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Publication Date:
September 2006
ISSN:
1613-1134
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10.1515/KANT.2006.022

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Kant-Studien

Philosophische Zeitschrift der Kant-Gesellschaft

Ed. by Baum, Manfred / Dörflinger, Bernd / Klemme, Heiner F.

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Das Paradox des Regelfolgens in Kants Moralphilosophie

Verena Mayer1

1

Citation Information: Kant Studien. Volume 97, Issue 3, Pages 343–368, ISSN (Online) 1613-1134, ISSN (Print) 0022-8877, DOI: 10.1515/KANT.2006.022, September 2006

Publication History:
Published Online:
2006-09-15

1 Das Paradox des Regelfolgens

Regeln im Sinne von Handlungsvorschriften setzen ihre Anwendbarkeit schon begrifflich voraus. Alle Regeln regeln mögliches Verhalten, seien es Verkehrsregeln, juridische Gesetze, mathematische und logische Verfahren, und selbst „Bedeutungs-postulate“, die festlegen, wie ein Ausdruck verständlich zu verwenden ist. Regeln ohne irgendeinen möglichen Anwendungsspielraum sind sinnlos. Dabei werden durch Regeln nicht nur mögliche Anwendungen präsupponiert, sondern umgekehrt aus gegebenen Tatsachen oder Ereignissen Regelmäßigkeiten herausgelesen, die sich in der Regel ausdrücken. Die Regel bezeichnet in diesem Sinne das „Prinzip hinter den Tatsachen“, das sie diesen freilich in gewisser Weise erst andichtet. Zweck dieses Vorgehens ist nicht zuletzt, die mögliche Fortsetzung der Tatsachenreihe gleichzeitig zu bestimmen und zu begründen, jedenfalls aber eine gewisse Ordnung, Rechtfertigung und Voraussagbarkeit des Handelns zu gewährleisten. Regelanwendung verlangt deshalb eine komplexe geistige Kompetenz, die nicht nur Fähigkeiten der Abstraktion und Reflexion, sondern auch Können und Erfahrung voraussetzt.

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