Digitalisierung der Arbeit und Interessenvertretungen

Dr. Fabian Hoose
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  • Universität Duisburg-Essen, Institut Arbeit und Qualifikation (IAQ), Forsthausweg 2, 47057, Duisburg, Deutschland
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, Prof. Dr. Thomas Haipeter
  • Universität Duisburg-Essen, Institut Arbeit und Qualifikation (IAQ), Forsthausweg 2, 47057, Duisburg, Deutschland
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and Dr. Peter Ittermann
  • Technische Universität Dortmund, Sozialforschungsstelle Dortmund, Evinger Platz 17, 44339, Dortmund, Deutschland
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Zusammenfassung

Der Beitrag folgt den laufenden Debatten zur Digitalisierung der Arbeitswelt, fragt jedoch nicht allein nach ihren arbeitsbezogenen Folgen, sondern stellt die Auswirkungen digitaler Technologien für die betriebliche Interessenvertretung in das Zentrum des Interesses. Denn trotz ihrer großen Bedeutung sind die Fragen des Umgangs der Interessenvertretungen der Arbeitnehmer mit den Herausforderungen und Chancen der Digitalisierung kaum erforscht. Mit digitalen Kommunikationsformen eröffnen sich für die Mitbestimmungsakteure sowohl neue Möglichkeiten wie auch Risiken betrieblicher Aushandlungsbedingungen. Im vorliegenden Text werden daher der Stellenwert und die Entwicklung digitaler Kommunikations- und Beteiligungsprozesse im Interessenvertretungshandeln von Erwerbstätigen diskutiert. Zunächst wird dabei auf die Herausforderungen eingegangen, vor die betriebliche Interessenvertretungen durch die Digitalisierung gestellt werden. Im Anschluss daran konzentriert sich die Betrachtung auf zwei Schwerpunkte des digitalen Wandels, die Industrie 4.0 und die Plattformökonomie. Zunächst wird das Augenmerk auf die Frage gelenkt, wie etablierte Betriebsräte und Gewerkschaften im verarbeitenden Gewerbe auf die Herausforderungen der Industrie 4.0 reagieren. Danach wird untersucht, welche neuen Interessenvertretungsformen digitaler Arbeit in der Plattformökonomie entstehen. Im Beitrag werden diese Veränderungen konzeptionell beleuchtet. Dabei wird auf hierzu vorliegende Forschung zurückgegriffen, zudem wird auf empirisch gewonnene Eindrücke aus der laufenden Forschungsarbeit der Autoren rekurriert. Abschließend werden offene Fragen festgehalten und entsprechende Forschungsperspektiven umrissen.

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