Skip to content
BY-NC-ND 4.0 license Open Access Published by De Gruyter

'Abd al-Malik

Ἀβιμέλεχ

Ralph-Johannes Lilie , Claudia Ludwig , Beate Zielke and Thomas Pratsch

Achtung: Dieses Lemma enthält gegenüber der gedruckten Fassung Veränderungen und Zusätze ohne Auswirkung auf die Angaben zur Person.

T: Arabischer Kalif (685–705) — πρωτοσύμβουλος, ἀρχηγός. Das DAI, cap. 47, hält ihn anachronistisch für den Kalifen von Bagdad — ἀμερμουμνῆς τοῦ Βαγδάδ.

V: Sohn des Kalifen Marwān (# 4864). A. wird 685 zum Kalifen erhoben. In den ersten Jahren seiner Herrschaft wird das Kalifat von mehreren Bürgerkriegen erschüttert, in deren Verlauf A. u. a. den ‘Abdallāh ibn az-Zubair (# 13) und den aḍ-€aḥḥāk ibn Qais al-Fihrī (# 1193) besiegt und tötet. Er herrscht laut Theophanes einundzwanzigeinhalb Jahre (Theophanes 361,1-3. 8). Im Jahre 685 schließt A. einen Friedensvertrag mit Konstantin IV., in dem er sich zu jährlichen Tributzahlungen verpflichtet (1). Der Friede wird 688 mit Iustinianos II. erneuert (2). 686 sendet A. gegen den Usurpator al-Muḫtār ibn abī ‘Ubaid (# 5188) in Persien den ‘Ubaidallāh ibn Ziyād ibn Abīhi (# 8546) aus, der jedoch von al-Muḫtār getötet wird. Einen persönlichen Feldzug nach Mesopotamien muß A. abbrechen, da in seinem Rücken ‘Amr ibn Sa‘īd al-Ašdaq (# 226) revoltiert und Damaskos erobert. A. kann Damaskos durch Vertrag zurückgewinnen und läßt ‘Amr ibn Sa‘īd töten (Theophanes 363,21-26). Auf die Nachricht hin, daß byzantinische Truppen nach Armenien und in das Kaukasusgebiet eingefallen seien, nimmt ‘Abd al-Malik seinerseits Kirkesion (am Euphrat) und Theupolis ein (Theophanes 363,31f.; gemeint ist wahrscheinlich Antiocheia am Orontes). Wenig später wird al-Muḫtār von dem Bruder des ‘Abdallāh ibn az-Zubair, Muṣ‘ab (# 5194), geschlagen und getötet. A. besiegt seinerseits Muṣ‘ab, tötet ihn und unterwirft Persien seiner Herrschaft (Theophanes 364,19-23). Ein Jahr später wird auch ‘Abdallāh ibn az-Zubair von al-Ḥağğāğ (# 2537), einem General ‘Abd al-Maliks, in Mekka geschlagen und getötet, so daß der arabische Staat wieder geeint und befriedet ist. Al-Ḥağğāğ wird Gouverneur der zurückgewonnenen Gebiete (Theophanes 364,29 – 365,3; zusammengefaßt bei Kedrenos I 772,7f.). Im Jahre 692 wird der mit Byzanz geschlossene Friede von Iustinianos II. gebrochen, u. a. wegen der neuen, von A. geprägten Münzen, die der Kaiser nicht akzeptiert. A. fordert ihn “in satanischer Verstellung” – ὑποκριθεὶς σατανικῶς – auf, den Frieden zu wahren. In Wahrheit sucht er aber (laut Theophanes) nur die Einfälle der Mardaïten zu beenden, um danach selbst unter einem hinreichenden Vorwand den Friedensvertrag zu brechen (Theophanes 365,8-21; verkürzt bei Kedrenos I 772,9-12. 15-21, der die Schuld allein bei Iustinianos sieht). Für den Wiederaufbau des Heiligtums in Mekka will A. Säulen aus Gethsemane verwenden, wird jedoch durch die Bitten seines Freundes, des christlichen Finanzministers (γενικὸς λογοθέτης) Sarğūn (# 6510), sowie eines Patrikios (# 5755) davon abgebracht. Er erhält als Ersatz andere Säulen, die von Iustinianos II. geschickt werden (Theophanes 365,21-28). Zwischen 694 und 698 erobert A. Karthago und beendete damit die byzantinische Herrschaft in Nordafrika. In erfolgreichen Verhandlungen gelingt es Tiberios III. Apsimar, mit A. die Rückführung der zypriotischen Bevölkerung aus Syrien in ihre Heimat zu vereinbaren, die 698/99 erfolgt (DAI, cap. 47). Nach seinem Tod im Jahre 705 (Theophanes 374,14f.) wird sein Sohn al-Walīd (# 8591) Nachfolger.

Zusätzliche hagiographische Mitteilungen: Passio Mich. Sabaïtae cap. 2, p. 67; cap. 5–11, p. 69–75; von der Passio abgeleitet: Vita Theodori Edess. (BHG 1744) cap. XXIV–XXIX, p. 17–27; cap. XXXIII, p. 29; cap. XXX, p. 28; cap. XXXIII, p. 29: Martyrium des Michael Sabaïtes (# 5003), der von der Frau des A., Seïda (# 6526), bei ihrem Mann angezeigt worden sei. Michael sei daraufhin verschiedenen Martern unterworfen und schließlich enthauptet worden. Der Kopf des Toten wird den Mönchen des Sabasklosters überlassen. Die Geschichte ist mit großer Sicherheit als legendär anzusehen, Vorbild für die Verführungsszene zwischen Seïda und Michael sind Joseph und die Frau des Potiphar aus dem Alten Testament.

Anmerkungen: — (1) Theophanes 361,9-13; Symeon log. (Leon gr. 162,10-14; Theod. mel. 111,24 – 112,2; Symeon sl. 71,25-27); Georg. mon. (Muralt) 897A-B; Kedrenos I 771,4-8; Zonaras XIV 21, p. 228,17 – 229,5. — (2) Theophanes 363, 6-14; Symeon log. (Leon gr. 162, 17-21; Theod. mel. 112,5-8; Symeon sl. 71,29-32); Georg. mon. (Muralt) 897B.

Q: — (Hist.): Theophanes; Symeon log. (Leon gr.; Theod. mel.; Symeon sl.); Georg. mon. (Muralt); Kedrenos; Zonaras. — (Hag.): Vita Theodori Edess. (BHG 1744). — (Fs): Konst. Porph., DAI 21,41-47; 22,9-34; 47,15-25. (georg.): Passio Mich. Sabaïtae.

L: ODB I 3f.; EI I (1960) 78–80. — Dölger, Regesten Nr. 253. 257; Caetani, Chronographia IV: a. h. 69 Nr. 11; a. h. 70 Nr. 10f.; Grierson, in: Journal of Economic and Social History of the Orient 3 (1960) 241–264; Stratos, Byzantium III 172. 187. 223; IV 189 (Reg.); V 197 (Reg.); Head, Justinian II 171 (Reg.); Lilie, Reaktion 381 (Reg.); Rotter, Bürgerkrieg passim; Kennedy, Caliphates 93–103 u. ö.; Haldon, Byzantium 69f. 72. 193; Hoyland, Seeing Islam 828 (Reg.); Treadgold, History 330–341. — Zu den diplomatischen Verhandlungen zwischen Byzanz und dem Kalifat zur Zeit ‘Abd al-Maliks cf. Kaplony, Konstantinopel und Damaskus 99–165.

QuelleSource

Downloaded on 2.12.2022 from frontend.live.degruyter.dgbricks.com/database/PMBZ/entry/PMBZ11095/html
Scroll Up Arrow