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Allgemeines Künstlerlexikon - Internationale Künstlerdatenbank - Online

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Vita

Fiorentino, Mario, ital. Architekt, *5.6.1918 Rom, †25.12.1982 ebd.

Biogramm

Stud.: bis 1944 Archit. in Rom. 1950-52 Mitgl. des nat. Rates des Ist. Naz. di Urbanistica. Neben seiner prakt. Tätigkeit als Architekt unterrichtete er an der ingenieurwiss. Fak. in Rom (Tecnica urbanistica, 1948-60), an der Fak. für Wirtschaft und Handel in Ancona (Economia urbanistica, 1965-68) und ab 1969 an der Fak. für Archit. in Rom (Compozione, ab 1969). Ab 1977 Mitgl. der Accad. di S.Luca. Kulturpolit. bereits 1945 als Mitgl. in der Assoc. per l'archit. organica (APAO) engagiert, mit der Bruno Zevi eine Ern. der Archit.-Sprache propagierte, debütierte F. als Architekt mit seiner Beteiligung am Entwurf der Gedenkstätte der Fosse Ardeatine. Das Mon. (1944-51), das aus dem ersten Archit.-Wettb. nach dem Krieg hervorging, hat einen hohen Symbolwert und steht zus. mit dem Mailänder Mon. für die KZ-Opfer in Deutschland (1946, von B.B.P.R.) auch für den Neubeginn der Archit. im demokrat. Italien. F. gilt als Vertreter der "röm. Schule" der Archit. und ist in seiner Entwicklung stark von Mario Ridolfi beeinflußt worden. Erstmals arbeiteten beide bei der Red. des Manuale dell'architetto (1946) zus., einem techn. Standardwerk in der Zeit des Wiederaufbaus. Später nahm F. in der Gruppe um Ridolfi am Wettb. für die Wartehalle der Stazione Termini teil, war an dessen kühner Aufstockung des Villino Alatri in der Via Paisiello beteiligt und sammelte v.a. wertvolle Erfahrungen bei Planung und Errichtung des Wohnviertels INA Casa Tiburtino (mit M.Ridolfi, L.Quaroni u.a., 1950-54), das als ein Manifest der neorealist. Archit. gilt. Dieses Projekt nimmt aufgrund der Originalität seiner Archit.-Sprache und seiner besonderen Integration in den Stadtraum nicht nur einen hohen Rang in der röm. Archit. der 1950er Jahre ein, sondern wurde auch zum Vorbild aller and. Siedlungen des INA. In der Arbeit mit Ridolfi erlernte F. jene "minuziöse, aufmerksame und intelligente Suche nach einer Kultur des Entwerfens und Bauens" (Gorio, 1959/60), die bereits sein erstes selbständiges Projekt kennzeichnet, ein Mehrzweckgebäude in Lariano (1947/48). Seither beschäftigte sich F. mit dem Problem der Schaffung von Wohnraum und entwickelte sich im Zuge seiner Auseinandersetzung zunächst mit der Technik der Vorfabrikation, später mit dem Planungsansatz des "Metaprojekts", zu einem der führenden ital. Experten für sozialen Wohnungsbau. Die Ergebnisse seiner Studien setzte er unmittelbar in kleineren Projekten um, wie dem Viertel UNRRA-CASAS San Basilo in Rom (mit Serena Boselli, 1951-54), aber auch in größeren Komplexen, wie den Wohnvierteln INA Casa S. Panagia in Syrakus (mit and., 1957), Soccavo-Canzanella in Neapel (1960-63), Vanvitelli in Caserta (mit and., 1964-66), bei denen er sowohl typolog. wie archit.-formalen Aspekten eine für Sozialbauten ungewöhnl. große Beachtung schenkte. Er beteiligte sich aktiv an der Debatte um die Industrialisierung des Bauens und erprobte sie mit Erfolg auch prakt. in Gestalt seiner acht Wohntürme an dem Viale Etiopia in Rom (1957-60,. für das Ist. naz. delle assicurazioni). Die Qualität der Bauten liegt im subtil abgestimmten Entwurf der Einzelteile, ihre Aktualität in der Verbindung von trad. Bautechniken mit vorfabrizierten Elementen. Für dieses Werk und für die Modell-Siedlung Latte Dolce in Sassari (mit and., 1959-64) erhielt er 1961 den Premio INARCH. Vollst. mit industriell vorgefertigten Elementen entworfen sind dagegen zwei weitere Wohntürme an dem Viale Etiopia (mit H.Huber, 1962) und die Gebäude an der Via dei Monti di Pietralata in Rom (mit and., 1963). Angesichts seines kontinuierl. Einsatzes für öff. Belange wurde F. in den 1960er Jahren von der röm. Stadtverwaltung neben Piero Maria Lugli, Vincenzo Passarelli, Luigi Piccinato und Michele Valori in die Komm. für den Generalbebauungsplan von 1962 berufen. Der Plan basierte auf einer "asse attrezzato", die den östl. Stadtteilen eine systemat. Ausrichtung verleihen sollte, und rief intensive Debatten hervor. Für seine Umsetzung wurde das Studio Asse (1967-70) gegründet, in dem unter der Ltg von F. und L.Passarelli so bed. Planer wie L. Quaroni, B.Zevi, F. und V.Passarelli und R. Morandi arbeiteten. Die Arbeit des Studios blieb ergebnislos, aber nicht zuletzt vor dem Hintergrund dieser Erfahrung muß das viell. bekannteste und meistdiskutierte Werk F.s gesehen werden: Corviale, eine Großsiedlung des Iacp (Ist. Autonomo Case Popolari) in Rom für 8500 Bewohner, die F. mit einem Team von 28 Planern entwarf. Fasziniert von der Idee des "Metaprojekts" als großem urbanist. Zeichen und zugleich Lösung des Wohnungsproblems, konzipierte F. diesen größten in Italien je realisierten Wohnkomplex in Form einer Reihe von parallelen Gebäudezügen, beherrscht von einem gut einen Kilometer langen Hauptgebäude. Bei diesem handelt sich um eine riesige "unità di abitazione" für 6300 Menschen, mit Wohnungen, Geschäften und Gemeinschaftsbereichen auf elf Stockwerken (1972-82). Von Beginn an heftig umstritten, erregt das Großprojekt noch heute Kritik wegen der sozialen Probleme, die aus den teils nicht realisierten urbanist. Plänen erwachsen, und wegen der ungenügenden Sanitäreinrichtungen. - Wichtige Wettb.-Beteiligungen: Sanierung des Quartiere dei Sassi in Matera, 1954-58; Gerichtsgebäude in Rom, 1958. - F. war einer der Hauptvertreter der röm. Archit. der 2. H. 20. Jh. Seine Teilnahme am Widerstand, ein Gefängnisaufenthalt aus polit. Gründen und seine Mitgl. in der 1942 gegr. linksliberalen Aktionspartei (Partito d'Azione) waren auch für seine akad. und prakt. Arbeit prägend, die stets dem Grundsatz einer starken sozialen Verpflichtung folgte.

Werke

Weitere Werke: Neapel-Portici: Wohnheim der agrar-wiss. Fak. (mit B. Dubois), 1957. Rom: Wohnhaus an der Villa Balestra (mit W.Romanowsky), 1954-57; Via dei Monti di Pietralata: Wohngebäude (mit and.), 1963.

Bibliographie

CatBolaffiArch, 1966; DEAU II, 1968; Macmillan II, 1982; DBI XLVIII, 1997 (Lit.); Hatje, 1998; C.Olmo (Ed.), Diz. dell'archit. del XX sec., II, T. 2000; V.Magnago Lampugnani (Ed.), Diz. dell'archit. del Novecento, Mi. 2000. F.Gorio, L'archit. Cronache e storia 5:1959/60(45); L.Quaroni, ibid. 16:1970/71(182); V.Gregotti, Casabella 47:1983(489); F.Moschini u.a. (Ed.), M.F. La casa, progetti 1946-1981, R. 1985; A.Belluzzi/C.Conforti, Archit. ital. 1944-1994, Bari 1985; 21994; G.Ciucci/F.Dal Co, Archit. ital. del Novecento, Mi. 1990; F.Dal Co (Ed.), Storia dell'archit. ital. Il secondo Novecento, Mi. 1997.

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