Karl Husa, Rüdiger Korff, Helmut Wohlschlägl (Hrsg.): Südostasien – Gesellschaften, Räume und Entwicklung. Buchreihe Edition Weltregionen, Band 25. Wien: new academic press (2018).

Heiko Faust 1
  • 1 Geographisches Institut, Abt. Humangeographie, Göttingen, Deutschland
Heiko Faust
HusaKarlKorffRüdigerWohlschläglHelmutSüdostasien – Gesellschaften, Räume und Entwicklung. Buchreihe Edition Weltregionen, Band 25new academic pressWien2018

Der umfangreiche regionalwissenschaftliche Sammelband zu Südostasien ist als aktualisierte und mit neuen Themen versehene Fortsetzung des im Jahre 2003 in der Reihe „Edition Weltregionen“ erschienenen Bandes 6 “Südostasien – Gesellschaften, Räume und Entwicklung im 20. Jahrhundert“ zu sehen. Mit 16 Aufsätzen von ausgewiesenen Regionalforscherinnen und -forschern aus den Bereichen Geschichte, Politik, Geographie sowie Kultur- und Sozialwissenschaften gelingt ein spannendes Nachschlagewerk, das sich bemüht, die Heterogeneitäten dieses dreigeteilten insularen, festländischen und bergländischen Großraums zu überblicken. Die Herausgeber verfolgen das Ziel, die jüngeren Prozesse der Globalisierung in das Zentrum zu rücken, die Südostasien als einmalige zusammenhängende Region gebildet und verändert haben. Das anspruchsvolle Unterfangen, die in der zweiten Hälfte des 20. Jh. gebildeten nationalstaatlichen Grenzen zu überwinden, gelingt überwiegend. Allerdings sind die Artikel in Erreichung der zentralen Zielsetzung, Südostasien nicht als Ansammlung von Staaten zu untersuchen, in Umfang, wissenschaftlicher Tiefe und Qualität ebenso heterogen wie die Geographie der bearbeiteten Region.

Die Gewichtung der Themenauswahl, der Aufbau und die Struktur des Sammelbandes sind nicht stringent nachvollziehbar. Schwerpunkte der Abhandlungen bilden historische Entwicklungen und Konflikte, Umweltveränderungen sowie demographische und wirtschaftliche Transformationen. Die Artikel erhellen kenntnisreich die anhaltenden dynamischen Transformationsprozesse mit ihren immer noch ausgeprägten ökonomischen und soziodemographischen regionalen Disparitäten. Sie integrieren aktuelle Entwicklungen in ihre Beiträge, allerdings werden die sich daraus ergebenden neuen Erkenntnisse und Perspektiven häufig nur vage benannt. Erfreulicherweise befassen sich mehrere Autoren und Autorinnen mit wichtigen Gegenwartsthemen bzw. -problemen, also Geopolitik, Flucht und Vertreibung, Umweltgefahren, Säkularisierung und Fundamentalismus sowie Gender und Medien. Gerade diese zeitgemäßen problemorientierten Fragestellungen belegen mit ihren bereichernden Aspekten die Bedeutung eines regionalwissenschaftlichen Sammelbandes für Experten und Laien. Denn diese Form der Publikation von vielfältigen Aspekten aus einer Großregion fördert das Denken und Reflektieren von Zusammenhängen außerordentlich.

Nach einer kurzen fundierten Einleitung, die allerdings teilweise wie eine Rechtfertigung des regionalwissenschaftlichen Sammelbandes klingt, folgt eine ausgezeichnete komparative Analyse der Hauptphasen der Staatsbildung in Südostasien. Die folgenden Beiträge zu Konflikten im südchinesischen Meer, Terrorismus und Gewaltkonflikten sowie Flucht und Vertreibung einschließlich der Rohingya-Krise sind hoch aktuell und fügen sich sehr gut zusammen. Der anschließende Artikel zu Gunst- und Ungunsträumen folgt dem klassischen länderkundlichen Schema. Umweltgefahren und Umweltdegradation sind spannende angeschlossene Themen, sie stehen aber kaum zusammenhängend nebeneinander. Ebenso wie der folgende kenntnisreiche Artikel zu Moderne und Ethnizität im Bergland Südostasiens, der etwas isoliert erscheint und ein Defizit des Sammelbandes hinsichtlich der ethnischen Gruppen im insularen Südostasien deutlich macht. Nach etwas mehr als der Hälfte des Bandes tritt mit den Themen Stadtentwicklung, Bevölkerungsentwicklung und Wirtschaftsentwicklung (einschließlich Tourismus) der zuvor bereits bemerkte länderkundliche Ansatz besonders hervor. Während der Urbanismus in Südostasien sehr gut mit aktuellen stadtgeographischen Fragen, z. B. dem Recht auf Stadt, verknüpft wird, haben die Ausführungen zu demographischem Übergang und demographischem Wandel, der Arbeitsmigration in den letzten 150 Jahren sowie der einzige wirtschaftsgeographische Artikel überwiegend beschreibenden Charakter. Die Deskriptionen sind sehr ausführlich und datenreich, die tabellarischen Details verlieren dabei den Anspruch des übergeordneten Betrachtens, indem sie sich in nationalstaatliches Vergleichen ergeben.

Die vergleichsweise knappen Abschlussbeiträge sind mit den Themen Religionen, Gender und Rundfunkmedien hingegen uneingeschränkt spannend und anregend. Sie zeigen die Potenziale auf, die ein themen- und disziplinübergreifender regionalwissenschaftlicher Sammelband hat und auch zukünftig haben kann. Wünschenswert wäre eine stärkere Beteiligung von Kolleginnen und Kollegen aus der Untersuchungsregion, auch wenn es sich um einen deutschsprachigen Sammelband handelt. Im letzten Artikel wird besonders deutlich wie bereichernd die Integration sein kann. Insgesamt handelt es sich um ein interessantes Lese- und Lehrbuch, das anregende Einblicke in eine höchst dynamische Großregion ermöglicht und damit sowohl für wissenschaftliche und nicht-wissenschaftliche Zielgruppen zu empfehlen ist.

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