Verschwörungsmentalität und Extremismus – Befunde aus Befragungsstudien in der Schweiz

Prof. Dr. Dirk Baier 1  and Prof. Dr. Patrik Manzoni 2
  • 1 ZHAW Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften, Departement Soziale Arbeit, Pfingstweidstrasse 96, Zürich, Switzerland
  • 2 Departement Soziale Arbeit, , Pfingstweidstrasse 96, Zürich, Switzerland
Prof. Dr. Dirk Baier
  • Corresponding author
  • ZHAW Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften, Departement Soziale Arbeit, Pfingstweidstrasse 96, Zürich, Switzerland
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and Prof. Dr. Patrik Manzoni

Zusammenfassung

Im Beitrag wird einerseits der Zusammenhang zwischen der Verschwörungsmentalität und gewaltbereiten extremistischen Einstellungen untersucht. Andererseits werden Einflussfaktoren der Verschwörungsmentalität betrachtet, wobei angenommen wird, dass anomische Einstellungen, eine Distanz zum politischen System und Autoritarismus die Zustimmung zu einer Verschwörungsmentalität erhöhen. Zur Prüfung der Annahmen wird auf zwei Befragungsstudien zurückgegriffen: eine schweizweite Jugendbefragung unter 8.317 Schülerinnen und Schülern und eine schweizweite Repräsentativbefragung unter 2.111 Erwachsenen. In beiden Stichproben zeigen sich weitestgehend vergleichbare Befunde: Anomische Einstellungen, geringes Institutionenvertrauen und politische Deprivation erhöhen die Zustimmung zur Verschwörungsmentalität, Autoritarismus hingegen nicht. Eine stärker ausgeprägte Verschwörungsmentalität wiederum erhöht die Zustimmung zu extremistischen Einstellungen, wobei dieser Zusammenhang in der Jugendstichprobe stärker ausgeprägt ist als in der Erwachsenenstichprobe.

1 Einleitung

Verschwörungstheorien sind nicht erst im aktuellen Zeitalter von Social Media und Fake News Gegenstand sozialwissenschaftlicher Forschung. Bereits Popper setzte sich mit ihnen auseinander; seine Definition lautete: Eine solche »Theorie behauptet, daß die Erklärung eines sozialen Phänomens in dem Nachweis besteht, daß gewisse Menschen oder Gruppen an dem Eintreten dieses Ereignisses interessiert waren und daß sie konspiriert haben, um es herbeizuführen« (Popper 1992 [1957]), 112). In Anlehnung daran gehen auch aktuellere Definitionen davon aus, dass Verschwörungstheorien Versuche darstellen »to explain the ultimate causes of significant social and political events and circumstances with claims of secret plots by two or more powerful actors« (Douglas et al. 2019, 4).

Verschwörungstheorien werden dabei nicht deshalb geglaubt, weil sie rational und kognitiv überzeugend wären, sondern weil sie u. a. dazu beitragen, das eigene Weltbild zu festigen (Salzborn 2017); sie erfüllen also spezifische individuelle Bedürfnisse. Dementsprechend werden ihnen verschiedene Funktionen attestiert, die anscheinend in Gegenwartsgesellschaften weiterhin von besonderer Bedeutsamkeit sind, wird die hohe Anzahl und Verbreitung verschiedener zirkulierender Verschwörungstheorien betrachtet (u. a. 9/11-Verschwörungstheorien, Leugnung der Mondlandung, Reichsbürgerbewegung, Chemtrails). Zu diesen Funktionen gehört u. a. die Komplexitätsreduktion (die Komplexität moderner Gesellschaften und ihrer Prozesse wird auf einfache Erklärungen verkürzt, was Orientierung gibt), die Kontingenzbewältigung (fehlende Vorhersehbarkeit und Ungewissheit wird sinnhaft interpretiert) und die Identitätsstiftung (die durch eine Unterscheidung von Freund- und Feindbildern und die damit einhergehende Vergemeinschaftung ermöglicht wird; vgl. u. a. Metzenthin 2019).

Wenn Menschen Verschwörungstheorien zustimmen, so weisen sie eine Verschwörungsmentalität auf. Diese stellt nach Imhoff (2014, 334) eine »politische Einstellung« dar, die die Wahrnehmung beinhaltet, dass die Welt »durch im Geheimen ausgeheckte Pläne und Verabredungen« gekennzeichnet ist. Im englischen Sprachraum wird auch von »conspiracy belief« (Douglas et al. 2019, 4) gesprochen (»refers to belief in a specific conspiracy theory, or set of conspiracy theories«). Solch ein Glaube oder eine Mentalität ist dabei in ein breiteres Weltbild eingebunden und stellt eine »generalisierte Einstellung« (Imhoff 2014) oder ein »conspiracy mindset« (Douglas et al. 2019, 5) dar. Dies bedeutet, dass Personen, die bestimmten Verschwörungstheorien Glauben schenken, auch anderen Theorien zustimmen; zudem wird die Verschwörungsmentalität durch andere Einstellungen und Orientierungen gestützt und beeinflusst (s. u.).

Insbesondere die Konstruktion von Freund- und Feindbildern, die Förderung von »Differenz und Polarisierung« (Eser Davolio 2019, 19), erklärt, warum eine Verschwörungsmentalität auch mit der Zustimmung zu extremistischen Orientierungen einhergehen sollte: Die Feinde, einmal als Feinde konstruiert, können bekämpft werden; der Gewalteinsatz zur Durchsetzung der Ziele der Eigengruppe ist legitim. »Verschwörungstheorien eignen sich somit sehr gut [...] zur Legitimation von Gewalt« (Eser Davolio 2019, 21). Vor diesem Hintergrund möchte die vorliegende Studie den Zusammenhang zwischen Verschwörungstheorien und extremistischen Einstellungen empirisch untersuchen. Hierfür wird zunächst der Forschungsstand zu ausgewählten Einflussfaktoren der Zustimmung zu Verschwörungstheorien sowie zum Zusammenhang von Verschwörungstheorien und Extremismus vorgestellt.

2 Forschungsstand

Wird die vorhandene Forschung zu möglichen Folgen von Verschwörungsmentalitäten betrachtet, so ist mit Douglas et al. (2017, 540) zu konstatieren: »Although scholars have theorized about the consequences of conspiracy beliefs for their adherents and the community, relatively little empirical research has been done to explore them.« In vergleichbarer Weise äußern sich Douglas et al. (2019, 23): »most research has focused on the causes rather than the consequences of conspiracy theorizing.« Gleichwohl wurden durchaus verschiedene Folgen von Verschwörungstheorien untersucht, bspw. Zusammenhänge mit Vorurteilen und politischem Engagement (vgl. u. a. Douglas et al. 2019). Anhand existierender Studien kann zudem gefolgert werden, dass Verschwörungsmentalitäten und extremistische Einstellungen miteinander in Zusammenhang stehen: »Conspiracy theories may be associated with increased radicalized and extremist behavior« (Douglas et al. 2019, 20).

Krouwel et al. (2017) zeigen anhand einer schwedischen Online-Stichprobe, dass politisch extremere Einstellungen und Verschwörungsmentalitäten korrelieren; dies gilt sowohl für links- wie für rechtsextreme politische Positionen. Die Zusammenhänge lassen sich mit verschiedenen übereinstimmenden Merkmalen von Verschwörungstheorien und extremistischen Weltbildern erklären: Hierzu gehören das Schwarz-Weiß-Denken, Freund-Feind-Schemata, Einfachheit der Erklärungsmuster und Intoleranz (vgl. auch Bartlett & Miller 2010; van Prooijen & Krouwel 2019). Van Prooijen et al. (2015, 571) folgern in Bezug auf die Beziehung zwischen Verschwörungsmentalität und Extremismus: »Hence, although conspiracy theories can differ substantially in content, they are driven by similar underlying psychological processes.« In ihren Analysen können die Autoren belegen, dass ein solcher psychologischer Prozess in einem »highly structured thinking style that is aimed at making sense of societal events« besteht (van Prooijen et al. 2015, 576), was als Hinweis darauf interpretiert werden kann, dass Autoritarismus mit Verschwörungsmentalitäten und extremistischen Einstellungen in Beziehung stehen sollte, insofern autoritäre Personen als »wenig flexibel, rigide und konventionalistisch« gelten (Rippl et al. 2007, 172). Erwähnenswert in diesem Zusammenhang ist auch die Studie von Uscinski & Parent (2014), die zeigen konnte, dass diejenigen, die allgemein zu Verschwörungstheorien neigen, eher der Meinung zustimmten, dass Gewalt ein akzeptabler Weg sei, um Unzufriedenheit mit der Arbeit der Regierung auszudrücken. Auch Imhoff & Bruder (2014) bestätigen, dass Personen, die stärker Verschwörungstheorien zustimmen, eher bereit sind, sich für einen politischen Wandel einzusetzen. Dass Verschwörungstheorien zudem das Verhalten beeinflussen, belegt eine Studie von Jolley et al. (2019). Zwar wurde in dieser nicht extremistisches Verhalten untersucht; es zeigt sich in der Studie aber ein Zusammenhang zwischen Verschwörungsmentalität und Alltagskriminalität (u. a. Barzahlung, um Steuern zu vermeiden; Verschweigen von Mängeln bei Second-Hand-Verkauf), was entsprechend der Autoren u. a. damit zu erklären ist, dass anomische Einstellungen, die delinquentes Verhalten wahrscheinlicher machen, mit Verschwörungsmentalitäten einhergehen. Mit Lamberty (2017, 77) lässt sich alles in allem folgern, dass »erste Indizieren [sic] zur Rolle von Verschwörungstheorien für Radikalisierungsprozesse existieren«, dass aber gleichzeitig »die empirische Basis [...] noch lange nicht zufriedenstellend ist«.

Die erwähnten Forschungsbefunde machen zugleich darauf aufmerksam, dass bei der Analyse des Zusammenhangs von Verschwörungsmentalität und Extremismus weitere Faktoren wie anomische und autoritäre Einstellungen berücksichtigt werden sollten, die mit der Verschwörungsmentalität zu korrelieren scheinen. In der Literatur zu Verschwörungsmentalitäten werden diese dabei meist als individuelle Einflussfaktoren diskutiert. Dass anomische Wahrnehmungen bzw. Einstellungen diesbezüglich bedeutsam sind, wird bspw. damit erklärt, dass Menschen »die Lebensverhältnisse in der postmodernen Gesellschaft [...] als permanent krisenhaft oder zumindest riskant« (Ruch 2019, 44) erleben und dies zu einer Art »Flucht in die Sicherheit« (Oesterreich 1996) von Verschwörungstheorien führen kann. Darüber hinaus wird davon ausgegangen, dass sich Personen, die das Vertrauen in demokratische Institutionen verloren haben, Verschwörungstheorien zuwenden, die »gedeihen [...] wenn Menschen sich von Entscheidungsprozessen ausgeschlossen fühlen« (Pöhlmann 2019, 94). Vermutet wird ebenfalls, dass insbesondere diejenigen Personen zu Verschwörungsmentalitäten neigen, die sich stark an Autoritäten orientieren, d. h. autoritär eingestellt sind, dies u. a. deshalb, weil diese Pluralität und Toleranz distanziert gegenüberstehende Orientierung mit dem »Totalitätsanspruch eines Verschwörungsglaubens« (Pöhlmann 2019, 107) übereinstimmt. Es kann also gefolgert werden, dass allgemeingesellschaftliche Orientierungen (Anomie), politikbezogene Einstellungen (fehlendes Vertrauen, Machtlosigkeit) und Persönlichkeitsmerkmale (Autoritarismus) die Zustimmung zu Verschwörungstheorien beeinflussen – Merkmale also, die ebenfalls als Einflussfaktoren des Extremismus diskutiert werden (u. a. Lösel et al. 2018).

Werden die Befunde empirischer Studien betrachtet, so werden diese Annahmen weitestgehend bestätigt. Goertzel (1994) berichtet auf Basis einer US-amerikanischen Befragung, dass anomische Orientierungen mit höherer Verschwörungsmentalität einhergehen, wobei diese Variable insgesamt den stärksten Einfluss aller analysierten Faktoren ausübt. Zusätzlich wurde für die Zugehörigkeit zur Gruppe der Migranten ein erhöhender, für das interpersonelle Vertrauen ein reduzierender Einfluss auf die Verschwörungsmentalität festgestellt. Unsicherheitserleben und der damit verbundene Kontrollverlust stellen eine Grundlage dar, warum Verschwörungstheorien geglaubt wird: »Der Glaube [...] könnte dabei eine Möglichkeit sein, Kontrolle wiederzuerlangen, da sie den Versuch darstellen, Ordnung ins Chaos zu bringen« (Lamberty 2017, 73). Ebenfalls anhand einer Stichprobe aus den USA, wobei Studierende einbezogen wurden, berichten Abalakina-Paap et al. (1999), dass eine höhere Anomieeinschätzung, aber ebenso ein höherer Autoritarismus sowie die Einschätzung der Machtlosigkeit (powerlessness) mit stärkerer Zustimmung zu Verschwörungstheorien korrelieren.

Enge Zusammenhänge zwischen politikbezogenen Einstellungen und Verschwörungmentalitäten können Swami et al. (2010) anhand eines britischen Samples bestätigen. Ihre Ergebnisse lauten:

«For participants who reject the political system, believing it to be undemocratic or cynical, mainstream explanations of an event do not suffice, because they are provided by the very sources (political authorities) that these participants doubt. These individuals may also feel powerless to confront political authorities, and in such a scenario, beliefs in conspiracy theories [...] allows them to exert some control over their lives« (Swami et al. 2010, 759).

Auch Douglas et al. (2019, 8) folgern auf Basis ihres Literaturüberblicks: »Conspiracy beliefs are correlated with alienation from the political system and anomie«; »low political trust, feelings of powerlessness, uncertainty, and unpredictability« (Douglas et al. 2019, 10) sind entsprechend der Autoren relevante Einflussfaktoren von Verschwörungsmentalitäten. Ebenso bestätigen Swami & Coles (2010, 562), dass es »significant associations between conspiracist ideation and anomie, distrust in authority, political cynicism, powerlessness« gibt (vgl. zum Einfluss des politischen Zynismus auch Swami 2012). Brotherton at al. (2013) bestätigen anhand einer angelsächsischen Online-Befragung, dass Verschwörungsmentalität negativ mit interpersonalem Vertrauen und positiv mit anomischen Einstellungen korreliert.

Die Studie von van Prooijen & Acker (2015), die eine US-amerikanische Erwachsenenstichprobe untersuchen, zeigt ebenfalls, dass ein höheres Vertrauen in die Regierung mit einer geringeren Verschwörungsmentalität einhergeht; zudem macht diese Studie darauf aufmerksam, dass eine wichtige Kontrollvariable für Zusammenhangsanalysen das Bildungsniveau von Befragten ist: eine höhere Bildung senkt die Zustimmung zu Verschwörungstheorien. Den signifikanten Einfluss niedriger Bildung auf Verschwörungsmentalitäten erklärt u. a. van Prooijen: Weil niedrig gebildetere Personen seltener Kontrollüberzeugungen aufweisen (gemessen in Bezug auf politische Entscheidungen; z. B. »Citizens can influence government decisions«, van Prooijen 2017, 54) und stärker der Auffassung sind, dass es einfache Lösungen für Probleme in Gegenwartsgesellschaften gibt (z. B. »Most societal problems have a clear cause and a simple solution«, van Prooijen 2017, 54), stimmen sie häufiger Verschwörungstheorien zu. Die Auswertungen einer Bevölkerungsbefragung aus Italien zeigen hingegen, dass politisches Vertrauen nicht mit Verschwörungstheorien in Zusammenhang steht, wobei darauf hinzuweisen ist, dass das verwendete Instrument vor allem Vertrauen in Parteien (und nicht in gesellschaftliche Institutionen allgemein) erfasst hat (Mancosu et al. 2017). Die Studie konnte zugleich ebenfalls belegen, dass eine höhere Bildung mit einer geringeren Verschwörungsmentalität einhergeht.

Richey (2017) untersucht anhand einer Stichprobe aus den USA den Zusammenhang von Autoritarismus und Verschwörungsmentalität und vermutet, dass autoritäre Personen eher zu dieser Mentalität neigen: »The combination of distrust in the system combined with a difficulty with cognitive problems and a general resistance to correct false beliefs would make authoritarians highly susceptible holding conspiracy beliefs« (Richey 2017, 467). Unter Nutzung einer spezifischen Skala zur Messung von Autoritarismus – genutzt wird nicht das vielfach eingesetzte Instrument von Altemeyer (1996), sondern eine Frage danach, zu welchen Eigenschaften Kinder erzogen werden sollten (z. B. Gehorsam, gute Umgangsformen) – wird festgestellt, dass Autoritarismus ein dominanter Einflussfaktor ist: »Authoritarian personality is an important predictor of holding conspiracy theory beliefs« (Richey 2017, 480).

Autoritarismus weist auch in der Studie von Bruder et al. (2013) einen mittelstarken Zusammenhang mit der Verschwörungsmentalität auf. Neben anderen signifikanten Korrelationen werden in dieser Befragung an einer deutschen Universität zudem Einflüsse der Anomieeinschätzung und der Wahrnehmung von Machtlosigkeit (powerlessness) auf eine erhöhte Verschwörungsmentalität berichtet.

Allerdings weisen nicht alle Studien auf einen Zusammenhang zwischen Autoritarismus und Verschwörungsmentalität hin. Imhoff & Bruder (2014) berichten bspw. anhand einer Bevölkerungsbefragung eine nicht signifikante Korrelation zwischen diesen Variablen; gleichwohl wird in einer zweiten Studie ein mittlerer Zusammenhang bestätigt. Stichprobenbesonderheiten sowie eingesetzte Messinstrumente dürften insofern einen Einfluss auf Zusammenhänge zwischen unabhängigen Variablen und der Verschwörungsmentalität haben. Alles in allem folgern Wood & Douglas (2018): »People who are high in the psychological variable of right-wing authoritarianism [...] are more likely to buy into conspiracy theories.« Auf der Basis von Befragungen in sechs europäischen Ländern folgert auch Drochon (2018, 344), dass »right-wing respondents more readily accepted conspiracy theory statements«. Eine Studie aus Polen kommt zu demselben Schluss: Zwischen Autoritarismus und Verschwörungsmentalitäten besteht eine mittelstarke Korrelation (Grzesiak-Feldman & Irzycka 2009; vgl. für entsprechende Ergebnisse einer Studie aus Malaysia Swami 2012).

In Deutschland wurde sich der Verschwörungsmentalität bereits wiederholt in repräsentativen Befragungsstudien unter Erwachsenen gewidmet, für die Schweiz liegen bislang hingegen keine vergleichbaren Studienergebnisse vor. Rees & Lamberty (2019) berichten unter Verwendung einer Fünf-Item-Skala, dass je nach Item zwischen 11,6 und 45,7 % der Befragten eine Zustimmung äußerten. »Insgesamt 38,5 Prozent der Befragten bewegten sich über alle Aussagen hinweg betrachtet durchschnittlich auf der zustimmenden Seite« (Rees & Lamberty 2019, 221) – Verschwörungsmentalitäten sind in der bundesdeutschen Bevölkerung mithin recht weit verbreitet. Die Auswertungen dieser Studie zeigen weiterhin, dass Personen, die der Verschwörungsmentalität zustimmen, häufiger menschenfeindliche Einstellungen vertreten und zudem eine höhere Gewaltbereitschaft aufweisen (Rees & Lamberty 2019, 215 ff.). Decker et al. (2016) nutzten ebenfalls eine Fünf-Item-Skala, anhand derer sie einen Anteil an Befragten von 33,3 % bestimmen, die eine Verschwörungsmentalität aufweisen; dieser Anteil ist dabei im Vergleich zum Jahr 2012 leicht rückläufig (37,7 %). Zu dieser Verschwörungsmentalität wird zudem berichtet, dass sie »eng an die autoritäre Orientierung geknüpft ist« (Decker & Brähler 2016, 102).

Werden die vorhandenen Befunde zusammengefasst, lassen sich für die nachfolgenden Auswertungen drei zu prüfende Hypothesen formulieren. Hypothese 1 nimmt dabei an, dass anomische Einstellungen, eine Distanz zum politischen System (geringes Vertrauen, geringes Wirksamkeitserleben) und Autoritarismus die Zustimmung zu einer Verschwörungsmentalität erhöhen. Hypothese 2 geht davon aus, dass je stärker die Verschwörungsmentalität ausgeprägt ist, umso eher extremistische Einstellungen befürwortet werden; die Verschwörungsmentalität sollte dabei den Einfluss der in Hypothese 1 genannten Variablen auf extremistische Einstellungen zumindest teilweise mediieren. Hypothese 3 nimmt schließlich an, dass sich die verschiedenen Zusammenhänge für verschiedene Altersgruppen in gleicher Weise zeigen, also nicht für junge Menschen, die eine höhere Affinität zum Extremismus aufweisen (vgl. u. a. Baier & Boehnke 2008), spezifisch sind. Eine solche Hypothese wurde in den vorliegenden Studien bislang nicht explizit geprüft; da sich die verschiedenen vorgestellten Zusammenhänge aber in unterschiedlichen Samples gezeigt haben (in Studierenden- ebenso wie in Erwachsenenstichproben, in Stichproben aus verschiedenen Ländern), ist davon auszugehen, dass sie nicht abhängig vom Lebensalter der Befragten sind.

3 Stichproben und Messinstrumente

3.1 Stichproben

Douglas et al. folgern auf Basis ihres Literatur-Reviews: »Specifically, to be more confident in the power of research findings, we would recommend the use of larger, more representative samples« (Douglas et al. 2019, 21). Mit dieser Empfehlung übereinstimmend werden im Folgenden zwei umfangreiche Stichproben zur Prüfung der Hypothesen herangezogen: eine Jugend- und eine Erwachsenenstichprobe aus der Schweiz.

Bei der Jugendstichprobe handelt es sich um eine schulklassenbasierte Online-Befragung, die von geschulten Interviewerinnen und Interviewern bzw. Lehrkräften administriert wurde. Im Vorfeld der Befragung wurde entschieden, die Altersgruppe der durchschnittlich 17- und 18-jährigen Jugendlichen zu erreichen, weil in dieser etwas älteren Jugendgruppe erwartet werden konnte, dass eine mehr oder weniger stabile politische Orientierung ausgebildet ist – im Mittelpunkt der Befragung stand die Erhebung von Linksextremismus, Rechtsextremismus und islamistischem Extremismus (vgl. Manzoni et al. 2018).

Für die Befragung wurde keine schweizweite Repräsentativität beansprucht, da diese bei 26 Kantonen nur mit hohem Aufwand zu erreichen wäre. Stattdessen wurde die Befragung in zehn Kantonen durchgeführt, die hinsichtlich ihrer geografischen Lage, ihres städtischen bzw. ländlichen Charakters sowie ihres Anteils an Muslimen die Variabilität der Schweiz zumindest in Teilen abbildet. Die Datenerhebung fand im Zeitraum von April bis Dezember 2017 statt.

Einbezogen wurden folgende Schulformen: Berufsschule (inkl. Berufsmaturität), Übergangsausbildung1, Gymnasium und Fach-/Wirtschaftsmittelschule. Je nach Kanton wurden die für eine Befragungsteilnahme vorgesehenen Klassen je Schulform per Zufallsziehung bestimmt oder es wurden alle Schulen gebeten, an der Befragung teilzunehmen (und danach wurde jede zweite bzw. dritte Klasse in die Stichprobe aufgenommen).

In den zehn Kantonen wurden insgesamt 232 Schulen angesprochen, sich an der Befragung zu beteiligen; nur 123 Schulen und damit nur etwa die Hälfte (53,0 %) sind der Bitte nachgekommen. In den Schulen, die einer Beteiligung zustimmten, wurden insgesamt 722 Klassen für Befragungen ausgewählt. 127 Klassen lehnten eine Befragung aus verschiedenen Gründen ab; 595 Klassen standen für eine Befragung zur Verfügung. In diesen wurden 9.293 Schülerinnen und Schüler unterrichtet, von denen 8.317 und damit 89,5 % an der Befragung teilgenommen haben. Wird die Gesamt-Rücklaufquote berechnet, dann ergibt sich eine Quote von 39,1 % (inkl. ablehnende Schulen und Klassen).

Die Zusammensetzung der Stichprobe stellt sich wie folgt dar: 55,8 % der Jugendlichen weisen ein Alter von 17 oder 18 Jahren auf; 22,5 % sind jünger, 21,7 % älter. Etwa die Hälfte der befragten Jugendlichen ist männlich (49,7 %), 50,3 % sind weiblich. Von allen Befragten besuchen 52,0 % die Berufsschule, 12,3 % die Fach-/Wirtschaftsmittelschule bzw. Berufsmaturität, 9,3 % eine Übergangsausbildung und 26,4 % ein Gymnasium – letztgenannte Befragte werden als Befragte mit hoher Bildung eingestuft. Der Anteil an Jugendlichen, die selbst Sozialhilfe bzw. deren Eltern Arbeitslosengeld oder Sozialhilfe erhalten, liegt in der Stichprobe bei 18,8 % (abhängig von staatlichen Transferleistungen). Zusätzlich sollten die Jugendlichen die Einwohnerzahl ihrer Gemeinde mitteilen. Unterschieden werden drei Gemeindegrößen: In einer ländlichen Gemeinde mit unter 5.000 Einwohnerinnen und Einwohnern leben 44,7 % aller befragten Schülerinnen und Schüler, in einer kleinstädtischen Gemeinde bis unter 20.000 Einwohner 37,6 %, in einer städtischen Gemeinde ab 20.000 Einwohner 17,7 %. Der Anteil an Jugendlichen mit Migrationshintergrund liegt in der Stichprobe bei 52,1 %. Um den Migrationshintergrund zu bestimmen, wurden die Jugendlichen gebeten, anzugeben, in welchem Land die leibliche Mutter und der leibliche Vater geboren worden sind. Wenn mindestens ein Elternteil nicht in der Schweiz geboren wurde, dann wird vom Vorliegen eines Migrationshintergrunds bei einem Befragten ausgegangen.

Bei der Erwachsenenstichprobe handelt es sich um eine repräsentative postalische Befragung (Baier 2019). Die zufällige Ziehung von Adressen erfolgte durch ein Marketing-Unternehmen, wobei insgesamt 10.749 Adressen bzw. Personen in die Stichprobe einbezogen wurden; pro Kanton wurden zwischen 150 und 1.761 Personen in die Stichprobe aufgenommen. Beim Versand der Fragebögen wurde zusätzlich als Anreiz ein Kugelschreiber sowie ein adressierter Rückumschlag beigelegt. Die Fragebögen wurden im Februar 2018 verschickt. Etwa drei Wochen später wurde zusätzlich ein Erinnerungsschreiben versendet.

Von den 10.749 Adressen war eine kleine Anzahl ungültig (verzogen, verstorben usw.; 225 Adressen). Auswertbare Fragebögen lagen zu 2.111 Personen vor. Dies bedeutet, dass eine Rücklaufquote von 20,1 % erreicht wurde. Das Alter der Befragten reichte von 18 bis 85 Jahren. Hinsichtlich des Alters, des Geschlechts und der Kantonszugehörigkeit wich die Stichprobe von der Verteilung in der Grundgesamtheit ab, weshalb ein Gewichtungsfaktor berechnet wurde; alle nachfolgend präsentierten deskriptiven Auswertungen der Erwachsenenstichprobe basieren auf gewichteten Daten.

Die gewichtete Erwachsenenstichprobe kann wie folgt beschrieben werden: 50,4 % der Befragten sind weiblich, 49,6 % männlich. Das Durchschnittsalter beträgt 49.3 Jahre. 37,0 % der Befragten leben in einer ländlichen Region (unter 5.000 Einwohner), 33,9 % in einer kleinstädtischen Region (unter 20.000 Einwohner), 29,1 % in einer städtischen Region (ab 20.000 Einwohner). 22,2 % der Befragten haben einen Migrationshintergrund (eigene Staatsangehörigkeit oder eigenes Geburtsland nicht Schweiz). 4,1 % der Befragten haben einen niedrigen Bildungsabschluss (keinen Abschluss), 40,9 % einen mittleren Abschluss (Sekundar-, Real-, Bezirksschulabschluss) und 55,0 % einen hohen Bildungsabschluss (Maturität, Studium). 3,6 % der Befragten berichten davon, dass sie selbst aktuell arbeitslos sind oder Arbeitslosengeld bzw. Sozialhilfe beziehen.

3.2 Messinstrumente

Zur Erfassung von Verschwörungsmentalitäten kamen in der Vergangenheit verschiedene Messinstrumente zum Einsatz. Wiederholt wurde bspw. die Zustimmung zu konkreten Verschwörungstheorien wie »The FBI was involved in the assassination of Martin Luther King« (Goertzel 1994) oder »The financial crisis was planned by bankers and politicians for their personal gain« (Krouwel et al. 2017) erfasst. Zudem liegen Studien vor, die die Verschwörungsmentalität mit einem Ein-Item-Instrument erfasst haben (Lantian et al. 2016; »I think that the official version of the events given by the authorities very often hides the truth«) sowie Studien, die Skalen mit mehreren Items verwendeten (Bruder et al. 2013; Brotherton et al. 2013). Am weitesten verbreitet sind Studien, die nach der Zustimmung zu konkreten Verschwörungstheorien fragen. Swami et al. (2017) berichten in Bezug auf die meisten vorhandenen Instrumente Probleme hinsichtlich der internen Konsistenz (Eindimensionalität) und der Validität. Es zeichnet sich daher bislang kein Konsens dahingehend ab, welches Messinstrument besonders geeignet wäre, Verschwörungsmentalitäten zu erfassen.

In beiden vorliegenden Befragungen kam eine gekürzte Skala von Imhoff (2014) zum Einsatz, die ursprünglich fünf Items enthält. Aufgenommen wurden jeweils die drei Items, bei denen eine hohe Zustimmung eine Verschwörungsmentalität signalisiert (Tabelle 1; Antwortkategorien von »1 – stimmt gar nicht« bis »6 – stimmt völlig«). Die Reliabilität der Skala ist in beiden Stichproben gegeben (Cronbachs Alpha = .81 bzw. .74). Bezogen auf die Befragten, die den Aussagen im Durchschnitt zustimmen (Mittelwert über 3.5), ergibt sich, dass insgesamt 31,4 % der Jugendlichen und 35,9 % der Erwachsenen eine ausgeprägte Verschwörungsmentalität aufweisen. Diese Werte sind vergleichbar mit denen der bundesdeutschen Studien (Rees & Lamberty 2019; Decker et al. 2016).

Tabelle 1

Items und deskriptive Statistiken der Skala Verschwörungsmentalität

Jugend-stichprobeErwachsenen-stichprobe
Mittel-wertAnteil ZustimmungMittel-wertAnteil

Zustimmung
V1: Die meisten Menschen erkennen nicht, in welchem Ausmaß unser Leben durch Verschwörungen bestimmt wird, die im Geheimen ausgeheckt werden.2.7835,12.9235,6
V2: Es gibt geheime Organisationen, die großen Einfluss auf politische Ent-scheidungen haben.3.0240,43.2946,2
V3: Politiker und andere Führungspersönlichkeiten sind nur Marionetten der dahinterstehenden Mächte.2.8133,43.2441,5
Skala2.8731,43.1535,9
Cronbachs Alpha.81.74

Weitere, in beiden Befragungen in identischer Weise eingesetzte Instrumente sind in Tabelle 2 aufgeführt. Mit Ausnahme des Institutionenvertrauens waren die Aussagen auf einer Antwortskala von »1 – stimmt gar nicht« bis »6 – stimmt völlig« zu beantworten (Institutionenvertrauen: von »1 – überhaupt nicht« bis »10 – voll und ganz«). Die abhängige Variable der Analyse bilden extremistische Einstellungen, die mit dem von Ribeaud et al. (2017) entwickelten Vier-Item-Instrument »gewaltbereite extremistische Einstellungen« erfasst wurden. Zu beachten ist bei dieser Skala: »Die Aussagen wurden so formuliert, dass sie Gewaltausübung als politisches Mittel darstellen, unabhängig spezifischer rechter, linker oder religiöser Ideologien« (Ribeaud et al. 2017, 2), d. h. es wird die Befürwortung extremistischer Gewalt unabhängig von der konkreten ideologischen Ausrichtung erfasst. Wie die Analysen von Manzoni et al. (2018, 50 f.) zeigen konnten, korreliert die Skala tatsächlich sowohl mit rechtsextremen, linksextremen und islamistisch extremen Einstellungen. Die Reliabilität der Skala ist in beiden vorliegenden Stichproben gegeben; die Zustimmung fällt in der Jugendstichprobe mit 13,1 % höher aus als in der Erwachsenenstichprobe (7,4 %); einzelnen Items wird aber sowohl von den Jugendlichen als auch den Erwachsenen in hohem Maße zugestimmt.

Anomische Einstellungen wurden mit zwei Items aus dem Anomie-Instrument von Fischer & Kohr (2014) erfasst. Beide Items bilden ein reliables Messinstrument. Die Zustimmung zu den Items wie zur Gesamtskala fällt hoch aus: 58,1 % der Jugendlichen und 44,7 % der Erwachsenen weisen auf der Mittelwertskala einen Mittelwert über 3.5 auf.

Tabelle 2:

Items und deskriptive Statistiken verschiedener Skalen

Jugend-stichprobeErwachsenen-stichprobe
Mittel-wertAnteil Zu-stimmungMittel-wertAnteil Zu-stimmung
gewaltbereite extremistische EinstellungenE1: Es ist in Ordnung, Gruppen zu unterstützen, die mit Gewalt gegen Ungerechtigkeiten kämpfen.2.5529,52.0512,0
E2: Es ist manchmal nötig, mit Gewalt, Anschlägen oder Entführungen für eine bessere Welt zu kämpfen.1.7811,51.627,0
E3: Manchmal müssen Menschen zu Gewalt greifen, um ihre Werte, Überzeugungen oder ihren Glauben zu verteidigen.2.2722,22.2921,3
E4: Es ist manchmal nötig, Gewalt anzuwenden, um gegen Dinge zu kämpfen, die sehr ungerecht sind.2.6933,02.3423,7
Skala2.3313,12.087,4
Cronbachs Alpha.76.75
AnomieA1: In diesen Tagen ist alles so unsicher geworden, dass man auf alles gefasst sein muss.3.9767,53.5053,5
A2: Wenn man die Ereignisse der letzten Jahre betrachtet, wird man richtig unsicher.3.8264,93.5756,2
Skala3.8958,23.5344,7
Cronbachs Alpha.63.69
InstitutionenvertrauenI1: der schweizerischen Politik6.3364,86.0563,2
I2: den schweizerischen Gerichten6.7771,96.9977,4
I3: der schweizerischen Polizei6.7570,77.6787,6
I4: den schweizerischen Ämtern/Behörden6.2663,36.7273,6
Skala6.5270,06.8677,0
Cronbachs Alpha.86.84
politische DeprivationP1: Leute wie ich haben sowieso keinen Einfluss darauf, was die Regierung tut.3.2842,93.5249,8
P2: Ich halte es für sinnlos, mich politisch zu engagieren.2.9032,32.8429,5
Skala3.0929,23.1830,0
Cronbachs Alpha.54.57
AutoritarismusR1: Wir sollten dankbar sein für führende Köpfe, die uns genau sagen, was wir tun sollen und was nicht.2.9233,82.7530,2
R2: Kinder sollten sich den Vorstellungen der Eltern anpassen.2.5121,82.5021,7
R3: Um Recht und Ordnung zu bewahren, sollte man härter gegen Randständige (z. B. Obdachlose, Drogenabhängige) und Unruhestifter vorgehen3.2342,52.9834,7
Skala2.8925,42.7419,7
Cronbachs Alpha.55.50

Die Distanz gegenüber dem politischen System wird mit zwei Instrumenten abgebildet: Einerseits wurde in beiden Befragungen das Vertrauen in verschiedene Institutionen erhoben, wobei nach dem Vertrauen in die Politik allgemein, sowie in die Gerichte, die Polizei und die Ämter/Behörden gefragt wurde. Die Reliabilität dieses Vier-Item-Instruments ist sehr gut; im Durchschnitt wird in beiden Stichproben ein hohes Vertrauen festgestellt, wobei Erwachsene in Bezug auf drei von vier Institutionen ein höheres Vertrauen aufweisen. Andererseits wurde mit zwei Items die politische Deprivation erfasst, d. h. die Einstellung, keinen Einfluss auf politische Prozesse nehmen zu können (Rippl & Baier 2005). Die Reliabilität des Instruments fällt etwas niedriger aus, ist aber für eine Zwei-Item-Skala noch ausreichend. Die Zustimmungsquoten sind hoch: Jeweils fast ein Drittel der Jugendlichen bzw. Erwachsenen weist politische Deprivation auf.

Zur Messung von Autoritarismus kam schließlich ein Instrument zum Einsatz, das drei Items enthält und das autoritäre Unterwürfigkeit (Items R1 und R2; »R« für right-wing authoritarianism nach Altemeyer 1996) bzw. autoritäre Aggression (R3) abbildet (Baier & Pfeiffer 2011, 173). Auch bei diesem Instrument fällt die Reliabilität niedriger, für eine Drei-Item-Skala aber ausreichend aus. In der Jugendstichprobe ergibt sich mit 25,4 % ein höherer Anteil autoritär eingestellter Befragter als in der Erwachsenenstichprobe (19,7 %).

3.3 Analytisches Vorgehen

Die Zusammenhänge zwischen den vorgestellten Messinstrumenten werden nachfolgend mittels Strukturgleichungsmodellen untersucht, wobei auf das Programm Mplus 7.31 (Muthén & Muthén 2015) zurückgegriffen wurde. Dieses Vorgehen erlaubt es, Messmodelle (latente Variablen) und Strukturmodelle (Beziehungen zwischen latenten Variablen) zu spezifizieren. Im Folgenden wurden zuerst die entsprechenden Messmodelle geprüft und in einem zweiten Schritt das Strukturmodell geschätzt. Insofern die Zusammenhänge zwischen den latenten Variablen durch Drittfaktoren beeinflusst werden können, wird zunächst geprüft, ob die Verschwörungsmentalität und die gewaltbereiten extremistischen Einstellungen – die im Mittelpunkt des Beitrags stehenden Variablen – mit sozio-demografischen Variablen in Zusammenhang stehen, die dann in Strukturgleichungsmodellen zu kontrollieren sind. Zur Prüfung dieser Frage wurden OLS-Regressionen berechnet.

4 Ergebnisse

Tabelle 3 stellt die Ergebnisse von OLS-Regressionen auf die Variablen Verschwörungsmentalität und gewaltbereite extremistische Einstellungen vor. Zwar werden einige Zusammenhänge als signifikant ausgewiesen – dies ist aufgrund der Stichprobengrößen aber nicht überraschend. Standardisierte Koeffizienten ab .10, d. h. als mindestens gering einzustufende Regressionskoeffizienten (Cohen 1988), finden sich drei Mal: Eine hohe Bildung geht in der Erwachsenenstichprobe mit einer geringeren Verschwörungsmentalität einher (β = -.18); männliche Befragte stimmen sowohl in der Jugend- als auch in der Erwachsenenstichprobe stärker extremistischen Einstellungen zu als weibliche Befragte (β = .27 bzw. .16). Alle anderen Koeffizienten sind mit β < .10 als vernachlässigbar einzustufen, was zu der Schlussfolgerung führt, dass in den Strukturgleichungsmodellen nur die Variablen Geschlecht und Bildung zu berücksichtigen sind.

Tabelle 3:

Soziodemografische Merkmale als Einflussfaktoren der Verschwörungsmentalität und der gewaltbereiten extremistischen Einstellungen (OLS-Regression, abgebildet: Beta-Koeffizienten)

Verschwörungsmentalitätgewaltbereite extremistische Einstellungen
JugendstichprobeErwachsenen-stichprobeJugendstichprobeErwachsenen-stichprobe
Geschlecht: männlich.08***-.00.27***.16***
Alter in Jahren.04***.02-.07***-.00
Migrationshintergrund: ja.07***.07**.07***.08**
abhängig von staatlichen Transferleistungen.02-.02.06***.06**
Bildung: hoch-.06***-.18***-.06***-.08**
ländlich (unter 5.000 Einwohner)ReferenzReferenzReferenzReferenz
kleinstädtisch (unter 20.000 Einwohner).02.03-.01.05*
städtisch (ab 20.000 Einwohner).01-.04.02-.02
N7.2842.0287.3572.028
R2.021.038.092.039

* p < .05 ** p < .01 *** p < .001

Die verschiedenen Variablen wurden in verschiedene Strukturgleichungsmodelle integriert. Dabei wurde zunächst für beide Stichproben ein Modell ohne die Verschwörungsmentalität geschätzt (nicht dargestellt), um die Beziehungen zwischen Anomie, Institutionenvertrauen, politischer Deprivation, Autoritarismus und gewaltbereiten extremistischen Einstellungen zu prüfen.2 Dabei haben sich folgende signifikante Regressionspfade (γ-Koeffizienten) ergeben: Anomie erhöht sowohl in der Jugend- als auch in der Erwachsenenstichprobe extremistische Einstellungen (.12/.19, p < .001); Institutionenvertrauen reduziert in der Jugendstichprobe extremistische Einstellungen (-.16, p < .01), in der Erwachsenenstichprobe nicht (-.03, p > .05); politische Deprivation erhöht in beiden Stichproben extremistische Einstellungen (.13/.15, p < .001/.01); Autoritarismus erhöht in beiden Stichproben die Zustimmung zu extremistischen Einstellungen (.09/.10; p < .001/.05). Dies bedeutet, dass mit Ausnahme der Beziehung Institutionenvertrauen – gewaltbereite extremistische Einstellungen die Verschwörungsmentalität als Mediator fungieren kann.

Die Befunde der endgültigen Strukturgleichungsmodelle finden sich in Abbildung 1. Direkte signifikante, nicht-vernachlässigbare Beziehungen zwischen den verschiedenen unabhängigen Variablen und den gewaltbereiten extremistischen Einstellungen finden sich nur noch für den Autoritarismus; der Einfluss der anderen Variablen wird durch die Verschwörungsmentalität mediiert.

Werden zunächst die Messmodelle betrachtet, so zeigt sich, dass die Faktorladungen jeweils über λ > .50 liegen, was noch einmal die Reliabilität der eingesetzten Instrumente unterstreicht. Eine Ausnahme ist allerdings zu erwähnen: Das erste Item des Autoritarismus (»führende Köpfe«) lädt in der Erwachsenenstichprobe nur mit λ = .30; in der Jugendstichprobe fällt die Faktorladung dieses Items hingegen ausreichend hoch aus. Festgestellt werden kann zudem, dass die Faktorladungen in beiden Stichproben zwar meist nicht identisch sind, die Unterschiede aber mit Ausnahme des ersten Autoritarismus-Items eher gering ausfallen.

Von besonderem Interesse sind die Pfade zwischen den verschiedenen latenten Variablen (Strukturmodell). Dabei zeigt sich, dass die Verschwörungsmentalität ein starker Einflussfaktor der extremistischen Einstellungen ist (je stärker die Verschwörungsmentalität ausgeprägt ist, desto höher fällt die Zustimmung zu extremistischen Einstellungen aus): In der Jugendstichprobe findet sich ein Zusammenhang von γ = .56, in der Erwachsenenstichprobe von .35 (p < .001). Der Autoritarismus hängt ebenfalls, allerdings deutlich schwächer, mit extremistischen Einstellungen zusammen (γ = .13/.15).

Werden die Einflussfaktoren der Verschwörungsmentalität betrachtet, so findet sich ein starker positiver Zusammenhang mit der Anomie – in beiden Stichproben (γ = .32/.42). Das Institutionenvertrauen senkt die Verschwörungsmentalität, wobei der Zusammenhang schwächer, zugleich in beiden Stichproben nahezu gleich hoch aus

Abbildung 1
Abbildung 1

Modell zur Erklärung gewaltbereiter extremistischer Einstellungen

Citation: Monatsschrift für Kriminologie und Strafrechtsreform 103, 2; 10.1515/mks-2020-2044

Abgebildet: standardisierte Koeffizienten;

Schätzverfahren: Maximum Likelihood;

linke Koeffizienten: Jugendstichprobe, rechte Koeffizienten: Erwachsenenstichprobe;

alle Koeffizienten signifikant bei p < .001; n.s. nicht signifikant bei p < .001.

fällt (γ = -.18/-.17). Politische Deprivation hingegen erhöht die Verschwörungsmentalität – in der Jugendstichprobe weniger stark als in der Erwachsenenstichprobe (γ = .14/.33). Für den Autoritarismus ergeben sich unerwartete Beziehungen mit der Verschwörungsmentalität: In der Erwachsenenstichprobe findet sich keine Beziehung zwischen beiden Variablen, in der Jugendstichprobe eine negative Beziehung (γ = -.16): Je autoritärer Jugendliche eingestellt sind, umso geringer ausgeprägt ist die Verschwörungsmentalität.

Die Modelle weisen in beiden Stichproben einen ausreichenden Fit auf (vgl. Hu & Bentler 1999); dies bedeutet, dass die in den Modellen spezifizierten theoretischen Annahmen gut zu den empirischen Beobachtungen passen. Dass die Chi2-Statistik als signifikant ausgewiesen wird (und damit auf eine weniger gute Passung von Theorie und Daten hindeutet), ist den umfangreichen Stichproben geschuldet. Aus diesem Grund ist dieser Kennwert nicht mehr als relevantes Kriterium für Annahme oder Ablehnung des Modells anzusehen, sondern andere Kennwerte wie der RMSEA (guter Fit: ≤ .05) oder CFI und TLI (guter Fit: ≥ .95, ausreichender Fit: ≥ 90) sollten zur Beurteilung herangezogen werden. Mit den Stichprobengrößen lässt sich auch begründen, warum darauf verzichtet wird, Unterschiede der Pfade des Jugend- und Erwachsenenmodells auf Signifikanz zu prüfen; bereits ab einer Differenz von ∆ = .05 ist von einem signifikanten Unterschied (p < .05) auszugehen (Fisher-Test). Ausgewiesen ist in Abbildung 1 auch die erklärte Varianz der Verschwörungsmentalität und extremistischen Einstellungen: In der Jugendstichprobe wird die Verschwörungsmentalität weniger gut erklärt als in der Erwachsenenstichprobe (20 zu 61 %); in Bezug auf die extremistischen Einstellungen verhält es sich umgekehrt (42 zu 19 %).

In Abbildung 1 sind verschiedene Korrelationen zwischen den unabhängigen Variablen bzw. Regressionsgewichte der Kontrollvariablen aus grafischen Gründen nicht dargestellt. Die Ergebnisse zu diesen Korrelationen bzw. Pfaden finden sich in Tabelle 4. Dabei zeigt sich, dass die Korrelationen zwischen den unabhängigen Variablen in der Erwachsenenstichprobe fast durchweg stärker ausfallen; die Richtung der Korrelationen ist aber weitestgehend gleich: Anomie geht mit politischer Deprivation und Autoritarismus einher, mit dem Institutionenvertrauen ergibt sich ein negativer Zusammenhang; Institutionenvertrauen und politische Deprivation korrelieren ebenfalls negativ, politische Deprivation und Autoritarismus positiv. Eine Korrelation unterscheidet sich in den beiden Stichproben hinsichtlich der Richtung des Zusammenhangs: In der Jugendstichprobe geht ein höheres Institutionenvertrauen mit höherem Autoritarismus einher, in der Erwachsenenstichprobe korrelieren beide Merkmale negativ miteinander.

Tabelle 4:

Weitere Korrelationen/Regressionsgewichte der Strukturgleichungsmodelle (abgebildet: standardisierte Koeffizienten)

JugendstichprobeErwachsenenstichprobe
KorrelationenAnomie – Institutionenvertrauen-.11***-.43***
Anomie – politische Deprivation.23***.58***
Anomie – Autoritarismus.33***.50***
Institutionenvertrauen – politische Deprivation-.30***-.42***
Institutionenvertrauen – Autoritarismus.23***-.12***
politische Deprivation – Autoritarismus.15***.47***
RegressionsgewichteGeschlecht männlich – Anomie-.19***-.10***
Geschlecht männlich – Institutionenvertrauen-.01.03
Geschlecht männlich – politische Deprivation.02-.07*
Geschlecht männlich – Autoritarismus.03.05
Geschlecht männlich – Verschwörungsmentalität.15***.07**
Geschlecht männlich – gewaltbereite extremistische Einstellungen.27***.13***
Bildung hoch – Anomie-.16***-.19***
Bildung hoch – Institutionenvertrauen.23***.11***
Bildung hoch – politische Deprivation-.21***-.23***
Bildung hoch – Autoritarismus-.27***-.23***
Bildung hoch – Verschwörungsmentalität-.00-.03
Bildung hoch – gewaltbereite extremistische Einstellungen.03*.07**

* p < .05 ** p < .01 *** p < .001

Werden die beiden Kontrollvariablen betrachtet, so kann gefolgert werden, dass in der Jugend- und der Erwachsenenstichprobe männliche Befragte signifikant seltener anomisch eingestellt sind, häufiger eine Verschwörungsmentalität aufweisen und ebenfalls häufiger extremistischen Einstellungen zustimmen. Befragte mit höherer Bildung stimmen ebenfalls in beiden Stichproben seltener anomischen Einstellungen zu, äußern weniger politische Deprivation und sind weniger autoritär orientiert; das Institutionenvertrauen ist bei Befragten mit höherer Bildung hingegen stärker ausgeprägt als bei Befragten mit niedriger bzw. mittlerer Bildung.

5 Diskussion

Die vorgestellten Auswertungen sollen abschließend in Bezug auf die formulierten Hypothesen diskutiert werden. Hypothese 1 ging davon aus, dass anomische Einstellungen, eine Distanz zum politischen System (geringes Vertrauen, geringes Wirksamkeitserleben) und Autoritarismus die Zustimmung zu einer Verschwörungsmentalität erhöhen. Diese Hypothese konnte nur teilweise bestätigt werden. Zwar ergaben sich für anomische und politikbezogene Einstellungen Zusammenhänge mit der Verschwörungsmentalität, für den Autoritarismus hingegen nicht. Zudem sind bzgl. der erstgenannten Faktoren Differenzierungen notwendig: Der alles in allem stärkste Einflussfaktor der Verschwörungsmentalität ist die Wahrnehmung von Anomie – bei Jugendlichen wie Erwachsenen. Eine Verschwörungsmentalität ist demnach vor allem als eine Reaktion auf ein Unsicherheitserleben einzustufen. Verschwörungstheorien liefern Orientierung und Halt, wenn die gesellschaftliche Ordnung verloren zu gehen scheint. Wichtig in diesem Zusammenhang ist, darauf hinzuweisen, dass ca. die Hälfte der Befragten anomischen Einstellungen zustimmt, es also eine recht große, für Verschwörungstheorien anfällige Bevölkerungsgruppe gibt. Hiermit übereinstimmend zeigt sich, dass ca. ein Drittel der Befragten eine Tendenz zur Verschwörungsmentalität äußert. Dies stellt einen in zweifacher Hinsicht erstaunlichen Befund dar: zum einen, dass der Anteil insgesamt relativ hoch ausfällt; zum anderen, dass er bei Erwachsenen und bei Jugendlichen nahezu identisch ist. Angenommen werden könnte, dass Erwachsene solchen Theorien seltener anhängen, da sie im Unterschied zu Jugendlichen weniger leichtgläubig sein sollten.

Die politikbezogenen Faktoren wirken sich weniger stark als die Anomie auf die Verschwörungsmentalität aus. Das Vertrauen in Institutionen senkt diese, die politische Deprivation erhöht sie – die Zusammenhänge sind aber als gering einzustufen, mit einer Ausnahme: Politische Deprivation ist bei Erwachsenen ähnlich bedeutsam wie die anomischen Einstellungen. Die Orientierung an Verschwörungstheorien ist damit auch als Ergebnis der Abwendung vom politischen System zu deuten. Die politische Enttäuschung ist aber alles in allem ein geringerer Einflussfaktor als die Perzeption der gesellschaftlichen Zustände.

Nicht bestätigt wurde, dass Autoritarismus ein Einflussfaktor der Verschwörungsmentalität darstellt. In der Erwachsenenstichprobe zeigt sich kein Zusammenhang, in der Jugendstichprobe sogar ein negativer Zusammenhang, d. h. hier senkt der Autoritarismus die Zustimmung zur Verschwörungsmentalität. Dass es in Bezug auf Autoritarismus keine einheitliche Befundlage gibt, bestätigen auch Douglas et al. (2019, 11): »Several studies [...] reported a link between conspiracy beliefs and right-wing authoritarianism [...] On the other hand [studies] did not find a link between authoritarianism and conspiracy belief.« Möglicherweise sind bzgl. der Deutung dieses Befundes methodische Aspekte von Bedeutung: Einerseits weist das hier eingesetzte Autoritarismus-Instrument eine geringere Reliabilität auf – insbesondere in der Erwachsenenstichprobe ergibt sich für ein Item eine geringere Faktorladung. Andererseits ist denkbar, dass bei einer alternativen Erfassung der Verschwörungsmentalität ein Zusammenhang gefunden worden wäre: Wenn die Zustimmung zu konkreten, vor allem in konservativen und politisch rechtsgerichteten Milieus verbreiteten Verschwörungstheorien erfasst worden wäre, hätte sich möglicherweise ein Zusammenhang mit right-wing authoritarianism ergeben. Zugleich sollten nicht nur methodische Erklärungen herangezogen werden. Denkbar ist ebenso, dass eine Orientierung an Autoritäten, die dem Autoritarismus eigen ist, davon abhalten kann, Verschwörungstheorien Glauben zu schenken, die sich nicht auf Quellen oder Autoritäten berufen können. Gerade für Jugendliche scheint dies der Fall zu sein, wie der negative Koeffizient andeutet: Bei diesen kann eine Orientierung an Autoritäten bedeuten, dass traditionelle Autoritäten geschätzt werden, zu denen Alltagsautoritäten wie Lehrkräfte und andere Erwachsene im Umfeld genauso gehören wie Autoritäten aus den Bereichen Wissenschaft und Politik, und dass alternativen Autoritäten, die Verschwörungstheorien verbreiten, mit Misstrauen begegnet wird. Hierauf weist auch die positive Korrelation hin, die bei Jugendlichen zwischen dem Autoritarismus und dem Institutionenvertrauen gefunden wurde.

Hypothese 2, die angenommen hat, dass eine stärker ausgeprägte Verschwörungsmentalität mit erhöhter Zustimmung zu extremistischen Einstellungen einhergeht, konnte bestätigt werden. Dabei wurde für die Erwachsenenstichprobe ein mittlerer Einfluss, für die Jugendstichprobe ein starker Einfluss der Verschwörungsmentalität festgestellt. Die Verbreitung von Verschwörungstheorien ist damit eine Grundlage dafür, dass Menschen extremistische Einstellungen befürworten. Zwar wurden an dieser Stelle keine Verhaltensweisen untersucht; da aber grundsätzlich von einem mehr oder weniger stark ausgeprägten Zusammenhang von Einstellungen und Verhalten auszugehen ist, lassen die präsentierten Analysen den Schluss zu, dass Verschwörungstheorien und Verschwörungsmentalitäten einen wichtigen Erklärungsansatz für die Existenz des gewalttätigen Extremismus darstellen; umso problematischer ist der hohe Anteil an jugendlichen wie erwachsenen Befragten, die eine Verschwörungsmentalität aufweisen.

Der zweite Teil der Hypothese 2 nahm an, dass die Verschwörungsmentalität den Einfluss anderer Faktoren mediiert. Dies ist weitestgehend der Fall, mit zwei Ausnahmen: Der Autoritarismus erhöht unabhängig von der Verschwörungsmentalität extremistische Einstellungen; und das Institutionsvertrauen weist keinen eigenständigen Zusammenhang mit extremistischen Einstellungen auf – zumindest nicht in der Erwachsenenstichprobe. Für anomische Einstellungen und politische Deprivationsgefühle erweist sich die Verschwörungsmentalität aber als bedeutsamer Mediator.

Hypothese 3 ging zuletzt davon aus, dass sich die postulierten Zusammenhänge für verschiedene Altersgruppen zeigen. Geprüft wurde diese Hypothese mittels des Vergleichs der Jugend- und der Erwachsenenstichprobe. Die Ergebnisse der Analysen bestätigen, auch wenn die Höhe der Zusammenhänge in beiden Stichproben nicht exakt gleich ist, eine gemeinsame Struktur: Sowohl bei Jugendlichen als auch bei Erwachsenen führen allgemeingesellschaftliche Orientierungen der Ordnungslosigkeit sowie, in etwas geringerem Maß, politikbezogene Einstellungen des fehlenden Institutionenvertrauens und der wahrgenommenen Machtlosigkeit zu einer verstärkten Befürwortung von Verschwörungstheorien; eine solchen Theorien zugewandte Mentalität wiederum verstärkt extremistische Einstellungen. Für Jugendliche ist dabei der Einfluss der wahrgenommenen politischen Machtlosigkeit noch nicht derart bedeutsam wie bei Erwachsenen, die bereits durchschnittlich längere Erfahrungen hinsichtlich ihres politischen Einflusses aufweisen. Für Jugendliche ist dagegen der Zusammenhang zwischen der Verschwörungsmentalität und den extremistischen Einstellungen enger. Für Jugendliche lässt sich daher folgern, dass die Gründe der Ausbildung der Verschwörungsmentalität mittels der einbezogenen Faktoren weniger gut bestimmt werden konnten; zugleich konnten die Analysen zeigen, dass bei dieser Gruppe die Existenz einer solchen Mentalität besonders folgenreich mit Blick auf die extremistischen Einstellungen ist. In Bezug auf die Gruppe der Jugendlichen bedarf es damit besonderer Anstrengungen zur Prävention der Ausbildung von Verschwörungsmentalitäten, wobei die präsentierten Analysen nur zum Teil Hinweise darauf zulassen, welche Bereiche zu adressieren wären. Gerade für Jugendliche scheinen deshalb weitere Studien zu den Einflussfaktoren der Verschwörungsmentalität notwendig.

Obwohl der Beitrag auf umfangreichen Bevölkerungsbefragungen beruht und damit eine zentrale Limitation vorhandener Studien zur Verschwörungsmentalität, die sich meist auf Studierende oder Gelegenheitsstichproben beziehen, behebt, weisen die vorgestellten Analysen dennoch verschiedene Einschränkungen auf. Von besonderer Bedeutung ist dabei, dass den Analysen Querschnittbefragungen zugrunde liegen, die keine Ursache-Wirkungs-Analyse erlauben. Auf Basis der vorhandenen Literatur wurde eine spezifische Verursachungsstruktur geprüft; denkbar sind aber ebenso gegenläufige Wirkbeziehungen oder eine gegenseitige Beeinflussung der untersuchten Faktoren. Die Analyse der Ursachen und Folgen von Verschwörungsmentalitäten sollte zukünftig daher anhand von Längsschnittstudien erfolgen. Weitere Limitationen der vorliegenden Studie sind, dass die Befragungen eher niedrigere Rücklaufquoten aufweisen, die zur Folge haben können, dass es sich um selektive Stichproben handelt, dass für die Erfassung der verschiedenen Faktoren nur Kurzinstrumente zum Einsatz kamen und dass sämtliche Auswertungen auf Selbstberichten beruhen, was insbesondere bei sehr sensiblen Themen – und zumindest die gewaltbereiten extremistischen Einstellungen können als sensibel eingestuft werden – für die Auswertungen von Relevanz sein kann. Weitere Studien, die die vorhandenen Limitationen beheben, sind insofern wünschenswert.

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Footnotes

1

Diese Schulform besuchen weitestgehend Jugendliche, die nach Abschluss der neunten Jahrgangsstufe keine Berufsausbildung beginnen konnten.

2

Die Fit-Maße der Modelle lauten: Jugendstichprobe Chi2 = 1656.03, df = 100, RMSEA = .04, CFI = .95, TLI = .93, SRMR = .03; Erwachsenenstichprobe Chi2 = 634.79, df = 100, RMSEA = .05, CFI = .94, TLI = .92, SRMR = .04.

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The Journal of Criminology and Penal Reform discusses crime and the criminal in their sociological, psychological, and psychopathological contexts. The journal also analyzes the real impact of legal measures such as punishment on society and those convicted of crimes.

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