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Zusammenfassung

Dem Rechtsgefühl der Bevölkerung wird für rechtliche Entscheidungen kaum Bedeutung beigemessen. Dennoch wird in kriminalpolitischen Debatten und auch im Gesetz selbst nicht selten auf die Anschauungen der Allgemeinheit (jedenfalls implizit) abgestellt. Die empirische Erforschung des Rechtsempfindens ist problematisch. Es bestehen noch immer unterschiedliche Vorstellungen darüber, was unter dem Begriff zu verstehen ist und welche Forschungsfragen er umfasst. Auch zeichnet sich der Untersuchungsgegenstand bei näherer Betrachtung durch eine hohe Individualität, Komplexität und Wandelbarkeit aus. Der vorliegende Beitrag möchte Denkanstöße zu Inhalt und Funktionsweise des Rechtsgefühls liefern und so einen Impuls für die weitere Erforschung dieser Thematik setzen. Zudem soll mithilfe von Daten aus einer Studierendenbefragung zur sog. Kronzeugenregelung des § 46 b StGB gezeigt werden, dass man sich allgemeinen Bevölkerungseinstellungen – trotz zahlreicher methodischer Schwierigkeiten – zumindest annähern können dürfte. Hier eröffnen sich neue und attraktive Forschungsfelder für die empirische Kriminologie.

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Zusammenfassung

Um die Bedingungen, das Ausmaß und die Betroffenheit von Gewalt in totalen Institutionen wie dem Gefängnis zu verstehen, bedarf es solider empirischer Grundlagen. Mit Hilfe von Dunkelfeldbefragungen können auch Gewaltvorfälle analysiert werden, die der Institution bzw. der Öffentlichkeit nicht bekannt sind. Doch Opferbefragungen sind mit einer Reihe theoretischer und methodischer Herausforderungen verbunden, die sich im Kontext der Haft weiter zuspitzen: Die institutionellen Charakteristika, die Diversität der Häftlingspopulation, die Normalität von Gewalt im Gefängnis und damit verbunden die notwendige Demonstration von Männlichkeit sowie die enge Verbindung zwischen Täter- und Opferschaft haben Auswirkungen auf die Stichprobenzusammensetzung, die Teilnahmebereitschaft und die Thematisierbarkeit von Gewalterfahrungen. Die Einhaltung ethischer Standards ist in einem Feld, das den Prämissen von Sicherheit und Kontrolle verpflichtet ist, zusätzlich herausfordernd. Auf Basis einer repräsentativen Befragung (n = 386) in zehn österreichischen Justizvollzugsanstalten zu Erfahrungen psychischer, körperlicher und sexueller Gewalt werden methodische Zugänge und Lösungsansätze diskutiert, die zur Ausleuchtung des Dunkelfeldes beitragen sollen. Für die Thematisierbarkeit von Gewalt in Haft sind nicht nur Erkenntnisse der Erforschung von Gewalterfahrungen von Männern zu berücksichtigen. Um das große Potenzial von Face-to-Face-Befragungen auszuschöpfen, ist eine situations- und personensensible, dynamische und zeitlich flexible Handhabung der quantitativen Messinstrumente notwendig. So generierte qualitative Evidenz schafft inhaltliches Wissen, das nicht nur die Interpretation der Zahlen unterstützt, sondern ermöglicht, das Phänomen von Gewalt im Gefängnis in seiner Bedeutung und in seinen konkreten Erscheinungsformen besser zu verstehen. Auch was nicht erzählt wird, erzählt uns etwas über die totalste aller Institutionen.

Zusammenfassung

Im Bereich der Strafzumessungsforschung ist es erforderlich, die unterschiedlichen Sanktionsarten vergleichbar zu machen und auf einer einheitlichen Strafhärteskala abzubilden. Dieser Artikel gibt zunächst einen Überblick über die bisher erstellten Strafhärteskalen, die entweder ad hoc gesetzt, empirisch ermittelt oder logarithmisch skaliert wurden. In Deutschland gibt es bisher lediglich eine empirisch ermittelte Strafhärteskala, die zudem nur für Geldstrafen und Freiheitsstrafen bis zu zwei Jahren Gültigkeit für sich beanspruchen kann. Der Bereich hoher Freiheits- und Jugendstrafen ist empirisch nicht abgedeckt. Der hier vorgelegte empirische Skalierungsansatz soll einen Beitrag dazu leisten, diese Lücke zu schließen. Richterinnen und Richter an Landgerichten wurden zu ihrer Strafhärteeinschätzung befragt, und die gewonnenen Daten wurden mittels Magnitude-Skalierung skaliert. Die Studie ergab für alle vier untersuchten Sanktionsarten (Freiheitsstrafe mit und ohne Bewährung sowie Jugendstrafe mit und ohne Bewährung) Potenzfunktionen, mithilfe derer jeder ausgeurteilten Sanktion ein Härtewert zugewiesen werden kann.

Zusammenfassung

In der kriminologischen Forschung werden Effekte delinquenter Peerexposition auf das Legalverhalten junger Menschen gerne im Bezugsrahmen statistischer Mehrebenenanalysen bestimmt, in welchen die auf Kontextebene hochaggregierten Selbstauskünfte der befragten Personen als Indikator für die Kriminalitätsbelastung der Freunde verwendet werden. Gerade im europäischen Raum liegen solchen Untersuchungen häufig schulbasierte Stichproben zugrunde. Stillschweigend angenommen wird dabei, dass sich erstens die Freunde eines Jugendlichen aus den Schulkameraden rekrutieren und dass zweitens die aggregierte Delinquenzrate einer Schulkasse eine geeignete Messgröße für die Berechnung des Peer-Effektes darstellt. Dieser Beitrag problematisiert die zweite Annahme und weist nach, dass einerseits das Abstellen auf die unkorrigierte Klassenkriminalitätsrate artifizielle Befunde produziert, weil es den einzelnen Jugendlichen in die Bildung der Expositionsvariablen miteinbezieht (Ego-Bias-Problem), und andererseits der Rückgriff auf herkömmliche Mehrebenenanalysen die reziproken Wirkungsdynamiken zwischen jungen Menschen und ihren Klassenkameraden (Simultanitätsproblem) vernachlässigt. Beide Umstände können auf eine Überschätzung kriminogener Peer-Effekte hinauslaufen. Im gegenständlichen Beitrag werden Modellierungsvarianten, die hier geeignete Abhilfe versprechen, vorgestellt und beispielhaft auf die Ladendiebstahlsdelinquenz von Kindern und Jugendlichen angewandt. Sowohl Instrumentalvariablenregressionsanalysen als auch nicht-rekursive Strukturgleichungsmodelle erbringen Belege für eine moderate Abhängigkeit der Ladendiebstahlsprävalenz adoleszenter Personen vom Umfang der Diebstahlskriminalität ihrer Klassenkameraden.

Zusammenfassung

Durch die Behandlung in sozialtherapeutischen Einrichtungen des Strafvollzuges kann die Wiederverurteilungsrate von Straftätern wirksam reduziert werden, jedoch werden nicht alle Straftäter, die sich hier bewerben, aufgenommen. Ziel der vorliegenden Studie ist die Untersuchung Betroffener hinsichtlich rückfallrelevanter Risikobereiche, allgemeinem Rückfallrisiko und Strafrestzeit. Zu diesem Zweck wurden von der Sozialtherapeutischen Anstalt Tegel abgelehnte (n = 26) und angenommene (n = 47) Bewerber miteinander verglichen. Es konnte gezeigt werden, dass abgelehnte Gefangene psychisch gesünder und beruflich besser situiert waren, aber auch vermehrt antisoziale und delinquenzfördernde Einstellungen aufwiesen, wodurch eine Ablehnung signifikant vorhergesagt werden konnte. Darüber hinaus konnten keine Unterschiede zwischen Abgelehnten und Angenommenen festgestellt werden, allerdings zeigte sich, dass fehlende Wohngruppenfähigkeit, Drogenkonsum und unpassende Strafrestzeit offiziell am häufigsten als Ablehnungsgründe genannt wurden. Die Indikationskriterien sozialtherapeutischer Einrichtungen werden diskutiert und die Entwicklung alternativer Behandlungsangebote für abgelehnte Straftäter empfohlen.