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Maria

Μαρία

Ralph-Johannes Lilie, Claudia Ludwig, Beate Zielke and Thomas Pratsch
EintragstypEntry Type
Person
EintragsspracheEntry Language
DeutschGerman
Personenkennziffer
4727
Klerus / Laie
Laie; Klerus
Geschlecht
Frau
Zeit
8. Jh.
Erste Erwähnung
788
Religion
orthodox
Titel / Beruf
Augusta; Basilissa; Kaiserin; Nonne
Name normalisiert
Maria
Ort
Amnia (Paphlagonien); Paphlagonien; Euphrosynekloster ta Libadia (Kpl.); Libadiakloster (s. Euphrosynekloster ta Libadia in Kpl.)
Quelle
Vita Irenae imp. (BHG 2205); Vita Tarasii (BHG 1698); Theod. Stud., Laud. Plat. (BHG 1553); Theod. Stud., Ep.; Theophanes; Synax. Cpl.; Symeon log.; Leon gr.; Theod. mel; Zonaras; Symeon sl.; Kedrenos; Theod. Skut.; Georg. mon. (Muralt); Georg. mon.; Men. Basilii; Vita C Theod. Stud. (BHG 1755d); Vita A Theod. Stud. (BHG 1755); Chronik v. 1234; Glykas; Theod. Stud., Catech. parv.; Konst. Porph., De cerim.; Nikephoros, Chron. synt.; Vita Philareti (BHG 1511z)

N: Maria von Amnia, Maria von Paphlagonien.

T: Augusta, Basilissa, später Nonne.

V: Sie wurde wohl um 773 als älteste Tochter der Hypatia (# 1616), der ersten Tochter des hl. Philaretos (# 6136), geboren.

Die Vita Philareti berichtet von einer (historisch umstrittenen) Brautschau (1), in deren Rahmen M. zur kaiserlichen Braut erwählt worden sei: Als kaiserliche Gesandte auf der Suche nach einer Braut für Kaiser Konstantinos VI. nach Amnia gekommen seien, hätten sie M. und ihre beiden Schwestern für die Teilnahme an der Brautschau ausgesucht. Die ganze Familie habe daraufhin die Mädchen im Jahre 788 zur Brautschau nach Konstantinopel begleitet.

Fest steht, daß M. im Jahre 788 dem jugendlichen Kaiser Konstantin VI. zur Frau gegeben wurde. M. brachte in der Folge zwei Töchter zur Welt, nämlich Eirene (# 1449) etwa zwischen 789 und 791 und die jüngere Euphrosyne (# 1705) etwa zwischen 790 und 792. Von Spekulationen über die vorhandene oder fehlende Zuneigung Konstantins zu M. einmal abgesehen (2), mutet es recht wahrscheinlich an, daß das Ausbleiben eines Thronfolgers den Kaiser zur Abkehr von seiner Ehefrau M. veranlaßte (3). Konstantin nahm in der Folge ein Verhältnis zu Theodote (# 7899) auf, einer Kubikularia seiner Frau, die er (etwa Ende 794) zu ehelichen beabsichtigte (4). Im Januar des Jahres 795 verstieß er darum M. und zwang sie zusammen mit ihren beiden Töchtern zum Eintritt in ein Kloster. Die Durchsetzung der Scheidung und der zweiten Eheschließung Konstantins VI. stieß auf kanonische Schwierigkeiten und wurde nur durch einen Dispens (5) des Patriarchen Tarasios (# 7235) ermöglicht. Die Scheidung von M. und die zweite Ehe Konstantins mit Theodote lösten einen scharfen Protest des Theodoros Studites (# 7574) und des Platon (# 6285) aus, die beide mit der neuen Augusta Theodote verwandt waren, und führten zum sogenannten moichianischen Streit (6).

Zwischen 815 und 824 war M. Adressatin dreier Briefe des Theodoros Studites, der ca. 823/24 versuchte, im Zusammenhang mit der zweiten Ehe Kaiser Michaels II. mit M.s Tochter Euphrosyne, M. in seinem Sinne zu beeinflussen. M. solle ihrer Tochter nicht in den Palast folgen und dadurch die Ehe mißbilligen. Allerdings bleibt offen, welche Ansicht M. in dieser Frage vertrat, da wir keinen späteren Brief, weder einen des Dankes, noch einen der Enttäuschung, von Theodoros an M. haben (7).

Sie starb folglich nach 824 und war im Kloster ihrer Tochter Euphrosyne namens Euphrosynes ta Libadia (8) bzw. τῶν Λιβαδίων τῆς κυρᾶς Εὐφροσύνης (9) bzw. τῆς Κυρᾶς Εὐφροσύνης (10) in einem Sarkophag aus bithynischem Marmor gemeinsam mit ihrem Mann Konstantin VI. und ihren Töchtern bestattet.

Anmerkungen: — (1) Die Historizität dieser Brautschau wie auch der byzantinischen Brautschau im allgemeinen ist noch immer umstritten, cf. Rochow, Theophanes 250 (dort die ältere Literatur); zuletzt Ludwig, Sonderformen 104–145 (gegen die Historizität). Auch Vinson, in: JÖB 49 (1999) 31–60, sieht in den Brautschauen einen rhetorischen Topos. Der Schluß allerdings, den sie (50f.) über M. zieht, daß diese nämlich als Frau für Konstantin VI. ausgewählt wurde, weil sie eine fruchtbare Landpomeranze aus unbekannter Familie (“a fertile wench from sturdy, and safely obscure, provincial stock”) gewesen sei, ist so nicht zwingend. — (2) Cf. dazu Speck, Konstantin VI. 252. — (3) Cf. Lilie, Eirene 264f.; Pratsch, Theodoros 83. — (4) Zu den Ereignissen um die Trennung von M. und die Eheschließung mit Theodote cf. Lilie, Eirene 263–267; Pratsch, Theodoros 83–92. — (5) Oikonomia – eine Sonderregelung, die alle kanonischen Regelungen für diesen konkreten Fall vorübergehend außer Kraft setzte; cf. Pratsch, Theodoros 89f. Die in der Vita Tarasii 408,32 – 412,24 (Heikel); § 39–44, p. 117–127 (Efthymiadis) gelieferte Begründung der Scheidung und der Zweitehe Konstantins mit einem Giftmordversuch M.s an ihrem Gemahl dürfte auf zeitgenössische Gerüchte zurückgehen oder als Erfindung des Hagiographen zu betrachten sein, cf. dazu Pratsch, Theodoros 85–87. — (6) Zu diesen Ereignissen cf. Pratsch, Theodoros 92–114. — (7) Cf. Pratsch, Theodoros 278–281. — (8) Patria III 77, p. 243,13-19, wo Euphrosyne fälschlich als Schwester Michaels III. bezeichnet wird; s. Berger, Patria 647. — (9) Anonymus, Lists p. 41 (Downey). — (10) Konst. Porph., De cerim. II 42, p. 647,13 (Reiske).

Q: — (Hist.): Theophanes 463,21-27; 469,23-27; Symeon log. (Leon gr. 193,16-19; 198,20-22; Theod. mel. 133,16-20; 137,3-5; Symeon sl. 84,10-13; 86,36-38); Georg. mon. 770,10f.; Georg. mon. (Muralt) 957C. 965C; Kedrenos II 23,19-23; 26,6-10; Zonaras XV 10, p. 286,8-15 (bezeichnet sie fälschlich als Tochter — θυγάτριον des Philaretos); XV 12, p. 295,11 – 296,1; Glykas 529,16f.; Theod. Skut. 127,2-5; 128,24-26; 132,11f. (sie sei zur Zeit der Eheschließung Michaels II. und der Euphrosyne noch am Leben gewesen). — (Ep.): Theod. Stud., Epp. 227. 309. 514 (Fatouros); 148. 218 (Mai); II 181 (PG 99); erwähnt in ep. 555 (Fatouros); II 221 (PG 99); NPB V,3, p. 101 (Mai). — (Hag.): Vita Philareti (BHG 1511z) 135–143; Theod. Stud., Laud. Plat. (BHG 1553) cap. 26, 829A-B; Vita Tarasii (BHG 1698) 409,2 – 412,18 (Heikel); § 39–46, p. 117–129 (Efthymiadis); Vita A Theod. Stud. (BHG 1755) 136D. 137A; Vita C Theod. Stud. (BHG 1755d) 267; Synax. Cpl. 270,11-13; Men. Basilii 188C; Vita Irenae imp. (BHG 2205) cap. 8, p. 16f. (abhängig von Theophanes und ohne eigenen Quellenwert). — (Hom.): ohne Namen: Theod. Stud., Catech. parv. 74 (p. 258 Auvray). — (Fs.): Konst. Porph., De cerim. II 42, p. 647,13 (Reiske); Anonymus, Lists p. 41 (Downey); Nikephoros, Chron. synt. 105,19. — (syr.): ohne Namensnennung: Chronik v. 1234: cap. 188, p. 2.

L : Diehl, Fig. byz. I, 15–17. 94; Dobroklonskij II 318. 363. 493f.; Fourmy–Leroy, in: Byz 9 (1934) 103 (Kommentar zur Edition); Ostrogorsky, Geschichte 150; Speck, in: JÖB 16 (1967) 86, Anm. 55; idem, Konstantin VI. 203–208. 251f. 255f. 313–315. 318–320. 629f. 682–686; Niavis, Nicephorus I 23. 26. 126–128; Winkelmann II 107. 192f.; Fatouros 9*. 291*. 338*f. 461*f.; Treadgold, Revival 492 (Reg.); Rochow, Theophanes 249f. 260f. 269. 333; Auzépy, in: Les saints et leur sanctuaire 119; Lilie, Eirene 431 (Reg.); Ludwig, Sonderformen 74–166; Pratsch, Theodoros 83–90. 151. 280; Treadgold, History 422. 571; Vinson, in: JÖB 49 (1990) 31–60, bes. 46–51. — Zu Amnia cf. Belke, Paphlagonien (TIB IX) 170f.

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