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BY-NC-ND 4.0 license Open Access Published by De Gruyter

Anna

Ἄννα

  • Ralph-Johannes Lilie , Claudia Ludwig , Beate Zielke and Thomas Pratsch

T: Augusta.

V: Tochter Leons VI. und der Zoe Zautzina (# 28505); eine (vermutlich ältere) Schwester war Anastasia (# 20281). Halbgeschwister aus den anderen Ehen ihres Vaters waren Eudokia (# 21755), Basileios (# 20914), Helene (# 22576), Maria (# 24921) und Konstantinos VII.

A. wurde vermutlich im Jahre 900 zur Augusta erhoben, da Leon zu dieser Zeit nicht verheiratet war und das Hofzeremoniell angeblich eine Kaiserin erforderte (Theoph. cont.: Λέων δὲ ὁ βασιλεὺς στέφει Ἄνναν θυγατέραν Ζωῆς τὴν ἀπὸ τοῦ Ζαούτζα, διὰ τὸ μὴ δύνασθαι ποιεῖν τὰ κατὰ τύπον κλητόρια, Αὐγούστης μὴ οὔσης, ähnlich die anderen Chroniken). Zu diesem Zeitpunkt war sie das einzige lebende Kind Leons und sicher nicht älter als sieben Jahre.

Sie war verlobt mit Ludwig III. (# 24756) von der Provence, jedoch kam es nicht zu einer Heirat, wie jetzt O. Kresten wahrscheinlich gemacht hat. Die Gründe für letzteres sind unklar. Die Verhandlungen über eine Verbindung zwischen A. und Ludwig III. begannen wahrscheinlich schon 899 (Böhmer–Zielinski). Zu einem erfolgreichen Abschluß muß es in jedem Fall vor dem Sommer 900 gekommen sein, denn in seinem Brief an Papst Anastasius III. (# 20342) vom Jahre 912 spricht Patriarch Nikolaos I. Mystikos (# 25885) rückblickend davon, daß Leon die Heirat mit seiner dritten Frau Eudokia Baïane (# 21759) damit entschuldigt habe, daß A. gemäß der abgeschlossenen Vereinbarung (τὰ πρὸς τὸν Φράγκον σύμφωνα) als Braut (νύμφη) zu den Franken gehen solle (καὶ ἐπειδὴ συμπεφώνητο τὴν σὴν θυγατέρα πρὸς τὴν Φραγκίαν ἀπιέναι). Für das Hofzeremoniell sei aber eine Kaiserin notwendig. Die Hochzeit mit Eudokia Baïane fand im Sommer 900 statt.

Warum A., die nach der Hochzeit Leons VI. mit Eudokia Baïane ja wieder frei gewesen wäre, trotzdem weiter in Konstantinopel geblieben ist, wissen wir nicht. Ludwig III. wurde im Juni 902 aus Italien vertrieben. Danach dürfte man ihn in Konstantinopel als Schwiegersohn nicht mehr für geeignet gehalten haben. In der Forschung hat man früher angenommen, daß A. tatsächlich Ludwig III. geheiratet und mit ihm einen Sohn, Karl Konstantin, gehabt hat, doch sind die von O. Kresten vorgetragenen Argumente für ihr Verbleiben in Konstantinopel überzeugend.

A. war, wenn man von einer Inschrift an der Stadtmauer Konstantinopels nahe dem Petrion ausgeht, wo sie zusammen mit ihren Geschwistern Helene (# 22576), Maria (# 24921), Konstantinos VII., ihrem Vater Leon VI. und ihrem Onkel Alexandros genannt wird, zum Zeitpunkt der Entstehung dieser Inschrift (zwischen 905 und 912) noch am Leben und in Konstantinopel ansässig.

Nach dem Zeremonienbuch war sie gemeinsam mit ihrer Schwester Anastasia (s. P) in einem Sarkophag aus prokonnesischem Marmor im Heroon Konstantins des Großen in der Apostelkirche beigesetzt.

Q: — (Hist.): Theoph. cont. VI 17, p. 364,14-16; Skylitzes, Leon 19, p. 180,9-11; Symeon log. (Leon gr. 274,2-5; Theod. mel. 191,19-21; Symeon sl. 119,10f.); Symeon log. (Wahlgren) 133,226-228, Georg. mon. cont. (Bonn) 860,5-7; Georg. mon. cont. (Muralt) 1105A; Georg. mon. cont. (Istrin) 30,30-32; Ps.-Symeon 703,18-20. — (Ep.): Nikolaos Mystikos, Ep. 32,76-86. — (Fs.): Konst. Porph., De cerim. II 42, p. 643,15-17 (Reiske); Anonymus, Lists 37,12; 40,13 (Downey). — (Inscr.): Preger, in: BZ 21 (1912) 466f. (= Schneider, Mauern und Tore 98f.).

L: ODB II 1262f. s. v. “Macedonian Dynasty”; Savvides IV 93; EPLBHC I 264. — Ohnsorge, in: BZ 51 (1958) 78–81; Grumel–Darrouzès, Regestes Nr. 616; Panagopoulou, Gamoi 122–127; Böhmer–Zielinski, Regesten 2, Nr. 1165 (900 – Mitte 902). — Zu Anna cf. Tougher, Leon 147f.; zuletzt Kresten, Heirat passim; Signes Codoñer, in: Subseciva Groningana 8 (2009) 28f.; zu der Inschrift s. bes. 188f. Anm. 69.

P: Die in der Inschrift genannten Anna, Helene und Maria werden von Mango, in: ZRVI 14–15 (1973) 22 Anm. 35, auf die gleichnamigen Töchter Basileios’ I. bezogen, jedoch macht Kresten wahrscheinlich, daß es sich um die Töchter Leons VI. handelt. — In dem Zeremonienbuch werden nicht Anna und Anastasia genannt, sondern nur zweimal Anna, wobei man wohl ein Versehen des Schreibers annehmen kann. In den beiden von Downey herausgegebenen Listen wird nur einmal Anna genannt, so daß man annehmen kann, daß der Schreiber die (angebliche) Dublette bemerkt und deshalb stillschweigend die “zweite” Anna getilgt hat; cf. zu dem Problem Kresten, Heirat 187f. 209f., sowie unter Anastasia (# 20281).

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