Skip to content
Publicly Available Published by K. G. Saur 2021

Paik, Nam June

Mapplethorpe, Michelle Yun
EintragsspracheEntry Language
DeutschGerman
Weitere Namen
Paik, Nam June; Nam June Paik
Geschlecht
männlich
Beruf
Videokünstler; Neue Kunstformen; Performancekünstler; Bildhauer; Filmemacher; Filmkünstler; Mixed-Media-Künstler; Komponist
GEO-Nachweis
New York; Düsseldorf
Staat
Deutschland; Korea; Vereinigte Staaten
Geburtsdatum
1932.07.20
Geburtsort
Seoul; Söul; Sòul
Todesdatum
2006.01.29
Todesort
Miami (Florida)
PND-ID
PND118739018
Fundstelle
AKL XCIV, 2017, 140
Further Names
Paik, Nam June; Nam June Paik
Gender
male
Occupation
video artist; non-traditional arts; performance artist; sculptor; filmmaker; mixed media artist; Composer
Geographical data
New York; Düsseldorf
Country
Germany; Korea; United States of America
Date of birth
1932.07.20
Place of birth
Seoul; Söul; Sòul
Date of death
2006.01.29
Place of death
Miami (Florida)
PND-ID
PND118739018
Location
AKL XCIV, 2017, 140
InhaltsverzeichnisTable of Contents

Artikel

Vita

Paik, Nam June, koreanisch-US-amer. Video-, Performance- und Medienkünstler, Musiker, *20.7.1932 Seoul, †29.1.2006 Miami/Fla., 1965 Heirat mit der Künstlerin Shigeko Kubota.

Biogramm

P. wurde als dritter und jüngster Sohn einer wohlhabenden Unternehmerfamilie geboren. Mit dem Ausbruch des Koreakriegs floh die Fam. 1949 erst nach Hongkong, ließ sich aber dann 1950 endgültig in Tokio nieder, wo P. an der Univ. Musik, Kunstgesch. und Ästhetik studierte. Sein Interesse galt v.a. westlicher klassischer Musik, ganz bes. dem modernistischen Komponisten Arnold Schönberg, mit dem er sich in seiner Abschlussarbeit beschäftigte. 1956, nach seinem Univ.-Abschluss in Ästhetik, zog P. nach Deutschland, um seine musikalischen Studien mit dem Komponisten Thrasybulos Georgiades an der Univ. München fortzusetzen; danach studierte er zwei Jahre in Freiburg im Breisgau bei Wolfgang Fortner. In diesen Jahren lernte P. Joseph Beuys, John Cage, Wolf Vostell und andere kennen, die ihn in seinen Exkursen in die zeitgen. Kunst und Musik bestärkten. Zw. E. der 1950er Jahre und A. der 1960er konzentrierte sich P. auf musikbasierte Performances, während er gleichzeitig erste Versuche im Bereich der bild. Künste machte. Von A. an waren P.s Kunstwerke interaktiv angelegt. Viele Objekte integrierten elektronische Komponenten, z.B. Random Access (1963/2000, New York, Guggenheim), in dem erst die Beteiligung des Rezipienten das Werk vollendete. Diese Art experimenteller Projekte wurde in P.s erster Einzelausstellung "Exposition of Music-Electronic Television" (Wuppertal, Gall. Parnass, 11.-20. März 1963) manifestiert, in der P. dem Publikum erstmals seine überarbeiteten Fernsehgeräte vorführte, die ab diesem Zeitpunkt eine lebenslange Beschäftigung mit dem Medium bedeuten sollte. Diese Ausst. markierte eine wichtige Wende in P.s Œuvre weg von musikalischen Werken hin zu einem auf das Objekt gerichteten Kunstschaffen. Die interaktiven Skupturen in der Ausst. - bestehend aus unkonventionellen Mat., v.a. alltäglichen Elektrogeräten - markierten das Interesse des Künstlers, die Lücke zw. Kunst und Leben zu schließen, indem der menschliche Körper als Katalysator agierte, der die Kunstwerke erst aktivierte. Beeindruckt von P.s Performances in Deutschland, lud George Maciunas, die zentrale Figur der New Yorker Fluxus-Bewegung, ihn ein, der Gruppe in New York beizutreten. Vor der Reise in den USA verbrachte P. ein Jahr bei seiner Fam. in Tokio, wo er Shuya Abe kennenlernte, einen Ing. mit Studienabschlüssen in Experimenteller Physik und Elektrotechnik, der einer seiner wichtigsten Mitarbeiter wurde und mit dem zus. P. den Paik-Abe Videosynthesizer entwickelte. In dieser Zeit unterstützte Abe P. mit den Vorbereitungen zu Robot K-456, der 1964 P.s erster automatischer Roboter wurde. Mit der Ankunft in New York 1964 setzte P. seine Experimente in Fernseh- und Videotechnik fort. Mit Hilfe von Magneten und Entmagnetisierungsspulen gelang ihm die Umpolung einer Kathodenstrahlröhre eines Fernsehgeräts, was die Bildübertragung veränderte. Ein Jahr später bekam P. einen John D. Rockefeller Fund-Zuschuss von der Rockefeller Found., mit dem er einen der ersten auf dem Verbrauchermarkt erhältlichen Sony Portapak Videorekorder erwarb. Das neue, handliche Gerät ermöglichte es P. seine Videoexperimente mit seinem eigenen Bildmaterial durchzuführen. Eine Zeit lang war er ein aktives Mitgl. der Fluxus-Bewegung und schloss wichtige Freundschaften u.a. mit Cage, Merce Cunningham, Yoko Ono und Jud Yalkut, mit denen P. lebenslange Zusammenarbeiten verband. Seine wichtigste Partnerin bis zu ihrem frühen Tod 1991 wurde die Musikerin Charlotte Moorman. Aus dieser Zusammenarbeit gingen wichtige Performances wie Opera Sextronique (1967), TV Bra for Living Sculpture (1969, Minneapolis, Walker AC) und TV Cello (1971, Minneapolis, Walker AC) hervor. Diese multimedialen Arbeiten unterstreichen P.s Interesse Technik zu vermenschlichen, indem er Moormans Körper, oft in versch. Stadien des Ausgezogenseins, als Bildträger nutzte, auf der er seine elektronischen Skulpturen prominent anbrachte. Zwei frühe Ausst. in der Gal. Bonino in New York (1965 und 1968) etablierten P. als Video-Pionier und brachten ihm die erste Anerkennung im neuen Medium. TV Bra for Living Sculpture (1975) wurde von Moorman als Teil der wegweisenden Gruppen-Ausst. "TV as Creative Medium" in der Howard Wise Gall. in New York aufgeführt. Eine R. zusammenhängender Werke - TV Chair (1968), TV Glasses (1971), Chroma Key Glasses (1971) und TV Penis (1972) - fungierten in den Performances entweder als Körperfortsätze oder Requisiten, die die Kluft zw. Technologie und menschlicher Erfahrung überbrücken sollten. P. beschäftigte sich kontinuierlich mit der Zukunft des Mediums und setzte sich ständig mit Wiss. und Forschung auseinander, um seine technischen Kenntnisse zu erweitern. So wurde er ein unermüdlicher Leser wiss. Zs. und elektronischer Handbücher; daneben war er durch sein Stud. ein versierter Kenner östlicher wie westlicher Lit. und Philosophie. P. setzte seine Videoexperimente während eines Aufenthalts an den Bell Labs in New York fort, die in eines seiner frühesten Videos, Digital Experiment at Bell Labs (um 1966), mündete und das zeigt, wie der Künstler Licht und technische Daten veränderte, um minimalistische, graf. Bilder zu produzieren. Zunehmend versuchte P. für die Videokunst ein Werkzeug zu entwickeln, das es ihm erlaubte, sein eigenes Bildmaterial zu verändern, um so die Möglichkeiten des Medium weiter auszuloten. 1969 beendeten er und Abe, während eines von der Rockefeller Found. gestifteten Artist in Residency am New Television Workshop, das zum öff. Sendernetz des WGBH in Boston/Mass. gehörte, das Design des Paik-Abe Video Synthesizers, das Künstlern dabei helfen sollte, techn. innovative Arbeiten selbstständig zu gestalten, ohne auf Techniker angewiesen zu sein. Die neuen Möglichkeiten des Paik-Abe Video Synthesizers in der Produktion und Postproduktion machten es möglich, Closed-Circuit-Videoübertragungen und vorher aufgenommenes Filmmaterial in Videocollagen umzuwandeln, während sich die visuelle Ästhetik von realistischen Bildern bis zu stark abstrahierten Mustern einstellen ließ. Der Synthesizer beinhaltete auch Kameras, die live aufgenommenes Videomaterial einspielte, während er gleichzeitig auf bereits aufgenommene computer- oder filmgenerierte Bilder zugriff. Diese Bilder konnten dann in jeder Einstellung überlagert, vervielfacht oder aufgeteilt werden, sodass sich zeitliche und räumliche Veränderungen während des Videos verdichteten. Die Bedienung des Synthesizers erforderte körperliche Geschicklichkeit, die mit dem Spielen eines Instruments verglichen wurde und auf P.s musikalischen Ursprünge Bezug nahm. Es ist P.s Errungenschaft, mit der Entwicklung des Synthesizers die technologischen Grundlagen der Videokunst revolutioniert zu haben. Viele von seinen frühen, bedeutenden Arbeiten entstanden in den 1970er Jahren als Artist in Residence am WNET TV Lab, darunter Global Groove, zus. mit John Godfrey (1973), A Tribute to John Cage (1973) und Merce by Merce by Paik (1975/78, New York, Asia Soc.). Eine weitere wichtige Werkgruppe, die in den späteren Jahren entstand, war seine TV Buddha-Serie. Erstmals 1974 ausgeführt, behandelte die Ser. spielerisch die Beziehung zw. Technologie und menschlicher Spiritualität, die er in diesen Werken in Balance bringen wollte: eine alte Buddha-Figur wurde so vor ein internes Fernsehgerät platziert, dass sich die Statue gewissermaßen selbst betrachtete – eine direkte Interaktion zw. fernöstlicher Phil. und westlicher Technologie, zw. Vergangenheit und Gegenwart. Mit Family of Robot griff P. 1986 die Idee Roboter zu bauen erneut auf, indem er in der Ser. die Beziehung zw. Fam. und technologischem Fortschritt beleuchtete. Die Roboter wurden mit elektronischen Haushaltswaren wie alten Radios und Fernsehbildschirmen gestaltet, in denen von P. gestaltete Videos im Loop gezeigt wurden. Family of Robot war die erste einer Ser. zahlr. Roboterskulpturen der 1990er Jahren, von denen viele auf Grundlage hist. Figuren, wie Dschingis Khan oder Li Tai Po (1987, New York, Asia Soc.), oder seiner Freunde, darunter Cage und Cunningham, entstanden. P.s Idee mit Hilfte der Satellitentechnologie Informationen global zu verbreiten, lassen sich auf einen Brief an die Rockefeller Found. von 1974 zurückverfolgen und wurden erstmals 1977 auf der documenta 6 umgesetzt, als er zus. mit Beuys und Douglas Davis live eine Fernsehschaltung machte. Seine erste größere internat. Satellitenübertragung erfolgte 1984 mit der Produktion von Good Morning Mr. Orwell. Dieser Live-Event kombinierte räumliche, zeitliche und kontextuelle Elemente von gleichzeitig ausgestrahlten Programmen in New York und Paris. Die Sendung war als Kritik an George Orwells dystopischer Beurteilung der ges. Folgen technologischen Fortschritts gedacht, die jener im Roman "1984" (1948) entworfen hatte. 1993 wurde P. zus. mit Hans Haacke ausgewählt den dt. Pavillon auf der Bienn. in Venedig zu bespielen, für die beide (Haacke, "Germania"; P., Artist as Nomad) mit dem Goldenen Löwen für den besten Pavillon ausgezeichnet wurden. 1996 wurde P. durch einen Schlaganfall gelähmt, dennoch setzte er seine Arbeit mit den neuen Medien und Videoinstallationen bis zu seinem Tod fort. – P. war ein versierter Künstler, der Gebrauchsobjekte in dynamische multimediale Installationen verwandeln konnte. Er nutzte neue Technologien dazu, Kunst neu zu definieren und schaffte es, die Grenzen zw. Wissenschaft, bild. Künsten und Populärkultur zu verwischen, indem er Medien nutzte, die urspr. mit Massenunterhaltung oder Wiss. assoziiert waren. Seine künstlerische Praxis leistete einen wesentlichen Beitrag zur aktuellen Avantgarde in Medienkunst und Technologie. P.s kontinuierlicher Einfluss ist ebenso im Werk der jüngeren Künstlergenerationen spürbar wie in der inhaltlichen Ausrichtung internat. Mus., Institutionen und Ausbildungsstätten.

Werke

Amsterdam, Sted. Mus. berlin, Hamburger Bahnhof. Bremen, KH. Minneapolis/Minn., Walker AC. Wuppertal, Von der Heyd -Mus., Slg Rosenkranz. Wien, MMK Stiftung Ludwig.

Selbstzeugnisse

Versatile Color TV Synthesizer, 1969, in: J.Rosebush (Ed.), N.J.P., N.Y. 1974 (Nachdruck); WNET-TV Lab News 2:1973, s.p.; Electronic Art III: Paik-Abe Video Synthesizer with Charlotte Moorman, N.Y. 1971 (Gal.-Broschüre); E.Decker (Ed.), Niederschriften eines Kulturnomaden, Köln 1992.

Ausstellungen

E: New York: 1982 Whitney (K); 2000 Guggenheim (K); 2014-15 Asia Society Mus. (K) / 2004 Berlin, Dt. Guggenheim (K) / 2010 Düsseldorf, Mus. Kunst-Pal. (Wander-Ausst., K) / Washington, D.C.: 2012-13 Smithsonian Amer. AM. (K); 2013 NM of Amer. Art / 2013 Modena, Gall. Civ. (K) / 2015-15 New York, Asia Soc. Mus. (K) / 2015 Hong Kong, Gagosian Gall. (K) / 2016 München, Gal. Thomas Modern (mit Joseph Beuys, K). - G: New York: 1968 MoMA: The Machine: As Seen at the End of the Mechanical Age (K); 1969 Howard Wise Gall.: TV as a Creative Medium; Whitney: 1977 Biennale (K); 2000 The amer. c.: art and culture, 1900-2000 (K) / 1971 Sonsbeek: Sonsbeek 71 (K) / Kassel 1977, '87: documenta (alle K) / 1983 Hyogo: Hyogo Prefectural MMA: Amer. Video: Twenty New Works / Köln: 1982 KV: Videokunst in Deutschland, 1963-82 (K); 1989 KV, Kunststation St.Peter, Belg. Haus und DuMont KH: Video Skulptur: retrospektiv und aktuell, 1963-89 / 1989 Paris, MNAM: Magiciens de la Terre / 1993 Venedig: Bienn. (K) / 2009-10 Berlin, Hamburger Bahnhof: Die Kunst ist super! / 2011 Dortmund, Mus. Ostwall: Bild für Bild / 2020 Berlin, Hamburger Bahnhof: Magical soup (K).

Bibliographie

ContempArtists, 1983; W.Herzogenrath, in: Künstler. Kritisches Lex. der Gegenwartskunst, Ausg. 2, M. 1988; EAPD, 1989; DA XXIII, 1996; Weilbach VI, 1997; I.F. Walther, Künstler-Lex., in: Kunst des 20. Jh., II, Köln u.a. 1998; R.Kostelanetz, A dict. of the Avant-Gardes, N.Y. 22000; Delarge, 2001. – W.Herzogenrath, N.J.P. (K KV), Köln 1980; Art for 25 Million People: Bonjour, Monsieur Orwell (K DAAD-Gal.), B. 1984;Th.Kellein/T.Stoos (Ed.), N.J.P., N.Y. 1993; K.Bussmann/F.Matzner (Ed.), N.J.P.: eine DATA base, St. 1993; F.Matzner (Ed.), N.J.P., Ostfildern 1995; E.Decker-Philips, P. Video, Barrytown/N.Y. 1998; W.Herzogenrath, N.J.P. (K KH), Bremen 1999; A.Pace, N.J.P. a Vinci, Pistoia 2002; L.Cabutti, Il Giocoliere Elettronico, To. 2002; R.Frieling/W.Herzogenrath (Ed.), 40jahrevideokunst.de (K Wander-Ausst.), Ostfildern 2006; H.-G. Golinski, P. on Paper, Köln 2006 P.Weibel/G.Holler-Schuster (Ed.), Fluxus, Happening, Konzeptkunst (K Neue Gal.), Graz 2007; W.Herzogenrath/A.Kreul (Ed.), N.J.P., Köln 2007; R.Wiehager, Blitzen-Benz Bang. Mixed Media, Skulpt., Auftragswerke (K Daimler Art Coll.), Ostfildern 2009; G.Holler-Schuster/C.Steinle (Ed.), Rewind, fast forward. Die Video-Slg (K Neue Gal. am LM Joanneum), Graz 2009; S.-K. Lee/S.Rennert (Ed.), N.J.P. (K Tate), Lo. 2010; M.Michalka, Changing Channels, Köln 2010; E.Kim, N.J.P., Videokunst im Mus., B. 2012. – Washington, D.C., Smithsonian Amer. AM, N.J.P. Arch.: The Age of Slow Motion.

QuelleSource

Scroll Up Arrow