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BY-NC-ND 4.0 license Open Access Published by De Gruyter

Arnulf II.

Ralph-Johannes Lilie, Claudia Ludwig, Beate Zielke and Thomas Pratsch
EintragstypEntry Type
Person
EintragsspracheEntry Language
DeutschGerman
Personenkennziffer
20579
Klerus / Laie
Klerus
Geschlecht
Mann
Zeit
10. Jh.
Erste Erwähnung
998
ethnos
Italien
Religion
Lateiner
Titel / Beruf
Archepiscopus Mailand; Archiepiskopos Mailand
Name normalisiert
Arnulf
Ort
Unteritalien; Kalabrien; Hydrus; Mailand
Quelle
Leon von Synada, Epp.; Arnulfi gesta; Landulphi Historia

T: Archepiskopos von Mailand (998–1018).

V: Er wird wohl im Herbst 998 in zwei Briefen des Metropoliten Leon von Synada (# 24416) erwähnt, der sich zu dieser Zeit als byzantinischer Gesandter in Unteritalien aufhielt. In einem Brief (Ep. 2) berichtet Leon von seiner Reise durch Deutschland (Φραγγία) von August bis Oktober 997, seiner Rückreise nach Rom von November 997 bis Januar 998, seinem viermonatigen Aufenthalt in Rom (Februar bis Mai 998), in dessen Verlauf er Zeuge der Absetzung und grausamen Bestrafung des (Gegen-)papstes Ioannes Philagathos (# 23486) wurde. Schließlich sei er zusammen mit einem Apokrisiarios (# 31720) aus Rom abgereist und nach Hydrus (Otranto) in Unteritalien gegangen, wo er den ganzen September 998 auf einen hochrangigen Gesandten gewartet habe, bei dem es sich (cf. Ep. 3) um A., den Erzbischof von Mailand, gehandelt habe.

Unklar ist, ob A. tatsächlich zusammen mit Leon von Synada nach Konstantinopel gereist ist. Leon selbst sagt hierüber nichts aus. Zwei oder drei Jahre später (1001/02) reiste A. jedoch sicher als Gesandter Ottos III. (# 26213) nach Konstantinopel und führte die Verhandlungen über eine Heiratsverbindung fort. Sie verliefen erfolgreich, und im Februar 1002 kehrte A. zusammen mit einer byzantinischen Prinzessin, bei der es sich entweder um Zoe (# 28508) oder um ihre jüngere Schwester Theodora (# 27605) gehandelt haben wird, nach Italien zurück. In Bari angelangt, erfuhr er von dem Tod Ottos III. Die byzantinische Prinzessin kehrte daraufhin nach Konstantinopel zurück.

Über diese Gesandtschaft von 1001/02 berichten nur die lateinischen Quellen. Besonders ausführlich ist die Landulphi Historia, die u. a. mitteilt, daß Otto III. A. unermeßliche Schätze (ineffabili thesauri argentique pondere honustum curialiter direxit) mitgegeben habe, mit denen A. in Konstantinopel auch einen entsprechenden Eindruck erzeugt habe. Besonders auffällig sei ein Pferd gewesen, das ein Geschenk Ottos an A. gewesen sei. Dieses Pferd habe A. mit goldenen Hufeisen und mit silbernen Nägeln beschlagen lassen: equum imperialem, quem Otto imperator Romanus sibi ad huius laboris solamen donaverat, substrato pallio admirabili, ferris aureis et clavis argenteis pedum ungulis abrasis curiose aptari fecit. Der ganze Hof in Konstantinopel habe dieses Pferd bewundert. Mit dem Kaiser verkehrte A. über einen Dolmetscher (# 31939), der allerdings nicht fähig war, die Anspielungen A.s korrekt ins Griechische zu übersetzen, so daß der Kaiser sie hätte verstehen können.

Nach drei Monaten Aufenthalt kehrte A. zurück, nachdem er einen vollen Erfolg erzielt hatte. Der Kaiser gab ihm zahlreiche äußerst wertvolle Geschenke sowie seine Tochter mit. Außerdem erhielt A. auf seine Bitten hin die eherne Schlange, die Moses einst bei dem Zug durch die Wüste vor den Juden aufgerichtet hatte und die diejenigen, welche sie anschauten, von den erlittenen Schlangenbissen geheilt hatte. Dieses Standbild stellte A. in der Kirche des hl. Ambrosius in Mailand auf. Schließlich schenkte der Kaiser A. und der Prinzessin eine vox humana regia, die während der Überfahrt plötzlich sprach und den Tod Ottos III. verkündete: Ecce enim ex improviso vox humana regia, quam imperator cum ineffabili pondere auri et argenti Arnulfo et suae filiae donaverat, dicens: Ottonem imperatorem Romanum mortuum esse, insonuit. A. glaubte dies zunächst nicht. Aber drei Tage nach der Ankunft in Bari wurde die Nachricht bestätigt, und die Prinzessin kehrte nach Konstantinopel zurück.

Die Kerntendenz der Aussagen der Landulphi Historia ist zweifellos korrekt, auch wenn der Autor sie mit einigen märchenhaften Elementen ausgeschmückt hat.

Q: — (Ep.): Leon von Synada, Epp. 2. 3. — (lat.): Arnulfi gesta I 13, p. 10,14-18; Landulphi Historia II 18, p. 51,25 – 53,25.

L: LdMA I (1980) 1018 s. v. “Arnulf 7”. — Böhmer–Uhlirz, Regesten Nr. 1394c. 1450/IVe; Vinson 94f.; Nerlich, Gesandtschaften 304f.; G. Wolf, Zoe oder Theodora – die Braut Ottos III. (1001–1002), in: Wolf, Kaiserin 212–222; E. Kislinger, Reisen und Verkehrswege zwischen Byzanz und dem Abendland vom neunten bis in die Mitte des elften Jahrhunderts, in: Konstantinou (Hrsg.), Byzanz und das Abendland 234. 248; Eickhoff, Otto III. 350f.; Kolditz, Leon und Liudprand 552 mit Anm. 183; Schreiner, Geschenke 275, Nr. 20f.; Huschner, Transalpine Kommunikation 986 (Reg.); Panagopoulou, Gamoi 181–184.

P: Der Abschluß eines Heiratsbündnisses ist in der Forschung teilweise in Zweifel gezogen werden, s. z. von B. P. E. Schramm, Kaiser, Könige und Päpste, Bd. III Stuttgart 1971, 237 mit Anm. 98. Jedoch ist schwer vorstellbar, daß A. die Reise der byzantinischen Prinzessin bis Bari in seiner Darstellung völlig frei erfunden haben sollte. Wolf, dem Eickhoff folgt, akzeptiert die Darstellung und nimmt an, daß es sich bei dieser Prinzessin um Theodora gehandelt hat.

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