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BY-NC-ND 4.0 license Open Access Published by De Gruyter

Aaron Kometopulos

Ἀαρών

Ralph-Johannes Lilie, Claudia Ludwig, Beate Zielke and Thomas Pratsch
EintragstypEntry Type
Person
EintragsspracheEntry Language
DeutschGerman
Personenkennziffer
20003
Namensvariante
Kometopulos (Beiname); Kometopolos (Beiname, Variante); Aron (altbulg. inschriftl.); Aron (Sekundärliteratur); Aharon (Sekundärliteratur)
Klerus / Laie
Laie
Geschlecht
Mann
Zeit
10. Jh.
Erste Erwähnung
976
ethnos
Armenien; Bulgarien
Religion
orthodox
Titel / Beruf
Befehlshaber (der Bulgaren); bulg.: Befehlshaber
Name normalisiert
Aaron
Ort
Rametanitza (Ort in Makedonien); Strymon (Fluß in Makedonien); Trajanische Pforte; Razmetanica (Fluß, moderner Name); Džermen (Fluß, moderner Name); Strymon (Fluß); Sofia (Bulgarien); Bulgarien
Quelle
Skylitzes; Zonaras; Stephan von Taron (Asołik); Ademar, Historiae; Bitolski nadpis

N: Beiname: Kometopulos — κομητόπουλος, Variante: Kometopolos — κομητόπωλος (Skylitzes, Basileios 11, p. 328,59-63). Variante: Aron (altbulg. Inschrift).

T: Bulgarischer Befehlshaber.

V: A. war der drittälteste der vier Kometopuloi (Söhne des Komes — arm.: komsadzagk‘; cf. “Komsajagk‘”, in: ODB II 1140, und Seibt, Kometopulen 83). Seine Brüder waren David (# 21433), Moses (# 25425) und Samuel (# 26983). Ihre Eltern waren der Komes Nikolaos (# 26038) und seine Frau Hṙip‘simē (# 22633) (1). A. hatte einen Sohn, den späteren Zar Ivan Vladislav (# 23582) (2).

Laut Skylitzes begann der Aufstand der Bulgaren nach dem Tod Ioannes’ I. Tzimiskes 976, während die byzantinischen Streitkräfte durch den Bürgerkrieg mit dem Usurpator Bardas Skleros (# 20785) gebunden waren. Nach einer Angabe bei Stephan von Taron (Asołik) waren die Brüder – Stephan von Taron erwähnt allerdings nur Samuel und A. – Mitglieder einer armenischen Truppeneinheit, die von Kaiser Basileios II. im Jahre 976 nach Makedonien geschickt worden war, um gegen die Bulgaren zu kämpfen. Jedoch seien sie bei passender Gelegenheit zu dem “König der Bulgaren” übergegangen und hätten bei ihm dank ihrer Tapferkeit hohes Ansehen gewonnen. Dieser König sei ein Eunuch gewesen (3). Seibt vermutet mit Grund, daß es sich hierbei um Romanos (# 26847) gehandelt haben muß, den Bruder des bulgarischen Zaren Boris II. (# 21198) und Sohn Petărs (# 26409). Romanos war von den Byzantinern kastriert worden und soll, wenn man Skylitzes glauben darf, zusammen mit seinem Bruder 976 nach Bulgarien geflohen sein, wo nach dem Kaiserwechsel in Byzanz offenbar ein Aufstand gegen die Byzantiner ausgebrochen war, was wahrscheinlich durch den mehr oder weniger gleichzeitigen großen Aufstand des Bardas Skleros erleichtert, wenn nicht überhaupt erst ermöglicht wurde. Während Boris bei dem Grenzübertritt getötet wurde, konnte Romanos nach Edessa (Vodena) gelangen, wo er dann offenbar eine so bedeutende Rolle spielte, daß manche ihn als Herrscher ansehen konnten. Die Kometopulen wären dann 976 oder wenig später in seine Dienste getreten und hätten sich rasch an die Spitze der Bewegung emporgearbeitet (4). Bereits in diesen ersten Jahren des bulgarischen Aufstands wurde David, der älteste der vier Brüder, von Vlachen getötet, während Moses bei der Belagerung von Serrhes (Serrai) fiel. A. scheint hingegen unter oder neben seinem jüngeren Bruder Samuel einer der bulgarischen Befehlshaber gewesen zu sein. Er wurde von Samuel des Hochverrates verdächtigt und zusammen mit seinen Angehörigen getötet, da er eine byzanzfreundliche Einstellung vertreten habe: καὶ τὸν Ἀαρὼν δὲ τὰ Ῥωμαίων, ὡς λέγεται, φρονοῦντα ἀνεῖλεν ὁ ἀδελφὸς Σαμουὴλ παγγενῆ (Skylitzes). Er wurde an einem 14. Juni bei Rametanitza (τοποθεσία τῆς Ῥαμετανίτζας) hingerichtet. Das Todesjahr ist laut Seibt (Kometopulen 93) 987 gewesen, da A. am 17. August 986 noch an Samuels Seite an der Schlacht bei der Trajanischen Pforte teilgenommen habe (5).

Anmerkungen: — (1) Skylitzes, Basileios 11, p. 328,59-63; erste – anachronistische – Erwähnung in griechischen Quellen bei Skylitzes, Basileios und Konstantinos 5, p. 255,76 – 256,81; Zonaras XVI 23, p. 495,7-13. — (2) In der altbulgarischen Inschrift von Bitola von 1016 (Zaimov–Zaimova, Bitolski nadpis; Božilov in: KME I [1985] 196–198) wird dieser Ivan Vladislav – wörtlich als “Sohn des Aaron, des Bruders des Samuel” (l. 7f.) bezeichnet. Das Besondere dieser Inschrift liegt darin, daß hier erstmals – vorausgesetzt, die Ergänzungen der teilweise zerstörten Inschrift sind richtig – vor dem 13. Jh. ein bulgarischer Herrscher als “Kaiser und Autokrator” bezeichnet wird. — (3) Stephan von Taron (Asołik) III, cap. 22, p. 186,4-18 (Gelzer); p. 124f. (Macler); cf. Seibt, Kometopulen 82f. — (4) Cf. hierzu die Diskussion bei Seibt, Kometopulen 83–89. — (5) Skylitzes, Basileios 11, p. 329,86-89; 331,39 (Zusatz zu Syklitzes); Zonaras XVII 6, p. 547,5 – 548,1 (gibt als zusätzliches Motiv für die Hinrichtung an, daß A. selbst nach der Herrschaft gestrebt habe.) Bei Stephan von Taron ist von “zwei Kometopuloi” die Rede. Rametanitza wird von Seibt, Kometopulen 94, mit dem modernen Flußnamen Razmetanica identifiziert, einem Gewässer, das vom modernen Dorf Bineka, wo sich verschiedene Bäche zu diesem Fluß vereinigen, etwa zehn km bis zur Mündung in den Fluß Džermen fließt, der seinerseits wenig später in den Strymon mündet, alles ca. 60 km südlich von Sofia. Als Motiv für den Mord nimmt Seibt an, daß Basileios II. versucht habe, A. durch ein Eheangebot auf seine Seite zu ziehen.

Q: — (Hist.): Skylitzes; Zonaras. — (lat.): Ademar, Historiae III 32, p. 131,6-15 (MGH); III 32, p. 154,5 – 155,10 (Bourgain). — (arm.): Stephan von Taron (Asołik) III, cap. 22, p. 186,4-18 (Gelzer); p. 124f. (Macler). — (sl.): Zaimov–Zaimova, Bitolski nadpis; Inschrift von Bitola, ed. Božilov, in: KME I (1985) 196–198.

L: ODB II 1140f. s. v. “Kometopouloi”; LdMA I (1980) 6; Savvides I 42f.; III 43; EPLBHC I 2f.; SSS II (1964) 449 s. v. “Kometopuli”; VII (1986) 379f. — Zlatarski, Istorija I/2 603–645; Adontz, Samuel 353. 356–358. 387–394; Seibt, Kometopulen, bes. 92–96; Ferluga, Byzantium 345–354 (Le soulèvement des Comitopoules); Bourgain, in: Ademar, Historiae (Bourgain), p. 285; Glossar (griech.) I 3f; Istorija na Bălgarija II 397–402. 407f.; Andreev–Lazarov–Pavlov, Koj koj e 23f.; Nikolov, Centralizăm 133; Strässle, Krieg 152–155. 158f. 323f. — Zur Herkunft der Kometopulen cf. Pirivatrić, Samuilova država 57–71.

P: Adontz, Samuel 387–390, hielt Moses und A. nicht für die Brüder Samuels, sondern für Angehörige der alten bulgarischen Königsfamilie; cf. jedoch Seibt, Kometopulen 98.

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