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BY-NC-ND 4.0 license Open Access Published by De Gruyter

Theodora

Θεοδώρα

Ralph-Johannes Lilie, Claudia Ludwig, Beate Zielke and Thomas Pratsch
EintragstypEntry Type
Person
EintragsspracheEntry Language
DeutschGerman
Personenkennziffer
7282/corr.
Namensvariante
Chichek: Čičäk (chazarisch); Cicäk: Čičäk (chazarisch); Cicek:
Klerus / Laie
Laie
Geschlecht
Frau
Zeit
8. Jh.
Erste Erwähnung
705
ethnos
Chazaren
Religion
Konvertit (pagan zu orthodox)
Titel / Beruf
Kaiserin; Basilissa; Augusta; Prinzessin Chazaren
Name normalisiert
Theodora
Ort
Chazarien; Cherson (Krim); Krim; Phanagoreia bzw. Phanaguria (Chazarien); Mese (Kpl.); Milion (Kpl.)
Quelle
Chronicon Altinate; al-Mas‘ūdi, Avertissement; Kirakos; Parastaseis syntomoi chronikai; Michael Psellos, Historia Syntomos; Chronicon Bruxellense; Theophanes; Symeon log.; Leon gr.; Theod. mel; Zonaras; Symeon sl.; Kedrenos; Theod. Skut.; Georg. mon. (Muralt); Michael syr.; Nikephoros; Bar Hebraeus; Chronik v. 1234; Patria; Konst. Porph., De cerim.; Agapius

Achtung: Dieses Lemma enthält gegenüber der gedruckten Fassung Veränderungen und Zusätze ohne Auswirkung auf die Angaben zur Person.

N: Möglicherweise war ihr chazarischer Name Čičäk (cf. dazu Moravcsik, in: SemKond 4 [1931] 69–76 = idem, Studia byzantina, Budapest 1967, 122–126); anläßlich der Heirat mit Iustinianos II. wurde sie auf den Namen Theodora getauft.

T: Chazarische Prinzessin, byzantinische Kaiserin, Augusta (705–711).

V: Sie war die Schwester des chazarischen Khagans Ibuzeros Gliabanos (# 2654), zu dem Iustinianos II. floh, als er nach seinem Sturz im Jahre 695 nach Cherson verbannt worden war (Parastaseis, cap. 37, p. 3f. 9 [Preger] = 98,3f. 9 [Cameron–Herrin]). Der genaue Zeitpunkt der Flucht des Iustinianos zu den Chazaren ist unbekannt. Die Heirat scheint jedenfalls im Jahre 704 stattgefunden zu haben. Beide lebten anschließend in Phanagoreia (Phanaguria) (1), wo wohl auch ihr Sohn Tiberios (# 8490) geboren wurde. Als Kaiser Tiberios Apsimar von dem Khagan die Auslieferung Iustinians forderte und der Khagan zustimmte, wurde T. von einem Diener (οἰκέτης) des Khagan benachrichtigt und informierte ihrerseits Iustinianos, so daß dieser fliehen konnte (2). Sie selbst kehrte zunächst zu ihrem Bruder zurück. Nachdem Iustinianos im Jahre 705 wieder den Thron bestiegen hatte, holte er T. nach Konstantinopel, wo sie zur Augusta gekrönt wurde (3). Nach dem Sturz des Iustinianos im Jahre 711 hören wir nichts mehr von T.; ihr Todesdatum ist unbekannt.

Laut den Parastaseis syntomoi chronikai befanden sich in Konstantinopel in der an der Mese und in der Nähe des Milion gelegenen Basilika (cf. dazu Berger, Patria 417–419) zwei Statuen von Iustinianos II. und von T., die während seiner zweiten Regierungszeit errichtet worden waren. Tatsächlich ist diese Zuschreibung wohl irrtümlich, cf. Berger, Patria 420.

Anmerkungen: — (1) Theophanes 373,1-3; Nikephoros 40,26-29 (Mango 42,10-13); Symeon log. (Leon gr. 167,11-13; Theod. mel. 115,12f.; Symeon sl. 73,27f.); Georg. mon. (Muralt) 905A; Kedrenos I 778,20 – 779,3; Zonaras XIV 24, p. 236,12-14; Theod. Skut. 116,17-19. 20f. — (2) Theophanes 373,11-14; Nikephoros 41,11f. (Mango 42,23-25); Kedrenos I 779,3-12; Zonaras XIV 24, p. 237,3; Theod. Skut. 116,26f. — (3) Theophanes 375,21f. 27f.; Nikephoros 43,6-9 (Mango 42,75-77); Symeon log. (Leon gr. 169,5-7; Theod. mel. 116,15f.; Symeon sl.74,15f.); Georg. mon. (Muralt) 908B; Kedrenos I 781,9-15; Zonaras XIV 24, p. 239,6-9; Theod. Skut. 116,28f.; 117,26f.

Q: — (Hist.): Theophanes; Nikephoros; Symeon log. (Leon gr.; Theod. mel.; Symeon sl.); Georg. mon. (Muralt); Kedrenos; Zonaras; Chronicon Brux. 30,17f.; Theod. Skut.; Michael Psellos, Historia Syntomos. 83, p. 74,30-32. — (Fs.): Konst. Porph., De cerim. I, 1, Scholion, p. 17 (Vogt); p. 22 (Reiske); Parastaseis syntomoi chronikai, cap. 37, p. 40,3f. 9 (Preger) = p. 98,3f. 9f. (Cameron–Herrin); Patria III, cap. 79, p. 244,8f. 14f. — (lat.): Chronicon Altinate 108,14 (Verwechslung mit Anastasia [# 228], der Mutter Iustinianos’ II.). — (arm.): Kirakos 34. — (syr.): Michael syr. II 478; Bar Hebraeus 105; Chronik v. 1234: cap. 152, p. 232 (Palmer, Chronicles, § 141, p. 297) — (arab.): Agapius 498; al-Mas‘üdi, Avertissement (Carra de Vaux 225).

L : Grierson, Tombs 51; Head, Justinian II 105–107. 111. 119–122. 150; Stratos, Byzantium V 106. 129; Cameron–Herrin, in: Parastaseis syntomoi chronikai, p. 211f.; Berger, Patria 420. 518. 520; Treadgold, History 340.

P: Zonaras XIV 25, p. 242,11f. (ebenso Theod. Skut. 119,19f.) gibt an, daß T. im Jahre 711 schon gestorben war, jedoch muß dies nicht auf zusätzlichen Nachrichten beruhen, sondern könnte auch eine Schlußfolgerung aus seiner Vorlage Theophanes sein, der anläßlich der Ermordung des Tiberios nur die Anwesenheit der Großmutter Anastasia (# 228) erwähnt, nicht aber T. — Ein Scholion zum Zeremonienbuch berichtet, daß das sogenannte “Tzitzakion”, ein chazarisches Gewand, von einer chazarischen Prinzessin am Kaiserhof in Konstantinopel eingeführt worden sei, auch nach ihr in Gebrauch geblieben und nach ihr benannt worden sei (Scholion: p. 17 Vogt; p. 22 Reiske); cf. dazu Moravcsik II, 313f.; idem, in: SemKond 4 (1931) 69–76. Bei dieser Prinzessin könnte es sich entweder um T. oder, nach Moravcsik wahrscheinlicher, um Eirene (# 1437), die erste Frau Konstantins V., handeln. — Die Patria III, cap. 79, p. 244,8f. 14f., berichten, daß Iustinianos II. die Tochter des Bulgarenkhans Tervel (# 7240) geheiratet habe und daß von ihm die Kirche der heiligen Anna in Konstantinopel erbaut worden sei, weil die Heilige seiner Frau während deren Schwangerschaft erschienen sei. Während es sich bei der ersten Nachricht um eine Vertauschung Tervels mit dem Chazaren Ibuzeros Gliabanos handelt, ist die zweite eine Verwechslung mit Iustinianos I., auf den der Bau der Annakirche zurückgeht; cf. Berger, Patria 518.

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