„Die Oper und ihr verwandte musiktheatrale Gattungen bildeten in Deutschland zwischen 1680 und 1740 die wichtigste Form des Theaters“ (S. 1). Dieser erste Satz des Buches von Bernhard Jahn, Die Sinne und die Oper, das aus seiner Habilitationsschrift an der Universität Magdeburg hervorgegangen ist, beschreibt für Germanisten keine Selbstverständlichkeit. In vielen deutschen Literaturgeschichten kommt die Zeit zwischen 1680 und 1730 schlichtweg nicht vor: das gilt nicht nur für die Oper, für sie aber in besonderem Maße. Entsprechend muß Jahn in einem Einleitungskapitel zunächst die Mechanismen einer Ausgrenzung nachzeichnen, die zum einen auf die Gottschedsche Literaturdebatte zurückgehen, zum anderen auf die fachspezifische Ausdifferenzierung der Wissenschaften im 19. und 20. Jahrhundert, die dazu geführt haben, daß rund 90 Prozent der im untersuchten Zeitraum auf deutschen Bühnen aufgeführten Schauspiele kaum auf Interesse seitens der germanistischen Forschung gestoßen sind, weil es sich dabei um „Singe-Spiele“ oder „Schau-Spiele mit Music“ gehandelt hat. Daß mit dieser Ausgrenzung auch zentrale Themen zeitgenössischer poetologischer und ästhetischer Diskussionen aus dem Blickfeld geraten sind, zeigt Jahns Studie eindrucksvoll. Sie kann dabei an einige germanistische Arbeiten zur Hamburger Oper, wie die von Eberhard Haufe, vor allem aber an Jörg Krämers umfangreiche Studie zum deutschsprachigen Musiktheater in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts anschließen.

Arbitrium
Zeitschrift für Rezensionen zur germanistischen Literaturwissenschaft
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1Universität München, Internationales Doktorandenkolleg, „Textualität in der Vormoderne“, Theresienstraße 37–41, D-80333 München. dirk.rose@germanistik.uni-muenchen.de
Citation Information: Arbitrium. Volume 24, Issue 1, Pages 65–68, ISSN (Print) 0723-2977, DOI: 10.1515/ARBI.2006.65, December 2007
Publication History:
- Published Online:
- 2007-12-12


















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