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  • 8th-15th Century x
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Bild und Frömmigkeitspraxis im Umfeld der Reformation

Abstract

Der vorliegende Beitrag untersucht multireligiöse Kult- und Verehrungsstätten als potentielle Schauplätze von Ambiguitätstoleranz im Mittelalter. Im Fokus stehen überregional wie lokal bedeutende Pilgerheiligtümer im syro-palästinischen Raum (Jerusalem, Resafa, Ṣaydnāyā), die durch Angehörige verschiedener monotheistischer Religionsgemeinschaften oder auch Bekenntnisgruppen einer Religionsgemeinschaft aufgesucht wurden. Gefragt wird sowohl nach pluralen Raumarrangements als auch nach der konkreten Praxis des Umgangs mit Pilgerinnen und Pilgern, die nicht der jeweiligen religiösen Gemeinschaft am Ort angehörten.

Abstract

Anhand von Beispielen aus dem ‚nordischen‘ Personennamenkorpus im Reichenauer Verbrüderungsbuch geht dieser Beitrag der Frage der einzelsprachlichen Bestimmung von Namenbelegen nach, die im mehrsprachigen Umfeld verschriftet wurden. Grundlegend ist dabei, zwischen der linguistischen Betrachtung der formalsprachlichen Merkmale des effektiven Namenbelegs (token) und dessen zugehörigen Anthroponyms (type) zu trennen. Es zeigt sich allerdings, dass eine eindeutige sprachliche Zuordnung je nach Gewichtung einzelner Faktoren wie sprachlicher Form, Beleglage des Anthroponyms und handschriftlichem Überlieferungskontext mehr oder weniger klar ist, bei einigen Beispielen sogar als ambig stehen bleiben muss.

Abstract

Im lateineuropaischen Mittelalter bildete die binare Unterscheidung der Menschheit in Arme und Reiche ein gangiges soziales Deutungsmuster. Das Nebeneinander Bedurftiger und Beguterter schien biblischen Kategorien zu entsprechen und galt daher grundsatzlich als gottlich legitimiert. Vor dem Hintergrund einer sich okonomisch ausdifferenzierenden Gesellschaft geriet diese dualistische Vorstellung seit dem 12. Jahrhundert allerdings mehr und mehr in Bewegung, was nicht zuletzt zu einer immer starkeren Marginalisierung der Armen fuhrte. Die zur selben Zeit sich immer scharfer artikulierenden Vorwurfe an den Klerus, das evangelische Armutsgebot zu missachten, konnen in ebendiesen Kontext eingeordnet werden. Der Beitrag wirft die Frage auf, welche Rolle dem sich just in jener Gemengelage herausbildenden mendikantischen Armutskonzept im Wandel der Ordnungen und Deutungen des Sozialen zukam. Anhand apologetischer Schriften mendikantischer Autoren des 13. Jahrhunderts, namentlich von Thomas von Aquin, Bonaventura und Petrus Olivi ergrundet er, welchen Wert die Vordenker der Bettelorden der Leitdifferenz arm/reich beimasen, wie sie auf potentielle Verunklarungen reagierten und wo sie ihre eigenen Gemeinschaften im gesellschaftlichen Gefuge von Armut und Reichtum verorteten. Auf diese Weise wird erkennbar, dass das ursprungliche mendikantische Armutsideal und seine radikaleren Vertreter im 13. und 14. Jahrhundert auf eine Disambiguierung des Armutsbegriffs und auf die schematische Reduktion sozialer Komplexitat zielten.

Abstract

Dem mittelalterlichen Rechtsdiskurs wird in der Forschung ein hohes Mas an Ambiguitatstoleranz zugesprochen. Mit zunehmender Komplexitat der Gesellschaftsstruktur im Ubergang zur Fruhen Neuzeit jedoch wird ein gegenlaufiger Prozess beobachtet: die Disambiguierung. Das Recht stellte einen bedeutenden gesellschaftsstabilisierenden Faktor dar. Eine Stadt der Fruhen Neuzeit definierte sich masgeblich uber ihren rechtlichen Status, weswegen Eindeutigkeit auf der Ebene der Reprasentation des Rechts zu erreichen versucht wurde. Kommunikation uber Recht manifestierte sich auf unterschiedlichen Ebenen. Der Beitrag fokussiert den visuellen Diskurs um das Recht, der sich in hochstem Mase in Gerichtsorten konzentriert. Die Bildproduktion im Rechtskontext - so lautet die These - dient als Folie fur Aushandlungsprozesse einer sich wandelnden Rechtsprechungspraxis sowie gesellschaftlicher Leitdifferenzen. Im Bild wird eine eindeutige Festschreibung von Leitdifferenzen wie der Binaritat Recht/Unrecht vorgenommen und so ein Prozess der Disambiguierung in Gang gesetzt. Das Luneburger Niedergericht mit seiner reichen Ausstattung dient als besonders aussagekraftiges Beispiel, um diesen Prozess nachzuvollziehen.

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Abstract

Geschlechtlich uneindeutige Körper sind und waren historisch in vielfacher Weise „unsichtbar“ - zugleich haben und hatten sie erhebliches Skandalisierungspotential. Mein Beitrag untersucht die Bedingungen sowohl für die Skandalisierung als auch für das sehr alltägliche, unauffällige doing gender von „Hermaphroditen“ in den spätmittelalterlichen Gesellschaften Westeuropas. Für beides, sowohl die (oft sexualisierte) Skandalisierung als auch die Alltäglichkeit des Umgangs mit uneindeutigen Körpern, gibt es viele Belege aus unterschiedlichen Zeiten und Kontexten, die es verbieten, große Zeiträume pauschal als „tolerant“ oder „intolerant“ gegenüber geschlechtlich uneindeutigen Körpern zu kategorisieren. Dennoch lassen sich um 1500 Veränderungen beobachten, die nicht nur (aber dort sehr deutlich) im Bereich des gelehrten Wissens und der Strafnormen eine fundamentale Veränderung im Umgang mit geschlechtlich uneindeutigen Körpern bedeuteten. Meine These ist, dass es vor allem die Neudefinition devianter weiblicher Sexualität war, die diese Veränderungen bis in alltägliche Zusammenhänge hinein prägte: Veränderte medizinische Erklärungen weiblicher Sexualität, eine neue Aufmerksamkeit für die nun (wieder) so genannte „Tribadie“ und eine Neudefinition des Sodomie-Deliktes kreisten immer wieder auch um geschlechtlich uneindeutige Körper - und veränderten massiv die Bedingungen, unter denen Menschen mit uneindeutigen bzw. doppelten Geschlechtsorganen lebten.