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'Umar ibn 'Abdallāh ibn Marwān al-Aqta'

Ἄμερ

Ralph-Johannes Lilie, Claudia Ludwig, Beate Zielke and Thomas Pratsch
EintragstypEntry Type
Person
EintragsspracheEntry Language
DeutschGerman
Personenkennziffer
8552/corr.
Namensvariante
Amer (griech.); Ambros (griech.); Monocherares (Beiname); Aqta: al-Aqta‘ (Beiname)
Klerus / Laie
Laie
Geschlecht
Mann
Zeit
9. Jh.
Erste Erwähnung
838
ethnos
Arabien
Religion
Muslim
Titel / Beruf
Araber; Emir Melitene (arab.); arab.: Emir Melitene
Name normalisiert
Umar
Ort
Melitene (Armenien); Dazemon bzw. Dazimon (Helenopontos); Argaun; Tephrike (Armenia-Melitene); Mauropotamon (Kappadokien); Kappadokien; Kalifat; Samosata (Mesopotamien); Sinope (Helenopontos); Thrakesion (byz. Thema); Opsikion (byz. Thema); Malagina (Bithynien); Porson bzw. Poson (Paphlagonien); Amisos (Helenopontos); Aminsos; Anzen
Quelle
Vita Antonii iun. Addit. (BHG 142 Addit.); Photios, Contra Manichaeos; Petros Sikeliotes; Symeon log.; Leon gr.; Theod. mel; Zonaras; Symeon sl.; Theoph. cont.; Skylitzes; Ps.-Symeon; Genesios; Georg. mon. cont. (Bonn); Georg. mon. cont. (Muralt); Bar Hebraeus; Georg. mon. cont. (Istrin); Tabari: aṭ-Ṭabarī; Acta Davidis, Symeonis et Georgii (BHG 494)

Achtung: Dieses Lemma enthält gegenüber der gedruckten Fassung Veränderungen und Zusätze ohne Auswirkung auf die Angaben zur Person.

N: In den griechischen Quellen erscheint ‘U. unter den Namen Amer bzw. Ambros — Ἄμερ, ὃν οὕτω πως συμφθείροντες τὰ στοιχεῖα Ἄμβρον ἐκάλεσαν οἱ πολλοί (Theoph. cont. 166,16f.); sein Beiname al-Aqta‘ wird in einigen griechischen Quellen (Petros Sik.; Photios) als Monocherares — μονοχεράρης (der Einhändige) wiedergegeben. — Die Schreibweise des Namens in den arabischen Quellen wird unterschiedlich transkribiert. Möglich ist auch: ʻAmr b. ʻUbaydallāh al-Aqṭā'.

T: Emir von Melitene.

V: ‘Umar herrschte als halb unabhängiger Emir von den dreißiger Jahren des 9. Jh.s bis 863 über Gebiet und Stadt Melitene und war während dieser Zeit einer der Hauptgegner des byzantinischen Reiches. Im Jahre 838 nahm er an der Schlacht bei Dazimon (Anzen) teil, in der die byzantinische Armee, die unter dem persönlichen Kommando des Kaisers Theophilos (829–842) stand, eine schwere Niederlage erlitt (1). In den vierziger Jahren nahm er die unter Karbeas (# 3625) aus Byzanz geflohenen Paulikianer auf, wies ihnen als Wohnsitz die Städte Argaun und Tephrike zu und unternahm zusammen mit ihnen mehrfach Plünderungszüge in byzantinisches Reichsgebiet (2). Laut den Quellen der Logothetengruppe erlitt der epi tu kanikleiu und Logothetes des Dromos, Theoktistos (# 8050), im Jahre 844 bei Mauropotamon in Kappadokien gegen ihn eine Niederlage (3). Im Anschluß daran sollen mehrere vornehme Byzantiner, unter ihnen Theophanes aus Phargana (# 8150), zu ‘Umar übergelaufen sein (4). Wohl während der vierziger Jahre kämpfte ‘Umar gegen einen anderen lokalen Machthaber im Grenzgebiet zwischen Byzanz und dem Kalifat, den Armenier Skleros (# 6822), mit dem es zu äußerst verlustreichen Auseinandersetzungen kam, in denen ‘Umar schließlich siegreich blieb (5).

Wahrscheinlich während der fünfziger Jahre schlug ‘Umar einen Angriff Kaiser Michaels III. auf Samosata zurück (6). Ferner unternahm er einen Einfall nach Kleinasien, auf dem er bis Sinope kam und die Landschaften, durch die er zog, verwüstete (7). Ein weiterer Einfall soll die Region der Themen Thrakesion und Opsikion heimgesucht und bis nach Malagina geführt haben (8). ‘Umar fiel am 3. September 863 in der Schlacht von Porson (Poson) gegen die byzantinische Armee unter Petronas (# 5929) und Nasar (# 5227), nachdem er zuvor unter schweren Plünderungen bis nach Amisos vorgedrungen war (9). Auf diesem Kriegszug soll er laut einigen Quellen Michael III. bei Dazimon vernichtend geschlagen haben. Es handelt sich bei diesem Bericht jedoch zweifelsfrei um eine Dublette der Schlacht des Jahres 838 (10).

Anmerkungen: — (1) Theoph. cont. III 31, p. 126,23 – 127,3; Genesios III 13, p. 47,21-29; Skylitzes 75,48-50. — (2) Theoph. cont. IV 16, p. 166,7-19; Skylitzes 92,21 – 93,45; Petros Sik.; Photios. — (3) Symeon log. (Leon gr. 229,10-15, Theod. mel. 159,27 – 160,5; Symeon sl. 100,23-28); Ps.-Symeon 654,16-18; Georg. mon. cont. (Bonn) 815,7-12; Georg. mon. cont. (Muralt) 1036B; Georg. mon. cont. (Istrin) 4,15-20. — (4) Symeon log. (Leon. gr. 229,15f.; Theod. mel. 160,5f.; Symeon sl. 100,28f.); Georg. mon. cont. (Bonn) 815,13f.; Georg. mon. cont. (Muralt) 1036B; Georg. mon. cont. (Istrin) 4,20f. — (5) Theoph. cont. IV 16, p. 166,21 – 167,3; Skylitzes 93,33-36; bei Ps.-Symeon 665,9f. werden diese Kämpfe in das fünfte Jahr Michaels III. datiert, also 847. — (6) Theoph. cont. IV 23, p. 173,4-21; Genesios IV 13, p. 65,11-21; Skylitzes 98,82 – 99,7. — (7) Symeon log. (Leon gr. 238,9f.; Theod. mel. 166,24-26; Symeon sl.104,28f.); Georg. mon. cont. (Bonn) 824,12-14; Georg. mon. cont. (Muralt) 1049A; Georg. mon. cont. (Istrin) 8,16-18 (s. dazu Vasiliev, Arabes I 249 Anm. 3; Grégoire, in: Byz 8 [1933] 536). — (8) Theoph. cont. IV 36, p. 198,21-23; Ps.-Symeon 660,7-9. — (9) Genesios IV 15, p. 67,66 – 68,30; Theoph. cont. IV 25, p. 179,13 – 183,7; Skylitzes 99,17 – 100,55; Symeon log. (Leon gr. 238,20 – 239,5; Theod. mel. 167,8-16; Symeon sl. 104,37 – 105,3); Ps.-Symeon 666,8-12; Georg. mon. cont. (Bonn) 825,1-9; Georg. mon. cont. (Muralt) 1052A; Georg. mon. cont. (Istrin) 9,16-30; Zonaras XVI 3, p. 396,15f. 19 – 397,8. — (10) Theoph. cont. IV 24, p. 177,18 – 179,12; Genesios IV 14, p. 65,22 – 66,65; Skylitzes 99,7-16; Georg. mon. cont. (Istrin) 9,1-15. Die Darstellung der Schlacht ist nahezu identisch mit derjenigen des Jahres 838 bei Dazimon, nur daß statt Kaiser Theophilos jetzt Michael III. der von dem Magistros Manuel (# 4707) gerettete kaiserliche Feldherr ist.

Q: — (Hist.): Theoph. cont.; Genesios; Skylitzes; Symeon log. (Leon gr.; Theod. mel; Symeon sl.); Georg. mon. cont. (Bonn); Georg. mon. cont. (Muralt); Georg. mon. cont. (Istrin); Ps.-Symeon; Zonaras; Petros Sik., cap. 177f. — (Sonst.): Photios, Contra Manichaeos, cap. 137. — (Hag.): Vita Antonii iun. Addit. (BHG 142 Addit.) cap. 15, p. 219,9 – 220,2; Acta Davidis, Symeonis et Georgii (BHG 494) cap. 31, p. 252,20-22. — (syr.): Bar Hebraeus 134. 144f. — (arab.): aṭ-Ṭabarī (Yar-Shater XXXV) 9 [1509] (= Vasiliev, Arabes I 325) (zur Schlacht bei Porson).

L : ODB III 2139f. — Van den Gheyn, in: AnBoll 18 (1899) 252 Anm. 2; Vasiliev, Arabes I 240ff. 446; Halkin, in: AnBoll 62 (1944) 210 Anm. 2; Fatouros, Das Armurislied und ‘Omar-Al-Aqta’, in: BZ 58 (1965) 313–319; Treadgold, History 447f. 450–452. — Zu der “Schlachtdublette” cf. unter Manuel (# 4707); cf. auch Vasiliev, Arabes II 1, p. 88; Honigmann, Ostgrenze 62; Lemerle, Pauliciens 106 Anm. 63.

P: Die hagiographischen Quellen sagen im wesentlichen nur den byzantinischen Sieg bei Porson voraus und bieten ansonsten kaum nachprüfbare zusätzliche Einzelheiten. — Die Kämpfe der Byzantiner gegen ‘U. haben auch in der byzantinischen epischen Literatur ihren Niederschlag gefunden, wobei allerdings die Identifizierung mit ‘U. bzw. die von diesem gespielte Rolle in der Forschung nach wie vor umstritten zu sein scheinen; cf. hierzu den Überblick bei Beck, Volksliteratur 53–55. 75f. — Ein Sohn war Abū ‘Abdallāh b. ‘Amr b. ‘Ubaydallāh al-Aqṭā’ (# 20034), der in griechischen Quellen Ἀπάβδελε genannt wird. Ein Enkel war Abū Ḥafṣ b. ‘Amr (# 20055), der sich zu Beginn der dreißiger Jahre des 10. Jh.s den Byzantinern unterwarf.

Angehörige (anonym):

1. Sohn 8552A

T: Arabischer Befehlshaber.

V: Dieser in den griechischen Quellen nicht mit Namen genannte Sohn des ‘Umar ibn ‘Abdallāh entkam nach der Schlacht von Porson 863 zunächst mit den Resten des arabischen Heeres, wurde dann aber zusammen mit seinen Leuten von dem Kleisurarches bzw. Merarches Machairas (# 4656) gefangengenommen.

Q: — (Hist.): Genesios IV 15, p. 68,31 – 69,37; Theoph. cont. IV 25, p. 183,7-10; Skylitzes 100,55 – 101,59; Georg. mon. cont. (Istrin) 9,26-28; Zonaras XVI 3, p. 396,16-19.

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