Der Markt im Körper. Emotionales Beobachten und Bewerten im digitalisierten Finanzhandel

and Stefan Laube
  • Corresponding author
  • Institut für Soziologie, Technische Universität Dresden, Helmholtzstrasse 10, 01069 Dresden, Dresden, Germany
  • Email
  • Further information
  • Stefan Laube, geb. 1980 in Graz. Studium der Soziologie in Graz und Wien. Promotion in Konstanz. Seit 2017 wissenschaftlicher Mitarbeiter im Open Topic Postdoc-Programm der Technischen Universität Dresden. Forschungsschwerpunkte: Interaktionssoziologie, Emotions- und Körpersoziologie, Sozio-Materialität, Finanzsoziologie, Politiksoziologie. Wichtigste Publikationen: Nervöse Märkte. Materielle und leibliche Praktiken im virtuellen Finanzhandel. Berlin 2016; Constitutive Invisibility: Exploring the Work of Staff Advisers in Political Position Making (mit J. Schank und T. Scheffer), Social Studies of Science (zur Publikation angenommen); The Adapted Position: Promoting Political Contents in a Hybrid Media Environment. Media, Culture & Society, 12.6.2019, Online First: https://doi.org/10.1177%2F0163443719853501
  • Search for other articles:
  • degruyter.comGoogle Scholar

Zusammenfassung

Auf der Grundlage ethnografischer Daten analysiert der Aufsatz den Körper als Ressource der Bearbeitung extremer Ungewissheit im digitalen Finanzhandel. Um Beobachtungen und Bewertungen zu gewinnen, transformieren die untersuchten HändlerInnen ihre Körper in Beobachtungsinstrumente, die visuell projizierte Echt-Zeit-Kursströme sowie Gewinne und Verluste in expressive Laute und emotionale Äußerungen überführen. Diese Medienwechsel beruhen auf der Aneignung einer immersiven Erkenntnishaltung, bei der HändlerInnen sensorisch und leiblich mit dem Markt verschmelzen. Leibliche Emotionen und ihre Darstellung werden im Handelsraum als Begründungen für intuitive Entscheidungen genutzt. Abgesichert ist die immersive Erkenntnishaltung durch die Vorstellung der Teilnehmenden, dass eine kompetente Marktteilnahme emotionale Affinitäten zwischen Markt und HändlerInnen erfordert.

1 Einleitung

„Drucker, Computer, Telefone, Monitore, hauptsächlich Monitore“. So beschreibt der 2010 erschienene Roman von Kristof Magnusson (2010: 47) einen Handelsraum in einer Investmentbank. In der Tat verfügen Finanzmärkte der Gegenwart über ein nie dagewesenes Ausmaß an digitalen Medien der Darstellung und Deutung (zukünftiger) Marktentwicklung. Sofern HändlerInnen nicht durch algorithmische Handelsprogramme ersetzt wurden (vgl. Lange et al. 2016), stehen sie schon lange nicht mehr gemeinsam auf einem Börsenparkett, sondern kleben kilometerweit voneinander entfernt an Bildschirmen. Die Vorreiterrolle der Finanzmärkte in Sachen digitalisierter Medientechnologie hat auch die Aufmerksamkeit der Social Studies of Finance auf sich gezogen (Preda 2017; Kalthoff 2009; Knorr Cetina 2007; Callon et al. 2007): Globale Finanzmärkte seien „virtual societies“ (Knorr Cetina & Bruegger 2002), ihre Teilnehmenden „kinematic investors“ (Zwick 2005: 32), ihre Monitore „skopische Medien“ (Knorr Cetina 2009). Das finanzsoziologische Interesse für die Digitalisierung und Medialisierung finanzökonomischer Praxis resultiert allerdings in einer weitgehenden Marginalisierung des Körpers: Lassen die Teilnehmenden digitalisierter Finanzwelten „mit der Benutzung der neuen virtuellen Räume“ (Rheingold 2000: xvii) ihre Körper tatsächlich hinter sich? Oder ist das Beobachten und Bewerten von Marktentwicklungen gerade in der digitalisierten Finanzpraxis an die Ausbildung bestimmter Formen des körperlichen Vollzugs und des leiblichen Empfindens geknüpft?

Die Untersuchung dieser Fragen berührt eine zentrale Thematik in der Erforschung von Finanzmärkten: Die Rolle von Emotionen. Emotionen sind ein komplexes und unscharfes Phänomen. In unserem Alltagsverständnis wird der Begriff Emotion oft nicht klar bestimmt und überschneidet sich mit Affekt, Gefühl oder Empfindung. Zwar ist sich die Emotionsforschung insgesamt weitgehend darin einig, dass es sich bei Emotionen um ein mehrschichtiges Phänomen an der Schnittstelle von Biologie und Kultur handelt (vgl. Gerhards 1988; Elias 1990; Flam 2002; Damasio 2003; Scherke 2009). Allerdings lassen sich emotionstheoretische Positionen vergleichsweise klar danach unterscheiden, wo innerhalb dieses Spektrums sie Emotionen ansiedeln, d. h. ob sie Emotionen als Ergebnis biologischer Dispositionen oder als geprägt von sozialen und kulturellen Prozessen begreifen (vgl. Schützeichel 2008: 86–87).

In der sozialwissenschaftlichen Finanzmarktforschung stechen zwei theoretische Zugänge zu Emotionen hervor. Die Verhaltensökonomik, die sich dafür interessiert, wie Emotionen individuelle Entscheidungen beeinflussen, präferiert v. a. neurologische und behavioristische Zugänge, die Emotionen entweder auf der Ebene des zentralen oder peripheren Nervensystems oder im Zusammenhang mit Verhaltensdispositionen verorten (Thaler & Sunstein 2009; Akerlof & Shiller 2009; Barberis & Thaler 2002; Shiller 2000). Auch wenn Teile der Verhaltensökonomik Emotionen prinzipiell nicht als Störfaktoren, sondern als Förderer (finanzökonomischer) Entscheidungen deuten (z. B. Bechara & Damasio 2005), erscheinen Emotionen im Mainstream der verhaltensökonomischen Forschung als Resultat einer naturhaften und schwer zu kontrollierenden Disposition. Als solche generieren sie „Instinkte, Eingebungen und Heuristiken, die uns einst das Überleben ermöglicht haben, (…) uns in unserer modernen [finanzökonomischen] Umgebung aber bisweilen in die Irre führen.“ (Frerichs 2012: 108)

Im Gegensatz dazu betrachtet die Wirtschaftssoziologie Emotionen nicht als unvermeidliche Schwächen der menschlichen Natur, sondern als geformt durch soziale Prozesse wirtschaftlichen Handelns. Hier finden sich v. a. kognitivistische bzw. sozio-kulturelle Emotionstheorien, in denen die zentrale Funktion von Emotionen die Bewertung von Umweltzuständen ist (Lange & von Scheve 2018; Senge 2018; Beckert 2006; Pixley 2004). Aus wirtschaftssoziologischer Sicht beeinflussen Emotionen insbesondere wirtschaftliches Handeln unter Ungewissheit, also dann, wenn „Akteure das Ergebnis einer Entscheidung nicht antizipieren und möglichen Handlungsresultaten keine Wahrscheinlichkeiten zurechnen können.“ (Beckert 1996: 126) In derartigen ungewissen Situationen übernehmen Emotionen aus wirtschaftssoziologischer Sicht eine Kompensationsfunktion, etwa durch die emotionale Konstruktion von Zuversicht (Beckert 2006) oder die emotionale Grundierung von Kalkulationen (Lange & von Scheve 2018). Über die körperliche und die leibliche Dimension von Emotionalität in digitalisierten Finanzwelten wissen aber sowohl die Wirtschaftssoziologie als auch die Social Studies of Finance wenig.

Der vorliegende Aufsatz macht den Vollzug finanzspekulativen Beobachtens und Bewertens zum Ausgangspunkt. Er analysiert, wie HändlerInnen in einem digitalisierten Handelsraum an Beobachtungen und Bewertungen in einem extrem ungewissen und volatilen Markt arbeiten und diese praktisch hervorbringen. Im Mittelpunkt stehen dabei weniger spezifische Emotionen, die, wie die hier vorgestellten ethnografischen Beschreibungen verdeutlichen, den Finanzhandel ohne Zweifel kennzeichnen, etwa Zuversicht, Zweifel, Enttäuschung oder Wut. Ziel ist vielmehr aufzeigen, wie finanzökonomisches Beobachten und Bewerten mit der Bereitschaft der Teilnehmenden verknüpft ist, sich von medial vermittelten Darstellungen des Marktgeschehens sowie vom Markt als abstrakter Einheit in spezifischer Weise emotionalisieren zu lassen. Die Teilnehmenden praktizieren durch diese Bereitschaft ein Beobachten und Bewerten, das auf einer immersiven Beobachtungs- und Erkenntnishaltung aufbaut, bei der sich die PraktikerInnen multisensorisch an das medial vermittelte Marktgeschehen koppeln und mit diesem leiblich verschmelzen. Anders als die Verhaltensökonomik zeichnet die vorliegende ethnografische Forschung emotionsgeladene Marktbeobachtung nicht als Ergebnis naturhafter Instinkte, sondern als im Handelsraum erlernte praktische Leistung der sensorischen und leiblichen Aufnahme des Markts im Körper der Teilnehmenden. Damit bereichert sie auch die wirtschaftssoziologische Forschung zu Emotionen, indem sie verdeutlicht, dass diese die Ungewissheit wirtschaftlichen Handelns nicht nur auf einer kognitiven oder diskursiven Ebene bearbeiten, sondern auch auf der körperlichen und leiblichen Ebene der Teilnahme an einem digitalisierten und extrem volatilen Marktgeschehen.

Ich beginne mit der Darstellung der ethnografischen Methoden und Daten der vorliegenden Forschung. Daran anschließend erfolgt eine knappe theoretische Konturierung des ethnografischen Blicks auf die Emotionalität finanzspekulativer Praxis (3.). Danach folgt die Analyse des praktischen Vollzugs dieser Emotionalität in seiner Bedeutung für das Beobachten und Bewerten eines extrem volatilen bildschirmvermittelten Marktes (4.): Vom Praktizieren eines multisensorischen Beobachtens, das visuell projizierte Echt-Zeit-Kursströme in expressive Laute und Worte überführt (4.1), über den Ausdruck und die handelsraumöffentliche Nutzung leiblicher Emotionen (4.2) bis zum Paaren von Markt und HändlerInnen, das eine kompetente Marktteilnahme an emotionale Affinitäten zwischen spezifischen Märkten und Händlersubjekten knüpft (4.3). Abschließend werden die Befunde resümiert und in ihren Potenzialen für die Finanz- und Wirtschaftssoziologie diskutiert.

2 Ethnografische Feldforschung

Die hier vorgestellte Forschung konzentriert sich auf den Derivatehandel. Im Sinne eines für die Ethnografie typischen Verfahrens des Fallzuschnitts (Breidenstein et al. 2013: 46–49) konzipiert sie dieses Feld als forschungsstrategisch günstigen Fall für die Untersuchung des wirtschaftssoziologischen Problems der Ungewissheit wirtschaftlichen Handelns (Dequech 2011; DiMaggio 2002; Beckert 1996). Die aus wirtschaftssoziologischer Sicht radikale Ungewissheit der Finanzspekulation verschärft sich im Derivatehandel durch dessen besonders prekäre Temporalordnung. Anders als in anderen Märkten wetten die HändlerInnen hier auf kurzfristige Preisverschiebungen im Takt von Minuten oder bestenfalls Stunden. Zudem ist dieser Markt durch eine sehr hohe Volatilität gekennzeichnet, sprich durch überaus häufige und heftige Kursschwankungen.

Wie also bringen die Teilnehmenden des Derivatehandels Beobachtungen und Bewertungen in diesem extrem unsicheren Markt hervor? Zur Beantwortung dieser Frage nutzt die hier vorgestellte Forschung die methodische Vorgehensweise einer Ethnografie in situ (Spradley 2016; Breidenstein et al. 2013; Emerson et al. 1995). Damit verlässt sie sich nicht (nur) auf Gespräche mit den Teilnehmenden, sondern begibt sich beobachtend in deren lokalen Vollzugskontext. Dies ermöglicht die Beobachtung überraschender Formen der Übersetzung von bildschirmvermittelten Preisbewegungen in emotionalisierte Rufe und verbale Kommunikation. Diese Übersetzungsleistungen werden von den HändlerInnen allerdings ausgeführt, ohne offiziell als solche etikettiert zu werden. In Interviews alleine wären sie dem Forscher daher mit ziemlicher Sicherheit entgangen.

Die empirischen Daten entstanden auf der Grundlage von drei jeweils zusammenhängenden zweiwöchigen ethnografischen Feldaufenthalten in einem deutschen Finanzhandelsunternehmen, die in den Jahren 2006 bis 2009 absolviert wurden. Die Datenbasis wurde außerdem durch neun Feldaufenthalte auf Tagesbasis ergänzt. Der Datenkorpus speist sich aus Beobachtungsprotokollen, Audioaufzeichnungen des Handelsraumgeschehens sowie neun leitfadenstrukturierten Interviews mit aktiven und einem ehemaligen Händler. Dabei blieb die Anwesenheit eines Ethnografen im Handelsraum nicht ohne Reaktion. Reaktive Wirkungen zeitigte die Anwesenheit des Forschers etwa in seiner Belegung mit diversen Spitznamen („Uni-Heini“, „Columbo“, „Psychologe“) oder im Testen seiner Fähigkeit gleichzeitig ein Gespräch führen und das Geschehen auf den Bildschirmen verfolgen zu können. Die Aufmerksamkeit, die der Anwesenheit des Ethnografen anfänglich zuteil wurde, hielt sich allerdings in Grenzen. Zum einen gewöhnten sich die Teilnehmenden mit Fortdauer der Untersuchung an seine Präsenz. Zum anderen nahmen sie den Ethnografen von vornherein nie so wichtig wie den Markt auf ihren Bildschirmen.

Da es sich bei den hier analysierten emotionalen Beobachtungsformen größtenteils um implizites Wissen handelt, „das die Teilnehmenden haben, ohne dass sie es einfach verbalisieren könnten“ (Hirschauer 2001: 443), finden im vorliegenden Aufsatz in erster Linie Beobachtungsprotokolle Verwendungen. Mit ihrer Hilfe lässt sich das praktische Wissen der Marktbeobachtung, das sich für die Teilnehmenden von selbst versteht, gezielt explizieren. Ausschnitte aus Interviews werden hinzugezogen, um die Annahmen der Teilnehmenden in Bezug auf die emotionalen Anforderungen und Rahmenbedingungen ihrer Tätigkeit zu charakterisieren.

Die Beobachtungsprotokolle und Transkripte wurden parallel zum Erhebungsprozess zu analytischen Memos verdichtet, die sich aus zwei Auswertungsphasen speisten: Während des „offenen Kodierens“ (Emerson et al. 1995: 150–155; Breidenstein et al. 2013: 126–129) wurden die Daten zu analytischen Kodes und Kategorien verdichtet. Angeleitet wurde diese erschließende Auswertungsphase durch eine Befragung des Datenmaterials hinsichtlich der dort zum Ausdruck kommenden Prozesse und Praktiken der Marktbeobachtung (vgl. Emerson et al. 1995: 146): Wer sind die Teilnehmenden in dieser Szene? Was versuchen sie zu bewerkstelligen, welches Problem bearbeiten sie? Wie vollziehen sie diese Aktivität? Verwenden sie dabei spezifische Strategien oder bestimmte Mittel? Wann tritt diese Aktivität auf, unter welchen Bedingungen und in Relation zu welchen Ereignissen? Das anschließende „fokussierte Kodieren“ (Emerson et al. 1995: 160–161) konzentrierte sich auf Unterschiede, Gemeinsamkeiten und Variationen innerhalb der Kodes und Kategorien sowie ihre Verknüpfung zu analytischen „Schlüsselthemen“ (Breidenstein et al. 2013: 156–161). Ergebnis dieser Arbeit war beispielsweise die Differenzierung der in Abschnitt 4.1 und 4.2 beschriebenen Schreie in solche, die sich auf Kursschwankungen beziehen (Aufmerksamkeitsrufe) und solche, die Gewinne und Verluste zum Ausdruck bringen (Freuden- undSchmerzensschreie).

3 Theoretische Konturierung der ethnografischen Perspektive: Drei Dimensionen finanzökonomischer Emotionalität

Konzeptuell schließt die hier vorgestellte Forschung an die interaktionistische Soziologie der Emotionen (z. B. Strauss et al. 1980; Hochschild 1990; Thoits 1996; Egger de Campo & Laube 2008) an, erweitert um praxistheoretische (Reckwitz 2016) und phänomenologische Überlegungen (Katz 1999). Der hier untersuchte Finanzhandel ist von expressiven, lauten und gemeinschaftlichen Interaktionen zwischen HändlerInnen und dem Geschehen auf ihren Finanzbildschirmen gekennzeichnet. Hierzu gehören auch performative Praktiken wie die Übersetzung von medial vermittelten Gewinnen und Verlusten in kommunikative Darstellungen von Freude und Schmerz. Vor diesem Hintergrund nimmt der vorliegende Aufsatz die interaktionssoziologische Emotionsforschung ernst, da sie finanzökonomische Emotionen als interaktives Ergebnis der Antizipation sozialer Regeln im Handelsraum in den Fokus rückt. Zugleich sind die Emotionen in der hier untersuchten finanzökonomischen Praxis aber auch das Ergebnis einer sensorischen und leiblichen Transformation. Im Zuge dieser Transformation erwerben die PraktikerInnen die Bereitschaft, sich vom Markt als abstrakter Einheit sowie von seiner Darstellung durch elektronische Medien in ganz bestimmter Weise emotionalisieren zu lassen. Vor diesem Hintergrund fokussieren Praxistheorien (Schatzki et al. 2001; Reckwitz 2003; Schmidt 2012; Schäfer 2016) die ethnographische Analyse, indem sie die Emotionen der HändlerInnen als geformt durch die verkörperte Interaktion mit dem medial vermittelten Marktgeschehen und durch die Orientierung am ‚Markt‘ als abstrakter Entität beschreibbar machen. Phänomenologische Überlegungen (Katz 1999; Gugutzer 2006, 2012; Introna et al. 2008) helfen der Analyse, die Emotionalität des Derivatehandels als Ergebnis der leiblichen Verwicklung mit finanzökonomischen Umwelten zu erfassen. Drei Dimensionen rücken dabei in den Vordergrund:

Körperlichkeit finanzökonomischer Emotionalität: Im Gegensatz zur prädigitalen Ära, in der die Körper von Finanzhändlern selbst für einen außenstehenden Beobachter wie Max Weber (1988 [1894]: 291) bereits auf den ersten Blick als „drängende(…), brüllende(…) und gestikulierende“(…) Handlungsträger hervortreten, verdeckt ihre physische Ankoppelung an Finanzbildschirme ihre epistemische Relevanz. Instruktiv ist hier zum einen die praxistheoretisch fundierte Wissenschaftsforschung. Sie beschreibt den Körper nicht nur als Träger manueller und physischer Geschicklichkeit und Kompetenz (Hirschauer 2008; Knorr Cetina 2002: 138–142)1, sondern auch als sensorisches Werkzeug. Wissensarbeit ist dann vom sensorischen Körper abhängig, wenn körperliche Sinne als Werkzeuge des Beobachtens, Prüfens oder Bewertens eingesetzt werden. Emotionen spielen hier insofern eine Rolle, weil sie die Aufmerksamkeit der sinnlichen Wahrnehmung innerhalb einer Praxis lenken, etwa, indem sie körperliche Sinne jenseits des Sehsinns zu sensorischen Werkzeugen machen, beispielsweise den Tastsinn (Stephens & Lewis 2017: 207–210) oder Geruchssinn (Latour 2004). Die körperliche Situiertheit der Aufmerksamkeit im Finanzhandelsraum wird für die ethnografische Perspektive bedeutsam, weil der Ethnograf mit seinen Sinnen den Beobachtungstrategien der TeilnehmerInnen soweit wie möglich folgt, um den Körper als multisensorisches und multimodales Instrument der Marktbeobachtung einbeziehen zu können.

Leiblichkeit finanzökonomischer Emotionalität: Von phänomenologischen Überlegungen in der Technik- und der Körpersoziologie lässt sich lernen, nach Emotionen als Resultat der leiblichen Verbindung mit Dingwelten zu fragen (etwa Gugutzer 2006, 2012; Introna et al. 2008; Lindemann 2009). Aufschlussreich ist diesbezüglich die begriffliche Unterscheidung zwischen Körper und Leib (vgl. etwa Schützeichel 2016): Wenn ein kompetenter Fahrer, dessen Auto von einem anderen Verkehrsteilnehmenden geschnitten wird, diese Erfahrung mit der wütenden Formulierung „I have been cut off!“ (Katz 1999: 33) zum Ausdruck bringt, dann ist nicht der physische Körper, sondern der Leib der automobilisierten Person betroffen: „While nothing happens to his or her physiological body (…), the driver does not doubt the sensual reality of the fact that he or she, i. e. his or her lived or phenomenological body has been cut off.” (Katz 1999: 33) Wenn das kompetente Fahren eines Autos (Katz 1999), das Segeln eines Surfbretts (Dant & Wheaton 2007) oder das Führen einer Eisenbahnlok (Laube et al. 2007) eine leibliche Transformation mit sich bringen, ergibt sich für die vorliegende Untersuchung die Frage, wie die finanzökonomische Praxis ihre Teilnehmenden leiblich mit der Welt und den Dingen des Marktes verwickelt und wie die Teilnehmenden diese Verwicklung emotional zum Ausdruck bringen.

Abstrakte Entitäten als Quelle finanzökonomischer Emotionalität: „Affektive Orientierungen“ (Reckwitz 2016: 174) können sich neben anderen Personen und materiellen Dingen auch auf Vorstellungen beziehen, die sich auf abstrakte Einheiten richten, wie etwa ‚das System‘, ‚die Natur‘ oder eben ‚den Markt‘ (Reckwitz 2016: 174). Aus Sicht der kulturwissenschaftlichen Sprachforschung argumentieren etwa Lakoff und Johnson (2003), dass personifizierende und ontologisierende Metaphern lenken, wie deren NutzerInnen die mit ihnen belegten Objekte und Entitäten wahrnehmen und in Bezug auf diese agieren. Die soziologische und historische Finanzmarktforschung greift eine ähnliche Idee auf, wenn sie die journalistische und politische Darstellung von Finanzmärkten als labile, sprunghafte und nervöse Entitäten dahingehend analysiert, welche Möglichkeiten staatlichen Eingreifens diese Semantiken nahelegen (Langenohl 2009). Die im Handelsraum praktizierte semantische Belegung des Derivatemarkts als mit einer bestimmten Emotionalität ausgestattete Kreatur wird für den Ethnografen bedeutsam, weil die Teilnehmenden sie als Mittel der Rekrutierung von emotional zu diesem Markt passenden Händlersubjekten nutzen.

Mit den Dimensionen der Interaktivität, der Körper- und Leiblichkeit sowie der emotionalen Orientierung an einem Markt als abstrakter Entität geht es im Folgenden darum, diese in Hinblick auf die Hervorbringung der Beobachtungs- und Bewertungstätigkeit in einem extrem ungewissen und volatilen Markt zu beschreiben und zu analysieren.

4 Ethnografische Analyse: Angekoppelte Körper, exponierte Leiber und ihre Paarung mit einem nervösen Markt

Im Rahmen der Einübung in den hier untersuchten Finanzhandel machen die Körper der HändlerInnen eine Transformation durch, an deren Ende sie ein überaus leistungsfähiges Instrument der Beobachtung und Bewertung eines extrem volatilen Marktgeschehens darstellen. Drei zentrale Aspekte konnten identifiziert werden: Zunächst der körperlich-sensorische Vollzug der Beobachtung eines auf Bildschirmen gestreamten Marktgeschehens. Diese Form der Beobachtung ermöglicht einen Medienwechsel, bei dem die graphisch-kalkulative Echt-Zeit-Darstellung von Marktbewegungen in verkörpert-lautliche Darstellungsweisen übersetzt und informational angereichert wird. Unterstützt wird diese Form der plurimedialen Marktbeobachtung durch die innenarchitektonische Gestaltung des Handelsraums (4.1). Mit der plurimedialen Beobachtung des Marktgeschehens geht eine leiblich-emotionale Verwicklung von FinanzhändlerInnen und Markt einher. HändlerInnen verleiben sich die Handelspositionen ein, die sie im Markt halten, und reflektieren Gewinne und Verluste mittels „embodied emotions“ (Katz 1999: 31–33). Der Ausdruck dieser leiblichen Emotionen dient als kommunikative Ressource der Etablierung von Zuversicht, Zweifel oder Unbehagen angesichts von Entscheidungen unter extremer Zukunftsunsicherheit. Indem leibliche Emotionen auf den Glauben der Teilnehmenden an Intuition und Bauchgefühle rekurrieren, liefern sie eine zentrale Ressource, um unsichere Entscheidungen vor Teammitgliedern zu dokumentieren und zu begründen (4.2.). Neben der körperlichen und der leiblichen Dimension wird die Immersion von Markt und HändlerInnen auch durch eine Form des Paarens unterstützt. Das Paaren von (bestimmten Typen von) Markt bzw. von Finanzinstrumenten und HändlerInnen verschweißt beide Entitäten, indem es Affinitäten und Ähnlichkeiten in Hinblick auf die ihnen zugeschriebene Emotionalität herausstellt. Der als nervös und wechselhaft beschriebene Derivatemarkt verlangt aus Perspektive dieser Paarung nervöse und cholerische HändlerInnen (4.3).

4.1 Ankoppeln und Übersetzen: Der Markt in Rufen und Klängen

Um am Markt teilzunehmen, d. h. eine oder mehrere Positionen zu halten, dürfen die HändlerInnen eines nicht aus den Augen verlieren: die auf ihren Bildschirmen dargestellten Veränderungen der Kurse. Alle Blicke konzentrieren sich auf die Bildschirme, denn diese liefern die für die Marktteilnehmenden relevanten Informationen (Preise, Stand der eigenen Positionen, News usw.).

Diese „screen reality“ (Knorr Cetina 2003: 16) des Marktes enträumlicht das Marktgeschehen: Sie transformiert den Markt in einen permanent dahinströmenden Fluss, dessen einzige Konstante darin besteht, sich ständig zu wandeln. Der Flusscharakter und die Temporalität des Marktes zeigen sich auf den Monitoren deutlich. Prominent im Blickfeld der HändlerInnen befindet sich der so genannte Reuters-Schirm, benannt nach der ihn produzierenden und mit Finanzdaten beliefernden Finanznachrichtenagentur. Reuters liefert in Echtzeit Wertpapierpreise aus aller Welt, die als Ziffern sowie als Preiskurven dargestellt werden. Im Derivatehandel zeigt jeder Reuters-Schirm einen Aktien- oder Rohstoffindex als Echtzeit-Kurve (vgl. Abb. 2). Diese Kurve spiegelt stets und ohne Zeitverlust die augenblickliche Marktsituation und kommt dabei nie zum Stillstand. Sie bewegt sich mit jeder Kursverschiebung entweder nach oben (Kursanstieg), geradeaus (gleichbleibender Kurs) oder nach unten (Kurssturz). Die Kurve bewegt sich dabei umso schneller, je größer die Dichte an Transaktionen ist. Blinkt die numerische Darstellung des Index, dann beschleunigt auch die Kurve, d. h. die numerische und die grafische Dynamik der Darstellung korrespondieren. Die Bewegung des Index nimmt auf den Bildschirmen deshalb eine derart zentrale Position ein, weil er, wie ein Händler es gegenüber dem Ethnografen ausdrückt, ein stets aktuelles „Gesamtbild unseres Marktes“ liefert. Die Wertentwicklung der hier gehandelten Derivate ist direkt an die Kursentwicklung dieses so genannten ‚Basiswerts‘ geknüpft, sie steigt und fällt mit seinen Bewegungen.

Abb. 1:
Abb. 1:

Finanzmonitore an einem Trading Desk (© Wikimedia Commons / Dontworry – Eigenes Werk, CC BY-SA 3.0)

Citation: Zeitschrift für Soziologie 48, 4; 10.1515/zfsoz-2019-0019

Abb. 2:
Abb. 2:

Ein Basiswert als Real Time-Kurve am Bildschirm eines Händlers

Citation: Zeitschrift für Soziologie 48, 4; 10.1515/zfsoz-2019-0019

Es scheint evident, dass das von Echt-Zeit-Indexkurven gelieferte ‚Gesamtbild‘ darauf ausgerichtet ist, sensorisch über den Sehsinn aufgenommen zu werden. Das legt auch die soziologische Finanzmarktforschung nahe, wenn sie FinanzhändlerInnen als „kinematic investors“ (Zwick 2005: 32) charakterisiert. Im Handelsraum geht es allerdings nicht nur um einen guten Blick für den Markt. Um die Echtzeit-Preisdynamik in ihrer Volatilität beobachtend zu fixieren, praktizieren die Teilnehmenden eine multisensorische Form der Marktbeobachtung, bei der die Überwachung mit dem Ohr die visuelle Inspektion der Bildschirme ergänzt und in manchen Situationen sogar ersetzt. Die auditive Beobachtung des Marktes richtet sich auf spezifische Rufe, die die medial übermittelte Marktsituation in Worte und Laute übersetzt und auf der verkörperten Ebene des Handelsraums mit zusätzlichen Informationen anreichert. Im Rahmen dieser Aufmerksamkeitsrufe konnten zwei Varianten unterschieden werden: Zunächst das Indizieren und Typisierenvon Marktbewegungen. Dieses basiert auf ritualisierten lexikalischen Codes für Finanzinstrumente (z. B. „DAX“ für den Dax Future Index, „Gold“ für den Goldpreis, „Öl“ für einen Ölpreisindex) und deren Kursentwicklung: „Im Plus“ oder „Es steigt“ signalisiert eine Aufwärtsbewegung der Kurve, „Im Minus“ oder „Es fällt“ eine Abwärtsbewegung. Eine typische Szene stellte sich aus Sicht des Ethnografen folgendermaßen dar:

Die Indexkurve auf dem Reuters-Schirm fährt steil nach oben. Ein Händler am gegenüberliegenden Desk, dessen Gesicht durch die hoch aufragenden Monitore verdeckt ist, nimmt die Kursbewegung als Erster wahr. Er brüllt lautstark: „Der Dax!“. Mit dem ebenfalls weithin hörbaren Ruf „Im Plus“ typisiert er die Bewegung außerdem als Preisanstieg. Nur wenige Augenblicke später ändert die Indexkurve plötzlich die Richtung, woraufhin Peter, einer der Händler in meiner unmittelbaren Nähe, die neue Marktsituation mit dem Aufmerksamkeitsruf „Es fällt wieder“ typisiert. Nach zehn Sekunden, in denen die Preiskurve sich auf gleichbleibendem Kursniveau waagerecht nach rechts fortschreibt, kommt es zu weiteren abrupten Richtungsänderungen. Das erneute Absacken der Kurve wird zugleich von mehreren Händlern indiziert und typisiert: Zunächst schreit ein von uns weit entfernt sitzender Händler: „Es fällt!“ Die Index-Kurve vollzieht jedoch eine nochmalige Kehrtwende, sie schießt nun wieder steil nach oben. Nur Sekundenbruchteile später vollziehen Peter und sein Sitznachbar Indizierungen dieser weiteren Marktbewegung. Beinahe zeitgleich brüllen sie: „Der Dax!“ (Derivatehandel, Beobachtungsprotokoll 4, Feldaufenthalt 1)

Die Indizierungen und Typisierungen der Marktbewegung können im Sinne der Ethnomethodologie als „Formulierungen“ (Garfinkel & Sacks 1970) gelten. Vor dem Hintergrund eines erweiterten Verständnisses des Konzepts erachte ich Aufmerksamkeitsrufe als Formulierungspraktiken, die die strömende Marktrealität accountable machen, d. h. erkennbar, verstehbar, beobachtbar, berichtbar usw. Bildschirmvermittelte Darstellungen von Preisen wie die Echtzeit-Kurve des F-DAX erläutern nicht hinreichend, was sie tun. Kompensatorisch stellen Aufmerksamkeitsrufe Ethnomethoden zur Schaffung explanativer accounts für den sich ständig wandelnden Markt am Bildschirm dar. Während sich das Indizieren und Typisieren von Marktbewegungen darauf richtet, Klarheit in die Frage zu bringen, wo der Markt bzw. seine relevanten Basiswerte (z. B. „Der Dax“) augenblicklich stehen (z. B. „Im Plus“), gibt eine zweite Variante von Aufmerksamkeitsrufen Aufschluss darüber, wie sich Basiswerte augenblicklich im Strom des Marktgeschehens bewegen. Dabei handelt es sich um eine Form des lautlichen Charakterisierens von Marktbewegungen. Diese Variante erweitert das Spektrum der Darstellung des Marktgeschehens erheblich. An Stelle des „saying-in-so-many-words“ (Garfinkel & Sacks 1970) von Preisänderungen formuliert sie die Dauer, das Ende und die Plötzlichkeit von Kursrichtungswechseln mit Hilfe spezifischer Lautfolgen. Die folgende Beobachtung schließt unmittelbar an die oben beschriebene Szene an:

Beinahe zeitgleich brüllen Peter und sein Sitznachbar „Der Dax“ und dehnen dabei beide den Vokal „a“ solange, bis die Aufwärtsbewegung der Indexkurve zum Stillstand kommt. Zwei Händler im Hintergrund äußern zeitgleich den Ruf „Hoi“, dessen Vokale ebenfalls auffällig in die Länge gezogen sind. Die expressiven Interjektionen übersetzen die Bewegungen der Preiskurve in eine lautliche Darstellung der Marktbewegung: Die Dauer des „a“ in „Dax“ und des „o“ in „Hoi“ spiegeln genau die Dauer der Aufwärtsbewegung der Kurve. Dabei werden die Vokale umso lauter und schriller artikuliert, je mehr Punkte die Kurve innerhalb der Aufwärtsbewegung auf ihrer vertikalen Achse zurücklegt. (Derivatehandel, Beobachtungsprotokoll 5, Feldaufenthalt 1)

Die Übertragung der Kurse in eine Art klangliche Semantik bildet eine bemerkenswerte Parallele zu kulturanthropologisch dokumentierten Phänomenen indigenen Sprachgebrauchs (Gell 1999; Nuckolls 2004): Sprachklänge und -laute geben in erster Linie wahrgenommene Ereignisse hinsichtlich ihrer Prozesshaftigkeit wieder, etwas, woran Worte alleine scheitern. Vor dem Hintergrund sprachanthropologischer Forschungen stellen Aufmerksamkeitsrufe Beobachtungstechniken dar, die speziell auf den medial vermittelten Flusscharakter der Derivatekurse abgestimmt sind. Die klanglich-lautliche Charakterisierung rein graphisch-digital vermittelter Marktbewegungen verdeutlicht, dass dieser Markt kein statischer oder räumlicher Gegenstand ist, sondern vielmehr ein laufender, temporaler und dynamischer Prozess. Mittels gezielt eingesetzter Prosodie kann die Prozesshaftigkeit und Flüchtigkeit dieses Flusses „as movements rather than as forms“ (Gell 1999: 245) dargestellt werden. Während das lexikale Indizieren und Typisieren den Zeitpunkt und die Richtung von Marktübergängen übersetzt, also die Fragen des wann und wohin der Marktbewegung verbalisiert, erläutert das lautliche Charakterisieren, wie plötzlich, wie intensiv und wie lange sich der Markt gerade bewegt.

Auch die innenarchitektonische Materialität des Handelsraums lenkt die sensorische Aufmerksamkeit der Teilnehmenden auf die lautliche Übersetzung von Marktbewegungen. Büros zeichnen sich üblicherweise durch zahlreiche Zonen der Intimität aus, die es erlauben, Arbeitspraktiken als „innere Denkarbeit“ (Schmidt 2008: 291) auf- und auszuführen. Ein Beispiel sind die Nischen, die durch an den Bürotischen angebrachte Trennwände entstehen. Im Finanzhandelsraum fehlen derartige Zonen des Rückzugs völlig. Zwar besitzen alle HändlerInnen eigene Arbeitsplätze, die Anordnung der Desks und Stühle schafft aber eine Öffentlichkeitsform, in der sie permanent adressierbar sind. Zwei innenarchitektonische Besonderheiten des Handelsraums sind dafür maßgeblich verantwortlich: Erstens weisen die Trading Desks keine Trennwände auf, sondern verbinden sich links und rechts mit anderen Desks zu langen Tischreihen.2 Zweitens sorgt die Sitzordnung für eine vergleichsweise enge Schulter-an-Schulter-Platzierung. So wird eine Öffentlichkeit geschaffen, in der jeder Händler und jede Händlerin zu jedem Zeitpunkt adressiert werden kann. Anders gesagt: Die materielle Beschaffenheit des Finanzhandelsraums setzt die andernorts übliche territoriale Regel der Nichteinmischung durch Laute (Goffman 1982: 77) außer Kraft. Überdies ist der Boden des Handelsraums nicht mit dem klassischen Holzparkett des früheren Rufhandels, sondern mit Teppich ausgelegt. Dieser dämpft die Geräusche hin und her rollender Stühle sowie die Schritte umherlaufender HändlerInnen, was das akustisch-emotionale Kursbarometer des Handelsraums umso stärker hervortreten lässt. Die innenarchitektonische Gestaltung des Trading Rooms begünstigt eine emotionale Atmosphäre, in der alle Teilnehmenden sich nicht nur durch Aufmerksamkeitsrufe einmischen sollen, sondern, wie ich im folgenden Abschnitt verdeutliche, auch durch die Darstellung von Emotionen, die die leibliche Verwicklung in das volatile Marktgeschehen reflektieren.

Abb. 3:
Abb. 3:

Offene Positionen auf dem Bildschirm eines Händlers

Citation: Zeitschrift für Soziologie 48, 4; 10.1515/zfsoz-2019-0019

4.2 Verschmelzen und Spüren: Der Markt im Körper

Finanzspekulation beruht darauf, so genannte ‚Positionen‘ im Markt einzugehen. Zur Beobachtung der von ihnen gehaltenen Positionen steht den DerivatehändlerInnen ein eigener Bildschirm zur Verfügung (vgl. Abb. 3). Jede Position wird hier in einer Zeile dargestellt, deren wichtigste Spalten folgende Überschriften tragen: „Zeit“ (Zeitpunkt des Geschäfts), „Basiswert“ (z. B. ein Index), „Art“ (Kauf- oder Verkaufsoption), „Einstand“ (früherer Kurs, zu dem der Kauf- oder Leerverkauf getätigt wurde), „akt. Kurs“ (Kurs, zu dem das Wertpapier aktuell gekauft bzw. verkauft werden kann) und „GuV“ (Gewinn und Verlust einer Position, gekennzeichnet mit einem Plus- oder Minuszeichen vor einem numerisch dargestellten Eurobetrag).

Im Derivatehandel findet das Eingehen und Halten von Positionen nicht nur unter Rückgriff auf einen Bildschirm statt, sondern wird leiblich vollzogen. Die Einverleibung der Positionen hat zur Folge, dass die Teilnehmenden keine sprachliche Trennung zwischen sich und der Position vornehmen. Eine Händlerin verdeutlicht dies in einem Gespräch mit dem Ethnografen:

„Guck!“, sagt die Händlerin und zeigt mit dem Finger auf eine Zeile des Monitors, der ihre offenen Positionen zeigt. „Das ist ein Dax [Future Index]. Da steht Call dran. Den bin ich long“. Nun zeigt sie auf die Zeile darunter: „Hier. Das ist ein Produkt auf den Tec-Dax [Index]. Den bin ich short.“ (Derivatehandel, Beobachtungsprotokoll 8, Feldaufenthalt 3)

Wertpapiere zu kaufen oder zu verkaufen erscheint hier als Variante dessen, wie HändlerInnen im Markt sein können. Obwohl die Händlerin vor dem Monitor sitzt, befindet sich der Markt über die Einverleibung ihrer Positionen auch in ihrem Körper. Dies ist durchaus folgenreich, weil den Derivatehandel „affektive Orientierungen“ (Reckwitz 2016: 172) an Vorstellungen eines Kampfes oder gar Krieges prägen. Derartige Metaphern, die HändlerInnen in ihren Kommentaren zum laufenden Marktgeschehen immer wieder ins Spiel bringen (z. B. „Das ist hier wie im Krieg!“), bringen eine Wirklichkeit körperlich evidenter emotionaler Reaktionen hervor, der sich die HändlerInnen kaum entziehen können. Wenn man im Sinne der emotionssoziologischen Überlegungen bei Katz (1999) die Metapher eines Krieges oder einer Schlacht ernst nimmt, kann man nach Belegen dafür Ausschau halten, dass kompetenten Teilnehmenden des Finanzhandels körperliche Gewalt widerfährt. Einen solchen Beleg liefern Schmerzensschreie. Diese thematisieren verlustreiche Positionsübergänge als gegen den eigenen Körper gerichtete Kräfte. Dabei richtet sich die Gewalt nicht gegen den „physiological body“ (Katz 1999: 33), sondern gegen den Leib der Teilnehmenden. In der folgenden Szene beobachtet ein Derivatehändler, wie eine seiner Positionen im Zuge einer Marktbewegung binnen weniger Sekunden stark an Wert verliert:

„Au, es fällt. Das ist ja wie verhext!“. Der Händler fixiert den Bildschirm, nach etwa fünf Sekunden ruft er: „Au, fuck, es fällt schon wieder! Das tut weh.” Nach weiteren acht Sekunden hält es den Händler nicht mehr auf seinem Stuhl. Erregt kommentiert er den Kursverlust: „Aaahh, Fuck! Die ganzen Nebenwerte, fuck you.“ Er schlägt mit den Handflächen auf seine Tastatur. „Oaaah, Salzgitter, 10 Cent Unterschied! Junge, was hasse ich diese Scheiß-Nebenwerte, das gibt es doch wohl nicht.“ Anschließend schließt er seine Position. (Derivatehandel, Beobachtungsprotokoll 19, Feldaufenthalt 2)

Der Händler verwendet ein Schmerzvokabular. Die ihm vom Markt zugefügten finanziellen Einbußen bringt dieses Vokabular als leibliche Schmerzerfahrung zum Ausdruck („Au“, „Au, fuck!“, „Das tut weh!“). Neben diesen Schmerzvokabeln fallen eine Reihe nicht-lexikalischer Schreie (z. B. „Aaahh“), die durch entsprechende Mimik und Gestik ergänzt werden: verzerrter Gesichtsausdruck, nach hinten geworfener Oberkörper und Kopf, auf die Tischplatte hämmernde Fäuste. Hervorzuheben ist, dass der im Zuge der Beobachtung von Positionsübergängen verwendete Wortschatz zwar auf semantischer Ebene mit der Deutung des Marktgeschehens als Krieg, Schlacht und Gemetzel verbunden sein mag.3 Mindestens ebenso relevant ist aber die Implikation dieses Schmerzvokabulars für die sinnlich-konkrete Lage der Teilnehmenden, die es verwenden: Im Markt positioniert sein bedeutet mehr als einen technischen Vorgang. Nehmen HändlerInnen eine Position im Markt ein, werden sie in eine Realität leiblich gefühlter und naturwissenschaftlich messbarer Erregung versetzt (Lo & Repin 2002).

Die leibliche Verwicklung von HändlerInnen und Positionen und ihre expressive Darstellung im Handelsraum ist eingebettet in ein im Feld vertretenes Paradigma des intuitiven Erkennens. Eine Position im Markt zu halten bedeutet, sich dem volatilen Markt und seinen unvorhersehbaren und erratischen Richtungswechseln leiblich auszusetzen. Analog zum akustischen Kursbarometer der Aufmerksamkeitsrufe ist die Einverleibung der Positionen die Grundlage eines emotionalen Positionenbarometers, das Verluste und Gewinne unmittelbar transparent macht und hinsichtlich anstehender Entscheidungsoptionen bewertet. Die Art der Bewertung, die dabei ins Spiel kommt, kann man mit Gugutzer (2006: 40) „epistemologischen Korporalismus“ nennen. Im Gegensatz zu einer „Zuschauertheorie der Erkennens“ (Dewey 1998: 28), die Gegenstände von ihren BeobachterInnen abschirmt, setzt ein epistemologischer Korporalismus darauf „Nähe zum Forschungsgegenstand zu[zu]lassen, sich auf ihn ein[zu]lassen, sich von ihm leiblich-affektiv berühren zu lassen.“ (Gugutzer 2006: 40) Während die traditionelle Erkenntnistheorie auf der Annahme aufbaut, dass die objektive und bewertende Ermittlung von Tatsachen die „Ausschaltung der Subjektivität, d. h. der Gefühle“ (Hillmann 1994: 621) verlange, entspricht die hier untersuchte finanzökonomische Beobachtungspraxis nicht einer derartigen Vorstellung von gefühlsbefreitem Erkennen. Der Körpereigensinn der kompetenten PraktikerInnen ist hier Dreh- und Angelpunkt, und zwar „in der Hinsicht, dass er als spürbarer Widerstand Handlungen anleitet.“ (Gugutzer 2006: 22) Im Einklang mit diesem Glauben an ein intuitives Gespür für den Markt steht die Häufigkeit, mit der HändlerInnen die Enttäuschung von Zukunftserwartungen als somatische Veränderung zum Ausdruck bringen:

Den Blick Richtung Bildschirm gerichtet jammert ein Händler: „Die Sparda Bank ist ja 13 Prozent im Minus! Hab ich gerade gesehen!“ Um einiges lauter ruft er aus: „Mir wird ganz übel!“ Den Blick noch immer auf die Monitore gerichtet, fügt er hinzu: „Vielleicht sollte ich sie [die Position] zumachen?“ (Derivatehandel, Beobachtungsprotokoll 11, Feldaufenthalt 2).

Auffällig ist, dass der Ausdruck leiblich empfundenen Unbehagens („Mir wird ganz übel!“) hier verknüpft wird mit dem Explizieren von Entscheidungsoptionen. Die kommunikative Dokumentation leiblicher Emotionen angesichts einer verlustreichen Positionsveränderung verlagert das intuitive Ringen um eine Entscheidung aus dem Kopf des Händlers in die Öffentlichkeit des Trading Desks. Sie liefert den GruppenkollegInnen, die ihre Boni nicht individuell, sondern als Team erhalten, Ad-hoc-Begründungen für spekulative Entscheidungen unter extremer Ungewissheit und großem Zeitdruck. Das betrifft auch die Frage der Wahl des richtigen Zeitpunkts zur Schließung einer gewinnreichen Position:

Sebastian, der auf einen fallenden Preis eines Rohöl-Index spekuliert, ruft plötzlich: „Hu, hu, hu. Der Ölpreis!“. Zeitgleich indiziert ein Händler im Hintergrund den Markübergang mit dem Aufmerksamkeitsruf: „Das Öl!“ An seine ersten Jubelrufe schließt Sebastian wie im Selbstgespräch an: „Ich glaub, ich mach’s mal zu“, womit er das Schließen der Position in den Raum stellt. Doch angesichts des gewinnbringenden Kursverlusts, der von einem anderen Händler im Hintergrund mit dem Ausruf „Das Öl spritzt“ indiziert wird, wartet er zu. Intensiv und sichtlich angespannt beobachtet er die Indexkurve am Monitor. Dabei ist sein Oberkörper deutlich nach vorne gebeugt, seine Augen sind nur etwa 20 Zentimeter vom Bildschirm entfernt. Nachdem der Index etwa eineinhalb Minuten nicht weiter gefallen ist, beginnt er mit dem Oberkörper vor und zurück zu wippen und sagt scheinbar zu sich selbst: „Ja, Baby, und ich mach es jetzt trotzdem gleich zu!“ In diesem Moment schlägt die Kurve wieder ins Minus aus, was Sebastian aufgeregt und lauthals kommentiert: „Das fällt ja immer weiter. Der Ölpreis! Alle mal tanken fahren bitte!“ Seine Sitznachbarin kommentiert die Ansage mit einem Lachen, ein Händler im Hintergrund ruft: „Hab ich schon gestern“. Die überaus starke Marktbewegung reißt Sebastian aus dem Stuhl, er steht auf, klatscht in die Hände und brüllt: „Woa! Leck mich am Arsch! Oh Gott, oh Gott, es fällt immer weiter!“ Dabei lässt er den Bildschirm nicht aus den Augen, seine Finger schweben eingabebereit ganz knapp über der Tastatur. Den Grund dafür nennt er selbst: „Achtung, Achtung, Achtung! Jetzt wird es gleich steigen wie Sau.“ (Derivatehandel, Beobachtungsprotokoll 9, Feldaufenthalt 1)

Die Euphorie, die Sebastian hier zum Ausdruck bringt und die man in Analogie zu den zuvor beschriebenen Schmerzensschreien Freudenschreie nennen kann, zeigen den anderen HändlerInnen zunächst, dass eine schwierige Entscheidung ansteht („Hu, hu, hu. Der Ölpreis!“). Wie im Beispiel zuvor folgt dann die Ankündigung von Entscheidungsoptionen, wobei diese Ankündigungen Zuversicht anstelle von Unbehagen etablieren. Im Verlauf der Szene verbalisiert Sebastian zweimal die Absicht, seine Position „zuzumachen“. Nachdem der Preis ein erstes Mal fällt, sagt er: „Ich glaub, ich mach’s mal zu“, wartet aber noch und starrt weiter konzentriert auf den Reuters-Schirm. Nach einer längeren Beobachtungsphase gibt er erneut an, die Position nun aber wirklich schließen zu wollen („Ja, Baby, und ich mach’s jetzt trotzdem gleich zu“). Das Adverb „trotzdem“ bezieht sich auf die ungewisse Frage, ob es sich nicht doch lohnen könnte, das Schließen der Positionen hinauszuzögern. Sebastians erregte Äußerungen kompensieren die extreme Ungewissheit, der er sich ausgesetzt sieht, durch vertrauensbildende intuitive Unterstellungen: „Das fällt ja immer weiter!“ und – kurz vor dem Schließen der Position – „Jetzt wird es gleich steigen wie Sau!“ Diese Unterstellungen, denen seine Kollegen nicht widersprechen, zögern die naheliegende und vom Händler selbst ins Spiel gebrachte Option, die gewinnbringende Position rasch zuzumachen, zweimal hinaus.

Verglichen mit anderen risikoreichen beruflichen Tätigkeiten, die im Team ausgeführt werden – man denke etwa an chirurgische Teams oder das Team aus Fahrer und Beifahrer im Rallyesport – zeigen DerivatehändlerInnen ihre leiblichen Emotionen gleichsam ununterbrochen. Der Grund ist, dass die Teilnehmenden den Ausdruck leiblicher Emotionen zur kommunikativen Absicherung extrem ungewisser Entscheidungssituationen benötigen, deren Ergebnis sie nicht antizipieren und denen sie „keine Wahrscheinlichkeiten zurechnen können.“ (Beckert 1996: 126) Indem leibliche Emotionen auf den im Feld legitimen Glauben der Teilnehmenden an Intuition und Bauchgefühle rekurrieren, liefern sie eine zentrale Ressource, um unsichere Entscheidungen vor Teammitgliedern zu dokumentieren und zu begründen. Freuden- und Schmerzensschreie machen die Entscheidungsfindung damit zu einer Angelegenheit aller am Trading Desk sitzenden Gruppenkollegen. Diese können geäußerte Entscheidungsoptionen bezeugen, bestärken oder kritisieren („Na, mach’s halt jetzt zu“ oder „Stell‘s jetzt glatt“). Die Darstellung leiblicher Emotionen ermöglicht den Beteiligten daher nicht nur, überhaupt zu Entscheidungen zu gelangen, sondern vor allem, diese während ihres Vollzugs mit im Feld legitimen Begründungen zu versehen.

4.3 Nervöse Paarungen: Markt-HändlerInnen-Gespanne

In ihrem Bemühen, den eigenen Körper und Leib in ein leistungsfähiges Instrument der Beobachtung und Bewertung eines extrem volatilen Finanzmarktes zu transformieren, können die Teilnehmenden auch auf der Vorstellung aufbauen, dass eine kompetente Marktteilnahme emotionale Affinitäten zwischen Markt und HändlerInnen erfordert. Kern dieser Vorstellung ist, dass der Typus des jeweiligen Finanzmarktes und der in ihm gehandelten Finanzinstrumente eine ganz bestimmte Emotionalität verlangt. Je mehr Ähnlichkeit zwischen den dem Markt zugeschriebenen Emotionalitäten und der von HändlerInnen, umso besser. Ich bezeichne diese Vorstellung als Paarung von Markt und HändlerInnen.

Eine zentrale Voraussetzung des Paarens von Markt und HändlerIn ist, dass Märkte im Handelsraum nicht nur mit Hilfe ökonomischer Register gedeutet werden, etwa als Aggregat der Summe aller Marktteilnehmenden und ihrer Transaktionen. Verwendung findet auch ein außerökonomischer Deutungsrahmen, der in den verbalen Reaktionen auf extrem schwankende Kurse einen prominenten Platz einnimmt. Im Gegensatz zu Aktien oder Anleihen sind Derivate besonders volatil, d. h. sie unterliegen beständigeren und größeren Kursschwankungen als andere Finanzinstrumente. Die Sprache des Handelsraums bringt diese extreme Volatilität in Form von ontologisierenden und personifizierenden Zuschreibungen (Lakoff & Johnson 2003) zum Ausdruck, die den Markt als eine sich auf bestimmte Weise verhaltende und emotionale Kreatur bestimmen. Auffällig an diesen Zuschreibungen, die im Folgenden in Anführungszeichen wiedergegeben werden, ist zum einen, dass sie dem Derivatemarkt in der Mehrzahl ein ausgesprochen unruhiges Verhalten attestieren. Der Markt besitzt demnach ein unstetes Wesen, er „geht rauf“ oder „geht runter“, er „steigt“ oder „fällt“. Meist benennen die HändlerInnen den Markt nicht direkt, sondern mit dem neutralen Personalpronomen „es“. Sind seine Bewegungen besonders intensiv, „fällt es wie Sau“, „steigt es abartig“ oder „schlägt es aus“. Gemäß seiner Charakterisierung als sich unruhig bewegende Entität erscheint der Markt als ein äußerst flüchtiges und schwer zu fassendes Gebilde, das „rutscht“, „hinauf“– und „hinunterzieht“ und sich immer wieder „dreht“. Zum anderen besetzen diese Zuschreibungen den Markt mit Attributen, die ihm selbst Affektivität zusprechen. Die Emotionen der sonderbaren Kreatur namens Markt rücken ins Rampenlicht, wenn ihm etwa besonders wechselhafte „Stimmungen“ zugeschrieben werden. Der Derivatmärkt „steht nie still“, „ist jeden Tag anders“, und deshalb ist die Arbeit mit ihm auch „nie langweilig“. Allerdings birgt diese Instabilität auch Gefahren. So vollführt der Markt plötzliche „Marktsprünge“, entpuppt sich als „wild“ und „unberechenbar“, weshalb nicht vorherzusehen ist, wann seine „Stimmung“ umschlägt. Ein Markt, der „letzte Woche brutal“ war, kann „heute schon wieder ziemlich ruhig“ sein. Diese Stimmungsschwankungen können so extrem sein, dass Märkte „zusammenbrechen“ oder „verrecken“.

Das Besondere an diesen Zuschreibungen ist nicht, dass der Markt durch sie als Kreatur erscheint.4 Bemerkenswert ist vielmehr, dass sie herausstellen, wie sehr sich diese Marktkreatur von anderen Finanzmärkten unterscheidet. Seine Nervosität, seine Lebendigkeit und Verrücktheit heben diesen Markt aus der Sicht der Teilnehmenden klar von den weniger volatilen Aktien- und v. a. Anleihe-Märkten ab, die sich, wie ein Händler es ausdrückt, „kaum bewegen“. Die Betonung dieser Idiosynkrasie macht die Verlebendigungszuschreibungen besonders brauchbar für die Konturierung der „affektiven Nische“ (Slaby et al. 2017: 6) des Derivatehandels. In dieser Nische können und sollen sich (angehende) HändlerInnen gemäß ihrer mitgebrachten bzw. mitzubringenden Emotionalität verorten, und sie werden auch von Vorgesetzen und Kollegen in dieser Hinsicht adressiert, wobei die in Frage stehende Emotionalität der dem Markt zugeschriebenen möglichst nahe kommt. Dieses Paaren von Markt und HändlerIn postuliert, dass die Instabilität und Flüchtigkeit des Derivatemarkts den Teilnehmenden buchstäblich in Fleisch und Blut übergeht. Ein Aktienhändler greift diesen Zusammenhang in einem Interview folgendermaßen auf:

H.: Wir haben da schon Kreislaufschwächen bei welchen [im Derivatehandel] gehabt. Das sind aber komischerweise immer die gleichen. Es gibt welche, die nervöser sind, bei denen kommt so was schon vor.

S. L.: Womit hängt das zusammen, ob manche Händler nervöser sind als andere?

H.: Beim Anleihehandel kann man länger überlegen was man tut, auch mal ein paar Minuten lang. Aber wenn man ein Derivat auf den Dax handelt, muss man schnell sein, weil der [Basiswert] springt oft zehn oder fünfzehn Punkte in einer Minute. Also die Derivatehändler sind sicherlich meistens ein Stück nervöser als ein Anleihehändler, bei dem das eben alles langsamer geht. (Aktienhandel, Strukturiertes Interview 4, Feldaufenthalt 3)

DerivatehändlerInnen sind nach Auffassung des Gesprächspartners nervöser als Anleihen- und AktienhändlerInnen, weil der hohe Zeitdruck und die extreme Volatilität des Derivatehandels, in dem die Kurse viel „schneller (…) springen“ als in anderen Bereichen, dies voraussetzt und fördert. Eine derartige Vorstellung zeigt sich auch in den Selbstzuschreibungen der DerivatehändlerInnen. In den Gesprächen mit dem Ethnografen stilisieren sich diese zu einer besonders verrückten Gemeinschaft und begründen das mit der Volatilität ihres Marktes. In anderen Finanzhandelsbereichen sucht man vergeblich nach einer solchen Selbstcharakterisierung. Niemand aus dem Aktien- oder Anleihenhandel nennt sich oder die eigene Handelsabteilung „verrückt“ oder „nervös“. Dafür beschreiben sich die Anleihen- und AktienhändlerInnen im Handelsraum, in dem die ethnographische Feldforschung durchgeführt wurde, analog zur Volatilität ihrer Märkte als ruhiger und nicht so gehetzt.

Die Konturierung affektiver Nischen durch das Paaren von Markt und HändlerIn prägt nicht nur die Identitätszuschreibungen der Angehörigen der verschiedenen Handelsabteilungen. Sie stellt auch einen wesentlichen Aspekt der Rekrutierung geeigneter Körper dar, indem sie die Fremd- und Selbstzuordnung zu den entsprechenden Finanzmärkten orientiert. Im folgenden Interview, in dem zunächst nicht klar ist, wer hier wen befragt, berichtet ein Derivatehändler über seine diesbezüglichen Erfahrungen.

M.: Und was für einen Eindruck hast du vom Handel?

SL.: Dass es hier bei euch bei den Derivaten so abgeht mit dem Schreien und so, das hätte ich nicht erwartet. Ist nicht so ruhig wie im Anleihebereich.

M.: Ja gut, bei den Anleihen. Ich saß da auch mal dabei [während seines Praktikums]. Das ist überhaupt nichts für mich. Wenn die eine Order abarbeiten, müssen die zehn Banken anrufen, bis sie ne Order wegkriegen. Da braucht man drei bis fünf Minuten, das ist dann schon mal die normale Zeit für eine Order. Die handeln zwar große Sizes, aber die Scheine bewegen sich fast nicht. (Derivatehandel, Ethnografisches Interview 3, Feldaufenthalt 3)

Die Attraktivität des Derivatehandels besteht für diesen Händler darin, dass er nicht gleichförmig und langsam getaktet ist, sondern sich die Kurse hier intensiv bewegen. Wenigen Transaktionen mit großen Summen, meist mit dem Telefon vollzogen, stehen im Derivatehandel viele Transaktionen mit vergleichsweise kleinen Summen gegenüber, die dafür blitzartig per Tastatur und Mausklick ausgeführt werden. Minuten für den Abschluss eines Geschäfts zu benötigen und dabei auch noch telefonieren zu müssen, erscheint dann schon einmal als eine halbe Ewigkeit.

Die Relevanz einer optimalen Paarung von Derivatemarkt und HändlerInnen, die in der Lage sind, dessen Fluktuationen leiblich zu erfassen und emotional darzustellen, führt auch der Chefhändler der Abteilung an. Gegenüber dem Ethnografen betont er, dass einer, der still und verschlossen sei, nicht gut in den Derivatehandel passen würde. Gerade das Zeigen von Emotionen sei wichtig, weil man dadurch wisse, wie es an den jeweiligen Trading Desks gerade laufe. Damit macht der Chefhändler deutlich, dass der Derivatehandel seine Teilnehmenden dazu verpflichtet, die eigene leibliche Verstrickung mit dem Markt performativ darzustellen. Einschätzungen unsicherer Zukunft werden hier nicht individuell, stumm und leise vollzogen, sondern als Somatisierungen lautstark in Szene gesetzt. Sie werden handelsraumöffentlich ausgestellt („Mir wird ganz übel!“) und sind eine Angelegenheit aller HändlerInnen am Trading Desk. Die Betonung der Bedeutsamkeit emotionaler Affinitäten zwischen Derivatemarkt und HändlerIn prädestiniert dafür solche Subjekte, die dem Markt in emotionaler Hinsicht ähnlich sind und keine Zurückhaltung im Ausdruck ihrer Emotionen zeigen.

5 Schluss

Die Präsenz von Emotionen in der finanzspekulativen Praxis ist keine neue Entwicklung. Doch während im prädigitalen Finanzhandel, bei dem sich gegnerische HändlerInnen von Angesicht zu Angesicht auf einem Börsenparkett gegenüberstanden, Emotionen angesichts von Verlusten oder Gewinnen vor den KonkurrentInnen verborgen werden mussten, weist der digitalisierte Derivatehandel gänzlich andere „feeling rules“ (Hochschild 1979, 1990) auf. Er ist eine Praxis, die ihre Teilnehmenden darauf verpflichtet „to open up [their] thoughts and feelings (…), through sound, to whoever is present.“ (Goffman 1978: 814) Diese Verpflichtung zur expressiven Darstellung von Emotionen macht deutlich, dass der Markt hier nicht nur das ist, was auf den Bildschirmen zu sehen ist – ein Befund, der technikzentrierte Deutungen finanzökonomischer Wissensstrategien (etwa Knorr Cetina 2003) relativiert. Die mediale Projektion der Marktrealität alleine schafft keine ausreichende Grundlage für finanzökonomisches Entscheiden unter extremer Ungewissheit (Dequech 2011; DiMaggio 2002; Beckert 1996) und großem Zeitdruck. Es sind die praktischen Verfahren der Verzahnung von technisch-medialer und sensorisch-leiblicher Beobachtung, mit denen die kompetenten Teilnehmenden diesem Markt Informationen und Bewertungen abgewinnen: Aufmerksamkeitsrufe übertragen die visuell projizierte Marktrealität in ein standardisiertes Repertoire an gerufenen Worten und Lauten. Dieser Medienwechsel, dessen Vollzug durch die Innenarchitektur des Handelsraums unterstützt wird, liefert den PraktikerInnen alternative und zusätzliche Informationen über Marktbewegungen und fixiert diese auf der verkörperten Ebene des Handelsraums. Gleichzeitig koppelt er die Teilnehmenden nicht nur visuell, sondern auch auditiv an das Marktgeschehen und lenkt die Aufmerksamkeit auf verbale Indizierungen und Typisierungen sowie auf lautliche Charakterisierungen von Marktbewegungen. Darüber hinaus stehen die HändlerInnen den von ihnen gehaltenen Positionen nicht distanziert gegenüber, sondern behandeln diese als Teil ihres Leibs. Beobachten und Bewerten im Derivatehandel ist untrennbar verbunden mit Unbehagen, Übelkeit, Zweifeln, aber auch mit Euphorie, Hochgefühl und Vertrauen. Diese leiblichen Emotionen entstehen, weil der Markt aus phänomenologischer Perspektive im Körper der HändlerInnen ist. Das am Derivathandel Auffällige ist dabei, dass die Teilnehmenden diese Immersion im Vollzug ihrer Tätigkeit permanent und expressiv dokumentieren. Damit lösen sie das Problem, Entscheidungen im Handelsraum begründen zu müssen, die rechnerisch nicht begründbar sind. Stabilisiert wird diese immersive Beobachtungshaltung und ihre emotionale Darstellung durch das Paaren von bestimmten Märkten und HändlerInnen. Verlangen aus Sicht dieses Paarungsdiskurses volatile Märkte nervöses, cholerisches und fahriges HändlerInnenpersonal, bedarf der Handel mit weniger volatilen Finanzprodukten ruhigere und besonnenere Subjekte.

Drei Aspekte der hier vorgestellten Forschung sollen in Bezug auf die soziologische und sozialwissenschaftliche Auseinandersetzung mit Emotionen in Finanzmärkten diskutiert werden:

(1) Die hier gewonnenen Einsichten verdeutlichen die grundsätzliche Relevanz des Körpers für die emotionale Hervorbringung finanzökonomischer Beobachtung und Bewertung. Die Erweiterung der neueren Finanzsoziologie um die körperlichen und leiblichen Aspekte von Finanzwissen eröffnet eine bislang weitgehend vernachlässigte Dimension finanzökonomischer „evaluation cultures“ (MacKenzie 2011). Eine Innovation der finanzsoziologischen Forschung war es, die soziale und materielle Dimension von Finanzwissen aufzuzeigen. Diese fand man vor allem im Vollzug finanzmarktspezifischer Berechnungsmethoden, z. B. der Chart- (Mayall 2006; Preda 2007) und der Fundamental-Analyse (Schmidt-Beck 2007), und in den impliziten Ressourcen sozialer Interaktion, etwa der Deutung von Preisbewegungen mit Hilfe von „market chatter“ (Zaloom 2006: 156–157) unter HändlerkollegInnen oder dem Prinzip des Gabentauschs folgenden Wissensabgleich zwischen gegnerischen HändlerInnen (Knorr Cetina & Bruegger 2002: 941–942). Während sowohl die Social Studies of Finance als auch die Wirtschaftssoziologie in diesem Zusammenhang zu zeigen begonnen haben, dass kalkulative Methoden der Preisdarstellung und -vorhersage nicht emotionsbefreit, sondern durchaus emotional interpretiert werden (Zaloom 2009; Lange & von Scheve 2018), verdeutlicht die vorliegende Studie, dass auch der Körper und der Leib als ein emotionales Bewertungsinstrument fungieren kann. Anders als in anderen finanzspekulativen Bereichen sind die Grundlage für die Formierung von Zukunftserwartungen im extrem volatilen Derivatehandel eben nicht emotional aufgeladene Narrative im Sinn von „stories of how asset prices will develop in the future” (Beckert 2016: 17), sondern eine immersive Erkenntnishaltung in dessen Rahmen sich HändlerInnen von den Bewegungen des Marktes leiblich-affektiv berühren lassen. Leibliche Emotionen reflektieren augenblicklich jede Veränderung der im Markt gehaltenen Positionen und führen zu somatisch kodierten Mutmaßungen über deren zukünftige Entwicklung.

(2) Das in der hier vorgestellten Forschung gezeichnete Bild finanzökonomischer Emotionen unterscheidet sich von einer Modellierung von Emotionen als naturhafter Beschränkung finanzökonomischer Rationalität. Im untersuchten Handel treten Emotionen nicht als „human foibles“ (Shiller 2011: 4) in Erscheinung, sondern als lokal vermittelte und erlernte Ressourcen kompetenter Marktteilnahme. Negative emotionale Reaktionen durch ins Minus geratene Positionen („Mir ist zum Kotzen!“, „Mir wird ganz übel!“, „Das tut weh!“) sowie positive emotionale Reaktion angesichts gewinnbringender Positionen („Achtung, Achtung, Achtung! Jetzt wird es gleich steigen wie Sau“) fungieren hier als ein grundlegendes Instrument der Hervorbringung von Zukunftserwartungen. Damit wird nicht behauptet, dass die Emotionalität im untersuchten Finanzhandel zu rationaleren oder optimaleren Entscheidungen führt. Aufgezeigt wird vielmehr, dass die Teilnehmenden dieses Handels ungeachtet der verhaltensökonomischen Warnung vor der irrationalen Störkraft von Gefühlen (vgl. Peterson 2007: 77 ff) leibliche Emotionen als im Feld wertgeschätzte Beobachtungs- und Bewertungshilfe nutzen. Damit konkretisieren die hier vorgestellten Einsichten sozialpsychologische (Fenton-O’Creevy et al. 2011) und neurophysiologische (Lo & Repin 2002) Untersuchungen, die Emotionen als Förderer finanzökonomischen Entscheidens sehen. Aus neuropsychologischer Perspektive seien jene HändlerInnen dauerhaft erfolgreich, die gelernt hätten, Emotionen zur Formierung finanzökonomischer Entscheidungen zu nutzen (Lo & Repin 2002: 332). Auch die sozialpsychologische Finanzforschung betont, dass der Einsatz von Emotionen im professionalen Finanzhandel reflektiert und erlernt wird. Die besten HändlerInnen lernen „to regulate emotions effectively, and incorporate relevant emotions as information signals, or a kind of radar that contains information about risks” (Fenton-O’Creevy et al. 2011: 1059). Indem leibliche Emotionen mit dem im Derivatehandel vorherrschenden Paradigma intuitiven Erkennens korrespondieren, können sie im Feld als legitim und rational angesehene Begründungen für kontingente Entscheidungen unter extremer Zukunftsunsicherheit genutzt werden. Damit erhärtet der hier beschriebene Einsatz leiblicher Emotionen zur Bewertung in einem besonders volatilen und schnell getakteten Finanzhandel auch die allgemeine emotionssoziologische (Weihrich & Dunkel 2010: 331) und in Teilen der Verhaltensökonomik (Bechara & Damasio 2005; Ackert et al. 2003) vertretene Einschätzung, dass Emotionen handlungs- und entscheidungsleitend wirken.

(3) Die hier vorgestellte Studie weist einen Weg zu einer systematischeren Erforschung unterschiedlicher Finanzmarktkulturen und deren spezifischen Praktiken finanzökonomischer Beobachtung und Bewertung. Eine Finanzsoziologie, die ihr Menschenbild im Gegensatz zum Mainstream der Verhaltensökonomik dezidiert nicht auf einer allen Menschen gemeinsamen Natur gründet, sondern von der „kulturellen Bedingtheit und Variabilität des Menschseins“ (Frerichs 2012: 111) ausgeht, kann Emotionen als kulturell bedingte und variable Elemente finanzökonomischer Praxis entschlüsseln. Wie gehen also die Teilnehmenden spezifischer Finanzmärkte mit der Möglichkeit um, den Körper und den Leib als emotionales Beobachtungsinstrument zu nutzen? Werden leibliche Emotionen auch in den finanzökonomischen Bewertungspraktiken langsamer und weniger „nervöser“ Märkte starkgemacht? Ist der epistemologische Korporalismus ein Spezifikum des Derivatehandels und ihm ähnlicher Finanzbereiche, in denen hohe Volatilität und kurzfristige Intervalle des Eingehens von Handelspositionen einen extremen Zeit- und Entscheidungsdruck ausüben? Im Raum steht mit diesen Fragen die Aufklärung der kulturellen Besonderheiten und Variabilität finanzökonomischen Beobachtens und Bewertens. Sofern die eigenen Emotionen für die Teilnehmenden eines Finanzmarkts ein zentrale Ressource sind, um den (zukünftigen) Wert von Finanzprodukten zu bestimmen, sollten sie auch ein relevanter Gegenstand für eine auf die umfassende Aufklärung finanzökonomischer „Wissenspraktiken“ (Kalthoff 2009: 266) ausgerichtete Finanzsoziologie sein.

Abschließend lässt sich festhalten, dass eine Soziologie finanzökonomischer Praxis die Wirtschafts- und Finanzsoziologie näher an Märkte und ihr TeilnehmerInnenwissen heranrückt. Ein solche Soziologie entgeht der Gefahr, die Emotionalität finanzwirtschaftlichen Handels fernab finanzökonomischer Praxis zu untersuchen, was dann Gefahr läuft zu geschehen, wenn etwa ausschließlich die physiologische Natur des Menschen als ihre Quelle identifiziert wird. Indem sie dem Tun der Teilnehmenden folgt, kann eine Soziologie finanzökonomischer Praxis gerade das Zusammenwirken von digitaler Medientechnik, rechnerischer Methoden, finanzspekulativer Narrative und emotionaler Körper zum Untersuchungsgegenstand machen.

Literatur:

  • Ackert, L.F., B.K. Church & R. Deaves, 2003: Emotion and Financial Markets. Federal Reserve Bank of Atlanta Economic Review 88: 33–41.

  • Akerlof, G.A. & R.J. Shiller, 2009: Animal Spirits: How Human Psychology Drives the Economy, and Why it Matters for Global Capitalism. Princeton: Princeton University Press.

  • Barberis, N. & R.H. Thaler, 2002: A Survey of Behavioral Finance. Social Science Research Network (SSRN) eLibrary. URL: http://ssrn.com/paper=327880.

  • Bechara, A. & A.R. Damasio, 2005: The somatic marker hypothesis: A neural theory of economic decision. Games and Economic Behavior 52: 336–372.

  • Beckert, J., 1996: Was ist soziologisch an der Wirtschaftssoziologie? Ungewissheit und die Einbettung wirtschaftlichen Handelns. Zeitschrift für Soziologie 25: 125–146.

  • Beckert, J., 2006: Was tun? Die emotionale Konstruktion von Zuversicht bei Entscheidungen unter Ungewissheit. S. 123–141 in: A. Scherzberg (Hrsg.), Kluges Entscheiden. Disziplinäre Grundlagen und interdisziplinäre Verknüpfungen. Tübingen: Mohr Siebeck.

  • Beckert, J., 2016: Imagined Futures: Fictional Expectations and Capitalist Dynamics. Cambridge MA: Harvard University Press.

  • Breidenstein, G., S. Hirschauer, H. Kalthoff & B. Nieswand, 2013: Ethnografie: Die Praxis der Feldforschung. Konstanz: UVK.

  • Callon, M., Y. Millo & F. Muniesa (Hrsg.), 2007: Market Devices. Special Issue of the Sociological Review Monograph Series. Malden: Blackwell.

  • Damasio, A.R., 2003: Der Spinoza-Effekt. Wie Gefühle unser Leben bestimmen. München: List.

  • Dant, T. & B. Wheaton, 2007: Windsurfing: An Extreme Form of Material and Embodied interaction? Anthropology Today 23: 8–12.

  • Dequech, D., 2011: Uncertainty: A Typology and Refinements of Existing Concepts. Journal of Economic Issues 3: 621–640.

  • Dewey, J., 1998: Die Suche nach Gewißheit. Eine Untersuchung des Verhältnisses von Erkenntnis und Handeln. Frankfurt am Main: Suhrkamp.

  • DiMaggio, P., 2002: Endogenizing Animal Spirits: Towards a Sociology of Collective Response to Uncertainty and Risk. S. 79–100 in: M.F. Guillen, R. Collins, P. England & M. Meyer (Hrsg.), The New Economic Sociology. New York: Sage.

  • Egger de Campo, M. & S. Laube, 2008: Barrieren, Brücken und Balancen. Gefühlsarbeit in der Altenpflege und im Call-Center. Österreichische Zeitschrift für Soziologie 33 (Themenheft: Soziologie der Emotionen): 19–42.

  • Elias, N., 1990: Über Menschen und ihre Emotionen. Ein Beitrag zur Evolution der Gesellschaft. Zeitschrift für Semiotik 12: 337–357.

  • Emerson, R.M., R.I. Fretz & L.L. Shaw, 1995: Writing Ethnographic Fieldnotes. Chicago: University of Chicago Press.

  • Fenton-O’Creevy, M., E. Soane, N. Nicholson & P. Willman, 2011: Thinking, Feeling and Deciding: The Influence of Emotions on the Decision Making and Performance of Traders. Journal of Organizational Behavior 32: 1044–1061.

  • Flam, H., 2002: Soziologie der Emotionen: Eine Einführung. Konstanz: UVK.

  • Frerichs, S., 2012: Von Menschen, Märkten und Moneten. Eine Kritik verhaltensökonomischer Erklärungsmodelle der Finanzkrise. S. 103–118 in: K. Kraemer & S. Nessel (Hrsg.), Entfesselte Finanzmärkte. Soziologische Analysen des modernen Kapitalismus. Frankfurt am Main/New York: Campus.

  • Garfinkel, H. & H. Sacks, 1970: On Formal Structures of Practical Action. S. 337–366 in: J.C. McKinney & E.A. Tiryakin (Hrsg.), Theoretical Sociology. Perspectives and Developments. New York: Appleton-Century-Crofts.

  • Gell, A., 1999: The Language of the Forest: Landscape and Phonological Iconism in Umeda. S. 232–258 in: E. Hirsch (Hrsg.), The Art of Anthropology: Essays and Diagrams. Oxford: Berg.

  • Gerhards, J., 1988: Soziologie der Emotionen: Fragestellungen, Systematik und Perspektiven. Weinheim: Juventa.

  • Goffman, E., 1978: Response Cries. Language 54: 787–815.

  • Goffman, E., 1982: Die Territorien des Selbst. S. 54–96 in: Ders.: Das Individuum im öffentlichen Austausch. Mikrostudien zur öffentlichen Ordnung. Frankfurt am Main: Suhrkamp.

  • Gugutzer, R., 2006: Der Body Turn in der Soziologie. Eine programmatische Einführung. S. 9–56 in: R. Gugutzer (Hrsg.), Body Turn. Perspektiven der Soziologie des Körpers und des Sports. Bielefeld: Transcript.

  • Gugutzer, R., 2012: Verkörperungen des Sozialen. Neophänomenologische Grundlagen und soziologische Analysen. Bielefeld: Transcript.

  • Hassoun, J.P., 2005: Emotions on the Trading Floor. S. 102–120 in: K. Knorr Cetina & A. Preda (Hrsg.), The Sociology of Financial Markets. Oxford: Oxford University Press.

  • Hillmann, K.-H., 1994: Objektivität. S. 624–625 in: Ders. (Hrsg.): Wörterbuch der Soziologie. Stuttgart: Kröner.

  • Hirschauer, S., 2001: Ethnografisches Schreiben und die Schweigsamkeit des Sozialen. Zu einer Methodologie der Beschreibung. Zeitschrift für Soziologie 30: 429–451.

  • Hirschauer, S., 2008: Körper macht Wissen. Für eine Somatisierung des Wissensbegriffs. S. 974–983 in: K.S. Rehberg (Hrsg.), Die Natur der Gesellschaft. Verhandlungen des 33. Kongresses der Deutschen Gesellschaft für Soziologie in Kassel. Frankfurt am Main/New York: Campus.

  • Hochschild, A.R., 1979: Emotion Work, Feeling Rules, and Social Structure. American Journal of Sociology 85: 551–575.

  • Hochschild, A.R., 1990: Das gekaufte Herz: zur Kommerzialisierung der Gefühle. Frankfurt am Main/New York: Campus.

  • Introna, L., F. Ilharco & E. Fay (Hrsg.), 2008: Phenomenology, Organisation and Technology. Lisboa: Universidade Católica Editora.

  • Kalthoff, H., 2009: Die Finanzsoziologie: Social Studies of Finance. S. 266–287 in: J. Beckert & C. Deutschmann (Hrsg.), Wirtschaftssoziologie. Kölner Zeitschrift für Soziologie und Sozialpsychologie, Sonderheft 49. Wiesbaden: VS.

  • Katz, J., 1999: How Emotions Work. Chicago: University of Chicago Press.

  • Knorr Cetina, K., 2002: Wissenskulturen. Ein Vergleich naturwissenschaftlicher Wissensformen. Frankfurt am Main: Suhrkamp.

  • Knorr Cetina, K., 2003: From Pipes to Scopes: The Flow Architecture of Financial Markets. Distinktion – Scandinavian Journal of Social Theory 4: 7–23.

  • Knorr Cetina, K., 2007: Economic Sociology and the Sociology of Finance: Four Distinctions, Two Developments, One Field? Economic Sociology. The European Electronic Newsletter 8: 4–10.

  • Knorr Cetina, K., 2009: The Synthetic Situation: Interactionism for a Global World. Symbolic Interaction 32: 61–87.

  • Knorr Cetina, K. & U. Bruegger, 2002: Global Microstructures: The Virtual Societies of Financial Markets. American Journal of Sociology 107: 905–950.

  • Lakoff, G. & M. Johnson, 2003: Metaphors We Live By. Chicago: University of Chicago Press.

  • Lange, A.-C., M. Lenglet & R. Seyfert, 2016: Cultures of high-frequency trading: Mapping the landscape of algorithmic developments in contemporary financial markets. Economy and Society 45: 149–165.

  • Lange, M. & C. von Scheve, 2018: Emotionen als Form der Koordination beim Handel mit Zahlungsversprechen im Investmentbanking. S. 47–65 in: J. Beyer & K. Senge (Hrsg.), Finanzmarktsoziologie: Entscheidungen, Ungewissheit und Geldordnung. Wiesbaden: VS.

  • Langenohl, A., 2009: Finanzmarktöffentlichkeiten. Die funktionale Beziehung zwischen Finanzmarkt und öffentlichem Diskurs. S. 245–266 in: R. Diaz-Bone & G. Krell (Hrsg.), Diskurs und Ökonomie. Diskursanalytische Perspektiven auf Märkte und Organisationen. Wiesbaden: VS.

  • Latour, B., 2004: How to Talk About the Body? The Normative Dimension of Science Studies. Body & Society 10: 205–229.

  • Laube, S., 2016: Nervöse Märkte. Materielle und leibliche Praktiken im virtuellen Finanzhandel. Berlin: De Gruyter Oldenbourg.

  • Laube, S., S. Ernst-Kaiser & R. Baumgartner, 2007: Unfreiwillige Helfer von Selbstmördern. Soziale Bedingungen emotionaler Belastung von Lokführern durch Bahnsuizide und Formen ihrer Bewältigung. Österreichische Zeitschrift für Soziologie 32: 25–41.

  • Lindemann, G., 2009: Das Soziale von seinen Grenzen her denken. Weilerswist: Velbrück.

  • Lo, A.W. & D.V. Repin, 2002: The Psychophysiology of Real-Time Financial Risk Processing. Journal of Cogitive Neuroscience 14: 323–339.

  • MacKenzie, D., 2011: Evaluation Cultures? On Invoking ‘Culture’ in the Analysis of Behaviour in Financial Markets. Working Paper. URL: http://www.sps.ed.ac.uk/__data/assets/pdf_file/0007/64564/EvalCults11.pdf.

  • Magnusson, K., 2010: Das war ich nicht. Berlin: Kunstmann.

  • Mauss, M., 1975: Die Techniken des Körpers. S. 199–220 in: Ders.: Soziologie und Anthropologie, Band 2. München: Hanser.

  • Mayall, M., 2006: „Seeing the Market“: Technical Analysis in Trading Styles. Journal for the Theory of Social Behaviour 36: 119–140.

  • Nuckolls, J.B., 2004: Language and Nature in Sound Alignment. S. 65–86 in: V. Erlmann (Hrsg.), Hearing Cultures: Essays on Sound, Listening and Modernity. Oxford: Berg.

  • Peterson, R.L., 2007: Inside the Investor’s Brain: The Power of Mind Over Money. Hoboken: Wiley.

  • Pixley, J., 2004: Emotions in Finance. Distrust and Uncertainty in Global Markets. Cambridge: Cambridge University Press.

  • Preda, A., 2007: Where do Analysts Come From? The Case of Financial Chartism. The Sociological Review 55: 40–64.

  • Preda, A., 2017: Machineries of Finance: Technologies and Sciences of Markets. S. 609–634 in: U. Felt, R. Fouché, C.A. Miller & L. Smith-Doerr (Hrsg.), Handbook of Science and Technology Studies. Fourth Edition. Cambridge MA: MIT Press.

  • Reckwitz, A., 2003: Grundelemente einer Theorie sozialer Praktiken. Eine sozialtheoretische Perspektive. Zeitschrift für Soziologie 32: 282–301.

  • Reckwitz, A., 2016: Praktiken und ihre Affekte. S. 163–180. in: H. Schäfer (Hrsg.), Praxistheorie. Ein soziologisches Forschungsprogramm. Bielefeld: Transcript.

  • Rheingold, H., 2000: Introduction. In: Ders.: The Virtual Community: Homesteading on the Electronic Frontier. Cambridge MA: MIT Press.

  • Schäfer, H. (Hrsg.), 2016: Praxistheorie. Ein soziologisches Forschungsprogramm. Bielefeld: Transcript.

  • Schatzki, T.R., K. Knorr Cetina & E. von Savigny (Hrsg.), 2001: The Practice Turn in Contemporary Theory. London: Routledge.

  • Scherke, K., 2009: Emotionen als Forschungsgegenstand der deutschsprachigen Soziologie. Wiesbaden: Springer VS.

  • Schmidt, R., 2008: Praktiken des Programmierens. Zur Morphologie von Wissensarbeit in der Software-Entwicklung. Zeitschrift für Soziologie 37: 282–300.

  • Schmidt, R., 2012: Soziologie der Praktiken. Konzeptionelle Studien und empirische Analysen. Berlin: Suhrkamp.

  • Schmidt-Beck, K., 2007: Die Börsenkrise als Deutungskrise. Der Imperativ von Vorausschau am Beispiel fundamentalanalytischer Wissenskultur. S. 149–185 in: A. Langenohl & K. Schmidt-Beck (Hrsg.), Die Markt-Zeit der Finanzwirtschaft: Soziale, kulturelle und ökonomische Dimensionen. Marburg: Metropolis.

  • Schützeichel, R., 2008: Soziologische Emotionskonzepte und ihre Probleme. Österreichische Zeitschrift für Soziologie 33: 82–96.

  • Schützeichel, R., 2016: Emotion. S. 21–26 in: R. Gugutzer, G. Klein & M. Meuser (Hrsg.), Handbuch Körpersoziologie. Band 1: Grundbegriffe und theoretische Perspektiven. Wiesbaden: Springer VS.

  • Senge, K., 2018: Das Problem der Ungewissheit auf den Finanzmärkten und das Wissen um das „gute Gefühl“. S. 67–91 in: J. Beyer & K. Senge (Hrsg.), Finanzmarktsoziologie: Entscheidungen, Ungewissheit und Geldordnung. Wiesbaden: VS.

  • Shiller, R.J., 2000: Irrational Exuberance. Princeton NJ: Princeton University Press.

  • Shiller, R.J., 2011: Democratizing and Humanizing Finance. S. 1–50 in: R.S. Kroszner & R.J. Shiller (Hrsg.), Reforming U.S. Financial Markets. Reflections Before and Beyond Dodd-Frank. Cambridge MA.: MIT Press.

  • Slaby, J., R. Mühlhoff & P. Wüschner, 2017: Affective Arrangements. Emotion Review. Online First: https://doi.org/10.1177/1754073917722214.

  • Spradley, J.P., 2016: Participant Observation. Long Grove: Waveland Press.

  • Stephens, N. & J. Lewis, 2017: Doing Laboratory Ethnography: Reflections on Method in Scientific Workplaces. Qualitative Research 17: 202–216.

  • Strauss, A., S. Fagerhaugh, B. Suczek & C. Wiener, 1980: Gefühlsarbeit. Ein Beitrag zur Arbeits- und Berufssoziologie. Kölner Zeitschrift für Soziologie und Sozialpsychologie 32: 629–651.

  • Thaler, R.H. & C.R. Sunstein, 2009: Nudge. Improving Decisions about Health, Wealth, and Happiness. New Haven: Yale University Press.

  • Thoits, P., 1996: Managing the Emotions of Others. Symbolic Interaction 19: 85–109.

  • Weber, Max, 1988: Der Börsenverkehr. S. 289–322 in: M. Weber, Gesammelte Aufsätze zur Soziologie und Sozialpolitik. Tübingen: Mohr Siebeck

  • Weihrich, M. & W. Dunkel, 2010: Sammelbesprechung: Gefühl und Emotion. Soziologische Revue 33: 331–342.

  • Zaloom, C., 2006: Out of the Pits: Traders and Technology from Chicago to London. Chicago: University of Chicago Press.

  • Zaloom, C., 2009: How to Read the Future: The Yield Curve, Affect, and Financial Prediction. Public Culture 21: 245–268.

  • Zwick, D., 2005: Where the Action Is: Internet Stock Trading as Edgework. Journal of Computer-Mediated Communication 11: 22–43.

Footnotes

1

 Im hier beschriebenen Finanzhandel stellen derartige „Techniken des Körpers“ (Mauss 1975) eine in der Finanzsoziologie weitgehend ignorierte, aber zentrale Voraussetzung für die dauerhafte Stillstellung der Händlerkörper vor den Finanzbildschirmen dar (vgl. Laube 2016: 57–74).

2

 In einer Reihe befinden sich bis zu zehn Arbeitsplätze, wobei die einzelnen Teilnehmenden zu internen Gruppen von drei bis sechs Personen zusammengefasst sind. Jede Gruppe handelt ungefähr dieselbe überschaubare Anzahl von Wertpapieren.

3

 Siehe Hassoun (2005) für eine ähnliche Beobachtung im traditionellen Rufhandel.

4

 Derartige Verlebendigungen finden auch in politischen und journalistischen Finanzdiskursen breite Verwendung (Langenohl 2009).

If the inline PDF is not rendering correctly, you can download the PDF file here.

  • Ackert, L.F., B.K. Church & R. Deaves, 2003: Emotion and Financial Markets. Federal Reserve Bank of Atlanta Economic Review 88: 33–41.

  • Akerlof, G.A. & R.J. Shiller, 2009: Animal Spirits: How Human Psychology Drives the Economy, and Why it Matters for Global Capitalism. Princeton: Princeton University Press.

  • Barberis, N. & R.H. Thaler, 2002: A Survey of Behavioral Finance. Social Science Research Network (SSRN) eLibrary. URL: http://ssrn.com/paper=327880.

  • Bechara, A. & A.R. Damasio, 2005: The somatic marker hypothesis: A neural theory of economic decision. Games and Economic Behavior 52: 336–372.

  • Beckert, J., 1996: Was ist soziologisch an der Wirtschaftssoziologie? Ungewissheit und die Einbettung wirtschaftlichen Handelns. Zeitschrift für Soziologie 25: 125–146.

  • Beckert, J., 2006: Was tun? Die emotionale Konstruktion von Zuversicht bei Entscheidungen unter Ungewissheit. S. 123–141 in: A. Scherzberg (Hrsg.), Kluges Entscheiden. Disziplinäre Grundlagen und interdisziplinäre Verknüpfungen. Tübingen: Mohr Siebeck.

  • Beckert, J., 2016: Imagined Futures: Fictional Expectations and Capitalist Dynamics. Cambridge MA: Harvard University Press.

  • Breidenstein, G., S. Hirschauer, H. Kalthoff & B. Nieswand, 2013: Ethnografie: Die Praxis der Feldforschung. Konstanz: UVK.

  • Callon, M., Y. Millo & F. Muniesa (Hrsg.), 2007: Market Devices. Special Issue of the Sociological Review Monograph Series. Malden: Blackwell.

  • Damasio, A.R., 2003: Der Spinoza-Effekt. Wie Gefühle unser Leben bestimmen. München: List.

  • Dant, T. & B. Wheaton, 2007: Windsurfing: An Extreme Form of Material and Embodied interaction? Anthropology Today 23: 8–12.

  • Dequech, D., 2011: Uncertainty: A Typology and Refinements of Existing Concepts. Journal of Economic Issues 3: 621–640.

  • Dewey, J., 1998: Die Suche nach Gewißheit. Eine Untersuchung des Verhältnisses von Erkenntnis und Handeln. Frankfurt am Main: Suhrkamp.

  • DiMaggio, P., 2002: Endogenizing Animal Spirits: Towards a Sociology of Collective Response to Uncertainty and Risk. S. 79–100 in: M.F. Guillen, R. Collins, P. England & M. Meyer (Hrsg.), The New Economic Sociology. New York: Sage.

  • Egger de Campo, M. & S. Laube, 2008: Barrieren, Brücken und Balancen. Gefühlsarbeit in der Altenpflege und im Call-Center. Österreichische Zeitschrift für Soziologie 33 (Themenheft: Soziologie der Emotionen): 19–42.

  • Elias, N., 1990: Über Menschen und ihre Emotionen. Ein Beitrag zur Evolution der Gesellschaft. Zeitschrift für Semiotik 12: 337–357.

  • Emerson, R.M., R.I. Fretz & L.L. Shaw, 1995: Writing Ethnographic Fieldnotes. Chicago: University of Chicago Press.

  • Fenton-O’Creevy, M., E. Soane, N. Nicholson & P. Willman, 2011: Thinking, Feeling and Deciding: The Influence of Emotions on the Decision Making and Performance of Traders. Journal of Organizational Behavior 32: 1044–1061.

  • Flam, H., 2002: Soziologie der Emotionen: Eine Einführung. Konstanz: UVK.

  • Frerichs, S., 2012: Von Menschen, Märkten und Moneten. Eine Kritik verhaltensökonomischer Erklärungsmodelle der Finanzkrise. S. 103–118 in: K. Kraemer & S. Nessel (Hrsg.), Entfesselte Finanzmärkte. Soziologische Analysen des modernen Kapitalismus. Frankfurt am Main/New York: Campus.

  • Garfinkel, H. & H. Sacks, 1970: On Formal Structures of Practical Action. S. 337–366 in: J.C. McKinney & E.A. Tiryakin (Hrsg.), Theoretical Sociology. Perspectives and Developments. New York: Appleton-Century-Crofts.

  • Gell, A., 1999: The Language of the Forest: Landscape and Phonological Iconism in Umeda. S. 232–258 in: E. Hirsch (Hrsg.), The Art of Anthropology: Essays and Diagrams. Oxford: Berg.

  • Gerhards, J., 1988: Soziologie der Emotionen: Fragestellungen, Systematik und Perspektiven. Weinheim: Juventa.

  • Goffman, E., 1978: Response Cries. Language 54: 787–815.

  • Goffman, E., 1982: Die Territorien des Selbst. S. 54–96 in: Ders.: Das Individuum im öffentlichen Austausch. Mikrostudien zur öffentlichen Ordnung. Frankfurt am Main: Suhrkamp.

  • Gugutzer, R., 2006: Der Body Turn in der Soziologie. Eine programmatische Einführung. S. 9–56 in: R. Gugutzer (Hrsg.), Body Turn. Perspektiven der Soziologie des Körpers und des Sports. Bielefeld: Transcript.

  • Gugutzer, R., 2012: Verkörperungen des Sozialen. Neophänomenologische Grundlagen und soziologische Analysen. Bielefeld: Transcript.

  • Hassoun, J.P., 2005: Emotions on the Trading Floor. S. 102–120 in: K. Knorr Cetina & A. Preda (Hrsg.), The Sociology of Financial Markets. Oxford: Oxford University Press.

  • Hillmann, K.-H., 1994: Objektivität. S. 624–625 in: Ders. (Hrsg.): Wörterbuch der Soziologie. Stuttgart: Kröner.

  • Hirschauer, S., 2001: Ethnografisches Schreiben und die Schweigsamkeit des Sozialen. Zu einer Methodologie der Beschreibung. Zeitschrift für Soziologie 30: 429–451.

  • Hirschauer, S., 2008: Körper macht Wissen. Für eine Somatisierung des Wissensbegriffs. S. 974–983 in: K.S. Rehberg (Hrsg.), Die Natur der Gesellschaft. Verhandlungen des 33. Kongresses der Deutschen Gesellschaft für Soziologie in Kassel. Frankfurt am Main/New York: Campus.

  • Hochschild, A.R., 1979: Emotion Work, Feeling Rules, and Social Structure. American Journal of Sociology 85: 551–575.

  • Hochschild, A.R., 1990: Das gekaufte Herz: zur Kommerzialisierung der Gefühle. Frankfurt am Main/New York: Campus.

  • Introna, L., F. Ilharco & E. Fay (Hrsg.), 2008: Phenomenology, Organisation and Technology. Lisboa: Universidade Católica Editora.

  • Kalthoff, H., 2009: Die Finanzsoziologie: Social Studies of Finance. S. 266–287 in: J. Beckert & C. Deutschmann (Hrsg.), Wirtschaftssoziologie. Kölner Zeitschrift für Soziologie und Sozialpsychologie, Sonderheft 49. Wiesbaden: VS.

  • Katz, J., 1999: How Emotions Work. Chicago: University of Chicago Press.

  • Knorr Cetina, K., 2002: Wissenskulturen. Ein Vergleich naturwissenschaftlicher Wissensformen. Frankfurt am Main: Suhrkamp.

  • Knorr Cetina, K., 2003: From Pipes to Scopes: The Flow Architecture of Financial Markets. Distinktion – Scandinavian Journal of Social Theory 4: 7–23.

  • Knorr Cetina, K., 2007: Economic Sociology and the Sociology of Finance: Four Distinctions, Two Developments, One Field? Economic Sociology. The European Electronic Newsletter 8: 4–10.

  • Knorr Cetina, K., 2009: The Synthetic Situation: Interactionism for a Global World. Symbolic Interaction 32: 61–87.

  • Knorr Cetina, K. & U. Bruegger, 2002: Global Microstructures: The Virtual Societies of Financial Markets. American Journal of Sociology 107: 905–950.

  • Lakoff, G. & M. Johnson, 2003: Metaphors We Live By. Chicago: University of Chicago Press.

  • Lange, A.-C., M. Lenglet & R. Seyfert, 2016: Cultures of high-frequency trading: Mapping the landscape of algorithmic developments in contemporary financial markets. Economy and Society 45: 149–165.

  • Lange, M. & C. von Scheve, 2018: Emotionen als Form der Koordination beim Handel mit Zahlungsversprechen im Investmentbanking. S. 47–65 in: J. Beyer & K. Senge (Hrsg.), Finanzmarktsoziologie: Entscheidungen, Ungewissheit und Geldordnung. Wiesbaden: VS.

  • Langenohl, A., 2009: Finanzmarktöffentlichkeiten. Die funktionale Beziehung zwischen Finanzmarkt und öffentlichem Diskurs. S. 245–266 in: R. Diaz-Bone & G. Krell (Hrsg.), Diskurs und Ökonomie. Diskursanalytische Perspektiven auf Märkte und Organisationen. Wiesbaden: VS.

  • Latour, B., 2004: How to Talk About the Body? The Normative Dimension of Science Studies. Body & Society 10: 205–229.

  • Laube, S., 2016: Nervöse Märkte. Materielle und leibliche Praktiken im virtuellen Finanzhandel. Berlin: De Gruyter Oldenbourg.

  • Laube, S., S. Ernst-Kaiser & R. Baumgartner, 2007: Unfreiwillige Helfer von Selbstmördern. Soziale Bedingungen emotionaler Belastung von Lokführern durch Bahnsuizide und Formen ihrer Bewältigung. Österreichische Zeitschrift für Soziologie 32: 25–41.

  • Lindemann, G., 2009: Das Soziale von seinen Grenzen her denken. Weilerswist: Velbrück.

  • Lo, A.W. & D.V. Repin, 2002: The Psychophysiology of Real-Time Financial Risk Processing. Journal of Cogitive Neuroscience 14: 323–339.

  • MacKenzie, D., 2011: Evaluation Cultures? On Invoking ‘Culture’ in the Analysis of Behaviour in Financial Markets. Working Paper. URL: http://www.sps.ed.ac.uk/__data/assets/pdf_file/0007/64564/EvalCults11.pdf.

  • Magnusson, K., 2010: Das war ich nicht. Berlin: Kunstmann.

  • Mauss, M., 1975: Die Techniken des Körpers. S. 199–220 in: Ders.: Soziologie und Anthropologie, Band 2. München: Hanser.

  • Mayall, M., 2006: „Seeing the Market“: Technical Analysis in Trading Styles. Journal for the Theory of Social Behaviour 36: 119–140.

  • Nuckolls, J.B., 2004: Language and Nature in Sound Alignment. S. 65–86 in: V. Erlmann (Hrsg.), Hearing Cultures: Essays on Sound, Listening and Modernity. Oxford: Berg.

  • Peterson, R.L., 2007: Inside the Investor’s Brain: The Power of Mind Over Money. Hoboken: Wiley.

  • Pixley, J., 2004: Emotions in Finance. Distrust and Uncertainty in Global Markets. Cambridge: Cambridge University Press.

  • Preda, A., 2007: Where do Analysts Come From? The Case of Financial Chartism. The Sociological Review 55: 40–64.

  • Preda, A., 2017: Machineries of Finance: Technologies and Sciences of Markets. S. 609–634 in: U. Felt, R. Fouché, C.A. Miller & L. Smith-Doerr (Hrsg.), Handbook of Science and Technology Studies. Fourth Edition. Cambridge MA: MIT Press.

  • Reckwitz, A., 2003: Grundelemente einer Theorie sozialer Praktiken. Eine sozialtheoretische Perspektive. Zeitschrift für Soziologie 32: 282–301.

  • Reckwitz, A., 2016: Praktiken und ihre Affekte. S. 163–180. in: H. Schäfer (Hrsg.), Praxistheorie. Ein soziologisches Forschungsprogramm. Bielefeld: Transcript.

  • Rheingold, H., 2000: Introduction. In: Ders.: The Virtual Community: Homesteading on the Electronic Frontier. Cambridge MA: MIT Press.

  • Schäfer, H. (Hrsg.), 2016: Praxistheorie. Ein soziologisches Forschungsprogramm. Bielefeld: Transcript.

  • Schatzki, T.R., K. Knorr Cetina & E. von Savigny (Hrsg.), 2001: The Practice Turn in Contemporary Theory. London: Routledge.

  • Scherke, K., 2009: Emotionen als Forschungsgegenstand der deutschsprachigen Soziologie. Wiesbaden: Springer VS.

  • Schmidt, R., 2008: Praktiken des Programmierens. Zur Morphologie von Wissensarbeit in der Software-Entwicklung. Zeitschrift für Soziologie 37: 282–300.

  • Schmidt, R., 2012: Soziologie der Praktiken. Konzeptionelle Studien und empirische Analysen. Berlin: Suhrkamp.

  • Schmidt-Beck, K., 2007: Die Börsenkrise als Deutungskrise. Der Imperativ von Vorausschau am Beispiel fundamentalanalytischer Wissenskultur. S. 149–185 in: A. Langenohl & K. Schmidt-Beck (Hrsg.), Die Markt-Zeit der Finanzwirtschaft: Soziale, kulturelle und ökonomische Dimensionen. Marburg: Metropolis.

  • Schützeichel, R., 2008: Soziologische Emotionskonzepte und ihre Probleme. Österreichische Zeitschrift für Soziologie 33: 82–96.

  • Schützeichel, R., 2016: Emotion. S. 21–26 in: R. Gugutzer, G. Klein & M. Meuser (Hrsg.), Handbuch Körpersoziologie. Band 1: Grundbegriffe und theoretische Perspektiven. Wiesbaden: Springer VS.

  • Senge, K., 2018: Das Problem der Ungewissheit auf den Finanzmärkten und das Wissen um das „gute Gefühl“. S. 67–91 in: J. Beyer & K. Senge (Hrsg.), Finanzmarktsoziologie: Entscheidungen, Ungewissheit und Geldordnung. Wiesbaden: VS.

  • Shiller, R.J., 2000: Irrational Exuberance. Princeton NJ: Princeton University Press.

  • Shiller, R.J., 2011: Democratizing and Humanizing Finance. S. 1–50 in: R.S. Kroszner & R.J. Shiller (Hrsg.), Reforming U.S. Financial Markets. Reflections Before and Beyond Dodd-Frank. Cambridge MA.: MIT Press.

  • Slaby, J., R. Mühlhoff & P. Wüschner, 2017: Affective Arrangements. Emotion Review. Online First: https://doi.org/10.1177/1754073917722214.

  • Spradley, J.P., 2016: Participant Observation. Long Grove: Waveland Press.

  • Stephens, N. & J. Lewis, 2017: Doing Laboratory Ethnography: Reflections on Method in Scientific Workplaces. Qualitative Research 17: 202–216.

  • Strauss, A., S. Fagerhaugh, B. Suczek & C. Wiener, 1980: Gefühlsarbeit. Ein Beitrag zur Arbeits- und Berufssoziologie. Kölner Zeitschrift für Soziologie und Sozialpsychologie 32: 629–651.

  • Thaler, R.H. & C.R. Sunstein, 2009: Nudge. Improving Decisions about Health, Wealth, and Happiness. New Haven: Yale University Press.

  • Thoits, P., 1996: Managing the Emotions of Others. Symbolic Interaction 19: 85–109.

  • Weber, Max, 1988: Der Börsenverkehr. S. 289–322 in: M. Weber, Gesammelte Aufsätze zur Soziologie und Sozialpolitik. Tübingen: Mohr Siebeck

  • Weihrich, M. & W. Dunkel, 2010: Sammelbesprechung: Gefühl und Emotion. Soziologische Revue 33: 331–342.

  • Zaloom, C., 2006: Out of the Pits: Traders and Technology from Chicago to London. Chicago: University of Chicago Press.

  • Zaloom, C., 2009: How to Read the Future: The Yield Curve, Affect, and Financial Prediction. Public Culture 21: 245–268.

  • Zwick, D., 2005: Where the Action Is: Internet Stock Trading as Edgework. Journal of Computer-Mediated Communication 11: 22–43.

FREE ACCESS

Journal + Issues

The Zeitschrift für Soziologie publishes peer-reviewed articles from all areas of sociology, aiming to represent both the diversity of empirical research as well as the plurality of theoretical traditions. Founded in 1971, the journal aims to represent the discipline as comprehensively as possible, inviting contributions from sociologists regardless of their conceptual affinities and orientations.

Search

  • View in gallery

    Finanzmonitore an einem Trading Desk (© Wikimedia Commons / Dontworry – Eigenes Werk, CC BY-SA 3.0)

  • View in gallery

    Ein Basiswert als Real Time-Kurve am Bildschirm eines Händlers

  • View in gallery

    Offene Positionen auf dem Bildschirm eines Händlers