusern. Typ. Einzelelemente des Wohnbaus wie Hof (arab. ṣaḥn) oder Empfangshalle (arab. qāᶜat) boten ihm Grundelemente sowohl sozial-funktionaler als auch ästhet. Art. Weitere Anregungen zur Wölbung unterschiedlichster Raumarten ohne teure Leergerüste gab ihm die nub. Archit. Oberägyptens. Da dieses trad. Wissen verlorengegangen war, mußten Baumethoden erst experimentell erprobt bzw. wie beim Farmkomplex in Bahtim durch nub. Handwerker beim Bau der zentralen Kuppel, der Wölbungen der umliegenden Räume und der Bogen-Öffnungen zur zentralen Halle erst wieder prakt. vermittelt werden. Auch wurde die Bevölkerung in den Bauprozeß einbezogen, um sie zu eigenständiger Herstellung der Bau-Mat. und zur Wartung der Gebäude zu befähigen. Seine Auffassung war, daß die kreative Leistung in der Archit. nicht bei einem einzelnen Künstler liegt, sondern aus einer Gemeinschaft kommt. So entwickelte F. in der Synthese von Trad. und Bedürfnissen in anfangs eher schlichten, schweren Wohnbauten und Villen, z.B. dem Hamid-Said-Studio (1942, erweitert 1945) oder Stopplaere-Haus (1952), auf gleichen Grundprinzipien doch immer unterschiedl. Lösungen, von der Kombination von Empfangshalle und Fam.-Räumen über die Gliederung von geschlossenen und offenen Flächen bis zum Einsatz von Schmuckelementen wie farb. Glasfenster, Windfang oder Sonnenschutz. Wichtiger noch als die Einzelbauten waren F.s Dorfprojekte als viel beachtete Versuche der archit. Organisation trad. Gemeinwesen. 1946-53 führte er sein bekanntestes und erstes großes Projekt im Auftrag des Dept. of Antiquities durch, den Bau des Dorfes New Gourna bei Luxor, das ihm erstmals auch internat. Anerkennung verschaffte. Diese Umsiedlungsmaßnahme eines Grabräuberdorfes in der Nähe des Tals der Könige sollte Modell-Char. bekommen, wenngleich von 900 geplanten Häusern nur 130 fertig wurden. Das bekannteste Bauwerk ist die Hofmoschee, die mit dem offenen Aufgang zum Minarett und einer Kuppel über dem Mihrab-Joch deutlich den nub. Vorbildern folgt. Keines der aus ungebrannten Lehmziegeln erb. Wohnhäuser gleicht dem anderen, obgleich sie alle Variationen der Elemente "Hof", "Räume", "Kuppeln" sind. Demgegenüber zeigen die Häuser des 1950 aus Kalkstein und gebrannten Ziegeln erb. Dorfes Luat Sahara einen eher einheitl. Stil, während Schule und Moschee reich gestaltet sind. Die dritte Schaffensphase F.s in Athen (1957-62) war gekennzeichnet durch Experimente mit and. Bau-Mat. und Projekte in Griechenland, Sudan, Saudi-Arabien und Pakistan, auch urbane Entwürfe, darunter einer "city of the future". 1963 begann mit der Rückkehr nach Ägypten die vierte, produktivste Schaffensperiode, in der seine Gebäude (z.B. das Riad-Haus in Shabramant, 1967; F.s ägypt. Haus in Sidi Krier, 1971; das Samy-Haus in Dashour, 1979) bei Wahrung klarer Einfachheit komplexer und reicher gegliedert sind. Sein letztes Dorfprojekt Bariz Village in der Kharga-Oase (beg. 1967) schloß mit den überdeckten Passagen der Lehmbau-Palmenholz-Bauten an die Archit. der Wüstenorte an. In der letzten Periode ab 1980 sind wenige, aber sehr versch., den Wünschen der Bauherrn flexibel angepaßte Bauten entstanden (u.a. das Sadat Rest Haus in Gharf-Hussain, 1981; das Greiss-Haus in Abu Sier, 1984), darunter eines seiner wenigen im Ausland realisierten Projekte Dar al-Islam (1980) in den USA. Durch die Rückbesinnung auf die techn. Möglichkeiten der Vergangenheit nahm F., der oft als "poet of the mud-brick" bez. wurde, nicht nur eine künstler., sondern auch eine polit. Position mit panarabist. Konnotation ein. So sollte seiner Auffassung nach die Wiederherstellung des Nationalstolzes durch die Tätigkeit des Bauens ein Ziel des Architekten sein. Obwohl die meisten seiner Projekte unrealisiert blieben, manche seiner Bauwerke z.T. verändert oder zerst. sind, war F. - nicht zuletzt aufgrund enger Zusammenarbeit mit anderen Künstlern und seiner Lehrtätigkeit - eine der wichtigsten Identifikationsfiguren mehrerer Generationen ägypt. Architekten und der ägypt.-arab. Kunstszene. Obgleich in der Öffentlichkeit geehrt und mit staatl. Aufträgen beschäftigt, war F. auch sehr umstritten und galt bei mod. orientierten Kollegen lange als anachronist.-naiv. Zur Erforschung seines Nachlasses wurden vom Aga Khan Trust for Archit. die Hassan-Fathy-Archives gegründet.

Werke

Abiquiu/New Mexico: Dar al-Islam Inst. of Islamic Stud., 1980. Algier: Univ., 1960. Assuan: High Institute of Social Anthropology and Folk Art, 1962. Boston: Moschee, 1980. Garagos: Keramikfabrik und Kultur- und Gesundheitszentrum, 1950. Gizeh: al-Mushrabiyya, Touristendorf, 1976. Luxor: Insel-Gest. zum Nilfestival, 1977. New Gourna: Siedlung mit Moschee, 1946-48. Talkha: Grundschule, 1928.

Selbstzeugnisse

Bücher: Gourna. A tale of two villages, Cairo 1969 (frz. u.d.T.: Construire avec le peuple. Hist. d'un village d'Egypte, Gourna, 2 Bde, P. 21977); Urban archit. in the Middle East, Beirut 1971 (auf Arabisch); Archit. for the poor. An experiment in rural Egypt, Chicago 1973; Natural energy and vernacular archit., ed. W.Shearer/Abd-el-rahman Ahmed Sultan, Chicago 1986. - Art. etc.: Archit. franç. 8:1947(73/74)78-82; Le pays d'utopie, La Revue du Caire 24:1949, 8-35; La voûte dans l'archit. égyptienne, ibid. 27:1951, 14-20; Atlantic monthly 198:1956, 156 s.; Internat. labour rev. 85:1962, 1-17; Planning and building in the Arab trad., in: The New Metropolis and the Arab world, ed. M.Berger, New Delhi 1963, 211-229; Ekistics 21:1966(124)214-219; 22:1966(130)203 s.; Archit. d'aujourd'hui 39:1968(140)12-17; Colloque internat. sur l'histoire du Caire (1969), Caire 1972, 135-152; Constancy, transposition and change in the Arab city, in: L.C. Brown (Ed.), From Madina to Metropolis, Pr. 1973; Self-Help Mud Building, Egypt Archit. design 46:1976, 596; Lectures at Dar el-Islam, Abiquiu, N.Mex. Mexico, 1980 (unveröff.).

Ausstellungen

E: E: 1981 Spring, School of Archit. and Planning, MIT: H.F., architect: an exhib. of selected projects (K) / 2000 Kairo, AUC: Hassan Fathy Centennial Exhib. - G: 1982 Venedig: Bienn. (Sektor Archit.). - G: 2008 Dakar: Bienn. Dak'Art.

Bibliographie

Macmillan II, 1982; Hatje, 1983; M.Emanuel (Ed.), Contemp. architects, N.Y. u.a. 31994 (Lit.); DA X, 1996; Dict. de l'archit. du XXe s., P. 1996; Dict. des architectes, P. 1999. Addenda: Dict. de l'archit. du XXe s., P. 1996 (*Kairo); J.M. Bloom/S.S. Blair (Ed.), The Grove enc. of Islamic art and archit., II, Ox. u.a. 2009. R.Lasserre, Vie, art, cité 1950(5)33-35; J.M. Richards, Archit. 1970(146)109-118; K.M.G. El-Araby, J. of the Amer. Inst. of Planners 38:1972, 190-191 (Rez. zu: Gourna. A tale of two villages); Y.Blumenfeld, Archit. Assoc. quart. 6:1974(3/4)53-57; U.Cliff, Design & environment 7:1976(1)22-25; J.-P. Cousin, Archit. aujourd'hui 1978(195)42-78; A.N. Durkee, Via 1980(7)58-75; S.Friedländer, Geo 1981(3)91-98; U.Kultermann, Werk, Bauen und Wohnen 68:1981(12)6-8; T.Scalesse, Storia architettura 5:1982(1)111-113; J.Steele, Arts and the Islamic world 1982(1)31-35; Archit. nei paesi islamici (K Bienn.), Ve. 1982; D.Dillon, ProgrArchit 64:1983(Juni)90-92; R.Holod/D.Rastorfer (Ed.), Archit. and community. Building in the Islamic world today, Millerton, N.Y. 1983, 235-245; J.M. Richards u.a., H.F., Singapore 1985; T.Wik, H.F. - arkitekt i tredje världen, Sth. 1986; F.Afshar, Mimar 20:1986; S.Farid/R.El-Dahan, Arch plus 1987(88)67 s.; T.Weil, ibid. 69-73; J.Steele, H.F., Lo. 1988 (Archit. monogr., 13); Architekten - H.F., St. 1990 (IRB-Lit.-Auslese, 3065); 21993; 31997; I.Serageldin/J.Steele (Ed.), Archit. of the contemp. mosque, Lo. 1996; M.Scharabi, in: W.Ende/U.Steinbach (Ed.), Der Islam in der Gegenwart, M. 41996; J.Steele, An archit. for the people. The complete works of H.F., Lo. 1997; Große Architekten, II, Ha. 21998; Architekten - H.F.: Lit.-Dokumentation, eine Fach-Bibliogr., St. 2000. Addenda: G.Tawadros/S.Campbell (Ed.), Fault lines. Contemp. African art and shifting landscapes (K Bienn. Venedig), Lo. 2003. Online: archINFORM, 2003.

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