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Petronas

Πετρωνᾶς

Ralph-Johannes Lilie, Claudia Ludwig, Beate Zielke and Thomas Pratsch
EintragstypEntry Type
Person
EintragsspracheEntry Language
DeutschGerman
Personenkennziffer
5929/corr.
Klerus / Laie
Laie
Geschlecht
Mann
Zeit
9. Jh.
Titel / Beruf
Patrikios; Drungarios Bigla; Strategos Thrakesion; Domestikos Scholai; Magistros; Senator
Name normalisiert
Petronas
Ort
Thrakesion (byz. Thema); Karianu: ta Karianu (Kpl.); Karianospalast (Kpl.); Hippodrom (Kpl.); Porson bzw. Poson (Paphlagonien); Gastriakloster; Kosmas-und-Damian-Hospital (Kpl.); Paulinu: ta Paulinu (Kpl.); Palaia Petra
Quelle
Vita Antonii iun. Addit. (BHG 142 Addit.); Vita Antonii iun. (BHG 142); Symeon log.; Leon gr.; Theod. mel; Zonaras; Symeon sl.; Theoph. cont.; Skylitzes; Ps.-Symeon; Theod. Skut.; Genesios; Georg. mon. cont. (Bonn); Georg. mon. cont. (Muralt); Laurent, in: Byzantino-Sicula 1 (1966); Georg. mon. cont. (Istrin); aṭ-Ṭabarī; Glykas; Konst. Porph., De cerim.; Vita Ignatii (BHG 817); Acta Davidis, Symeonis et Georgii (BHG 494)

Achtung: Dieses Lemma enthält gegenüber der gedruckten Fassung Veränderungen und Zusätze ohne Auswirkung auf die Angaben zur Person.

T: Patrikios, Drungarios der Bigla; Strategos von Thrakesion; Domestikos der Scholen, Magistros; laut den Acta Davidis, Symeonis et Georgii (BHG 494) 246,1 gehörte P. zu den führenden Senatsmitgliedern — τῆς συγκλήτου τυγχάνοντας πρώτους βουλῆς.

V: P. war ein Sohn des Marinos (# 4812) und der Theoktiste (# 8025). Als jüngerer Bruder der Kaiserin Theodora (# 7286) war er ein Schwager des Kaisers Theophilos. Sein Schwiegervater war Myron (# 5214) (1); ein Sohn hieß Marianos (# 4769). Weitere Geschwister waren: Bardas (# 791), Sophia (# 6842), Maria (# 4738) und Eirene (# 1448).

Zur Zeit des Theophilos (829–842) soll er auf Befehl des Kaisers mitten auf der Straße entkleidet und heftig ausgepeitscht worden sein, weil er durch die Aufstockung seines Hauses das einer Witwe (# 10089) gehörende Nachbarhaus verdunkelt habe; außerdem sei sein Haus abgerissen und das Baumaterial samt Grund und Boden der Witwe überlassen worden (2). Kurz vor dem Tod des Theophilos soll er zusammen mit einem nicht namentlich genannten Logothetes (# 11795) auf Befehl des Kaisers den Theophobos (# 8237) wegen des Verdachts der Verschwörung getötet haben (3).

Angeblich war P. ein Anhänger der Ikonenverehrung und ermutigte nach dem Tod des Theophilos seine Schwester Theodora dazu, diese wieder einzuführen (4). Unter der Regentschaftszeit Theodoras findet er keine weitere Erwähnung, war dann allerdings am Sturz des Theoktistos (# 8050) und der Entmachtung Theodoras Ende 855, Anfang 856 beteiligt. Auf Befehl seines Bruders Bardas und Kaiser Michaels III. soll er Theodora und ihre Töchter geschoren und in den Palast ta Karianu gebracht haben (5). Konst. Porph, De cerim., berichtet die kuriose Geschichte, daß P. vor einem im Zirkus angesetzten Wettlauf den Läufer der Grünen, Bambaludes (# 741), festgesetzt haben soll, so daß dieser zu spät zu den Rennen gekommen sei, erst auf wiederholtes Bitten der Grünen zugelassen worden sei und so erst das vierte Rennen gewonnen habe.

Später trat P. als Feldherr in Erscheinung und konnte in der Schlacht von Porson (Poson) am 3.9.863 zusammen mit Nasar (# 5227) den nach Kleinasien eingefallenen Emir von Melitene, Umar ibn ῾Abdallāh ibn Marwān al-Aqṭa (# 8552), schlagen und töten. Als Belohnung wurde er zum Domestikos der Scholen ernannt (6). Wenig später soll er gestorben sein (7). Beerdigt wurde er im Kloster ta Gastria (τῶν Γαστρίων). Er wurde im Kloster im linken, also nördlichen Flügel der Kirche (ἐν δὲ τῷ εὐωνύμῳ μέρει τῆς αὐτῆς ἐκκλησίας), gegenüber dem Sarkophag seiner Schwester Theodora und dreier seiner Nichten in einem eigenen Steinsarkophag (ἀπὸ λίθου) beigesetzt (8).

Als sein geistiger Vater, der ihm auch den Sieg gegen die Araber vorhergesagt habe, wird Antonios der Jüngere (# 534) bezeichnet.

Zusätzliche hagiographische Informationen: Die Vita Antonii iun. Addit. (BHG 142 Addit.) cap. 10–11 erzählt, daß P. bei einer Erkrankung in das Hospital der hl. Kosmas und Damianos im Quartier ta Paulinu gebracht worden sei, wo er sich schon zum Mönch habe weihen lassen wollen. Antonios habe ihm abgeraten und seine Gesundung vorhergesagt (cap. 10f.). Ebenso sagte Antonios die Gesundung des Marianos, des Sohnes des P., voraus (cap. 12). P. wurde nach dieser Quelle zum geistigen Schüler des Antonios (cap. 13). Nach dem Sieg bei Poson (s. unten) habe er Antonios in seinen Palast in Konstantinopel aufnehmen wollen, jedoch sei dieser schon kurz zuvor gestorben (Vita Antonii iun. Addit. [BHG 142 Addit.] 16–17). — Die Acta Davidis, Symeonis et Georgii (BHG 494) cap. 28, p. 245,30 – 246,30 berichten, daß P. und einige andere Würdenträger ca. 843/44 versucht hatten, Symeon Stylites (# 7178) davon abzuhalten, den toten Kaiser Theophilos zu verdammen; cap. 31, p. 252,15-19 wird erzählt, daß P. dem Georgios (# 2161) acht Pfund Gold (χρυσίου λίτρας ὀκτώ) sowie 300 Gewänder schenkte. — Laut der Vita Ignatii (BHG 817) col. 525A-B teilte P. dem abgesetzten und verurteilten Expatriarchen Ignatios (# 2666) im August 863 die Begnadigung von Seiten des Kaisers Michael III. mit und überbrachte ihm als Pfand das Enkolpion (eine Art Medaillon) des Kaisers. — Sieg über die Araber 863: Acta Davidis, Symeonis et Georgii (BHG 494) cap. 31, p. 252,20-22 (Voraussage des Sieges); Vita Antonii iun. Addit. (BHG 142 Addit.) cap. 14f.: Als Strategos von Thrakesion erhielt P. eine Sakra Kaiser Michaels III., die ihm den Kampf gegen zwei in die Romania eingefallene arabische Armeen befahl. Antonios suchte ihn in Plateia Petra auf und sagte ihm den Sieg voraus. Tatsächlich errang P. in der Schlacht bei Poson (Porson) am 3.9.863 einen großen Sieg, tötete den arabischen Feldherrn und kehrte im Triumph nach Konstantinopel zurück. — Tod: Vita Antonii iun. (BHG 142) cap. 44; Vita Antonii iun. Addit. (BHG 142 Addit.) cap. 18: † am 11. November 865.

Anmerkungen: — (1) Symeon log. (Leon gr. 218,11; Theod. mel. 150,23 f.; Symeon sl. 95,14); Ps.-Symeon 632,5f. — (2) Symeon log. (Leon gr. 216,1-11; Theod. mel. 148,28 – 149,11; Symeon sl. 94,12-21); Georg. mon. cont. (Bonn) 793,19 – 794,11; Georg. mon. cont. (Muralt) 1012A-B; Ps.-Symeon 627,21 – 628,3; Zonaras XV 25, p. 356,1 – 357,4; Theod. Skut. 133,24 – 134,3. — (3) Symeon log. (Leon. gr. 227,23 – 228,2; Theod. mel. 158,30f.; Symeon sl. 99,38f.); Georg. mon. cont. (Bonn) 810,8-10; Georg. mon. cont. (Muralt) 1029B. — (4) Genesios IV 2, p. 56,65 – 57,67; Skylitzes 82,37-39, der fälschlich die Onkel (μητραδέλφων) Theodoras nennt, cf. aber richtig Genesios. — (5) Theoph. cont. IV 22, p. 174,4-7. — (6) Theoph. cont. IV 25, p. 179,13 – 183,17; Skylitzes 93,38-45; 99,17 – 101,65; Genesios IV 15, p. 67,66 – 69,39: zum Magistros; Symeon log. (Leon gr. 238,21 – 239,4; Theod. mel. 167,8-14; Symeon sl. 104,37 – 105,3); Georg. mon. cont. (Bonn) 825,1-7; Georg. mon. cont. (Muralt) 1052A; Georg. mon. cont. (Istrin) 9,15-30; Ps.-Symeon 666,9-12; Zonaras XVI 3, p. 396,7 – 397,13. — (7) Skylitzes 101,63f.; Zonaras XVI 3, p. 397,14. — (8) Konst. Porph, De cerim. II 42, p. 647.

Q: — (Hist.): Theoph. cont. 167,9; 179–185; Skylitzes; Genesios; Georg. mon. cont. (Bonn); Georg. mon. cont. (Muralt); Georg. mon. cont. (Istrin); Symeon log. (Leon gr. 228. 216. 238; Theod. mel.; Symeon slav.); Ps.-Symeon; Zonaras; Glykas 536,11-16; Theod. Skut. — (Hag.): Vita Antonii iun. (BHG 142) cap. 44, p. 216,13f.; Vita Antonii iun. Addit. (BHG 142 Addit.) cap. 10–20, p. 215,19 – 217,19; 217,28 – 220,12; 220,25 – 222,4; 223,2-4; Acta Davidis, Symeonis et Georgii (BHG 494) cap. 28, p. 245,30 – 246,30; cap. 31, p. 252,15-22; Vita Ignatii (BHG 817) 525A-B. — (Fs.): Konst. Porph., De cerim., II 80, p. 158,19 (Vogt); I 72, p. 358,13f. (Reiske); II 42 p. 647,22-24 (Reiske). — (arab.): aṭ-Ṭabarī (Yar-Shater XXXV) 9 [1509] (= Vasiliev, Arabes I 325) (zur Schlacht bei Porson, wobei als byzantinischer Feldherr aber fälschlich der Kaiser selbst genannt wird). — Möglicherweise (Sg.): Laurent, in: Byzantino-Sicula 1 (1966) 49f. Nr. 6: Πετρωνᾷ δρουγγαρίῳ.

L : ODB III 1644f.; Nicol 104. — Bury, Eastern Rom. Emp. 523 (Reg.); Dölger, Regesten Nr. 462; Vasiliev, Arabes I App. 318f. 251ff.; Grégoire, in: REG 46 (1933) 36f.; idem, in: Byz 5 (1929/30) 331ff.; Byz 8 (1933) 534ff.; Vogt, Comm.168–172; Guilland, Recherches I 27. 141 Anm. 114; idem, Recherches II 27; Halkin, Saint Antoine le Jeune et Pétronas vainqueur des Arabes en 863, in: AnBoll 62 (1944) 196–202. 215ff.; Ostrogorsky, Geschichte 183;Rosser, Theophilus 56f.; Huxley, in: GRBS 16 (1975) 443–450 (zur Schlacht von Poson); Treadgold, in: DOP 33 (1979) 157–197, bes. 175f.; idem, Revival 496 (Reg.); Winkelmann I 84; Mango, Liquidation 134. 137; I. Dorfmann-Lazarev, Arméniens et Byzantins à l'époque de Photius: deux débats théologiques après le triomphe de l'orthodoxie, Louvain 2004 (SCSO 609; Subsidia 117) 59–63. — Zum Enkolpion cf. Wessel, Art. Enkolpion, in: RBK II (1971) 152–164.

P: Zu möglichen, wenn auch nicht beweisbaren Identifizierungen cf. auch unter Petronas (# 5927. — # 5931) und Petros (# 6056); cf. außerdem Maria (# 4743). — Theoph. cont. IV 22, p. 174,21-23 berichtet im Gegensatz zu Sym. log., daß der Petronasbruder Bardas auf Befehl des Kaisers Theophilos wegen einer Straftat, Pflichtverletzung o. ä. (εἴς τι τῶν οὐ δεόντων) mit einer Strafe von 60 Peitschenhieben bestraft worden sei; möglicherweise liegt eine Verwechslung mit P. vor. — Laut Theoph. cont. und Skylitzes wurde das Amt des Domestikos der Scholen an und für sich von Bardas ausgefüllt, der aber mit der Leitung der Regierungsgeschäfte so ausgelastet war, daß er es dem P. überließ, cf. Theoph. cont. IV 16, p. 167,6-10: ἀντεστρατεύετο δὲ αὐτοῖς Πετρωνᾶς, τὴν τοῦ δομεστίκου τότε ἀρχὴν διοικῶν· λόγῳ μὲν γὰρ Βάρδα ταύτην διέπειν ἐδέδοτο, ἀλλ᾿ ἐπεὶ σχολάζειν οὗτος ἠναγκάζετο ὡς ἐπίτροπος, τὸν ἀδελφὸν ἠξίου, στρατηγὸν ὄντα τῶν Θρακησίων, πράγματι ταύτην διέπειν καὶ διοικεῖν. Skylitzes 93,39-41: ... Πετρωνᾶς, τὴν τοῦ δομεστίκου τῶν σχολῶν ἀρχὴν διοικῶν, λόγῳ μὲν τῷ πρεσβυτέρῳ ἀδελφῷ Βάρδᾳ προσήκουσαν, ἔργῳ δὲ παρ᾿ αὐτοῦ διοικουμένην τῷ μὴ ἐκεῖνον σχολάζειν, ἀλλὰ περὶ τὴν ἐπιτροπὴν τοῦ βασιλέως προσέχειν τὸν νοῦν. Theoph. cont. IV 25, p. 180,2-9 berichtet demgegenüber, daß der Amtsinhaber der Sohn des Bardas, Antigonos (# 503), gewesen sei, für den P. das Amt verwaltet habe, da Antigonos 863 erst neun oder zehn Jahre alt gewesen sei. — Nicht klar, wenngleich wohl wahrscheinlich ist, daß P. mit dem anonymen Domestikos der Scholen identisch ist, dessen Antwort auf die Nachricht eines Angriffs des ‘Amr (# 7827) auf Malagina ein Protonotarios (# 12025) an Kaiser Michael III. meldet (Theoph. cont. IV 36 , p. 199,2f.; Ps.-Symeon 660,10f.). — Laut Vogt, (Comm. zu Konst. Porph., I 43) II p. 43 wurde P. zusammen mit seinem Bruder Bardas von Kaiser Michael III. zum Rang eines Kaisars erhoben (übernommen von Guilland, Recherches II 27 [unter falschem Hinweis auf Vogt II 63] und ODB 1644f.). Jedoch wird dies durch die Quellen nicht bestätigt und ist auch von der Sache her unwahrscheinlich. — Im Zeremonienbuch werden anläßlich einer kaiserlichen Stiftung von liturgischen Geräten wohl für die Hagia Sophia am Festtag τῶν Φώτων (Epiphanie am 6. Jan.) unter Kaiser Michael III. zwei Magistroi ohne Namen erwähnt, Konst. Porph., De cerim., II 31, p. 631,12 (Reiske): τῶν δύο μαγίστρων. Für den fraglichen Zeitraum, eher 856 bis 867 als zur Zeit der Regentschaft Theodoras, sind mehrere Magistroi namentlich bekannt; angesichts der Bedeutung und der Seltenheit des Magistrostitels ist es daher wahrscheinlich, daß die in der Quelle anonym erwähnten Magistroi mit namentlich bekannten Trägern dieses Titels zu identifizieren sind. Eine sichere Zuweisung ist jedoch nicht möglich: Vielleicht ist es am wahrscheinlichsten, daß wir in den beiden Magistroi die Brüder P. und Bardas zu sehen haben; eine Identifizierung mit Manuel (# 4707) und/oder Sergios Niketiates (# 6664) scheint ebenfalls möglich; eine Identifizierung mit dem späteren Kaiser Basileios I., Stephanos (# 7076), einem weiteren Bardas (# 793), Theodotakios (# 7896) und/oder Arsaber (# 601) dürfte weniger wahrscheinlich sein, kann aber auch nicht ausgeschlossen werden. — Laurent weist sein Siegel mit Sicherheit diesem Petronas zu und fügt hinzu, daß zwischen Name und Titel Reste eines Buchstaben (Β ?) zu erkennen seien. Normalerweise werde dem Drungarios der Bigla nicht das Adjektiv basilikos beigegeben, doch in diesem Falle könne P. es geführt haben, um sich von anderen gleichnamigen Funktionsträgern abzuheben.

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