Nicht-/Anerkennung im Lebenszusammenhang prekär Beschäftigter ohne Paarbeziehung: Kompensation oder Kumulation von Anerkennungsdefiziten?

  • 1 Humboldt-Universität zu Berlin, Institut für Sozialwissenschaften, Unter den Linden 6, 10099, Berlin, Deutschland
  • 2 Humboldt-Universität zu Berlin, Institut für Sozialwissenschaften, Unter den Linden 6, 10099, Berlin, Deutschland
Prof. Dr. Christine Wimbauer
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  • Humboldt-Universität zu Berlin, Institut für Sozialwissenschaften, Unter den Linden 6, 10099, Berlin, Deutschland
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  • Christine Wimbauer, seit 2015 Professorin für Soziologie der Arbeit und Geschlechterverhältnisse am Institut für Sozialwissenschaften der Humboldt-Universität zu Berlin. Forschungsschwerpunkte: Geschlechterforschung, Soziologie der Arbeit (Erwerbs- und Sorgearbeit; u. a. Prekarisierung), Soziologie der Paar- und Nahbeziehungen, Liebe und Familien jenseits der Heteronorm, soziale Ungleichheit und Sozialstrukturanalyse, Sozial- und Familienpolitik, Anerkennungstheorie, qualitative Methoden (insbes. hermeneutische Verfahren) und Methodologie. Wichtigste Publikationen: Prekäre Arbeit, prekäre Liebe. Über Anerkennung und unsichere Lebensverhältnisse, Frankfurt a.M./New York 2020 (mit M. Motakef), Das Paarinterview. Methodologie – Methode – Methodenpraxis, Wiesbaden 2017 (mit M. Motakef), Wenn Arbeit Liebe ersetzt. Doppelkarriere-Paare zwischen Anerkennung und Ungleichheit. Frankfurt am Main & New York 2012.
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and Dr. Mona Motakef
  • Humboldt-Universität zu Berlin, Institut für Sozialwissenschaften, Unter den Linden 6, 10099, Berlin, Deutschland
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  • Mona Motakef, Studium der Sozialwissenschaften an der Universität Oldenburg und der University of Port Elizabeth/Südafrika. Promotion an der LMU München. Seit 2015 wissenschaftliche Mitarbeiterin im Arbeitsbereich „Arbeit und Geschlechterverhältnisse“ am Institut für Sozialwissenschaften der Humboldt Universität zu Berlin. Forschungsschwerpunkte: Geschlechterforschung, Soziologie der Arbeit, Soziale Ungleichheit, Soziologie der Paar- und Nahbeziehungen, Qualitative Methoden. Wichtigste Publikationen: Prekäre Arbeit, prekäre Liebe. Über Anerkennung und unsichere Lebensverhältnisse, Frankfurt a.M./New York 2020 (mit C. Wimbauer), Das Paarinterview. Methodologie – Methode – Methodenpraxis, Wiesbaden 2017, (mit C. Wimbauer), Prekarisierung, Bielefeld 2015.
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Zusammenfassung

Im Zentrum des Beitrages stehen Anerkennungsverhältnisse bei prekär Beschäftigten ohne Paarbeziehungen, die wir aus einer sinnverstehenden Perspektive auf den Lebenszusammenhang untersuchen: Werden erwerbsseitige Anerkennungsdefizite (und fehlende Paar-Liebe) in anderen Nahbeziehungen oder anderen Sinndimensionen kompensiert, abgefedert oder verstärkt? Grundlage ist Honneths Anerkennungstheorie, wonach ein gelungenes Selbstverhältnis – neben rechtlicher Anerkennung – intersubjektiver Anerkennung in der Erwerbssphäre und der Liebessphäre bedarf. Datenbasis sind acht narrative teil-leitfadengestützte Einzelinterviews mit prekär Beschäftigten ohne Paarbeziehung, die wir deutschlandweit zwischen 2014 und 2016 erhoben und hermeneutisch-fallrekonstruktiv ausgewertet haben. Empirisch fundiert werden drei idealtypische Konstellationen nachgezeichnet: Die Abmilderung erwerbsseitiger Anerkennungsdefizite durch Anerkennung in Nahbeziehungen oder alternativen Sinnquellen; ambivalente Relationierungen von Nicht-/Anerkennung in den Anerkennungssphären und die Kumulation multipler Anerkennungsdefizite. Zentral für eine oft verlaufskurvenförmige Kumulation von Anerkennungsdefiziten sind die gesellschaftliche Erwerbsarbeitszentrierung, Paarnormativität, die nicht adäquate Berücksichtigung von Sorgearbeit (Care) sowie von gesundheitlichen Beeinträchtigungen.

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