Zusammenfassung
Dieser Beitrag konzentriert sich auf eine starke und auf eine schwache Seite von Bayers Zugang zu Luthers Theologie. So wird als Stärke angesehen, dass das Thema der Rechtfertigung in Luthers Theologie als allumfassend angesetzt wird. Dagegen besteht eine Schwäche in der Art und Weise, wie Bayer durch Luthers Dialektik der zwei Arten, in denen Gott sich verbirgt – also verborgen »unter dem Gegenteil« und absolut verborgen – hindurch bricht, indem er die beiden trennt und diese Aufteilung als Kriterium verwendet, um zwischen einer Periode, in der Luther die reformatorische Einsicht vollständig ausarbeitet, und einem vor-reformatorischen Luther zu unterscheiden. Diese Luther-Interpretation sollte nochmals überdacht werden, denn sie verneint die Entsprechung und die kontrapunktisch zu verstehende Beziehung zwischen dieser doppelten Verborgenheit im Lichte des »offenbaren Gottes«. Ein ähnliches Problem taucht dann auf, wenn Bayer die Rede vom dreieinigen Gott, die ausschließlich am Evangelium orientiert ist, unterscheidet von einer allgemeinen Art und Weise, von Gott zu reden, die allein auf dem Gesetz basiert. Luthers Vorstellung, dass die Unterscheidung zwischen Gesetz und Evangelium vollständig in Gottes Offenbarung des Evangeliums integriert ist, widerspricht einer solchen Unterscheidung. Dieser Beitrag betrachtet nicht nur die Unterscheidung zwischen einem unreifen (Kreuzestheologie) und einem reifen Luther, der alle Implikationen der reformatorischen Einsicht ausgearbeitet hat, als unnötig, sondern er würdigt den jungen Luther als einen Theologen, der in der Lage ist, dasjenige zusammen zu halten, was beim späten Luther auseinander zu fallen droht. Glücklicherweise beinhaltet Bayers Studie auch Anknüpfungsmöglichkeiten für eine solche Interpretation Luthers, die die positiven ebenso wie die negativen Aspekte beider Arten der Verborgenheit ebenso wie Gesetz und Evangelium in einem einzigen kontinuierlichen Prozess integriert.



















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