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Abstract

Ibn al-Fāriḍ (gest. 632/1235), einer der bedeutendsten Dichter des Sufismus, entwickelt in seinem großen Lehrgedicht „Die Ordnung des Weges“ (Naẓm as-sulūk) eine mystische Ästhetik, indem er beschreibt, wie der Mensch die göttliche Schönheit (ǧamāl) erkennen kann, die sich in der irdischen Schönheit (ḥusn) manifestiert. Beide arabischen Begriffe haben in seinen Versen keine moralische Konnotation, worin er sich von anderen Sufis unterscheidet. Es ist ein Prozess der sinnlichen Wahrnehmung, an dem Geist (rūḥ) und Seele (nafs), sowie alle Sinnesorgane beteiligt sind. In diesem Prozess nehmen die Sinne die irdische Schönheit wahr und melden sie der Seele. Diese gibt die Botschaft an den Geist weiter, der allein imstande ist, die göttliche Essenz in der Materie zu erkennen. Am Ende des mystischen Weges, den Ibn al-Fāriḍ aus eigener Erfahrung schildert, hat er selbst die Stufe der kosmischen Einheit erreicht. Dort ist jede Trennung in Mikrokosmos und Makrokosmos aufgehoben. Im Mikrokosmos, im Menschen, fallen alle körperlichen Funktionen zusammen, sind austauschbar. Auf der Ebene des Makrokosmos sind die irdische Schönheit und die göttliche Schönheit eins geworden.