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Rastislav

Ῥασισθλάβος

EintragstypEntry Type
Person
EintragsspracheEntry Language
DeutschGerman
Personenkennziffer
6393
Namensvariante
Rostislav (slaw.); Rasisthlabos (griech.); Rhasisthlabos (griech.)
Klerus / Laie
Laie
Geschlecht
Mann
Zeit
9. Jh.
Erste Erwähnung
846
Titel / Beruf
Slawe; Archon Moravia; Herrscher Großmähren
Name normalisiert
Rastislav
Ort
Moravia (s. Mähren); Mähren; Italien; Frankenreich; Rom; Passau; Regensburg (Bayern); Bayern
Quelle
Vita Constantini-Cyrilli (VC); Vita Methodii Thess. (VM); Vita Clementis (BHG 355)

N: Slawische Variante: Rostislav.

T: Archon von Moravia (Mähren) — ἄρχων Μοράβου (BHG 355); es handelt sich um den Herrscher von Großmähren (846–870).

V: Mit Hilfe von Ludwig dem Deutschen und den Ostfranken wurde er Herrscher in Mähren. Später löste er sich vom fränkischen Einfluß und suchte Unabhängigkeit. In diesem Zusammenhang sagte er sich auch vom Erzbischof von Passau los und bat in Italien und Byzanz um Kleriker zur Unterweisung seiner Untertanen. Da Papst Nicolaus I. (# 5248) ihm keinen Bischof sandte, wandte er sich im Jahre 862 an den byzantinischen Kaiser Michael III. mit der Bitte um Unterstützung beim Aufbau einer unabhängigen Kirche. Vielleicht wollte er damit auch einer fränkisch-bulgarischen Allianz entgegenwirken. Der Kaiser schickte Konstantinos-Kyrillos (# 3927) und Methodios (# 4975), die im Jahre 863 zusammen mit ihren Schülern, u. a. Klemes von Ochrid (# 3655), in Mähren eintrafen. Möglicherweise geschah es auf R.s Veranlassung hin, daß Konstantinos und Methodios im Jahre 867 nach Rom reisten und um päpstliche Zustimmung zu kirchlichen Weihen und der Verwendung der Liturgie in kirchenslawischer Sprache in Mähren baten.

Im Jahre 869 wurde Methodios von Papst Hadrian II. (s. Abt. II) zum Bischof von Mähren geweiht und mit einem päpstlichen Begleitschreiben (VM cap. VIII) in sein Bistum entsandt. Im November 870 wurde R. von seinem Neffen und Nachfolger Svjatopluk (s. Abt. II) entmachtet. Ein kaiserlicher Reichstag in Regensburg verurteilte ihn zum Tode; er wurde geblendet und in einem bayerischen Gefängnis interniert, wo er bald darauf starb.

Q: — (Hag.): Vita Clementis (BHG 355) (neue Edition: ed. I. G. Iliev, The Long Life of Saint Clement of Ohrid. A Critical Edition, in: ByzBulg 9 [1995] 62–120 [Text: 81–106]); cap. IV 15, p. 88,4-6 (Milev); cap. IV 15,173-175, p. 85 (Iliev); cap. V 18, p. 90,27 (Milev); cap. V 18, 225, p. 86 (Iliev). — (sl.): Vita Constantini-Cyrilli (VC) cap. XIV 2–5, p. 129 (lat. 199f.); XIV 15–19, p. 129f. (lat. 201); XV 1, p. 131 (lat. 202); 21, p. 132 (lat. 204); Vita Methodii Thess. (VM) V 1–2, p. 155 (lat. 223); VIII 4, p. 157 (lat. 225).

L : ODB III 1773 s. v. ”Rastislav”; LdMA VII (1995) 1044 s. v. ”Rostislav 1” (Lit.). — Dittrich, Christianity 82–108. 174–192; Vavřínek, Die historische Bedeutung der byzantinischen Mission in Großmähren, in: Großmähren und die Anfänge der tschechoslowakischen Staatlichkeit, ed. J. Poulík u. a., Prag 1986, 245–279.

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