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Antonios II. Kauleas

Ἀντώνιος

EintragstypEntry Type
Person
EintragsspracheEntry Language
DeutschGerman
Personenkennziffer
20476
Namensvariante
Kauleas; Kaleas; Kavlei (mbulg.); Andonie (mbulg.); Antonie (mbulg.)
Klerus / Laie
Klerus
Geschlecht
Mann
Zeit
9. Jh.
Erste Erwähnung
823
ethnos
Byzanz
Religion
orthodox
Titel / Beruf
Patriarch Kpl.; Archiepiskopos Kpl.; Monachos; Presbyteros; Hegumenos Kauleaskloster; Abt Kauleaskloster; Mystikos; mistik c<a>rev (mbulg.: Mystikos des Kaisers)
Name normalisiert
Antonios
Ort
Kauleaskloster (Kpl.); Kpl.: Kauleaskloster
Quelle
ZN; Laurent, Corpus V; Translatio Theodorae Thess. (BHG 1739); Passio Pauli Caïumensis (BHG 1471); Vita Antonii Cauleae (BHG 139b); Vita Blasii (BHG 278); Encomium Antonii Cauleae (BHG 139); Nikephoros Kallistos, Catal. patriarch.; Catal. patriarch. (Fischer); Synax. Cpl.; Men. Basilii; Typicon Mateos; Vita Euthymii (BHG 651); Synodikon der Orthodoxie (BHG 1392); Synodikon georg.; Kolophon Cod. Tbilisi 1346; Theoph. cont. 6; Skylitzes; Georg. mon. cont. (Bonn); Leon gr.; Theod. mel.; Ps.-Symeon; Georg. mon. cont. (Muralt); Georg. mon. cont. (Istrin); Zonaras; Patriarchenliste des Cod. Guelf. Helmst. 63 (PG 119); Symeon sl.; Symeon log. (Wahlgren); Symeon log. ; Patriarchenliste des Cod. Athen. 1429; Stavrakos, Sammlung Kophopoulos

Kombinationsartikel: Antonios II. Kauleas (# 564).

N: Variante: mbulg.: Andonie, Antonie (Symeon sl.); Beiname: Καυλέας, laut der Vita Euthymii: Καλέας. Der Beiname dürfte wohl von dem Kaleoskloster abgeleitet sein, dessen Abt A. war; mbulg.: Kavlei (Symeon sl.). Men. Basilii hat Blacheas — ὁ ἐπιλεγόμενος Βλαχέας.

T: Mönch, Presbyteros, Abt, Patriarch von Konstantinopel (August 893 – 12. Februar 901); mbulg.: mistik c<a>rev (Mystikos des Kaisers; Symeon sl. 119,8).

V: A. wurde zwischen 823 und 833 (Janin, in: DHGE 3 [1924] 765: 829) in der Nähe von Konstantinopel auf einem Gut seiner Mutter geboren, die er mit zwölf Jahren (so die Vita Antonii Cauleae) verlor, weshalb er dann von seinem Vater allein erzogen wurde. Noch im selben Jahr entschied er sich, Mönch zu werden, und ging in ein Kloster in Konstantinopel. Schon in seiner Jugend soll er die Gabe der Prophetie besessen haben. Er wurde entweder von Patriarch Methodios (# 4977) oder von Ignatios (# 2666) zum Presbyter geweiht und dann zum Nachfolger seines Lehrers und Abts (# 11837) als Abt seines Klosters gewählt.

A. wurde als Nachfolger des Stephanos (# 27208), der am 17. oder 18. Mai 893 gestorben war, gegen Ende Juli oder Anfang August 893 zum Patriarchen von Konstantinopel geweiht (1). Er galt als Favorit des Stylianos Zautzes (# 27406), der laut der Vita Euthymii seine Wahl mit allen Mitteln durchgesetzt haben soll. Tatsächlich ist eine Verbindung zwischen beiden nicht unwahrscheinlich, denn nach dem Tode des Stylianos wurde dessen Leichnam im Kloster des A. beigesetzt (2).

Nach Aussage der beiden Versionen der Passio Pauli Caïumensis (BHG 1471 und 1471b) hat sich A. zwischen 893 und 897 in das Kaïumaskloster begeben, wo er die Reliquien des Paulos (# 5841) auffand. Ferner sei er ehemals Abt des Klosters Kaleos (gemeint Kauleas) gewesen. Laut BHG 139b (Überschrift und l. 507ff.) habe er das Kaleoskloster (Kauleaskloster) gegründet (s. P).

Georg. mon. cont. (Bonn) berichtet, daß A. sich geweigert habe, die Ehe von Leon VI. und Zoe Zautzina (# 28505) einzusegnen, da man sie aufgrund der vorausgegangenen Liebschaft zwischen beiden, während die erste Frau des Kaisers noch am Leben war, als unrechtmäßig betrachtet habe. Der Priester Sinapes (# 27088), der diese Ehe dann eingesegnet habe, sei von der Synode abgesetzt worden (3).

Über sein sonstiges Wirken als Patriarch ist kaum etwas bekannt. Das kurz nach seinem Tod verfaßte Enkomion berichtet, daß Kaiser Leon VI. mit seiner Hilfe das Schisma zwischen Photianern und Ignatianern endgültig zu einem Ende gebracht habe, und unterstellt allgemein ein enges Verhältnis zwischen Patriarch und Kaiser, bietet aber keinerlei darüber hinausgehende Einzelheiten (4).

Nach A.s Tod am 12. Februar 901 wurde Nikolaos I. Mystikos (# 25885) neuer Patriarch (5). A. wurde am 12. Februar als Heiliger gefeiert, laut Typicon Mateos in seinem Kloster (s. dazu Janin, Églises 40–42).

Anmerkungen: — (1) Theoph. cont. VI 8, p. 357,9-11; Skylitzes, Leon 11, p. 175,73f.; Symeon log. (Leon gr. 266,16f.; Theod. mel. 186,9f.; Symeon sl. 116,13-15); Symeon log. (Wahlgren) 133,81f.; Georg. mon. cont. (Bonn) 852,20f.; Georg. mon. cont. (Muralt) 1093C; Georg. mon. cont. (Istrin) 27,4f.; Ps.-Symeon 702,5f.; Zonaras XVI 12, p. 442,7f. Wahl und Weihe müssen Ende Juli / Anfang August stattgefunden haben, da sich nach Aussage der Translatio Theodorae Thess. (BHG 1739) der Archiepiskopos Ioannes von Thessalonike (# 22828) am 3. August 893 mit allen Erzbischöfen in Konstantinopel zur Wahl und Weihe des A. aufhielt; s. dazu Paschalides, Theodora 275f. — (2) Vita Euthymii (BHG 651) VII, p. 43,17-20 (Karlin-Hayter). Der Name des A. wird in der Vita an dieser Stelle bezeichnenderweise nicht genannt; später wird A. allerdings durchaus positiv erwähnt, s. z. B. Vita Euthymii (BHG 651) VIII, p. 49,19f. (Karlin-Hayter): τοῦ ἐν ἁγίοις Ἀντωνίου πατριαρχοῦντος τοῦ κατ᾿ ἐπίκλην Καλέου, und besonders X, p. 65,29: Ἀντώνιος ὁ ἐν μακαρίᾳ καὶ ἀοιδίμῳ ζωῇ διατρέψας... — (3) Georg. mon. cont. (Bonn) 856,19 – 857,3. Theoph. cont. und Skylitzes berichten von der Absetzung des Sinapes, erwähnen aber weder den Synodalbeschluß, noch den Patriarchen. Auch Georg. mon. cont. erwähnt A. nicht namentlich. Der Bericht ist auch insofern problematisch, als A. in der Forschung allgemein als Parteigänger des Stylianos Zautzes angesehen wird, der sich kaum in dieser scharfen Form gegen die zweite Ehe des Kaisers gewandt haben dürfte. Als Leon VI. später seine Tochter Anna (# 20430) zur Augusta erhob, wird von etwaigem Widerstand der Kirche gleichfalls nichts gesagt, obwohl Anna, wie es scheint, einige Jahre vor der Eheschließung zwischen Leon und Zoe Zautzina geboren worden war, mithin als illegitim angesehen worden sein müßte. — (4) Encomium Antonii Cauleae (BHG 139) cap. 11, p. 420,269-275 (Ernennung zum Patriarchen durch den Kaiser); cap. 12, p. 421,304-314 (endgültige Beendigung des Schismas); cap. 14, p. 423,370-374 (Krankheit und Tod). — (5) Mit Ausnahme von Symeon log. (Wahlgren) 133,223f., Georg. mon. cont. (Bonn) 860,1f., Georg. mon. cont. (Muralt) 1105A, Skylitzes, Leon 18, p. 180,7f. und Ps.-Symeon 703,15f. berichten die Chroniken zweimal vom Tode des Patriarchen Stephanos I. und machen dabei beim zweiten Mal ein falsche Angabe, denn sie übergehen A. und lassen Nikolaos I. Mystikos direkt dem Patriarchen Stephanos I. nachfolgen; s. Theoph. cont. VI 16, p. 364,9-11; Symeon log. (Leon gr. 273,22f.; Theod. mel. 191,15f.). Dabei ordnen sie die Nachfolge des Nikolaos chronologisch korrekt nach der Verschwörung des Epeiktes Basileios (# 20911) ein, die wahrscheinlich 899/900 stattfand, während Stephanos bereits 893 gestorben war; korrekte Erwähnung in der Vita Euthymii (BHG 651) X, p. 65,29-32 (Karlin-Hayter).

Q: — (Hist.): Theoph. cont. VI 8, p. 357,9-11; Skylitzes, Leon 11, p. 175,73f.; Symeon log. (Leon gr.: Theod. mel.; Symeon sl.); Symeon log. (Wahlgren); Georg. mon. cont. [Bonn]; Georg. mon. cont. (Muralt); Georg. mon. cont. (Istrin). — (Hag.): Encomium Antonii Cauleae (BHG 139); Vita Antonii Cauleae (BHG 139b); Vita Euthymii (BHG 651); Translatio Theodorae Thess. (BHG 1739) cap. 4,15f., p. 198 (Paschalides); cap. 4, p. 39,21-23 (Kurtz); Vita Blasii (BHG 278) cap. 19, p. 666D; Passio Pauli Caïumensis (BHG 1471) cap. 6, p. 250,29 – 251,10 (= Latyšev 26,14-27); Passio Pauli Caïumensis (BHG 1471b) p. 80f., l. 289-302; Synax. Cpl. 460,40 – 462,23 (12. Februar) (BHG 139e); Men. Basilii 308D–309A (12. Februar); Typicon Mateos I 230,20-22 (12. Februar). — (Fs.): Catal. patr. (Fischer) 292,10-13; Synodikon der Orthodoxie (BHG 1392) 53,112. 115; 103,883; Patriarchenliste im Cod. Guelf. Helmst. 63, ed. Leonclavius, in: PG 119, col. 917C; Nikephoros Kallistos, Catal. patriarch. 460C. — (georg.): Synodikon georg. 310. 313; nur als Datierungsangabe: Kolophon des Cod. Tbilisi hist.-ethnograph. Soc. 1346 (a. 978, Krania-Laura auf dem bithynischen Olymp; heute im Fonds H des Handschrifteninstitutes in Tiflis), fol. 208r, dt. Übers. in: Tarchnišvili, Euthymius 118; cf. Adontz, in: Byz 13 (1938) 159. — (Sg.): ZN 9 (zwei Siegel; b = Laurent, Corpus V 1628) = Stavrakos, Sammlung Kophopoulos 3.1: Ἀντωνίῳ ἀρχιεπισκόπῳ Κωνσταντινουπόλεως Νέας Ῥώμης. — (Inscr.): CIG IV 8690.

L: ODB I 125; Savvides III 83f.; IV 95; EPLBHC I 310f.; Fedalto 6; LThK I (1993) 789f.; BHG 139. 139b. 139e; Beck, Kirche 563; Nicol 10. — Loparev, in: VV 17 (1910/11) 147–152; Janin, Églises 39–41. 274; Glossar (griech.) II 246; Leone, in: Nicolaus 11 (1983) 3–14 (zu BHG 139b); Grumel–Darrouzès, Regestes Nr. 594–597.

P: Es ist fraglich, ob er das Kaleoskloster (Konstantinopel) gegründet hat, das mit seinem Namen verbunden ist (s. Janin, Églises, 39-41). — Möglicherweise ist ihm ein weiteres Siegel zuzuweisen, cf. unter Antonios (# 20489).

Angehörige (anonym):

1. Mutter 20476A

V: Sie lebte in der ersten Hälfte des 9. Jh.s. und stammte nach der Vita Antonii Cauleae aus Lysimacheia in Thrakien. Nach der Heirat ging sie zusammen mit ihrem Mann nach Konstantinopel. Während der ikonoklastischen Verfolgungen wohnte die Familie auf ihrem Gut (κτῆμα) in der Nähe von Konstantinopel, wo die Mutter zwischen 823 und 833 Antonios zur Welt brachte. Sie starb, als Antonios noch sehr jung war (laut der Vita Antonii Cauleae zwölf Jahre).

Q: — (Hag.): Encomium Antonii Cauleae (BHG 139) cap. 3, p. 413,59 – 414,85; Vita Antonii Cauleae (BHG 139b) cap. 2,85-91; cap. 3–4,109-122; cap. 5,167f.

2. Vater 20476B

V: Er stammte aus Bithynien, aus einer Familie, die sich im kaiserlich-militärischen Dienst ausgezeichnet hatte. Nach dem Tod seiner Frau zog er Antonios allein auf. Später wurde er gleichfalls Mönch und trat in das Kloster seines Sohnes (Kaleos) ein, der sein geistlicher Vater wurde.

Q: — (Hag.): Encomium Antonii iun. (BHG 139) cap. 3, p. 413,57 – 414,85; cap. 9, p. 418,207-215; Vita Antonii Cauleae (BHG 139b) cap. 2,82-91; cap. 3–4,109-123. 130, 133f.; cap. 5,168f.; cap. 8,312-318.

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