Ethik der Menschenrechte. Zwischen Rhetorik und Verwirklichung

and Nikolaus Knoepffler
KonradHilpert, Ethik der Menschenrechte. Zwischen Rhetorik und Verwirklichung, Ferdinand Schöningh, Paderborn2018, 347 Seiten

Konrad Hilpert, Ethik der Menschenrechte. Zwischen Rhetorik und Verwirklichung, Ferdinand Schöningh, Paderborn 2018, 347 Seiten

Menschenrechte sind zentral für eine gelingende Ordnung von Wirtschaft und Gesellschaft. Deshalb ist es dem emeritierten Münchner Moraltheologen Konrad Hilpert zu verdanken, eine systematische Untersuchung zu den Menschenrechten vorgelegt zu haben. Ausgehend davon, dass Leiderfahrungen wesentlich zur heutigen Entwicklung der Menschenrechte beigetragen haben, gibt Hilpert im ersten Teil einen Überblick zu Inhalten und Arten der Menschenrechte an, der hilfreich ist, um diese zu systematisieren. Dabei zeigt er auf, wie wesentlich Instrumente zur Sicherung der Menschenrechte sind, insbesondere völkerrechtliche Bestimmungen auf internationaler Ebene, innerstaatliche politische Maßnahmen sowie eine konkrete Bewusstseinsarbeit. Eine solche konkrete Arbeit ist nur möglich, wenn die Entstehung der Menschenrechte und die Bedingungen, wie sie entdeckt wurden, begriffen werden. Dabei will Hilpert in der Verwendung des Begriffs der „Entdeckung“ aufweisen, dass Menschenrechte nach seiner Überzeugung trotz ihrer kontingenten Entstehungsbedingungen mehr sind als rechtliche Konstrukte, sondern eigentlich in der Sakralität der menschlichen Person begründet liegen, wie er mit der Aufnahme eines Zentralbegriffs bei Joas am Ende seines Werks ausführen wird. Den ersten Teil jedoch schließt er mit einer Darstellung der Menschenrechte im Selbstverständnis der Kirche ab. Im zweiten Teil beginnt er bei den Inhalten der Menschenrechte mit den grundlegenden Rechten von Religions- und Gewissensfreiheit als Antwort auf Unrechtserfahrungen. Hier hätte Hilpert möglicherweise noch vertieft auf die Glaubenskriege eingehen können, zumal er am Ende dieses Abschnitts den kirchlichen Paradigmenwechsel beleuchtet. Jetzt achten die Kirchen die Freiheit der Person und ordnen ihr das Recht der Wahrheit unter. Die Konsequenzen dieses Paradigmenwechsels zeigen sich beim Recht auf selbstbestimmte Lebensführung und damit den Rechten auf körperliche Unversehrtheit, sodass die Todesstrafe letztlich als Verstoß gegen die Menschenrechte bewertet wird, was auch Papst Franziskus mittlerweile durch seine Änderung des entsprechenden Abschnitts im Katechismus der Katholischen Kirche bestätigt hat. Hilpert beschließt diesen Teil mit einer Untersuchung der Menschenrechte der zweiten Generation, also Rechten auf Asyl, soziale Absicherung, Arbeit, Erholung, Gesundheit und Bildung. Im abschließenden dritten Teil behandelt er ausgewählte Probleme der Menschenrechte. Dabei gelingt es ihm zu zeigen, dass die Menschenrechte, obwohl wesentlich abendländisch entstanden, dennoch einen universalen Geltungsanspruch haben. Auch geht er auf die Problematik ein, welche Stärken und Schwächen darin liegen, dass Nichtregierungsorganisationen wesentlich zur globalen Achtung der Menschenrechte beitragen. Ebenso thematisiert er die Problematik der humanen Interventionen, die er treffend mit „Kriege für die Menschenrechte?“ betitelt, sowie die Frage, dass immer neue Menschenrechte zu entstehen scheinen. Im abschließenden neunzehnten Kapitel wird den Lesern die wohl zentrale Problematik vor Augen geführt, nämlich dass die Menschenrechte trotz ihres unbedingten Geltungsanspruchs bis heute nicht nachhaltig gesichert sind und vieler Orts verletzt werden.

Hilpert gelingt es, Leserinnen und Leser in gut verständlicher Sprache über die wesentlichen Grundlagen, Inhalte und Probleme der Menschenrechte zu informieren. Dass im Detail aufgrund der Themenvielfalt manche Fragestellungen nur angerissen werden können, versteht sich dabei von selbst, beispielsweise zum Themenfeld „Recht auf Arbeit“ einschließlich der Problematik „Grundeinkommen“ (S. 217–219). Insgesamt jedoch kann dieses Buch als Gesamtüberblick zu einer Ethik der Menschenrechte jedem zur Lektüre empfohlen werden.

If the inline PDF is not rendering correctly, you can download the PDF file here.

OPEN ACCESS

Journal + Issues

ORDO is a forum for the discussion of fundamental concepts in institutional and regulatory economics and their application to real-life national and international problems. ORDO is the only academic journal in the German-speaking world that explicitly specializes in the interplay between economic, legal, political, and social organizational systems.

Search