Während Autobiographien auf dem literarischen Markt immer noch als authentische Zeugnisse gelebten Lebens gehandelt werden, hatte sich bereits die lebensphilosophisch-hermeneutische Forschung im Gefolge Diltheys und im Blick auf den Goetheschen Prototyp Dichtung und Wahrheit auf die höhere, die ‚symbolische‘ Wahrheit der Autobiographie verständigt. Im Laufe des 20. Jahrhunderts verabschiedete sich die kritische Autobiographieforschung von der autobiographischen ‚Wahrheit‘ zugunsten des Authentizitätskriteriums der ‚Wahrhaftigkeit‘ und richtete ihre kritische Aufmerksamkeit zum einen auf die ‚Identität‘ und ‚Individualität‘ des Autobiographen / der Autobiographin und zum anderen auf den Kunstcharakter der Autobiographie. Die poststrukturalistische Toterklärung des Subjekts und der dem sprachlichen Zeichen seit den 60er Jahren des 20. Jahrhunderts diagnostizierte Bedeutungsverlust entzogen der Autobiographie schließlich die Referenz, um sie im dekonstruktiven Verständnis als eine rhetorische Falle zu beschreiben. Erst im Zuge der performativen Wende ist es möglich geworden, Zeichenhaftigkeit und Referenz im sprachlichen Setzungsakt selbst zusammenzudenken. Ausgangs- und Bezugspunkt ist in dieser Perspektive nicht mehr die außersprachliche Wirklichkeit oder die Authentizität des historisch Geschehenen, sondern die sprachliche Erzeugung von Lebensrealität als geschichtlicher oder auch politischer Vorgang.

Arbitrium
Zeitschrift für Rezensionen zur germanistischen Literaturwissenschaft
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, Deformierte Lebensbilder. Erzählmodelle der Nachkriegsautobiographie (1945–1969). 2000
Martina Wagner-Egelhaaf
1Universität Münster, Institut für Deutsche Philologie II, Domplatz 23, D-48143 Münster. egelhaa@uni-muenster.de
Citation Information: Arbitrium. Volume 21, Issue 2, Pages 238–242, ISSN (Print) 0723-2977, DOI: 10.1515/ARBI.2003.238, December 2007
Publication History:
- Published Online:
- 2007-12-12


















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