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BY-NC-ND 4.0 license Open Access Published by De Gruyter

Constantinus I.

Ralph-Johannes Lilie, Claudia Ludwig, Beate Zielke and Thomas Pratsch
EintragstypEntry Type
Person
EintragsspracheEntry Language
DeutschGerman
Personenkennziffer
1170
Klerus / Laie
Klerus
Geschlecht
Mann
Zeit
8. Jh.
Erste Erwähnung
708
Religion
orthodox
Titel / Beruf
Papst
Name normalisiert
Constantinus
Ort
Rom; Nikomedeia (Bithynien); Hebdomon (Kpl.); Ravenna (Italien)
Quelle
Beda; Chronicon Vulturnense; Agathon; Mansi; ACO II/2/1-2 (680/81); Liber Pont.; Johannes diaconus, Cronaca Veneziana; Paulus Diac.

T: Papst (25.3.708 – 9.4.715).

V: Er war syrischer Herkunft. Bemerkenswertestes Ereignis seiner Amtszeit ist eine Reise nach Konstantinopel, die er zwischen dem 5. Oktober 710 und dem 24. Oktober 711 mit großem Gefolge unternahm. Kaiser Iustinianos II. hatte ihm das Erscheinen in Konstantinopel befohlen, um die Streitpunkte wegen der Anerkennung des Quinisextums von 691/92 endgültig aus der Welt zu schaffen. Entgegen den anfänglichen Befürchtungen, die durch die nach der Abreise des Papstes erfolgte Hinrichtung einiger päpstlicher Würdenträger durch den Exarchen Ioannes Rhizokopos (# 2953) in Rom nicht vermindert worden sein dürften, wurde die Reise zu einem großen Erfolg. Constantinus wurde während der ganzen Fahrt mit gleichsam kaiserlichen Ehren begrüßt und von dem Sohn und Mitkaiser des Iustinianos, Tiberios (# 8490), zusammen mit dem Patriarchen Kyros (# 4215), den Patrikioi und dem gesamten Senat, dem Klerus und einer großen Volksmenge feierlich am Hebdomon empfangen und nach Konstantinopel geleitet. Der Kaiser selbst, mit dem der Papst in Nikomedeia zusammentraf, küßte dem Papst die Füße und erhielt von ihm Absolution und Kommunion. C. scheint seinerseits zumindest den unproblematischen Teil der Beschlüsse von 691 anerkannt zu haben.

Der Sturz Iustinianos' im November 711 führte indessen bald wieder zu neuen Spannungen, da der neue Kaiser Philippikos Bardanes sich als Monothelet erwies, der die Beschlüsse des Konzils von 680/81 nicht anerkannte und den Papst zwingen wollte, sich ihm hierin anzuschließen. Als C. das verweigerte, kam es in Rom zu Straßenkämpfen. Erst der Sturz des Philippikos setzte dem ein Ende, da Anastasios II. zur Orthodoxie zurückkehrte. Patriarch Ioannes VI. (# 2954) von Konstantinopel, der unter Philippikos in seinen Antrittssynodika noch monotheletische Glaubenssätze vertreten hatte, rückte nach dem Sturz dieses Kaisers von ihnen wieder ab und schickte einen reuevollen Brief an den Papst, in dem er sich für sein Verhalten entschuldigte.

In Italien mußte C. in den ersten Jahren seiner Amtszeit Bestrebungen des Erzbischofs Felix (# 1894) von Ravenna abwehren, den er zwar geweiht hatte, der aber versuchte, die zeitweilige Autokephalie Ravennas von Rom wiederherzustellen. Jedoch wurde Felix auf Befehl Iustinianos’ II. geblendet und dann verbannt (wohl wegen Hochverrats). Nach seiner Rückkehr 712 unterwarf er sich dem Papst.

Q: — (Hist.): Agathon 900,26; 901,3. 15f. 21. — (Conc.): Patriarch Ioannes VI., Brief an Constantinus I., in: PG 96, 1416–1433; = Mansi XII 196–208; = ACO II/2/2, p. 901–908; CPG III Nr. 8000. — (lat.): Liber Pont. I 90, p. 389–393; Beda p. 318,578. 581; Paulus Diac., Hist. VI 31, p. 175,12-14; VI 34, p. 176,8-11; Chronicon Vulturnense 88,15f.; Johannes Diaconus, Cronaca Veneziana 89,3-6.

L: Kelly, Päpste 100f. — Dölger, Regesten Nr. 266–269; Grumel, Regestes Nr. 321–324; van Dieten, Patriarchen 162. 166–172; Head, in: Byz 40 (1970) 19–21; ead., Justinian II 173 (Reg.); Stratos, Byzantium V 198 (Reg.); Sansterre, Le pape Constantine Ier (708–715) et la politique religieuse des empereurs Justinien II et Philippikos, in: AHC 22 (1984) 7–29; Treadgold, History 341f. 393.

P: Wahrscheinlich ist er mit dem Subdiaconus und Regionarius Constantinus (# 1169) identisch, der ein Mitglied der römischen Delegation auf dem 6. Ökumenischen Konzil von Konstantinopel 680/81 war.

QuelleSource

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