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BY-NC-ND 4.0 license Open Access Published by De Gruyter

Mauros

Μαῦρος

Ralph-Johannes Lilie, Claudia Ludwig, Beate Zielke and Thomas Pratsch
EintragstypEntry Type
Person
EintragsspracheEntry Language
DeutschGerman
Personenkennziffer
4914
Namensvariante
Bessos (Beiname)
Klerus / Laie
Laie
Geschlecht
Mann
Zeit
8. Jh.
Erste Erwähnung
711
Titel / Beruf
Patrikios; Befehlshaber Flotte
Name normalisiert
Mauros
Ort
Cherson (Krim); Chazarien; Blachernenkirche (Kpl.); Kallinikes: ta Kallinikes (Kpl.)
Quelle
ZV; Theophanes; Symeon log.; Leon gr.; Theod. mel; Symeon sl.; Kedrenos; Theod. Skut.; Georg. mon. (Muralt); Nikephoros

N: Beiname: Bessos — Βέσσος.

T: Patrikios, Flottenbefehlshaber.

V: M. wurde im Jahre 711 zusammen mit dem Patrikios Stephanos Asmiktos (# 6981) von Kaiser Iustinianos II. mit einer Streitmacht nach Cherson geschickt, um die dortigen Einwohner für ihre frühere Illoyalität zu bestrafen (cf. hierzu unter # 10210). Alle Einwohner sollten getötet und niemand verschont werden. Der Befehl des Kaisers wurde befolgt, und mit Ausnahme der Kinder wurden alle Einwohner getötet (1). Der chazarische Tudun (# 10833), der in Cherson als Statthalter des Khagans regierte, der Protopolites Zoïlos (# 8657) und vierzig weitere bedeutende und herausragende Einwohner von Cherson (# 10210) wurden zusammen mit ihren Familien in Fesseln als Gefangene zum Kaiser geschickt. Andere Einwohner wurden gefoltert und auf grausame Weise hingerichtet.

Iustinianos II. war hiermit noch nicht zufrieden, sondern entsandte eine weitere Flotte, die jedoch durch einen Sturm vernichtet wurde. Als der Kaiser auch danach nicht von seinen Bemühungen abließ, suchten die Chersonesen bei den Chazaren Schutz und riefen schließlich den in Cherson in Verbannung lebenden (Philippikos) Bardanes zum Kaiser aus. Als die Nachricht hiervon in Konstantinopel eintraf, entsandte Iustinianos II. noch einmal eine Flotte, die er wiederum dem Patrikios M. (hier mit dem Beinamen Bessos) unterstellte. M. erhielt den Befehl, Cherson einzunehmen, dem Erdboden gleichzumachen und keine Seele zu verschonen. Zu diesem Zweck wurde ihm auch Belagerungsgerät mitgegeben. M. versuchte, Cherson mit Gewalt einzunehmen, gab dies aber auf, als chazarische Truppen eintrafen. Da nun auch die Teilnehmer der Strafexpedition mit dem Zorn des Kaisers zu rechnen hatten, liefen sie zu den Aufrührern über, erklärten Iustinianos II. für abgesetzt und riefen Bardanes unter dem Namen Philippikos als neuen Kaiser aus (2).

Philippikos kehrte mit der Flotte nach Konstantinopel zurück und beauftragte M. und den Spatharios Ioannes Struthos (# 2958) damit, den Sohn des Kaisers, Tiberios (# 8490), der noch ein Kind war, zu töten. Tiberios hielt sich in der Kirche der Gottesmutter (Theotokos) in Blachernai auf. Er hielt sich mit einer Hand an der kleinen Säule der Altartafel fest, in der anderen hielt er das Holz des Kreuzes, und um den Hals trug er Phylakteria. Seine Großmutter Anastasia (# 228) flehte um Gnade für ihren Enkel, wobei sie die Füße des M. umklammerte. Ioannes Struthos ergriff jedoch den Knaben. Sie brachten ihn zu einer Nebenpforte oberhalb von ta Kallinikes, entkleideten ihn dort (d. h. sie nahmen ihm das Gewand, das er als Mitkaiser seines Vaters trug) und schnitten ihm dann wie einem Schaf (δίκην προβάτου) die Kehle durch (3).

Anmerkungen: — (1) Theophanes 377,22 – 378,3; Symeon log. (Leon gr. 169,11-13; Theod. mel. 116,21f.; Symeon sl. 74,19f.); Georg. mon. (Muralt) 908C; Theod. Skut. 118,4-15. — (2) ... τὸν δὲ Βαρδάνην ὡς βασιλέα καὶ αὐτοὶ εὐφήμησαν (Theophanes 379,17-30; Nikephoros 46,16-26 [Mango 45,56-67]). — (3) Theophanes 380,10-29; Nikephoros 47,23 – 48,5 (Mango 45,92-103); Kedrenos I 783,22 – 784,4; Theod. Skut. 119,17-24.

Q: — (Hist.): Theophanes; Nikephoros; Symeon log. (Leon gr.; Theod. mel.; Symeon sl.); Georg. mon. (Muralt); Kedrenos; Theod. Skut.

L : Stratos, Byzantium V 200 (Reg.); Head, Justinian II 146. 149; Treadgold, History 342; Božilov Nr. 397, p. 328.

P: Der äußerst ausführliche Bericht des Theophanes über die Strafexpedition gegen Cherson hat ganz offensichtlich die Tendenz, Iustinianos II. als unzurechnungsfähigen und grausamen Despoten hinzustellen, dessen Sturz zu Recht erfolgte. Wahrscheinlich hat Theophanes hier eine griechische Vorlage, möglicherweise sogar aus der Zeit des Philippikos, übernommen. In den syrischen Quellen findet der Vorgang sich nicht, ist also nicht in der gemeinsamen Vorlage von Theophanes und den syrischen Quellen enthalten gewesen. — ZV 1552. 2168 nennen einen Patrikios Mauros (# 4913) aus derselben Zeit. Ob er mit diesem oder einem weiteren Mauros (# 4912*) identisch ist, läßt sich nicht sagen. Nikephoros erwähnt Mauros erst als Kommandanten der späteren Flotte, während die erste allein unter dem Kommando des Stephanos gestanden haben soll. — Auch die Identität mit dem in den Miracula S. Demetrii anonym erwähnten Sohn (# 4911A) eines Mauros oder jenem Mauros (# 4911) selbst ist in Erwägung gezogen worden, cf. Ditten, Ethnische Verschiebungen 70; Lemerle, Miracles II 152f. Für die Identität der drei nichtklerikalen Träger des Namens Mauros (# 4911. — # 4913. — # 4914) tritt Božilov p. 327f. ein, wobei das von Šandrovskaja publizierte Siegel (in: VV 29 [1968] 251 mit Anm. 21 [M-603]; s. Mauros: # 4912*) ihm offenbar nicht bekannt war.

QuelleSource

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