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Karl der Große

Carolus

EintragstypEntry Type
Person
EintragsspracheEntry Language
DeutschGerman
Personenkennziffer
3628/add.
Namensvariante
Karulos (griech.); Carolus (lat.)
Klerus / Laie
Laie
Geschlecht
Mann
Zeit
8. Jh.
Erste Erwähnung
768
Titel / Beruf
Franke; König Franken; Kaiser; König Langobarden
Name normalisiert
Karl
Ort
Frankenreich; Rom
Quelle
Vita Irenae imp. (BHG 2205); Annales Fuldenses; Poeta Saxo; Annales Einhardi; Annales Xantenses; Chronicon Salernitanum; Vita Hludovici; Annales Sithienses; Einhard, Vita Karoli; Theophanes; Annales Lauresham.; Annales Mosellani; Annales Laurissenses Minores; Symeon log.; Leon gr.; Theod. mel; Zonaras; Symeon sl.; Kedrenos; Gesta Hludowici; Georg. mon. (Muralt); Konst. Porph., DAI; Annales regni Francorum

Achtung: Es handelt sich hier um die korrigierte Fassung des Lemmas in PmbZ I: Addenda und Corrigenda, p. 113.

N: In griech. Quellen: Κάρουλος.

T: Fränkischer König. Zusammen mit seinem Vater Pippin und seinem Bruder Karlmann (# 3630) wurde er im Jahre 754 von Papst Stephan II. (# 7119) zum König gesalbt; nach dem Tod Pippins herrschte er gemeinsam mit seinem Bruder von 768 bis 771. Theophanes bezeichnet ihn als König der Franken — ῥὴξ τῶν Φράγγων. Seit 774 war er zugleich König der Langobarden; zum Kaiser gekrönt am 25.12.800 — μονοκράτωρ πάντων τῶν ῥηγάτων, ἐβασίλευσε δὲ εἰς τὴν μεγάλην Φραγγίαν (DAI).

V: Sohn Pippins III. (# 7119) und Bruder Karlmanns (# 3630, s. Theophanes 403,22f.); Vater der Rothrud (griech.: Erythro — Ἐρυθρώ, s. # 1606), die im Jahre 781 mit Konstantin VI., dem Sohn der Kaiserin Eirene (# 1439), verlobt wird. Die Verlobung wird, wahrscheinlich 787, wieder aufgelöst (1). Die nächste Erwähnung Karls in byzantinischen Quellen erfolgt erst anläßlich seiner Kaiserkrönung in Rom: Karl wird von Papst Leo III. (# 4239), der vor seinen römischen Feinden, von denen er geblendet worden war, zu ihm geflohen und von Karl in Rom wieder in seine Rechte eingesetzt worden war, am 25. Dezember 800 zum βασιλεὺς Ῥωμαίων (Theophanes) gekrönt. Theophanes (475,11-15. 27- 32) berichtet darüber hinaus, daß Karl mit einer Flotte gegen Sizilien zu ziehen gedachte, dies jedoch aufgab, weil er eine Ehe mit Eirene anstrebte, und zu diesem Zweck Gesandte nach Konstantinopel geschickt habe (2). Jedoch wird dieser Nachricht, die in lateinischen Quellen keine direkte Stütze findet, in der jüngeren Forschung allgemein kein Glaube mehr geschenkt. Für das Jahr 811/12 berichtet Theophanes (494,20-22) von einer byzantinischen Gesandtschaft Kaiser Michaels I. an Karl, die Friedensvereinbarungen treffen und eine Heirat zwischen Michaels Sohn Theophylaktos (# 8336) und einer fränkischen Prinzessin anregen sollte, die allerdings nicht zustande kam.

Eine Gesandtschaft Kaiser Leons V. im Winter 813/14 (nach Dölger ca. Frühjahr 814) erreichte ihn bereits nicht mehr, da er am 28. Januar 814 verstarb (3).

Anmerkungen: — (1) Theophanes 455,19-25; Symeon log. (Leon gr. 193,14-16; Theod. mel. 133,15f.; Symeon sl. 84,9f.); Kedrenos II 21,12-17; Zonaras XV 10, p. 286,6-8. – Auflösung: Theophanes 463,21-27; Symeon log. (Leon gr. 193,16-19; Theod. mel. 133,16- 20; Symeon sl. 84,10-13); Georg. mon. (Muralt) 957C; Kedrenos II 23,19-22; Zonaras XV 10, p. 286,8-15; Annales Einhardi (788) 83; Annales Fuldenses (787) 11; Annales Sithienses (787) 36,23f.; Annales Lauresham. (781) XIV. 32; Annales Mosellani (781) 497,15f. — (2) So auch, in verkürzter Ausschreibung des Theophanes, Kedrenos II 28,14- 19 und Zonaras XV 13, p. 300,15 – 301,2. — (3) Cf. dazu Dölger, Regesten Nr. 391, sowie näheres unter den Gesandten Christophoros (# 1120) und Gregorios (# 2469).

Q: — (Hist.): Zu der Verlobung Konstantins VI. mit Erythro-Rothrud: Theophanes; Symeon log. (Leon gr.; Theod. mel.; Symeon sl.); Kedrenos; Zonaras; Georg. mon. (Muralt); zu der Kaiserkrönung Karls: Theophanes 472,23 – 473,4, der die Vorgänge, die zur Krönung führen, unter dem Jahr 797 berichtet, möglicherweise in Parallelität zur Blendung Konstantins VI., die in diesem Jahr stattgefunden hatte; allgemein s. auch Theophanes 403,22f.; Zonaras XV 13, p. 299,4-9. — (Hag.): Vita Irenae imp. (BHG 2205) cap. 4, p. 10; cap. 8, p. 16; cap. 14, p. 25 (abhängig von Theophanes, ohne eigenen Quellenwert). — (Fs.): Konst. Porph., DAI 26,3-10. — (lat.): Annales Einhardi; Einhard, Vita Karoli, cap. 28, p. 32,16 – 33,2; Annales regni Francorum (814) 140 u. ö.; Annales Einhardi; Annales Fuldenses; Annales Sithienses; Annales Mosellani; Annales Laureshamenses; Gesta Hludowici 9, p. 190,6-17; Vita Hludovici 23, p. 352,9 – 354,6; Poeta Saxo (814) 272,513-516; Annales Laurissenses Minores (Codex Fuldensis) 122 ad a. 814 (ohne Namensnennung); Annales Xantenses (814) 5,3f.; Chronicon Salernitanum, cap. 34, p. 36,24 – 37,3.

L: ODB I 413f.; LdMA V (1991) 956–961. — Speziell zu den fränkisch-byzantinischen Beziehungen unter Karl cf. Classen, Karl passim; Speck, Konstantin VI. 842 (Reg.); Treadgold, Revival 482 (Reg.); Glossar (lat.) II 353-389; Niavis, Nicephorus I 306 (Reg.); Rochow, Theophanes 234f. 269f. 273f. 306. 342 (Reg.); Lilie, Eirene 429 (Reg.); weitere Literatur cf. unter Eirene (# 1469). — Zu den diversen Gesandtschaften zwischen Karl und Byzanz cf. auch Dölger, Regesten Nrr. 339. 345. 351. 353. 357. 361. 371. 382. 383. 385. 391; Lounghis, Ambassades 493 (Reg.); zu dem Gesandtschaftsaustausch mit Michael I. und Leon V. cf. zuletzt Sansterre, in: Byz 66 (1996) 373–380.

P: Das Chronicon Salernitanum gibt einen angeblichen Briefwechsel zwischen Nikephoros und Karl dem Großen wieder, in dem Nikephoros Karl große Geschenke und Ländereien in Kleinasien verspricht, was von Karl in dessen Antwortbrief aber abgelehnt wird. Beide Briefe sind, zumindest was ihren Inhalt betrifft, sicher erfunden, während an Gesandtschaftsverkehr als solchem nicht zu zweifeln ist.

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