ZUSAMMENFASSUNG
In der christlichen Theologie hat das ontologische Argument – sofern man es überhaupt als Vernunftbeweis der wirklichen oder notwendigen Existenz Gottes deutete – von wenigen Ausnahmen abgesehen zuletzt keine positive Rolle gespielt. Gleichwohl stand es in der Geschichte der westlichen Religionsphilosophie lange in hohem Ansehen. In der Philosophie erfreut es sich seit seiner Wiederbelebung in der zweiten Hälfte des zwanzigsten Jahrhunderts großer Aufmerksamkeit und wird keineswegs einmütig abgelehnt. Dieser Aufsatz unternimmt eine Neubewertung anhand einer Diskussion von vier prominenten Versionen des ontologischen Beweises: den Argumenten Anselms im Proslogion, dem Beweis von Descartes sowie dem von Hartshorne und Plantinga aufgegriffenen modalen Argument von Leibniz. War es die Absicht Anselms, die Existenz Gottes zu beweisen, und wie verhalten sich seine Argumente zu ihren modernen Gegenstücken? Ein großer Teil des Aufsatzes dient der Untersuchung geläufiger Einwände gegen den ontologischen Beweis in seiner nicht-modalen und modalen Form; dabei liegt ein besonderes Augenmerk auf den in der jüngeren Theologie verbreiteten Einwänden. Keine dieser Kritiken erscheint durchschlagend. Die einzige einigermaßen aussichtsreiche Strategie zur Widerlegung des Beweises dürfte darin bestehen, bereits die logische Möglichkeit eines höchst vollkommenen Wesens zu bestreiten. Im Ergebnis erweisen sich die Aussichten auf eine Widerlegung des ontologischen Beweises als weitaus schlechter als in der gegenwärtigen Theologie zumeist angenommen.


















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