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Andronikos Dukas

Ἀνδρόνικος

EintragstypEntry Type
Person
EintragsspracheEntry Language
DeutschGerman
Personenkennziffer
20405
Namensvariante
Dukas (Familienname); Dux (Variante von Dukas); Andrūniqus (arab.); Anḏūq.s (arab.)
Klerus / Laie
Laie
Geschlecht
Mann
Zeit
10. Jh.
Erste Erwähnung
904
ethnos
Byzanz
Religion
orthodox; Konvertit (orthodox zu Muslim)
Titel / Beruf
Domestikos scholai; Dux; Patrikios bzw. Befehlshaber = biṭrīq (arab.); bitriq: biṭrīq (arab.) = Patrikios bzw. Befehlshaber, Feldherr, Heerführer; sahib: ṣāḥib ǧayš al-Liyūn malik ar-Rūm (arab.) = Herr / General des Leon, “Königs von Rom”; Domestikos Scholen
Name normalisiert
Andronikos
Ort
Maras: Mar‘aš (arab.) = Maraš (arm.) = Germanikeia (griech.); Nordsyrien; Germanikeia (griech.) (Nordsyrien) = Mar‘aš (arab.) = Maraš (arm.); Tarsos = Ṭarasūs (arab.); Mopsuestia = al-Maṣṣīṣa (arab.); Kabala (Anatolikon) (Festung bei Ikonion); Anatolikon (T); Lykaonien (L); Ikonion (Lykaonien) = Qūniya (arab.); Bagdad = Baġdād (arab.); Quniya: Qūniya (arab.) = Ikonion (griech.); Massisa: al-Maṣṣīṣa (arab.) = Mopsuestia (griech.); Tarsus: Ṭarasūs (arab.) = Tarsos (griech.)
Quelle
Theoph. cont. 6; Skylitzes; Georg. mon. cont. (Bonn); Arethas, Scripta minora; Leon gr.; Theod. mel.; Ps.-Symeon; Georg. mon. cont. (Muralt); Georg. mon. cont. (Istrin); Zonaras; Vita Euthymii (BHG 651); Ṭabarī; Ibn al-Aṯīr; Gallavotti, in: RSBN 24; ‘Aẓīmī; Symeon log. (Wahlgren); Symeon sl.; Ibn Ḫaldūn; Ibn Šaddād; Symeon log. ; Mas‘ūdī, Tanbīh; Arethas, Brief an den Emir von Damaskus (Förstel)

N: Familienname: Dukas — Ἀνδρόνικος ὁ ἐκ Δουκός bzw. ὁ δούξ (Theoph. cont. 369,3; 371,21); in den arabischen Quellen wird er bezeichnet als Andronikos der Byzantiner — arab.: Andrūniqus ar-Rūmī (Ṭabarī, Ibn al-Aṯīr; Ibn Šaddād) bzw. Andronikos mit dem Beinamen Dukas — arab.: Andrūniqus al-mulaqqab bi-Dūqās (Mas‘ūdī); bei Ibn Ḫaldūn erscheint die Form arab.: Anḏūqas.

T: Wahrscheinlich Domestikos der Scholen; Theoph. cont. VI 26, p. 371,21, bezeichnet ihn als Dux, was aber wohl nicht den gleichlautenden Titel meint, sondern auf eine Verwechslung mit dem Familiennamen zurückzuführen ist; Patrikios bzw. Feldherr — arab.: biṭrīq (Ṭabarī III 2276,3); Heerführer des Kaisers Leon — arab.: ṣāḥib ǧayš al-Liyūn malik ar-Rūm (Mas‘ūdī, Tanbīh 174,10).

V: A. war möglicherweise ein Verwandter des Andronikos Dukas (# 436), vielleicht sogar sein Enkel; sein Sohn war Konstantinos Dukas (# 23817) (1). Die byzantinischen Quellen sagen nichts über seine konkreten Ämter, lassen aber vermuten, daß er zu den höchsten militärischen Befehlshabern zählte. Aus den arabischen Quellen geht hervor, daß A. vor seiner Revolte der Oberbefehlshaber der Armee war, also wohl als Domestikos der Scholen amtierte (2).

Im Jahre 904 unternahm A. zusammen mit dem von Theoph. cont. als Hypostrategos des Anatolikon bezeichneten Eustathios Argyros (# 21828) einen Feldzug gegen das arabische Germanikeia (Mar‘aš) in Nordsyrien. Von diesem konkreten Feldzug weiß Theoph. cont. VI 22, p. 368,21 – 369,5, nichts, erwähnt aber an einer Stelle, die etwa dem Jahr 904 zuzuordnen ist, daß Kaiser Leon VI. in Eustathios Argyros und in A. zwei Feldherren besessen habe. Von diesen wird zumindest Eustathios in der Quelle extrem positiv gezeichnet, während es von A. nur einfach heißt, daß der Kaiser auch ihn gehabt habe (3). Laut den arabischen Quellen fand der Feldzug des A. gegen Germanikeia im Muḥarram 292 a. h. (13.11. – 12.12.904) statt. A. habe Germanikeia und die Umgebung überfallen und die Bevölkerung von Mopsuestia (al-Maṣṣīṣa) und Tarsos (Ṭarasūs) besiegt. Dabei sei neben vielen anderen Muslimen auch Abū Riǧāl b. Abī Bakkār (# 20075) ums Leben gekommen (4).

In einem späteren Schreiben, das laut Überschrift Arethas von Kaisareia (# 20554) – wohl um 926/27 – im Namen des Kaisers Romanos I. Lakapenos an den Emir von Damaskus ‘Alī b. ‘Īsā (# 20254) geschrieben hat, wird A. in einer Reihe mit Karamites (Abū Ṭāhir [# 20082]) und Himerios (# 22624) als einer von denjenigen genannt, die in jüngerer Zeit den Arabern empfindliche Niederlagen beigebracht hätten (Arethas, Scripta minora Nr. 26, I, 243,12).

Wahrscheinlich 905/06 soll A. einer Intrige des Samonas (# 26973) zum Opfer gefallen sein. Kombiniert man die Daten der historiographischen Quellen mit der Vita Euthymii (BHG 651), so könnte der Aufstand des A. im Herbst begonnen und sich bis in den April/Mai des folgenden Jahres hingezogen haben, bis A. auf arabisches Gebiet übertrat. Die Einzelheiten des Aufstands und insbesondere das Ausmaß der unterstellten Beteiligung des Patriarchen Nikolaos I. Mystikos (# 25885) sind allerdings unklar.

Wie die historiographischen Quellen mitteilen, übergab Leon VI. bei einem arabischen Flottenangriff den Oberbefehl dem Himerios (# 22624) und befahl auch A., an dem Unternehmen teilzunehmen. Jedoch haßte Samonas die Dukai, angeblich wegen der Rolle, die sie während seiner Flucht gespielt hatten, als er von Konstantinos Dukas gefangengenommen und nach Konstantinopel gebracht worden war. Samonas ließ einen Vertrauten (# 30883) des A. einen Brief an diesen schreiben, in dem er ihn davor warnte, an Bord zu gehen, da Himerios den Befehl habe, ihn gefangenzunehmen und zu blenden. A. glaubte dem Schreiben und blieb an Land, so daß Himerios den Arabern allein entgegentreten mußte, aber trotzdem am 6. Oktober (905 oder 906, s. unter P) über sie einen glänzenden Sieg erfocht. Als A. dies hörte und zugleich erfuhr, daß der Patriarch Nikolaos aus seinem Amt entfernt worden war, floh er mit seinem Gefolge nach Osten und verschanzte sich in der Festung Kabala (bei Ikonion) (5), wo er laut der Vita Euthymii sechs Monate blieb. Damit hatte Samonas leichtes Spiel, den Kaiser davon zu überzeugen, daß A. einen Aufstand plane. Leon schickte den Domestikos der Scholen Gregoras Iberitzes (# 22328) gegen A. aus, der daraufhin mit seinen Angehörigen und Anhängern auf arabisches Gebiet floh und beim Kalifen (al-Muktafī [# 25446]) Zuflucht suchte, der ihn ehrenvoll aufnahm.

Leon VI. bereute sein Vorgehen gegen A. und suchte ihn zur Rückkehr zu überreden. Man fertigte ein vom Kaiser unterschriebenes Schriftstück an, das mit einem Goldsiegel beglaubigt war und die Verzeihung des Kaisers enthielt (cf. Dölger–Müller, Regesten Nr. 546 [Beihammer]). Es wurde zusammengerollt und mit Wachs umschlossen, so daß es wie eine Kerze aussah. Man gab es einem arabischen Kriegsgefangenen (# 30878), den man hierzu aus dem Praitorion geholt hatte. Als der Araber mit dem Brief den Kaiser verließ, fing Samonas ihn ab und erklärte ihm, wenn er diese Kerze dem A. überreiche, werde das Verderben über ganz Syrien bringen. Er solle sie vielmehr dem Wesir (# 30879) übergeben. Dazu erhielt der Araber reiche Geschenke. Er tat, wie Samonas ihm geraten hatte, und A. wurde daraufhin in Haft genommen. Als er hörte, daß dies durch die List des Samonas geschehen sei, trat er zusammen mit seinen Leuten zum Islam über (Theoph. cont. p. 373,10f.: ἀναγκασθεὶς τὴν ἰδίαν πίστιν αὐτός τε καὶ οἱ σὺν αὐτῷ ἐξωμόσαντο). Wenig später starb er. Nur sein Sohn Konstantinos entkam mit einigen Gefährten und kehrte nach Konstantinopel zurück, wo er vom Kaiser freundlich aufgenommen wurde (6).

Eine andere Version des Aufstandes übermittelt die Vita Euthymii, deren Autor allerdings das Hauptaugenmerk auf die angebliche Beteiligung des Patriarchen Nikolaos I. Mystikos an der Revolte legt, während von Samonas nur beiläufig die Rede ist. Der Vita zufolge bereitete A. einen Aufstand vor und verschanzte sich mit seinen Gefolgsleuten in der Stadt Kabala, wo er sechs Monate blieb und dann in das Kalifat aufbrach, obwohl der Kaiser ihn durch mehrere Chrysobulle und persönliche Geschenke umzustimmen versucht hatte. Ein Überläufer (# 30887) der Dukaspartei aber kam nach Konstantinopel und überreichte dem Kaiser insgesamt vier Schreiben (πιττάκια), die A. in Kabala erhalten hatte. Eines davon stammte, wie man alsbald aufgrund des Inhalts und der Handschrift erkannte, von Patriarch Nikolaos Mystikos, in dem dieser A. zum weiteren Widerstand ermunterte und ihn aufforderte, den Bitten des Kaisers nicht nachzugeben, denn Samonas, der Teufel in Menschengestalt, wüte immer noch gegen ihn. Wenn A. ausharre, werde Konstantinopel ihn bald als Kaiser begrüßen, und er möge sich dann des Nikolaos erinnern. Der Bericht wird dann mit der Haltung des Kaisers gegenüber Nikolaos fortgesetzt, A. findet keine weitere Erwähnung mehr (7).

Gemäß den arabischen Quellen geriet A. in Konflikt zu Konstantinopel, verschanzte sich in Qūniya (Ikonion) und richtete an den Kalifen al-Muktafī ein Hilfegesuch (amān). Dieser gewährte ihm Schutz, und A. zog mit ca. 200 muslimischen Soldaten, die er in seiner Festung gefangengehalten hatte, gegen die kaiserlichen Truppen. Laut Ṭabarī brach Rustam (# 26909), der Statthalter von Tarsos, im Ǧumādā I 294 a. h. (17.2. – 18.3.907) zur Unterstützung des A. aus Tarsos auf und half ihm, einen griechischen General – wohl Gregorios Iberitzes (# 22328) –, der A. hätte festnehmen und nach Konstantinopel bringen sollen, zurückzuschlagen. Dann brachte er A. und dessen Anhänger von Qūniya, das in Brand gesteckt wurde, nach Tarsos, von wo aus er dann beim Kalifen al-Muktafī in Bagdad Zuflucht suchte. Mas‘ūdī berichtet zusätzlich, daß A. auf Veranlassung des Kalifen al-Muktafī zum Islam konvertierte (8).

Nicht erhalten ist ein Gedicht des Kaisers Leon VI. auf den vom Christentum abgefallenen A., doch überliefert der alte Index zum stark mutilierten Cod. Vat. Barb. gr. 310 noch dessen Titel: Λέοντος δεσπότου εἰς Ἀνδρόνικον τὸν ἀποστάτην, ed. Gallavotti, in: RSBN 24 (1987) 42 (Nr. 155).

Anmerkungen: — (1) Polemis, Doukai 16, sieht in ihm einen Sohn des Andronikos Dukas (# 436) (“perhaps related, probably as a son”), hält allerdings dessen Namen, der nur von Skylitzes übermittelt wird, für höchst unsicher. Tatsächlich wäre es sehr ungewöhnlich, daß ein Sohn den Namen des Vaters erhalten hätte. Insofern wäre, falls der von Skylitzes gegebene Name zutreffend ist, allenfalls daran zu denken, daß es sich um den Großvater des A. handelt. Zu der Verwandtschaft mit Konstantinos Dukas s. Theoph. cont. VI 22, p. 369,15f.; Georg. mon. cont. (Istrin) 33,14; Zonaras XVI 13, p. 448,12; Mas‘ūdī, Tanbīh 174,8; Übers.: Vasiliev II 2, 398. — (2) Bei Ṭabarī wie unter T und in Anm. 8; Mas‘ūdī, Tanbīh 174,8-11; Übers.: Vasiliev II 2, 398f. — (3) Theoph. cont. VI 22, p. 368,21 – 369,5: ἔχων καὶ Ἀνδρόνικον τὸν ἐκ τοῦ Δουκός. Skylitzes, Leon 24, p. 183,83-86, vereinfacht den Text von Theoph. cont., bezieht aber dadurch A. in das Lob mit ein: ὁ δὲ βασιλεὺς ... ἐκπέμπει ... Εὐστάθιόν τε τοῦ γένους τῶν Ἀργυρῶν καταγόμενον καὶ Ἀνδρόνικον τὸν ἐκ τοῦ Δουκός, οἵτινες πολλὰ τρόπαια ἐστήσαντο κατὰ τῶν Ἀγαρηνῶν. Etwas verkürzt bei Georg. mon. cont. (Istrin) 33,1-5. — (4) Ṭabarī III 2251,14-16; Übers.: Vasiliev, Arabes II 2, p. 19; Ibn al-Aṯīr VII 537,4-7; ‘Aẓīmī 275,3. Während Ibn al-Aṯīr und ‘Aẓīmī den Angriff von Germanikeia allgemein ins Jahr 292 a. h. (13.11.904 – 1.11.905) datieren, gibt Ṭabarī den Muḥarram 292 a. h. (13.11. – 12.12.904) an; Ibn Ḫaldūn III 750,16f. — (5) Bei Kabala (griech. Καβάλα) handelt es sich um eine nur elf km östlich von Ikonion gelegene Bergfestung auf dem heute Tekeli Dağ genannten Berg, deren strategische Bedeutung für den Besitz von Ikonion entscheidend war und die daher in den arabischen Quellen auch als “Festung von Qūniya” bezeichnet oder (ungenau) mit Ikonion selbst identifiziert wird; cf. dazu Belke, Galatien 176 s. v. “Ikonion”; 183 s. v. “Kabal[l]a” (mit Datierung der Hilfe für Andronikos Dukas und Brandschatzung Ikonions auf März 906). —(6) Theoph. cont. VI 26, p. 371,21 – 373,15; Georg. mon. cont. (Istrin) 34,22 – 35,33; in der Tendenz gleich, aber etwas ausführlicher ist Skylitzes, Leon 29, p. 186,50 – 187,94; ausführliche Zusammenfassung bei Zonaras XVI 14, p. 450,1 – 451,13. Zonaras sagt ausdrücklich, daß A. in der Gefangenschaft gestorben sei, während einige seiner Leute – also nicht er selbst – zum Islam übergetreten seien; Symeon log. (Leon gr. 280,17 – 282,16; Theod. mel. 196,12 – 197,24; Symeon sl. 121,32 – 122,24); Symeon log. (Wahlgren) 133,354-392; Georg. mon. cont. (Bonn) 866,14 – 868,5 und Georg. mon. cont. (Muralt) 1116B–1120A entsprechen im wesentlichen Theoph. cont., lassen aber die Aufnahme des Konstantinos Dukas durch Leon VI. nach seiner Rückkehr aus. Zusätzlich bringen sie einen Vergleich der Haltung des Kaisers gegenüber A. mit derjenigen des Theophilos gegenüber dem Magistros Manuel (# 4707) zu Beginn der 30er Jahre des 9. Jh.s. (Symeon log. [Leon gr. 281,19f.; Theod. mel. 197,7f.; Symeon sl. 122,11f.]; Symeon log. [Wahlgren] 133,376f.; Georg. mon cont. [Bonn] 867,16f.; Ps.-Symeon 710,4 – 711,14). — (7) Vita Euthymii (BHG 651) XI, p. 69,4 – 71,6 (Karlin-Hayter). — (8) Ṭabarī III 2276,3-18; Übers.: Vasiliev, Arabes II 2, p. 20f.; Mas‘ūdī, Tanbīh 174,8-11; Übers.: Vasiliev, Arabes II 2, p. 398f.; Ibn al-Aṯīr VII 552,8-17; Ibn Šaddād 334,10 – 335,21; Übers.: Eddé, Description 180; Ibn Ḫaldūn III 751,7-14.

Q: — (Hist.): Theoph. cont.; Skylitzes; Zonaras; Symeon log. (Leon gr.; Theod. mel.; Symeon sl.); Symeon log. (Wahlgren); Georg. mon. cont. (Bonn); Georg. mon. cont. (Muralt); Georg. mon. cont. (Istrin); Ps.-Symeon. — (Ep.): Arethas, Scripta minora Nr. 26, I, 243,12 (= Förstel, Brief des Arethas an den Emir von Damaskus 38, l. 265-268). — (Hag.): Vita Euthymii (BHG 651). — (Vers.): Titel eines verlorenen Gedichtes Kaiser Leons VI. auf A., ed. Gallavotti, in: RSBN 24 (1987) 42 (Nr. 155). — (arab.): Ṭabarī; Mas‘ūdī, Tanbīh; Ibn al-Aṯīr; Ibn Šaddād; ‘Aẓīmī (ohne Namensnennung).

L: ODB I 657. Polemis, Doukai 16–21; Kolias, Léon Ch. 54f.; Belke, Galatien 176 s. v. “Ikonion”; 183 s. v. “Kabal[l]a” (mit Datierung der militärischen Hilfe des Emirs von Tarsos, Rustam, für A. und der Brandschatzung Ikonions auf März 906); Bosworth, in: Oriens 33 (1992) 276f.; Dölger–Müller, Regesten Nr. 546. 547; Vest, Melitene 758.

P: Eine zweifelsfreie Datierung der Revolte des A. ist nicht möglich. In der Forschung wird sie im allgemeinen auf den Februar/März entweder 906 oder 907 datiert. Demzufolge müßte auch der Seesieg des Himerios, für den ein 6. Oktober angegeben wird, entweder 905 oder 906 stattgefunden haben, da er von den griechischen Quellen vor die Erhebung des A. eingeordnet wird; Dölger–Müller, Regesten Nr. 546, datieren die Flucht des A. auf den Februar/März 906 und geben zugleich einen kurzen Überblick über die Sekundärliteratur, deren Angaben zwischen 906 und 907 schwanken. Ṭabarī III 2276,3-18; Übers.: Vasiliev, Arabes II 2, p. 20f., datiert die Flucht des A. auf arabisches Gebiet sehr eindeutig auf den Februar/März 907. Diese Flucht, zuerst zu Rustam von Tarsos (# 26909), wird von Ṭabarī deutlich abgesetzt von der Ankunft des A. in Bagdad, von der er erst nach dem Empfang der Gesandtschaft des Leon Choirosphaktes (# 24343) in Bagdad berichtet. Mas‘ūdī, Tanbīh 174,9f., berichtet, daß A. zunächst aus der Nähe von Tarsos al-Muktafī um Schutz bat und dann, im Jahr 294 a. h. (22.10.906 – 11.10.907), nach Bagdad ging. — Nach Ṭabarī hatte A. sich zuerst in der Festung “Qūniya” (Kabala bei Ikonion) verschanzt, wo er noch einen byzantinischen Patrikios (= Gregoras Iberitzes [# 22328]), der ihn festnehmen sollte, abwehrte und sich dann von Rustam abholen ließ, wobei beim Abzug Qūniya angezündet worden sein soll. Folgt man Ṭabarī und Mas‘ūdī, die von allen chronikalen Quellen den Ereignissen zeitlich am nächsten gewesen waren, müßte der Seesieg des Himerios am 6. Oktober 906 stattgefunden haben. Nachdem A. die Mitteilung von dem Sieg erreicht hatte (sicher noch im Oktober), floh er nach Kabala, wo er laut der Vita Euthymii sechs Monate blieb und dann auf muslimisches Gebiet übertrat. Wenn man der Vita Euthymii eine gewisse Aufrundung der Zeit in Kabala zubilligt, ließen beide Datierungen sich miteinander vereinbaren, ebenso wie die Absetzung des Patriarchen Nikolaos I. am 1. Februar 907. Insofern scheint eine Datierung der Flucht des A. in den Winter 906/07 am wahrscheinlichsten zu sein.

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