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Publicly Available Published by K. G. Saur 2021

Bosch, Hieronymus

Gibson, Walter S.

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Artikel

Vita

Bosch (van Aken), Hieronymus (Jheronimus), holl. Maler und Zeichner, *um 1450 's-Hertogenbosch, †vor 9.8.1516 ebd.

Biogramm

Mitgl. der vermutl. aus Aachen stammenden Malerfamilie van Aken, die seit dem frühen 15.Jh. in 's-Hertogenbosch nachweisbar ist; er selbst wird dort 1474 erstmals erwähnt. Auch sein Bruder Goosen war Maler. Ausbildung vermutl. beim Vater, Anthonis van Aken (da wenig über frühere Malerei in 's-Hertogenbosch bek. ist, liegen B.s künstlerische Anfänge im Dunkeln). Seine ersten Arbeiten sind mit der Kunst der n. Niederlande verwandt. Gelegentlich wird behauptet, er hätte in Utrecht gelernt. Es gibt keinen Beweis, dass B. je seine Heimatstadt verlassen hätte. Die Hypothese eines Aufenthalts in Italien (1499-1504) stützt sich auf ein Triptychon (Venedig), das evtl. das Martyrium der in N-Italien verehrten hl.Julia darstellt, die Ikonogr. ist jedoch strittig. Die Authentizität von B.s vermeintlichem Porträt im Recueil d'Arras ist zweifelhaft. Vor 1480-81 heiratete er Aleyt (Aleit) Goyarts van den Meervenne, die aus einer wohlhabenden Fam. stammte (es ist nicht beweisbar, dass es eine Apothekerfamilie war); von gemeinsamen Kindern ist nichts bekannt. In Steuerbelegen erscheint B. als einer der wohlhabendsten Bürger seiner Heimatstadt, auf die seit 1510 seine Sign. "Jheronismus Bosch" verweist. Nach 1486 war er Mitgl. der Lieve Vrouwe Broederschap, für die er mehrere Aufträge ausführte: um 1488-89 zwei Altarflügel mit David und Abigail (verschollen; für einen 1476-77 von Adriaen van Wesel skulpierten Altar; ehem. St.-Janskerk, Kap. der Bruderschaft); 1491-92 Arbeit an einer Tafel mit den Namen der Mitgl. der Bruderschaft; 1493-94 Entwürfe (verschollen) für Glasfenster (Ausführung Willem Lombart); 1511-12 Entwürfe (verschollen) für ein Kruzifix, 1512-13 für einen Leuchter. Die Bruderschaft bezahlte B.s Gehilfen 1503-04 für das Malen von Wappen, konsultierte ihn 1508-09 wegen der farbigen Fassung und Vergoldung eines Schnitzaltars und hielt B.s Begräbnis in ihrer Kapelle. Spätere Quellen erwähnen auch andere Arbeiten B.s in der St.-Janskerk: Epiphanie, Geschichte von Judith und Esther und, auf zwei Flügeln eines Schnitzaltars über dem Hauptaltar, die Erschaffung der Welt. Seine Werke wurden auch von hohen Würdenträgern gekauft. 1504 wurde B. für ein von Philipp dem Schönen von Burgund bestelltes Jüngstes Gericht bezahlt, das häufig mit dem Gem. in Wien oder dem Fragm. in München gleichgesetzt wird. 1505 besaß Königin Isabella von Spanien drei Werke, vor 1524 Philipp von Burgund, Bischof von Utrecht, derer zwei (u.a. Das Steinschneiden). Ein Hl. Antonius war 1516 im Bes. der Statthalterin der Niederlande, Margarethe von Österreich. 1517 hatte Hendrik III. von Nassau vielleicht den Garten der Lüste in seinem Pal. in Brüssel. Die vier Gem. im Bes. von Kardinal Domenico Grimani (1521 von Marcantonio Michiel erwähnt) könnten die Tafeln von Himmel und Hölle im Dogen-Pal. in Venedig sein. Keines der erhaltenen Werke B.s ist dat. oder sicher dok., und seine Sign. auf einem Gem. oder einer Zchng garantiert nicht deren Echtheit. Zuschr. und Chronologie basieren v.a. auf stilistischen Analysen, die durch die zahlr. Kopien seiner Gem. erschwert werden. Frühe Forscher wie Tolnay (1937; 1966) und Baldass (1959; 1960) schrieben B. zw. 30 und 50 Gem. sowie 19 bis 24 Zchngn zu. Neuere Forscher haben diese Zahl durch wiss. Unters. der Werke stark eingeschränkt. Unverfehrt listet 1982 nur noch 25 Gem. und 14 Zchngn auf. Um diesen Kern gruppieren sich einige mutmaßliche Kopien verlorener Arbeiten und wenige Gem., die evtl. in B.s unmittelbarer Werkstatt entstanden. Obgleich Betrachter lange Zeit von B.s höchst origineller Bildwelt verwirrt wurden, ist es doch sehr wahrscheinlich, dass er ein orthodoxer Christ war, dessen Kunst die religiösen und sozialen Belange seiner Tage widerspiegelte. Wenn ihm auch ein gelegentlicher Anflug von Humor nicht fehlt, so offenbart seine Kunst doch eine grundlegend pessimistische Sicht der Menschheit und von deren Schicksal im Jenseits. Die Tischplatte mit den Sieben Todsünden und vier letzten Dingen zeigt eine Gesamtsicht von Sünde und Strafe, während in kleineren Werken wie Der Gaukler; Der Tod des Geizhalses und, ausgedehnter, im Heuwagen und Garten der Lüste einzelne Sünden zur Darst. kommen. Der Weg zur Erlösung bietet sich in Form der Imitatio Christi in einer Reihe von Passionsszenen und Bildern von Hll. in der Wildnis an (am umfassendsten im Antonius-Triptychon in Lissabon). Diese Themen, die in der trad. Bildwelt, Predigtliteratur u.a. ma. Quellen wurzeln, behandelte B. mit größter künstlerischer Virtuosität, speziell die Höllenszenen mit ihren Auswüchsen von Ungeheuern und Folter. B.s stilistische Entwicklung ist umstritten, aber sein Weg ist generell in drei Perioden unterteilt: 1470-90, 1490-1500 und 1500-1516. Zu den frühesten Gem. zählen die Epiphanie in Philadelphia, die Wiener Kreuztragung, der Frankfurter Ecce Homo und die Tischplatte des Prado. Sie sind stilistisch recht einheitlich und reflektieren das Werk seiner holl. Vorgänger. Drei evtl. aus einem einzigen Werkkomplex stammende Fragm. (Der Tod des Geizhalses; Das Narrenschiff sowie die Allegorie von Völlerei und Lust in Yale) bezeichnen den Übergang zur mittleren Periode, in der sich sein schöpferischer Genius erstmals deutlich im Wiener Jüngsten Gericht und im Heuwagen offenbart. B.s Kunst gipfelt in den drei großen Triptychen der dritten Phase, dem Garten der Lüste, der Versuchung des hl.Antonius in Lissabon und der Epiphanie des Prado, die brillante formale Innovationen und eine neue kompositorische Klarheit aufweisen. Der Joh. Bapt. in der Wildnis sowie die Genter Kreuztragung können auch der letzten Periode zugerechnet werden. Weniger Einigkeit gibt es bei der Chronologie und Funktion seiner Zeichnungen. B. nährte seine visuelle Vorstellung an der Phantasie spätgotischer Dekoration, und holl. Buchmalerei mag zu den oft festgestellten "archaisierenden" Tendenzen in seinem Œuvre beigetragen haben, insbesondere den leuchtenden Farben und flach modellierten Formen. Aber als Erbe seiner niederl. Vorläufer schuf B. im Rotterdamer Landfahrer und dem Johannes auf Patmos auch einige der besten Landschaften seiner Zeit. Seine Frühwerke haben recht ausgearbeitete Vorzeichnungen, während sie in seinen reifen Bildern oft summarisch sind und generell nur die Hauptelemente der Komp. anzeigen. Mit losem, flüssigen Duktus entfernte sich B. häufig von seinem ursprünglichen Entwurf und brachte wichtige Änderungen manchmal während des Malvorgangs ein. Er folgte nicht, wie oft angenommen, einem vorher detailliert festgelegten ikonogr. Programm, sondern improvisierte vieles während des Arbeitsfortgangs. Obwohl B. Gehilfen hatte und einige Werke wie das Hiob-Triptychon evtl. in seiner Werkstatt entstanden, können keine Schüler benannt werden. Zu B.s Lebzeiten gab es Stiche des lokalen Entwerfers und Architekten Alart du Hameel, die seine Erfindungen reflektierten, nach B.s Tod Kopien seiner Gem. und neue Komp. in seiner Art von vielen Nachfolgern, bes. in Antwerpen (am besten bek. sind Pieter Huys, Jan Mandyn und v.a. Pieter Brueghel d.Ä., der in seiner Zeit als der "wiedergeborene Bosch" bek. war). Diese Nachfolger trugen zu B.s Ruf als "fazeur de diables" (Teufelmacher) bei, dessen Kreationen oft nur als Träume angesehen wurden. Jedoch wurde auch seine moralische Ernsthaftigkeit erkannt, bes. von span. Schriftstellern wie Felipe de Guevara (um 1550) und José de Sigüenza (1605); Philipp II. von Spanien erwarb viele Gem. B.s für den Escorial. Im 20.Jh. hat B.s Kunst zahlr. Kontroversen hervorgerufen, bei denen drei Hauptlinien der Interpretation unterschieden werden können: Einige Forscher dringen in B.s Bildwelt mit Hilfe der Psychoanalyse ein, um eventuelle Geistesstörungen festzustellen; für andere bildet seine Kunst die Lehren versch. ma. Häresien wie der Katharer bzw. der Brüder des freien Geistes (Fraenger, 1952) ab oder er galt als von Astrologie und Alchimie beeinflusst, und es wird oft angenommen, seine Bilder wären von einer Sekte in Auftrag gegeben worden, der er selbst angehörte; die dritte Interpretation betont die trad. Sicht von B.s Orthodoxie und unterstellt, dass seine Kunst die zeitgen. Moral und Frömmigkeit sowie (so Vandenbroeck, 1987) die Ideologie von B.s eigener städtischer Mittelklasse widerspiegele.

Werke

Gem.: Antwerpen, Koninkl. Mus.: Dornenkrönung. Berlin, Staatl. Mus., Gem.-Gal.: Johannes auf Patmos (r.), Passion Christi (v.). Boston/Mass., Mus. of FA: Ecce Homo, Triptychon (Werkstatt?). Brügge, Sted. Mus. voor Schone Kunsten: Jüngstes Gericht, Triptychon (z.T. Werkstatt?); Hiob-Triptychon (Werkstatt). Brüssel, Mus. R. des BA: Kreuzigung. El Escorial: Dornenkrönung; Der Heuwagen, Triptychon. Frankfurt Am Main, Städel: Ecce Homo. Gent, Mus. voor Schone Kunsten: Kreuztragung; Hl.Hieronymus. Köln, Wallraf-Richartz-Mus.: Geburt Christi. Lille, Pal. des BA: Konzert in einem Ei (Kopie). Lissabon, Mus. Nac. de Arte Antiga: Versuchung des hl.Antonius, Triptychon. London, Nat. Gall.: Dornenkrönung. Madrid, Mus. Lázaro Galdiano: Joh.Bapt. - Pal. Nac.: Kreuztragung. - Prado: Epiphanie, Triptychon; Garten der Lüste, Triptychon; Der Heuwagen, Triptychon; Hl.Antonius (Nachfolger B.s?); Das Steinschneiden; Die sieben Todsünden und vier letzten Dinge, bemalte Tischplatte. München, Alte Pin.: Jüngstes Gericht (Fragm.). New Haven/Conn., Yale Univ. Art Gall.: Allegorie von Völlerei und Lust. Paris, Louvre: Jesus unter den Schriftgelehrten (Kopie); Das Narrenschiff. Philadelphia, Mus. of Art: Jesus unter den Schriftgelehrten (Kopie); Epiphanie; 2 Fragm. einer Epiphanie. Rotterdam, Mus. Boymans-van Beuningen: Sintflut und Hölle; Hochzeit von Kana (Kopie?); Hl.Christophorus; Zwei Köpfe (Nachfolger?); Landfahrer (auch: Verlorener Sohn). St-Germain-En-Laye, Mus. Municipale: Der Gaukler. Venedig, Pal. Ducale: Himmel und Hölle (4 Tafeln); Eremiten-Altar, Triptychon; Hl.Wilgefortis (auch: Hl.Liberata; Hl.Julia), Triptychon. Washington/D.C., Nat. Gall. of Art: Der Tod des Geizhalses. Wien, Kunsthist. Mus.: Kreuztragung (r.), Knabe mit Windrad und Laufhilfe (v.). - ABK: Jüngstes Gericht, Triptychon. - Zchngn: Amsterdam, Rijks-Mus.: Stud. von Ungeheuern. Berlin, Kpst.-Kab.: Tier-Stud. (r.), 2 Ungeheuer (v.); Versuchung des hl.Antonius (r.), Konzert in einem Ei (v.); 2 Ungeheuer (r.), Schildkrötenmonster und geflügelter Dämon (v.); Der Wald hat Ohren, das Feld hat Augen (r.), Bettler u.a. (v.). Brüssel, Bibl. Albert Ier: Bettler und Krüppel. Dresden, Staatl. Kunst-Slgn: Hohepriester (r.), Höllenszene (v.); Maria und Johannes unter dem Kreuz (r.), Hl. Frau am Grabe (v.). London, Brit. Mus.: Grablegung; Mann bei der Rasur. New York, Metrop. Mus.: Zwei karikierte Köpfe (r.), Eva und die Schlange (v.). - Pierpont Morgan Libr.: Gruppe von Zuschauern. Oxford, Ashmolean Mus.: Monster-Stud. Paris, Louvre: Der Gaukler; Der Tod des Geizhalses; Mann, der einen Trog ausgießt; Versuchung des hl. Antonius (r.), Monster-Stud. (v.); Narrenschiff; Hexen. Providence, Rhode Island School of Design: Grotesken. Rotterdam, Mus. Boymans-van Beuningen: Eulennest in einem Baum; Rückenansicht eines stehenden Mannes; Zwei Hexen (r.), Reineke Fuchs (v.); Krieger (r.), Kopf-Stud. (v.). Sacramento/Calif., Crocker Art Gall.: Ecce Homo und Kreuztragung. - Slg Sir Alfred Mond: Grotesken. Wien, Albertina: Bienenkorb und Hexen; Der Baum-Mensch. - ABK: Narrenschiff in Flammen.

Ausstellungen

E: 1967, 2016 (K) 's-Hertogenbosch, Noordbrabants Mus. / 2016 Madrid, Prado (K) / 2016 Madrid, Real Monasterio de San Lorenzo de El Escorial (K). - G: 1936 Rotterdam, Mus. Boymans-van Beuningen: Nederlandsche primitieven / 1958 Amsterdam, Rijks-Mus.: Middeleeuwse kunst der Noordlijke Nederlanden / 1990 's-Hertogenbosch, Noordbrabants Mus.: In Boscoducis 1450-1629 (Kat. ed. A.M. Koldeweij, Maarsen/Den Haag 1990) / 1992 Venedig, Pal. Ducale: Le delizie dell'inferno. Dipinti di Jheronimus B. e altri fiamminghi restaurati.

Bibliographie

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Artikel aus Thieme-Becker

Biogramm

Bosch (van Aeken), Hieronymus, (signiert Iheronimus Bosch), urkundl. †1516 in 's Hertogenbosch, wo er zweifellos den größten Teil seines Lebens zugebracht hat. "Van Aeken" = von Aachen wahrscheinlich nach der Herkunft seiner Familie genannt; Bosch ist Abkürzung des Namens der Heimatstadt. Sein Geburtsjahr ist unbekannt: da er auf der Porträtzeichnung in Arras (Fol. 275) und in dem Stiche bei Lampsonius als Greis erscheint, wird man es vermutungsweise in die Mitte des 15. Jahrh. verlegen dürfen. B. wird vielfach in den Registern der Brüderschaft von U. L. F. in Hertogenbosch genannt, zuerst 1488, dann u. a. 1493-1494, 1498-1499, 1504, 1508-1509 und 1512 (nach Pinchart, s. u.). Daß er in Spanien war, wie alte Schriftsteller, wohl auf Grund des häufigen Vorkommens seiner Bilder auf der iberischen Halbinsel, behaupten, ist durch nichts bewiesen. 1493 od. 1494 fertigte B. die Zeichngn für die Glasfenster einer Kapelle in der St. Johanniskirche zu Hertogenbosch an; möglicherweise schreibt sich von dieser Beschäftigung, wie Glück ansprechend vermutet, die auffallende Vorliebe für das Rundbild her. Vor dem Jahre 1504 malte er für Philipp den Schönen "un grant tableau de paincture, de IX pieds de hault en Xj pieds de long, ctii doit estre le Jugement de Dien, assavoir paradis et enfer, que Monseigneur lui avait ordonné faire pour son très noble plaisir." 1516 ist eine Versuchung des hl. Antonius im Inventar der Statthalterin Margaretha von Österreich erwähnt, es ist das Jahr seines Todes, der in den genannten Registern so vermerkt wird: "Obitus fratrum: A.0 1516. Hieronimus Aqu-én arg Bosch, insignis pictor." Unter dem leeren Wappenschilde im Namen- und Wappenregister der Brüderschaft steht ferner: "Hieronimus Aquens. alias Bosch seer vermaerd schilder. Obiit 1516." Beglaubigt ist ferner aus diesem vielfach mysteriösen Malerleben, daß B. sechs Gemälde für die St. Johanniskirche gemalt hat, die sich noch 1611 dort befanden; seit 1629 sind sie verschwunden. Sie stellten dar: die Erschaffung der Welt, Abigail bei Salomo, die Anbetung der Könige, die Belagerung von Bethulia mit dein Mord von Holofernes und der Flucht von dessen Heer, Esther und Ahasverus. Zahlreiche Gemälde sind schon sehr frühe nach Italien (s. Anonimo Morelliano und Zanetti, Della Pittura Venezianal und nach Spanien gekommen (vgl. die Exzerpte aus alten Inventaren bei Justi, Jahrbuch der preuß. Kstsamml. X [1889] S. 141). Philipp II. trat die Erbschaft von sechs Gemälden des Don Felipe de Guevara an und erwarb noch zahlreiche hinzu. Sehr vieles ist verloren gegangen, leider besonders jene Gemälde volkstümlichen Inhalts, an die P. Bruegel angeknüpft hat ein "Tanz auf flandrische Art", die "Blinden auf der Saujagd", der "Blindenführer" (diese alle bei D. Felipe), "Fasten sind Karneval", die "Hochzeit", der "Mann auf dem Eise" usw. (ehemals im Jagdschloß Pardo, nach Argote de Molina, 1582). Viele Gemälde B.s sind eigenhändig signiert, aber nicht eines trägt ein Datum. Eine Entwicklungsgeschichte seiner malerischen Kunst zu geben, wäre verfrüht. Nicht einmal die Wurzeln von B.s Kunst sind freigelegt. Ein belgischer Gelehrter, Ed. Laloire, wollte auf Grund der höchst fragwürdigen späteren Aufschrift "Hieronimi Boscii Belgae propria manus" seine Hand in Miniaturen des Livre d'heures de Philippe de Clèves beim Herzog von Arenberg in Brüssel erkennen, das vor 1483 oder 1485 entstanden sein muß. (Les arts anciens de Flandre I 1905/06 S. 185). In Nordbrabant, im späteren Holland, hat B. gewirkt, ist aller Wahrscheinlichkeit nach dort zur Welt gekommen; so mag es verlockend sein, seine Kunst mit der frühholländischen der zweiten Hälfte des 15. Jahrh. zu vergleichen. Hat Geertgen tot Sint jans auf ihn eingewirkt? Sie haben manches Gemeinsame, das ist zweifellos; gelegentlich ähneln sich die Typen; vor allem hat die Landschaftsmalerei, die sie betreiben, manche Verwandtschaft. Beide Künstler bevorzugen den sehr hochliegenden Horizont. Aber verfehlt wäre es, B. von Geertgen irgendwie abhängig erscheinen zu lassen. Der Haarlemer Künstler ist nach van Mander erst 28 Jahre alt gestorben: sein Todesjahr ist 1493; B. ist vermutlich sogar älter. Mehr als Geertgen erinnert an B. der rätselhafte, bedeutende "Meister der Virgo inter Virgines", der wohl nicht so abhängig von Geertgen war, wie man lange angenommen hat. Schon auf diesen Holländer paßt, was Waagen dem B. vorgeworfen hat: "er vel zerrt das phantastische, in der Schule befindliche Element zum Gespensterhaften und Diabolischen " Er ist auch als Maler und Kolorist viel freier und bewegter als Geertgen, der feste Kontur und klare Komposition liebt. Es gibt Werke B.s, wie beispielsweise die sehr altertümliche Anbetung der Könige in der Berliner Samml. Lippmann, die:stark an die Weise jenes Anonymus erinnern; besonders die marklosen Gestalten der Männer mit dem schleichenden, müden Gang, das Karikierte des Ausdrucks findet sich hier wie dort. Die Frühwerke B.s - viele seiner Gemälde waren nach alten Nachrichten auf Tuch gemalt, also schnellem Verderben ausgesetzt - werden größtenteils verloren gegangen sein; den Urgrund, dem sie entstammen, ingen wir uns in Gemälden jenes Meisters, wie dem Passions-Altar im Bowes-Museum u. der Geburt Christi in der Berliner Samml. von Kaufmann, vorstellen. Es sind jedoch nicht die religiösen Kompositionen die vorherrschenden in B.s Werk. Sic sind die aufschlußreichsten für seine Anfänge, aber die Zeitgenossen sahen in ihm wie noch heute die meisten seiner Bewunderer den "Teufels-Bosch". In dein, was die Spanier die Träume, die sueños de Bosco, nannten, ist er ganz ohne Vorgänger. Die Vorstellungswelt, in der er lebte, die Visionen und Höllenromane, ist durch die Forschungen von Dollmayr und Gossart uns nähergerückt worden; zum Verständnis des Malers tragen sie nur wenig bei. Man kann den Bußprediger und Moralisten, den B. tatsächlich dargestellt hat, stark betonen und wird doch immer zu Justis Erkenntnis zurückkommen, daß "Bosch der Träumer ein Maler ist, und zwar sehr ein Maler". Eben sein malerisches Können hat auch den krausesten seiner Erfindungen bis heute die Anziehungskraft gesichert. Man geht bei der Schätzung des Koloristen vielfach von den beiden Triptychen aus, die Dollmayr s. Zt. nach gründlicher Reinigung aus den Depots des Wiener Hofmus. in die Galerie gerettet hat. Sie haben eine eigentümlich branstige, fast rembrandtartige Färbung, die man bei B. sonst nicht findet. In den meisten der erhaltenen Tafeln, vor allem der Epiphanie des Prado, ist er durchaus Feinmaler, altmeisterlich in der liebevollen Ausführung auch der geringsten Einzelheiten, aber doch von freierer und kühnerer Pinselführung und auffallend durch ein bei den älteren Künstlern gänzlich fehlendes Arbeiten auf tonige Wirkung. B. ist einer der ersten, die Stimmungslandschaft in modernem Sinne schaffen; beachtenswert besonders die brennenden Städte unter gerötetem Nachthimmel, die mehrfach bei ihm vorkommen. über seine Malweise gibt van Mander an, daß er seine Figuren auf einem weißen Grunde skizzierte und durchscheinende Ölfarben gebrauchte, bei denen der Grund durchschimmerte. Die Wirkung auf die Zeitgenossen muß eine außerordentliche gewesen sein, dies ist durch die große Zahl von Kopien und Nachahmungen, besonders der Herri met de Bles, J. Mandyn, P. Huys und G. Mostaert, dann auch durch literarische Quellen bezeugt. In der Folgezeit hatte P. Bruegel ihn in Vergessenheit gebracht, seine Werke wurden noch vor nicht allzu langer Zeit mit denen von B. verwechselt, beispielsweise der Triumph des Todes im Prado und der Engelsturz in Brüssel. Um die kritische Säuberung seines "Werks" haben sich vor allem C. Justi und G. Glück verdient gemacht; Dollmayrs Aburteilungen dagegen sind allgemein verworfen worden. Eine abschließende Monographie wird gegenwärtig, da diese Zeilen in Druck gegeben werden, noch immer vermißt. Ein Verzeichnis der Originalgemälde, wie es sich nach eigenen Beobachtungen und dem consensus der Forscher darstellt, wurde daher als die wichtigste Aufgabe betrachtet. Bei der Angabe der Kopien ist keine Vollständigkeit erstrebt. Ob eigenhändige Wiederholung oder Kopie vorliegt, ist öfters fraglich: Antwerpen, Musée: 1) Die Verspottung Christi (Dornenkrönung). Mit einem geistlichen Stifter. Aus der Samml. v. Kaufmann, Berlin (vgl. "Gemälde des X I V. - XVI. Jahrh. aus der Samml. R. v. K. Berlin 1901. No 37. Mit Tafel). Vorher bei Gildemeester in Amsterdam, zuerst bekannt geworden auf der Ausstellung von Utrecht 1894. S. Repert. f. Kstw. XVII 1894 S. 404 und Ksthistor. Ges. f. phot. Publ. 11895 No 14. - Nicht, wie oft angegeben wird, Kopie des Rundbildes im Escorial, obschon mit ihm verwandt. Nur die Halbfigur Christi und der Mann, der mit einem Knüppel die Dornenkrone in die Stirn des Gepeinigten treibt, annähernd übereinstimmend. Eine Wiederholung, ohne den Stifter, in London (s. dort). Berlin, kgl. Museen: 2) St. Johannes auf Patmos. Auf der Rückseite grau in grau die Passion Christi. Ehemals bei Fuller Maitland, s. Waagen, Treas. of art III 5. - Amtl. Berichte aus d. kgl. Kunstsammlungen XXIX Sp. 35 u. 36; - 3) Die Versuchung des hl. Antonius. Aus England stammend. erworben 1904. - Samml. R. v. Kaufmann †. - 4) Die Ausstellung Christ i. (Ecce homo.) Ehemals bei Maeterlinck, Gent. In Brügge 1902 s. Rep. f. Kstw. XXVI 1903. 168. - Samml. Fr. Lippmann 5) Anbetung der Könige. Sehr verdorbenes, aber echtes Bild, wahrscheinlich früher als die abweichende Komposition im Prado. Escorial: 6) Die Kreuztragung Christi. In ganzen Figuren. Abweichend von dem Stich nach B. (abgeb. bei Woltmann u. Woermann, Gesch. d. Malerei) und von dem Gemälde in Gent. über dieses und alle sonstigen in Spanien und Portugal befindlichen Gemälde s. Justi, Jahrbuch X 1889 und Miscellaneen, 1909, II. - 7) Verspottung Christi (Dornenkrönung). Rundbild auf Goldgrund, auf viereckiger Tafel, der Rahmen bedeckt mit dunkelgrünen Grisaillen, den Engelsturz darstellend. - 8) Die sieben Todsünde n. Bemalte Tischplatte, besonders wichtig wegen der Darstellungen aus dem Alltagsleben. In den Ecken im Kreisrund: Sterbebett; jüngstes Gericht; die Seligen; die Verdammten. - 9) I) e r Heuwagen, Triptychon, auf dem 1. Flügel: Erschaffung der Eva, Sündenfall, Vertreibung aus dem Paradiese und Sturz der Engel, auf dem r.: die Hölle. Geschlossen: die große Figur eines fliehenden Bauern, nahezu identisch mit dem "Verlorenen Sohn" in Wien, Sammlung Dr. Figdor. Abb. bei Dollmayr. In Brügge, 1907, war das Original des r. Flügels, die anderen Teile in alten Kopien aus dem Prado und dem Palast von Aranjuez. (Zentralblatt f. Kstw. Literatur 1909 S. 259.) - 10) Der Garten der Lüste (La lujuria), Triptychon. Auf dem 1. Flügel: Erschaffung der Eva u. Paradies, 388 Bosch auf dem r.: die Hölle. Abb. bei Dollmayr. Alte Kopie des Mittelbildes bei Cardon, Brüssel. s. Rep. f. Kstw. XXVI, 1903, S. 169. Gent, Musée de peinture: 11) Die Kreuztragung. 1902 auf der Ausstellung von Brügge bekannt geworden, s. Meisterw. der niederl. Mal, auf der Ausst. von Brügge. 1903 T. 84 - Revue de l'art anc. et mod. XX 1906 S. 299ff. Stilistisch dem Bilde in Princeton nahestehend. St. Germain-en-Laye, Musée Municipal: 12) Der Gaukler und sein Spießgesell e. Zweites Exempl. mit wichtigen Änderungen in Mailand, Sammlung Crespi. s. S. Reinach, Apollo, Fig. 381. - Gaz. d. b.-arts 1893 I 234 und 1906 1147. - Chron. des arts 1906 S. 240. Köln, W. R. Museum: 13) Die Geburt Christ i. Alte Kopie in Brüssel. s. Justi. Lissabon, kgl. Schloß Ayuda: 14) Die Versuchung des hl. Antonius. Triptychon. Auf den Außenflügeln Gefangennehmung Christi und Kreuztragung, Grau in Grau. Die am meisten kopierte Schöpfung Bs, vgl. Amsterdam, Antwerpen, Bonn, Brüssel, Escorial (nur Mittelbild), Madrid (nur die Flügel), Valladolid, Wien, Woerlitz. (s. A. Bredius, Kunstbode III, 372.) London, Samml. Paterson: 15) Verspottung Christ i. Entsprechend dem Bilde in Antwerpen, aber ohne den Stifter. s. Burlington Magazine III (1903) 86ff. Alte Kopien in Berlin, in d. kgl. Akad. d. Kste, Pariserplatz, in Bern, Kunstmus., in Pepinghen, Samml. Camberlyn d'Amougies, (Les arts anciens de Flandre III [19091 194, mit Tafel), in Trier, Privatbesitz. Madrid, Prado: 16) Die Anbetung der König e. Triptychon. Auf dem I. Flügel: Stifter mit d. hl. Petrus, auf dem r. Stifterin mit d. hl. Agnes. Hauptwerk des Meisters. Abb. bei Dollmayr. Alte Kopien, teilweise nur des Mittelbildes, in Anderlecht, Kirche (s. Huhn, Cat. Crit. Bruges 1902, S. 76), Amsterdam, Bonn, Dresden (bei Dr. v. Schubert-Soldern), London, ehemals Seymour (Waagen, Treas. of art II 243) und Kunsthandel (Cicerone [Biermann] I 219 u. 252), St. Orner, Petworth (bei Lord Leconfield). - 17) Die Versuchung des hl. Antonius No 1176. Phot. Anderson 16019. Nach Scheibler und Friedländer echt. Nicht zu verwechseln mit den Kopien No 1177 u. 1178 des Prado-Katalogs. - 18) Die Stei n-Oper ation oder die Kur der Narrheit. (Rundbild.) Abb. bei Justi, Misc. - Scheibler "Ungefähr auf seiner Stufe, aber wohl nicht von ihm selbst." - Alte Kopien in Amsterdam, (Variante des Prado-Bildes, von späterer Hand), St. Orner, Wien (Dr. Figdor). Mailand, s. unter St. Germain-en-Laye. Princeton (U. S. A.): 191 Christus vor Pilatu s. s. Princeton University Bulletin XIV (1903) S. 41 ff. und Revue de l'art XX (1906) mit Abb. Senlis, Baron de Fontalba: 20) Das allegorische Konzert. Nicht sicher, ob Original. Abb. der schwerverständlichen Komposition bei S. Reinach, Tableaux inédits ou peu connus tirés de collections françaises. 1906. Bastelaer et Huhn, P. Bruegel l'ancien, S. 320. Valencia, Provinz-Mus.: 21) Drei Gemälde in elliptischer Form: Dornenkrönung, Gefangennahme (Mittelbild) u. Geißelun g. Sehr fraglich. Von C.../usti, der die Bilder einst in die Literatur einführte, jetzt als Kopie verworfen (s. Mise. II S. 70). Venedig, Akademie: 221 Zwei Flügel: Paradies und Hölle. (Phot. Anderson 12030.) s. Kunstchronik XXI (1886) 298. - Dülberg, Frühholländer in Italien, 1905. Taf. 8 und 9. Gegen Dülberg für Echtheit: Ztschr. f. christl. Kst XIX 361 und Ztschr. f. bild. Kst. XVIII 97. Wien, Hofmuseum: 23) Die hl. Juli a. Triptychon. In der Mitte: Martyrium der Heiligen, zu ihren Füßen der schlafende Eusebius. Auf d. I. Flügel: der betende hl. Antonius, im Hintergrunde eine brennende Stadt auf dem r.: ein Krieger von einem Mönche geführt, hinten der Hafen von Capo Corso. Abb. bei Dollmayr. - 24) Triptychon. In der Mitte: der hl. Hieronymus. Auf den Flügeln die Hl. Antonius und Ägid i u s. Sehr reiche Landschaft. Abb. bei Dollmayr. Über beide Bilder v. Frimmel, Kunstchronik N. F. VII (1896) S. 68 und Kleine Galeriestud. - Akademie: 25) Das Jüngste Gerich t. Auf den Flügeln: Paradies und Hölle. Außen, grau in grau, die Hl. Bayo und Jakobus von Compostella. Ähnliche Fassungen und alte Kopien des Wiener Bildes in Berlin, von L. Cranach; in Brügge, Städt. Museum, 1907 auf der Ausst. des Goldnen Vlieses erworben; in Paris in der ehemal. Samml. Pacully (Rep. XXVI [1903] S. 169). Abb. des Wiener Bildes bei Dollmayr. Von ihm und G. Glück (Kunstchronik N. F. VII 1896 S. 196 u. Jahrb. d. pr. Kstsamml. XXV) wird die Echtheit bestritten. Hymans, K. van Mander, wies zuerst auf die Möglichkeit hin, daß wir in dem Wiener Bilde eine verkleinerte Kopie des für Philipp den Schönen gemalten "Jugement de Dieu" vor uns haben. - Samml. Dr. A. Figdor: 26) Der verlorene Sohn. Rundbild. s. G. Glück, Jahrb. d. preuß. Kstsamml. XXV (1904). S. 174ff. (Vgl. die Bemerkung zu 9.) Verlorene Gemälde: Den Angaben weniger in den spanischen als in deutschen und niederländischen Inventaren muß mit großer Vorsicht entgegengetreten werden, da mit dein Namen "Bosch' schon im 16. Jahrh. Mißbrauch getrieben wurde. Da die Bilder mit Vorwürfen aus den Evangelien am seltensten in alten Kopien vorkommen, ist hier noch am ehesten Sicherheit am Platz. K. van Mander erwähnt eine seltsam staffierte "Flucht nach Ägypten", ehemals in Amsterdam, und eine Kreuztragung; ein Triptychon mit Christi Einzug in Jerusalem, auf den Flügeln Geburtund Auferstehung, soll ehemals im Münster zu Bonn gewesen sein es ist bereits seit dem Ende des 16. Jahrh. verschollen (Meyers Kstler-Lex. I 99). Ein "Christus treibt die Händler aus dem Tempel" in alter Kopie bei Cl. Philipps in London. (1902 als No 355 in Brügge). Eine mit Bosch verwandte Auferstehung Christi war 1894 auf der Ausst. in Utrecht (Rep. f. Kstw. XVII S. 405). Die alte Kopie einer "Hölle" in Hampton Court Palace No 510. Weiteres s. in der Literatur-Übersicht. Zeichnungen: Bisher noch nicht kritisch gesichtet. Vieles, was ihm in den Kabinetten zugeschrieben wird, gehört P. Bruegel und seinen Nachfolgern an. Aus dem Verzeichnis bei Gossort, S. 290 ist zu streichen 1a, hinzuzufügen ein Blatt mit 10 Figuren, von alter Hand mit "bosch" bezeichnet, in der Sammi. C. Fairfax Murray, London (s. das Werk über diese Samml., London 1904, No 112) und 2 Studienblätter mit 36 Groteskfiguren in Federzeichnung in Oxford. (Sidney Colvin Selected drawings from old masters in the University Galleries and in the Library of Christ Church. Oxford. Part 1V [1905] XIII.) Stiche: Bosch hat nicht selbst gestochen, wie man früher angenommen hat. Die meisten Stiche nach seinen Werken, u. a. ein berühmtes "Jüngstes Gericht" rühren von Allart du Hameel (s. dort), einem mit B. gleichzeitigen Baumeister und Bildschnitzer in Hertogenbosch, her. Andere Stiche sind von Petrus a Merica, P. van der Heyden u. a. besonders für den Antwerpener Verleger H. Cock gestochen worden; auch P. Bruegel hat nach Gemälden B.s für den Stich gearbeitet. Das beste Verzeichnis der Stiche von W. Schmidt in Meyers Kstler-Lex. I S. 96-98, danach A. v. Wurzbach, Niederl. Kstler-Lex. Zu korrigieren bei Schmidts nach Mitteilung des Autors: Zu No 10 s. Verzeichnisses: Vincitur in sano. . . ille malorum. Hieron. Bos inuenit. L. Lomb. restituit. Theodor. Galle excud. gr. qu. Fol. - zu No 18: von Jan Thiel. - zu No 28: MARCOLEVS. K. van Mander, Schilderboek, ed. Hymans 1685 und Floecke 1906. - Meyer, Kstlerlex. I, unter Aeken; dort Verz. d. ält. Lit. - Pinchart, Arch. d. Arts etc., Gand 1860 (zuerst in Messager des sciences historiques, Gand 1858 S. 157), ist besonders hervorzuheben, auch der Artikel in Nagiers Kstlerlex., 5835, II, S. 63 ist noch nicht veraltet. Ferner (Woltmann-)Woermann, Gesch. d. Mal. II 1882 S. 528. An der Spitze der neueren Bosch-Lit.: C. Justi, Die Werke des H. B. in Spanien, Jahrb. d. preuß. Kstsamml. X 1889, S. 121 ff., wiederabgedruckt in Misc. aus drei Jahrh. span. Kunstlebens, 1908, Ii S. 61 f. ohne die wichtigen Inventar-Excerpte, vermehrt um Polemik gegen Dollmayr. Dessen Artikel H. B. u. die Darstellung der letzten Dinge" Jahrb. d. ksthist. Samml. d. Allerh. Kaiserh., Wien XIX (1898). - G. Glück, Zu e. Bilde von H. B. in der Figdorschen Samml. in Wien (Jahrb. d. preuß. Kstsamml. XXV [1904] 174 ff.). - Außer der im Gemäldeverz. genannten Ztschr.-Lit. ist zu erwähnen: Mittlgn d. k. k. Centr.-Comm. (Wien) N. F. XXII, 1896 S. 94. - Revue de l'art anc. et mod. XXIII (1908) 145 ff. - Gaz. d. B-Arts, s. Registerbände. - Oud-Holland, besonders 1894 S. 7, 1901 S. 195 ff. - Im Jahrb. d. ksthist. Samml. d. Allerh. Kaiserh., Wien, noch viele Excerpte aus alt. Invent. s. d. Register. - Monatshefte f. Kstw. II, 1909 S. 173. - Th. v. Frimmel, Gal.-Stud. Gesch. d. Wiener Gemäldesamml. 1898 S. 461. - F. v. Schubort-Soldern, H. B. und P. Bruegel (Beiträge zur Kstgesch., Fr. Wickhoff gewidmet), Wien 1903; Derselbe, Von Jan van Eyck bis H. B. (Landschaftsmalerei), Straßburg, 1903. - Gossart, Jérome Bosch, le "Faizeur de DyabIes" de Bois-le-Duc. Lille 1907 (321 S.). Die gesamte Literatur zu P. Bruegel, s. dort.

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