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BY-NC-ND 4.0 license Open Access Published by De Gruyter

Mu'āwiya (I.) ibn abī Sufyān

Μαυΐας

Ralph-Johannes Lilie, Claudia Ludwig, Beate Zielke and Thomas Pratsch
EintragstypEntry Type
Person
EintragsspracheEntry Language
DeutschGerman
Personenkennziffer
5185
Namensvariante
Mauïas (griech.); Mabias (griech.); Maïas (griech.); Mavija (sl.)
Klerus / Laie
Laie
Geschlecht
Mann
Zeit
7. Jh.
Erste Erwähnung
642
Titel / Beruf
Araber; Kalif; Feldherr arab; Befehlshaber Flotte arab; Nauarchos arab; Protosymbulos; Strategos Araber
Name normalisiert
Muawijah
Ort
Syrien; Kalifat; Kaisareia (Palästina); Palästina; Zypern; Arados (Insel vor Syrien); Armenien; Rhodos (Insel); Emesa (Syrien); Edessa (Syrien); Phoinix (Vorgebirge in Lykien); Lykien; Kaisereia (Kappadokien); Kappadokien; Ägypten; Damaskos (Syrien); Hammat Gader (Palästina); Gadara (Palästina); Umm Qēs bzw. al-Ḥamma (s. Gadara); Jordanien
Quelle
Kleinchroniken; Inscriptions (Meimaris); Inschrift (Soloi [Zypern]); Theophanes; Symeon log.; Leon gr.; Theod. mel; Zonaras; Symeon sl.; Kedrenos; Theod. Skut.; Georg. mon. (Muralt); Georg. mon.; Nikephoros; Konst. Porph., DAI

N: Theophanes: Mauïas — Μαυΐας; Kedrenos: Mabias — Μάβιας; Theod. Skut.: Maïas — Μαΐας; DAI: Μαυίας; Symeon sl.: Mavija.

T: Arabischer Feldherr und Admiral — ναύαρχος (DAI); Kalif (661–680) — Μαυΐας, ὁ τῶν Σαρακηνῶν πρωτοσύμβουλος ... γέγονε δὲ στρατηγὸς ἔτη κ´, καὶ ἀμήρευσεν ἔτη κδ´; eine Inschrift betitelt ihn als ἀμήρα ἀλμουμενήν (Meimaris).

V: Geboren wurde M. etwa um das Jahr 605. Sein Vater war Abū Sufyān (# 74), ursprünglich ein Gegner des Propheten Muḥammad. M. begann in den vierziger Jahren des 7. Jh.s in Erscheinung zu treten, zunächst als Feldherr und Admiral, dann als Gouverneur von Syrien. Als solcher erhob er nach der Ermordung des Kalifen ‘Uṯmān (# 8559) selbst Anspruch auf das Kalifat und setzte sich schließlich im Bürgerkrieg gegen ‘Alī (# 198) durch. Als Kalif herrschte er von 661 bis 680.

M. leitete diverse Angriffe gegen das byzantinische Reich. Im Jahre 642 nahm er nach angeblich siebenjähriger Belagerung Kaisareia in Palästina ein (1). 649 griff er Zypern an und verwüstete die gesamte Insel (2). Danach belagerte er noch in demselben Jahr die Inselfestung Arados (3) und eroberte sie ein Jahr später (4). Ca. 652 schloß er einen zweijährigen Frieden mit Konstans II. (5). In demselben Zeitraum führte er Verhandlungen mit dem armenischen Fürsten Theodoros Rštuni (# 7293), der seinen Sohn als Geisel zu Mu‘āwiya schickte (6). Im Jahre 654 nahm M. Rhodos ein und soll die Überreste des angeblich von ihm zerstörten antiken Standbilds des Kolosses (von Rhodos) (7) an einen jüdischen Kaufmann (# 10692) aus Emesa (bei Theophanes fälschlich: Edessa) verkauft haben, der damit 900 Kamele beladen haben soll (8). Um diese Zeit begann M, eine Flotte zum Angriff auf Konstantinopel auszurüsten (9), mit der die Araber im Jahre 655 beim Phönixvorgebirge in Lykien die byzantinische Flotte besiegten. Ebenfalls 655 wurde Kaisareia in Kappadokien angegriffen (10).

Nach dem Tod des Kalifen ‘Uṯmān wurde M. von den Arabern in Syrien und Ägypten zum Kalifen gewählt (11), was notwendigerweise zum Bürgerkrieg führte, da die anderen Araber ‘Alī (# 198) zum Kalifen erhoben. In dem Bürgerkrieg konnte M. sich schließlich durchsetzen (12) und residierte danach in Damaskos (13). Während dieser Auseinandersetzungen verhandelte M. auch mit den Byzantinern und schloß mit ihnen im Jahre 659 einen Friedensvertrag, der arabische Tributzahlungen beinhaltete (14). Nach dem Ende des Bürgerkriegs nahmen die Araber ihre Angriffe gegen Byzanz wieder auf und versuchten auch, die innerbyzantinischen Auseinandersetzungen für sich auszunutzen. 667 oder 668 empfing M. Gesandte Kaiser Konstantins IV. und des Rebellen Saborios (# 6476), den er mit der Entsendung einer Armee unterstützte (15). Als diese Truppe nach dem Tod des Saborios in Schwierigkeiten geriet, schickte er seinen Sohn Yazīd (# 8595) mit einem Heer zu Hilfe (16). Die arabischen Angriffe wurden jetzt heftiger, um zwischen 675 und 678 in der Belagerung Konstantinopels zu gipfeln, die allerdings erfolglos verlief. Der Mißerfolg war so schwer, daß M. sich 678/79 (evtl. auch erst 680) wiederum zu einem Friedensvertrag mit Byzanz gezwungen sah (17). Wenig später (im Jahre 680) ist er gestorben (18).

Wie eine Inschrift aus dem jordanischen Gadara (aus Umm Qēs bzw. aus dem nahegelegenen al-Ḥamma) belegt, zeigte er sich der christlichen Bevölkerung in den eroberten Gebieten gegenüber tolerant und nahm durchaus auch Christen in seinen Dienst, ohne daß sie ihren Glauben aufgeben mußten (s. z. B. Sarjūn: # 6510).

Anmerkungen: — (1) Theophanes 341,21-23. — (2) Theophanes 343,30 – 344,1; Kleinchroniken 24, 6, p. 197 (dazu Schreiner, Kleinchroniken II 83f.); Kedrenos I 755,1f.; Inschrift von Soloi (zu dieser s. Ioannes: # 2786); cf. auch unter Abū l-A‘war (# 71). — (3) Theophanes 344,3-10; Kedrenos I 755,3-5. — (4) Theophanes 344,12-15; cf. hierzu ausführlich L. I. Conrad, The Conquest of Arwād, in: Av. Cameron – L. I. Conrad (Hrsg.), The Byzantine and Early Islamic Near East. Vol. 1. Problems in the Literary Source Material, Princeton 1992 (Studies in Late Antiquity and Early Islam 1), 317–401. — (5) Theophanes 344,22f.; s. Dölger, Regesten Nr. 230. — (6) Theophanes 344,26-28 (nennt Theodoros Rštuni Pasagnathes – Πασαγνάθης). — (7) Theophanes 345,8-11; Symeon log. (Leon gr. 157,17-20; Theod. mel. 108,17-19; Symeon sl. 69,26-27); Georg. mon. (Muralt) 861B; Kedrenos I 755,8-12. — (8) Theophanes 345,10; Konst. Porph., DAI 20,9 u. a., während DAI 21,65 von 980 Kamelen spricht. Zu der Geschichte cf. Conrad, The Arabs and the Colossus, in: Journal of the Royal Asiatic Society, 3rd ser., vol. 6 (1996) 165–187. — (9) Theophanes 345,16-18; Georg. mon. 716,10-13; Symeon log. (Leon gr. 157,22 – 158,2; Theod. mel. 108,21-23; Symeon sl. 69,29f.); Kedrenos I 755,8-12; Zonaras XIV, 19, p. 218,11f. — (10) Theophanes 345,26f.; Kedrenos I 755,23 – 756,1. — (11) Theophanes 346,23f. — (12) Theophanes 346,24 – 347,4; 347,30 – 348,2; Zonaras XIV 19, p. 219,10-14. — (13) Theophanes 347,27. — (14) Theophanes 347,17-19; Symeon log. (Leon gr.158,18-23: läßt Konstans das arabische Angebot ablehnen: ὁ δὲ οὐκ ἐπείσθη; Theod. mel. 109,10-14; Symeon sl. 70,3-6); Kedrenos I 762,3-7; Zonaras XIV 19, p. 219,14-16; cf. auch Dölger, Regesten Nr. 230. — (15) Theophanes 348,30 – 350,9; Theod. Skut. 112,1-28. — (16) Theophanes 351,1-5; Kedrenos I 763,3-7. — (17) Theophanes 355,10 – 356,2; 361,10; Nikephoros 32,23 – 33,12 (Mango 35,21-37); Symeon log. (Leon gr. 160,12-22; Theod. mel. 110,20-17; Symeon sl. 70,32-39); Georg. mon. (Muralt) 896C; Kedrenos I 765,23 – 766,7; Zonaras XIV 20, p. 224,13 – 225,8. — (18) Theophanes 356,15; Symeon log. (Leon gr. 162,9f.; Theod. mel. 111,24; Symeon sl. 71,24f.); Georg. mon. (Muralt) 897A; Zonaras XIV 22, p. 229,1.

Q: — (Hist.): Theophanes; Nikephoros; Georg. mon.; Symeon log. (Leon gr.; Theod. mel.; Symeon sl.); Georg. mon. (Muralt); Kleinchroniken; Kedrenos; Zonaras; Theod. Skut. — (Fs.): Konst. Porph., DAI 20. 21. 22,2; 22,36; 25,61f. — (Inscr.): Inscriptions (Meimaris) Nr. 10, p. 81; Inschrift von Soloi: Tran Tam Tinh, Deux inscriptions sur l'invasion arabe (Annexe I), in: Soloi, dix campagnes de fouilles (1964–1974) I, ed. J. Des Gagniers, Sainte-Foy 1985 (Recherches archéologiques de l'université Laval), 115–125 (Edition der beiden Tafeln, Inscr. I: p. 116; Inscr. II: p. 117f.), bes. Inscr. I,7-12, p. 116 (ohne Namensnennung, aber mit genauer Datierung: Ἐν χρόνοις τοίνυν ἰνδ(ικτίωνος) Ζ τοῦ τξε´ Διοκλητιανοῦ ἔτους γέγονεν ἡ ἐξ ἡμετέρων ἁμαρτιῶν κατὰ τῆς νήσου ἐπέλευσις ...).

L : ODB II 1421; LdMA VI (1993) 884f.; EI VII (1993) 265–270. — Caetani, Chronographia I: a. h. 21 Nr. 8; a. h. 22 Nr. 10; II: a. h. 23 Nr. 7; a. h. 24 Nr. 16; a. h. 25 Nr. 10; a. h. 27 Nr. 5. 6; a. h. 28 Nr. 8; a. h. 32 Nr. 9. 11; a. h. 33 Nr. 6. 7; a. h. 34 Nr. 6; a. h. 39 Nr. 18; III: a. h. 48 Nr. 7; a. h. 57 Nr. 15; a. h. 60 Nr. 94; Hitti, History 798 (Reg.); Stratos, Byzantium III 311 (Reg.); IV 193 (Reg.); V 201 (Reg.); Lilie, Reaktion 59. 61–82; Ditten, Ethnische Verschiebungen 423 (Reg.); Hawting, Dynasty 138 (Reg.); Kennedy, Caliphates 420 (Reg.); Schick, Palestine 570 (Reg.); Whittow, Byzantium 138. 209–211; Hoyland, Seeing Islam 856f. (Reg.); Treadgold, History 310–327. 383; zuletzt M. Polat, Der Umwandlungsprozeß vom Kalifat zur Dynastie. Regierungspolitik und Religion beim ersten Umayyadenherrscher Mu‘āwiya Ībn Abī Sufyān, Frankfurt – Berlin – Bern etc. 1999 (Europäische Hochschulschriften: Reihe 3, Geschichte und ihre Hilfswissenschaften, Bd. 855). — Speziell zu den muslimisch-byzantinischen Gesandtschaften zur Zeit des M. cf. Kaplony, Konstantinopel und Damaskus 19–97.

P: Bei Symeon log. (Leon gr. 157,22 – 158,2) und Georg. mon. (Muralt) 861B-C befehligt Mu‘āwiya persönlich die arabische Flotte 655 in der Seeschlacht am Berg Phönix (Μαυίας δὲ μετὰ πλοίων ἦλθεν ἐν Φοινίκῃ), jedoch dürfte dies ein Mißverständnis der (sehr verkürzt) ausgeschriebenen Vorlage sein. — Theophanes 363,21 spricht davon, daß der Kalif ‘Abd al-Malik (# 18) im Jahre 686 den Ziyād gegen den Usurpator al-Muḫtār (# 11435) ausgeschickt habt. Dieser Ziyād sei der Bruder von Mu‘āwiya gewesen. Tatsächlich handelt es sich um den Sohn des Ziyād, eines Adoptivbruders des Mu‘āwiya, mit Namen ‘Ubaid Allāh ibn Ziyād ibn Abīhi (# 8546).

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