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BY-NC-ND 4.0 license Open Access Published by De Gruyter

Athanasios Athonites

Ἀθανάσιος

Ralph-Johannes Lilie , Claudia Ludwig , Beate Zielke and Thomas Pratsch

N: Taufname: Habraamios — Ἁβραάμιος, in der Sekundärliteratur meist ohne Wiedergabe der Behauchung geschrieben: Abraamios. Mönchsname: Athanasios. Beiname: “der auf dem Athos” — ὁ ἐν τῷ Ἄθῳ, späterer Beiname: Athonites. Vorübergehend nahm A., weil er seine Identität verbergen wollte, den falschen Namen Barnabas — Βαρνάβας an (Vita A, § 39,5, p. 20; 44,29f., p. 23; Vita B, § 14,4f. 18, p. 140).

T: Zuerst (zweiter oder Hilfs-) Lehrer — ... τῆς τοῦ διδασκάλου συνεδρείας ἀξιωθῆναι, μετὰ τὸν παιδευτὴν παιδευτής (Vita A, § 13,4f.), dann eigenständiger Didaskalos (Lehrer) in Konstantinopel — διδάσκαλος (Vita A, § 14,4f.; Vita B, § 7,9-11); Mönch, Kalligraphos (Kopist) im Kyminas-Kloster in Bithynien; Klostergründer, Hegumenos (Abt) — ἡγούμενος, καθηγούμενος der Megale Laura (Athos), auch Laura ta Melana genannt (ἡ βασιλική λαύρα ἡ οὕτω λεγομένη τὰ Μελανά, Actes du Prôtaton, Nr. 7, l. 4, p. 209 [= Meyer, Haupturkunden, p. 141,11]; Ἀθανασιος ὁ τῆς λαύρας τῶν Μελανῶν ἡγούμε(νος) ..., Actes d’Iviron, Nr. 7, l. 16), heute Μεγίστη Λαύρα.

V: A. wurde ca. zwischen 925 und 930 (so Lemerle, in: Actes de Lavra 30; DO Hagiography Database, Introduction) in Trapezunt als Sohn eines Mannes (s. unten), dessen Familie aus Antiocheia in Syrien stammte, und einer Frau (s. unten), die aus Kolchis, d. h. aus dem westlichen Georgien bzw. Lazike, kam, geboren. Sein Taufname war Habraamios (1). Er verwaiste früh und wurde dann von einer Dame aus der Familie Kanites (Kanitissa [# 23669]) bzw. einer nicht namentlich genannten Nonne (# 30074) aufgezogen. Seine Freunde in seinen Kindertagen in Trapezunt waren die Tochter der Dame (# 23669A), die später in die Familie des Theodoros Zephinezer (# 27682) einheiratete (2), und Ioannes Hexapterygos (# 22997), der später Hegumenos einer Laura auf dem bithynischen Olymp wurde (3).

Unter der Herrschaft des Romanos I. (920–944) nahm ihn ein Kommerkiarios (# 31152), der aus Trapezunt nach Konstantinopel zurückkehrte, mit in die Hauptstadt, damit A. eine über den Unterricht bei einem Grammatistes hinausgehende Bildung erwerben konnte (4). A. wurde in Konstantinopel von der Familie Zephinezer aufgenommen und studierte bei dem Lehrer Athanasios (# 20673) (5). Nach Abschluß seiner Studien wurde A. selbst Lehrer (für höhere Bildung — τὴν ἐγκύκλιον παίδευσιν) (6), und zwar nach Aussage der Viten so erfolgreich, daß seinem alten Lehrer Athanasios die Schüler wegliefen und zu ihm kamen. Den dadurch entstandenen Konflikt löste A. schließlich, indem er seine eigene Lehrtätigkeit niederlegte (7). Dies fand bereits unter der Alleinherrschaft des Konstantinos VII. Porphyrogennetos statt (8), also 945 oder später.

Anschließend begleitete er den Theodoros Zephinezer auf einer Reise in die Ägäis, die in dessen Verantwortung als Strategos von Aigaion Pelagos fiel. Auf dieser Reise konnten sie von der Insel Lemnos aus den Athos sehen, den Ort des künftigen Wirkens A.s (9). Als sie nach Konstantinopel zurückkehrten, weilte gerade auch Michael Maleïnos (# 25124), der sonst auf dem Berg Kyminas (Bithynien) lebte, in der Hauptstadt, und A. suchte ihn auf (10).

Bei Michael Maleïnos (# 25124) begegnete A. auch das erste Mal dem späteren Kaiser Nikephoros II. Phokas – damals Strategos des Anatolikon (11) –, auf den er einen nachhaltigen Eindruck gemacht haben soll. Dies geschah nach der inneren Chronologie der Viten, bevor A. in den Mönchsstand trat. Als Michael Maleïnos auf den Berg Kyminas in sein Kloster zurückkehrte, folgte A. ihm und begehrte, von ihm ins Kloster aufgenommen zu werden. Er erhielt von Michael Maleïnos das Mönchsschema (μοναχικὸν ἔνδυμα, τὸ θεῖον καὶ μακάριον σχῆμα [Vita B]) und den Mönchsnamen Athanasios (12) – vermutlich ca. 952. A. durfte im Gegensatz zu den anderen Mönchen von Kyminas ein härenes Gewand (τὸ τρίχινον) tragen. A.s Wunsch nach strengen Askeseformen (nur einen Tag in der Woche zu essen, auf einem Stuhl zu schlafen) wurde von Michael Maleïnos gemäßigt (13). A. ging dem Ekklesiarchen (# 31388) des Kyminas-Klosters zur Hand und beschäftigte sich in der übrigen Zeit auf Weisung des Michael Maleïnos mit dem Kopieren von Handschriften (14).

Nach vier Jahren (15) als Mönch im Kyminas-Kloster wurde A. für würdig befunden, sich aus der klösterlichen Gemeinschaft zurückzuziehen und ein Leben als Einsiedler zu beginnen (16). A.s Mönchszelle lag eine Meile von der Kyminas-Laura entfernt. A. durfte nun auch seine Askese verschärfen (17).

Als Nikephoros Phokas wieder einmal zu seinem Onkel Michael Maleïnos auf den Kyminas kam, suchte er auch A. auf, beichtete bei ihm und bekannte ihm seinen Wunsch, selbst einmal in den Mönchsstand zu treten (18). Auch Leon Phokas (# 24423) kam auf den Kyminas und lernte A. kennen (19). Laut Vita B soll Michael Maleïnos seine beiden Neffen Nikephoros und Leon Phokas förmlich in die geistliche Fürsorge des A. übergeben haben (20).

Später soll Michael Maleïnos A. vor seinen engeren Vertrauten als seinen Nachfolger bezeichnet haben (21), womit er jedoch eine geistige Nachfolge und nicht die konkrete Nachfolge im Hegumenat des Kyminas-Klosters gemeint haben soll (22). Die anderen Mönche des Kyminas-Klosters sollen diese Äußerung jedoch mißverstanden und A. daraufhin soviel Ehre erwiesen haben, daß er sich in seiner Bescheidenheit und Weltflucht gezwungen sah, den Berg Kyminas zu verlassen und zum Athos zu reisen (23). Dabei nahm A. zwei von ihm selbst geschriebene Handschriften (24) und das Kukulion (Kapuze, Mönchskappe) des Michael Maleïnos als schutzbringendes Andenken mit sich (25). Aus den Umständen von A.s Abreise wird deutlich, daß er die Kyminas-Laura ohne Genehmigung seines Abtes Michael Maleïnos verließ. Als Zeitpunkt der Abreise A.s muß wohl 957 angenommen werden (26). Über die Beziehung A.s zu Michael Maleïnos informieren lediglich die Quellen zu Athanasios Athonites. Die Vita Mich. Maleïni (BHG 1295) schweigt dagegen vollkommen über A. oder sein Verhältnis zu Michael Maleïnos.

Als A. Ende 957 oder Anfang 958 (27) auf dem Athos eingetroffen war, soll er seinen Viten nach von der Beförderung des Leon Phokas zum Domestikos der Scholen des Westens erfahren haben und sich deshalb dafür entschieden haben, einen falschen Namen anzunehmen (Barnabas) und als angeblicher Analphabet Schüler bei einem alten Eremiten (# 31409) auf dem Berg Zygos zu werden (28).

Weihnachten 958 nahm A. zum ersten Mal an der Synaxis der Athosmönche zu Weihnachten in Karyes teil (29). Im Nachtgottesdienst wurde seine Bildung offenbar – noch nicht aber sein wahrer Name (30).

Nach dieser Synaxis sprach der Protos Stephanos (# 27292) unter vier Augen mit A., da er A.s Identität durchschaut hatte, versprach ihm jedoch Geheimhaltung und wies ihm ein Kellion nahe Karyes zu, wo er sich mit seinem Gehilfen Lukitzes (# 24792) niederließ und seinen Lebensunterhalt als Kopist verdiente (31). A. blieb dort ca. ein Jahr, also bis Ende 959 oder Anfang 960.

Den Viten zufolge soll Leon Phokas auf der Rückkehr von einem Sieg über “die nomadischen Skythen” (vermutlich Ungarn) den Athos besucht und dabei A. gesucht und gefunden sowie auf A.s Bitten hin den Neubau der Kirche in Karyes gestiftet haben (32).

Vom Protos Stephanos bekam A. (ca. 960) das Terrain ta Melana an der Spitze der Athos-Halbinsel, wo später die Megale Laura entstehen sollte, für sein Einsiedlerleben zugewiesen (33).

Ca. Februar 961 (34) reiste A. zusammen mit dem alten Mönch Theodotos (# 27979) nach Kreta, nachdem die Situation für die byzantinische Belagerungsarmee vor Chandax wegen Lebensmittelknappheit und Kälte schwierig geworden war (35). Auf Kreta wurde zwischen Nikephoros Phokas und A. vereinbart, auf dem Athos ein Kloster zu gründen (Nikephoros würde die Mittel zur Verfügung stellen, A. würde es bauen und leiten) (36). A. kehrte auf den Athos zurück.

Ca. im Herbst 962 (37) kam der Mönch Methodios (# 25077) im Auftrage des Nikephoros Phokas zu A. auf den Athos und brachte das Geld für die ersten Klosterbauten. Während Methodios’ sechsmonatigen Aufenthaltes auf dem Athos begann A., die Kellia zu bauen, und versprach als nächstes den Bau einer Kirche (des Katholikons). Der Beginn dieser Bauvorhaben wird im allgemeinen als Datum der Gründung der Megale Laura auf dem Athos genommen (38). A. errichtete zuerst ein Kellion für Nikephoros, eine Kapelle des hl. Ioannes Prodromos, dann das Katholikon des Klosters (der Theotokos geweiht) (39), schließlich die Kloster-Kellia, Mühle, Refektorium, Krankenhaus (νοσοκομεῖον) und Gästehaus (ξενοδοχεῖον) sowie eine Wasserleitung (40). Nach dem Bau des Katholikons soll A. von dem Athos-Anachoreten Hesaias (# 22586) das große Mönchsschema (μέγα σχῆμα) erhalten haben (41). Ebenfalls in die Zeit des Aufbaus des Klosters fällt die Abfassung der Hypotyposis (BHG 190b), der grundlegenden Regel der Megale Laura, die Fragen der Liturgie, Diät, Arbeit, Kleidung und Disziplin behandelt (42).

Als die Nachricht von der Kaiserkrönung des Nikephoros I. Phokas (am 16.8.963) den Athos erreichte, soll A. den Athos verlassen haben und zusammen mit seinem Schüler Antonios (# 20498) über Abydos nach Zypern gereist sein (43), wo beide eine Weile in einer Klause beim Hiereis-Kloster lebten, bis A. beschloß, auf den Athos zurückzukehren. Auf der Rückreise kamen sie durch Attaleia und statteten dem Diunkioskloster (bzw. Diungioskloster) in Lampe (Phrygien) einen Besuch ab (44). Der Zeitpunkt von A.s Rückkehr auf den Athos dürfte kaum vor dem Januar oder Februar 964 anzusetzen sein (45).

Im Frühjahr 964 (46) reiste A. nach Konstantinopel, wo er Nikephoros I. Phokas zum ersten Mal seit dessen Kaiserkrönung sah und von ihm die Ausstellung von möglicherweise drei Chrysobulla zugunsten der Megale Laura und die Erhöhung der finanziellen Zuwendung für den gesamten Athos erreichte (47). Von den drei Chrysobulla für die Megale Laura galt lange Zeit nur das letzte als erhalten (Actes de Lavra, Nr. 5, vom Mai 964 [nur in einer modernen Kopie überliefert]), das der Laura ein paar Reliquien übereignet und die beiden ersten Chrysobulla bestätigt, doch handelt es sich bei diesem Dokument um eine späte Fälschung (48). Der Inhalt der beiden anderen Chrysobulla (49) läßt sich nur ungefähr aus den Viten und dem Typikon des A. rekonstruieren (50): Die Megale Laura erhielt eine jährliche finanzielle Zuwendung (σολέμνιον) von 244 Nomismata (51) für 80 Mönche (52), eine jährliche Zuwendung Weizen (σολέμνιον τοῦ σίτου)(53), per Epidosis das Kloster des hl. Andreas von Peristerai (54), Bestätigung der Steuerfreiheit für 32 Paroiken in der Region von Hierissos (55) und die Zusicherung, daß der künftige Abt vom Kloster selbst aus den Reihen der eigenen Mönche gewählt werde, daß die Laura in niemandes Eigentum, auch nicht das eines anderen Klosters, übergehen dürfe und so “frei und unabhängig” (ἐλευθέραν εἶναι καὶ αὐτοδέσποτον) bleibe (56).

Wieder auf dem Athos, widmete A. sich dem weiteren Ausbau der Megale Laura. Er ließ einen Hafen anlegen (57), bei dessen Bau er selbst mit Hand anlegte und dabei einen Unfall erlitt: Ein entgleitender Baumstamm zerschmetterte ihm den Knöchel und den Unterschenkel (58). Dieser Unfall machte A. für drei Jahre mehr oder weniger bettlägerig (κλινήρης).

Als Kaiser Nikephoros II. Phokas in der Nacht zum 11. Dezember 969 ermordet wurde, schien A. seinen bedeutendsten Unterstützer zu verlieren. A.s Wirken auf dem Athos war offensichtlich nicht bei allen Athosmönchen auf Zustimmung gestoßen, und seine Gegner durften nach dem Tode des Nikephoros II. Phokas Hoffnung schöpfen (59).

Der sogenannte “Tragos” (= “Typikon des Ioannes Tzimiskes” = Actes du Prôtaton, Nr. 7; cf. Dölger–Müller, Regesten Nr. 745) vom Ende des Jahres 971 oder der ersten Hälfte des Jahres 972 (60) bezeugt, daß sich eine Delegation von Athosmönchen unter der Leitung des Protos des Athos, Athanasios (# 20679), und des Mönchs Paulos (# 26352) zum Kaiser Ioannes Tzimiskes in die Hauptstadt Konstantinopel begeben und dort Klage über A. geführt hatte, wobei in dem Dokument nicht erläutert wird, was genau Gegenstand ihrer Klage war. Die Viten des Athanasios Athonites, die die Ereignisse ohne konkrete Informationen über beteiligte Personen und als Ergebnis von Umtrieben des Teufels beschreiben, liefern aber die Hauptvorwürfe, die einige Kreise auf dem Athos, wohl vor allem die kleineren Gruppen von Anachoreten und einzelne Einsiedler (61), gegen A. erhoben und die den neuen Kaiser zu einer Korrektur der Entwicklung auf dem Athos veranlassen sollten (62): daß A. die alte Lebensform auf dem Athos auflöse (τοὺς ἀρχαίους τύπους καὶ τὰ ἔθιμα καταλύοντα) (63), zu viele Gebäude errichte und eine zu große wirtschafliche Aktivität entfalte (64), kurz: den Berg Athos in “die Welt” verwandele (τὸ ὄρος εἰς κόσμον ἤδη μεταποιοῦντα) (65). Der Kaiser reagierte auf die Klagen der Athosvertreter, indem er den Mönch Euthymios (# 21945) auf den Athos entsandte, damit er dort den Konflikt der verfeindeten Gruppen auf dem Athos schlichte. Auf dem Athos führte Euthymios eine Versammlung der Äbte und Mönche des Athos durch, und verabschiedete mit ihnen das sogenannte “Typikon des Tzimiskes”, das für Athanasios Athonites und die Laura durchaus günstig ausfiel: Die Laura wurde als wichtigstes Kloster auf dem Athos bestätigt, dessen Abt der ranghöchste Mann auf dem Athos nach dem Protos war (66). Als erstes Athos-Kloster wurde die Megale Laura als “kaiserliches Kloster” bezeichnet (βασιλικὴ λαύρα, l. 3, p. 209). Als einziges Kloster durfte die Megale Laura ein Ochsengespann besitzen (67). A. unterschrieb das “Typikon des Tzimiskes” an dritter Stelle.

Wohl auf die Zeit nach dem “Typikon des Tzimiskes” ist die Verleihung eines (nicht erhaltenen) Privilegs (Dölger–Müller, Regesten Nr. 744) von Ioannes Tzimiskes an die Megale Laura zu datieren, durch das das jährliche Solemnion für die Megale Laura von 244 auf 488 Nomismata erhöht wurde (68).

Ca. zwischen 972 und 974 reiste A. zusammen mit Ioannes Athonites Iber (# 22942) nach Konstantinopel, wo sie, unterstützt von Euthymios Studites (# 21945), dem Kaiser Ioannes I. Tzimiskes die Bitte vortrugen, er möge ihnen das Kloster Kolobu (bei Hierissos) übertragen. Die Bitte wurde abgelehnt (69), doch sollte das Kolobu-Kloster bereits wenig später (979/80) an das Iviron-Kloster fallen. Es könnte diese Reise zwischen 972 und 974 gewesen sein, bei der Ioannes Athonites Iber für die Megale Laura die Erhöhung des Solemnions von 244 auf 488 Nomismata von Kaiser Ioannes I. Tzimiskes erreicht hat (70).

Im Juni 978 soll A. ein Chrysobull der Kaiser Basileios II. und Konstantinos VIII. erhalten haben (Actes de Lavra, Nr. 7), durch das dem Kloster verschiedene Reliquien geschenkt und die kaiserlichen finanziellen Zuwendungen zum Kloster auf zehn Silbertalente jährlich erhöht wurden (genug für 500 Mönche). Es handelt sich bei der Urkunde jedoch um eine späte Fälschung (71).

Im April 982 unterschrieb A. als Zeuge (an zweiter Stelle, direkt nach dem Protos Thomas [# 28314]) die Verkaufsurkunde (Actes d’Iviron, Nr. 3) des Georgios Chelandaris (# 22164), durch die dieser sein kleines Kloster für 100 Nomismata an Ioannes Tornikios (# 22926) und Ioannes Athonites Iber vom Iviron-Kloster verkaufte.

Im Juli 982 unterschrieb A. als Zeuge (an zweiter Stelle, direkt nach dem Bischof von Hierissos, Theodotos [# 27980]) die Urkunde (Actes d’Iviron, Nr. 4) der Einwohner von Hierissos, durch die sie einen Austausch von Grundbesitz mit Ioannes Athonites Iber und Ioannes Tornikios vom Iviron-Kloster abschlossen. Zur selben Zeit (Juli 982) unterschrieb er eine weitere Urkunde (Actes d’Iviron, Nr. 5) der Einwohner von Hierissos als Zeuge, wiederum an zweiter Stelle, nach dem Archon Stephanos (# 27307). In diesem Dokument geht es um einen Landtausch der Gemeinde Hierissos mit dem Protopresbyteros Nikephoros (# 25618).

Im Dezember 984 verfaßte A. eine Schenkungsurkunde (ἔγγραφος ἀσφάλεια καὶ ἁπλὴ δωρεά, Actes d’Iviron, Nr. 6) zugunsten des Ioannes Athonites Iber, durch die er diesem zum Dank für dessen Verdienste um die Megale Laura ein kaiserliches Privileg (χρυσοβούλλιον, l. 22) über die Steuerfreiheit eines Schiffes von 6.000 Modioi Ladekapazität, das A. besaß, wie ein Wertpapier übertrug. Das Chrysobull, das A. selbst vom Kaiser Basileios II. erhalten hatte (72), verlieh nicht nur die Steuerfreiheit des Schiffes, sondern befreite zugleich 25 Haushalte (οἴκοι, l. 23. 32) auf den Gütern der Megale Laura bei Chrysopolis von der Steuer. Diesen Vorteil schenkte A. jedoch ausdrücklich nicht an Ioannes Athonites Iber (l. 23). Das kaiserliche Chrysobull, das beide Vorteile verbriefte, sollte, wie A. es bestimmte, in die Obhut des Ioannes Athonites Iber übergehen, vom Ivironkloster aber an die Megale Laura ausgeliehen werden, wenn es dort zum Nachweis der Steuerfreiheit für die 25 Haushalte den kaiserlichen Steuerbeamten vorgelegt werden müsse (l. 32–37).

Im Januar 985 gehörte A. zu den wichtigsten Athosäbten, die zusammen mit dem Protos Thomas eine Garantieerklärung (ἔγγραφος ἀσφάλεια, Actes d’Iviron, Nr. 7) abfaßten, in der sie zum Dank für die Übereignung von Immobilien in Hierissos (Chalkidike) auf alle weiteren Ansprüche gegen das Kolobu-Kloster bei Hierissos verzichteten. A. unterschrieb mit eigener Hand als einer der Aussteller in der Protage der Urkunde, und zwar an zweiter Stelle, direkt nach dem Protos (l. 1), sowie unter dem Urkundentext, ebenfalls an zweiter Stelle, direkt nach dem Protos (l. 58).

Im April 989 erhielt A. von Patriarch Nikolaos II. Chrysoberges (# 26019) per Epidosis das Gomatu-Kloster (auch Orphanu-Kloster genannt) bei Hierissos (Chalkidike), das dadurch seine Unabhängigkeit verlor und zu einem Metochion der Megale Laura wurde. A. mußte im Gegenzug das Kloster renovieren und mit zehn oder mehr Mönchen besiedeln. Der Patriarch behielt das Recht auf Commemoration in den Diptychen (Actes de Lavra, Nr. 8).

Im November 991 erhielt A. vom Protos des Athos, Ioannes Phakenos (# 23134), und dem Gremium von Athos-Äbten, das zusammen mit dem Protos über die Landvergabe auf dem Athos entschied, die Halbinsel Platys (Actes de Lavra, Nr. 9).

Zur Zeit, als Ioannes Phakenos (# 23134) Protos des Athos war und Kaiser Basileios II. sich in Makedonien aufhielt (wohl im Zeitraum 991–994), soll A. den Kaiser in Makedonien aufgesucht haben (73). Zweck oder Ergebnisse dieser Reise sind uns nicht bekannt.

Im September 993 kaufte A. von Kosmas (# 24143) für 70 Nomismata die Insel Gymnopelagesion (nördl. Sporaden) mit ihrem aufgegebenen Kloster, dessen früherer Hegumenos Sabas (# 26936) ebenso ein Freund A.s gewesen sein soll wie der Exartistes Michael (# 25267) (Actes de Lavra, Nr. 10).

Im Oktober 996 wurde A. wiederum vom Protos Ioannes Phakenos und seinem Gremium ein weiteres Landstück zugewiesen: das verlassene Monoxylitu-Kloster (μονὴ τοῦ Μονοξυλήτου) im Nordwesten der Athos-Halbinsel (Actes de Lavra, Nr. 12) (74).

Wohl zwischen 993 und 996 (75) verfaßte A. sein Testament (Diatyposis [BHG 191]), das bis zu seinem Tode von dem Ekklesiarchen Michael (# 25268) sicher verwahrt und erst dann allen bekannt gemacht werden sollte. In diesem Testament bestimmte er Ioannes Athonites Iber und den epi tu kanikleiu Nikephoros Uranos (# 25617) zu Epitropoi (Vormünder, Treuhänder; ODB III 1544: “lay guardians”) für sein Kloster, um dessen Zukunft so gut wie möglich zu sichern.

A. starb zusammen mit fünf seiner Mönche (# 30572) an einem 5. Juli (Vita A, § 235,10) zwischen 996 und 1006, wahrscheinlich im Jahre 1000 (76) oder 1001 (77) bei einem Unfall während der Bauarbeiten zur Vergrößerung des Katholikons der Megale Laura. Der Neubau stürzte ein, während Athanasios und andere Mönche auf dem Baugerüst standen. Laut Vita B war A. nicht sofort tot, sondern soll unter den Trümmern verschüttet noch über drei Stunden zu hören gewesen sein (78). A.s Leichnam soll, als man ihn schließlich bergen konnte, keine äußeren Spuren von Verletzungen außer einer Schürfwunde am Bein aufgewiesen haben (79). A. wurde drei Tage nach seinem Tode im Beisein von über 3000 Athosmönchen mit dem Kukulion des Michael Maleïnos, das er am Tage seines Todes getragen hatte (Vita B, § 65,24f.), bestattet (80). Während des Totengottesdienstes trat aus dem Leichnam Blut aus (aus der Wunde am Bein), was als Wunder gewertet wurde (Vita B, § 67,9-18).

Die älteste erhaltene bildliche Darstellung A.s befindet sich im Cod. Athous Lavra Κ 122 auf fol. 4v. Sie wird auf ungefähr die Mitte des 11. Jh.s datiert (cf. Galavaris 102f.).

Anmerkungen: — (1) Vita A, § 5, p. 5; Vita B, § 2,16, p. 128. — (2) Vita A, § 7,7-9, p. 5; Vita B, § 5,2f., p. 131,1f. — (3) Nur Vita A, § 8,28-33, p. 6f. — (4) Vita A, § 10,11 – 11,5, p. 7f.; Vita B, § 4,12-21, p. 130. — (5) Vita A, §11–13; Vita B, § 4,22-25, p. 130. — (6) Vita A, § 16,2, p. 9; cf. Vita B, § 7. — (7) Vita A, § 17,10-13, p. 10; Vita B, § 7,32-35, p. 133. — (8) Nur Vita A, § 16,13-15. — (9) Vita A, § 18; Vita B, § 8.— (10) Vita A, § 19–21, p. 11f.; Vita B, § 8,12-25, p. 134. — (11) Vita A, § 22, p. 12; Vita B, § 8,26-41, p. 134f. — (12) Vita A, § 23,8f., p. 13; Vita B, § 9,5-11, p. 135. — (13) Vita B, § 9,15-19, p. 135. — (14) Vita B, § 9,23f., p. 135f.: καλλιγραφῶν κατὰ τὴν ἐντολὴν τοῦ μεγάλου ἐκείνου πατρός. — (15) Vita A, § 26,11f., p.14: noch nicht ganz vier Jahre; Vita B., § 9,26, p. 136: vier Jahre. — (16) Vita A, § 26,22f., p.14: ἄξιος ἐκρίθη καὶ πρὸς τὸ μέγα τῆς ἡσυχίας στάδιον. Cf. Vita B, § 10,2f., p. 136. — (17) Vita B, § 10,4-12. — (18) Vita A, § 31, p. 15; Vita B, § 11,40-46, p. 137. — (19) Vita A, § 33, p.15f.: kurze Zeit nach dem Besuch des Nikephoros; Vita B, § 11,8-12, p. 136f.: zur selben Zeit wie Nikephoros. — (20) Vita B, § 11,27-31, p. 137: ... ἀμφοτέρων τῶν αὐταδέλφων τὰς χείρας ἐνέβαλεν εἰς τὰς τούτου [sc. τοῦ Ἀθανασίου], εἰπὼν πρὸς αὐτούς· «Ἀπὸ τοῦ παρόντος ἀνάθεσθε τοὺς ἑαυτῶν λογισμοὺς τούτῳ τῷ μοναχῷ καὶ πείθεσθε αὐτῷ τοῦ λοιποῦ ὡς πατρὶ κατὰ πάντα.» Zur Unwahrscheinlichkeit dieser Maßnahme s. Vlyssidou, in: Byzantina 21 (2000) 196. — (21) Vita A, § 35,12f., p. 16, und Vita B, §12,15, p. 138: «Ἰδοὺ καὶ ὁ διάδοχός μου.». — (22) Vita A, § 35,13-20, p. 16f.; Vita B, §12,14-21, p. 138. — (23) Vita A, § 37, p. 17; Vita B, § 12,22f., p. 138f.; cf. Vita B, § 12,6-10, p. 138. — (24) Vita B, § 12,34f.: ein Tetraevangelium und einen Praxapostolos. — (25) Vita A, § 37,45f., p. 18: ... κουκούλιον τοῦ ἱεροῦ καὶ θείου καθηγητοῦ, ἐφόδιον ἢ φυλακτήριον ..., Vita B, § 12,36f.: ... τὸ ἱερώτατον κουκούλιον τοῦ πατρὸς αὐτοῦ, ὅπερ καὶ ἐν τῷ βίῳ ὥσπέρ τι φυλακτήριον ψυχωφελὲς ἐπεφέρετο ... — (26) Cf. Papachryssanthou, in: Actes du Prôtaton, p. 72 mit Anm. 88. — (27) Ibidem. — (28) Vita A, § 39–41; Vita B, § 14–15. Den anzunehmenden realen Hintergrund hinter der hagiographischen Darstellung der Episode erläutert Papachryssanthou, in: Actes du Prôtaton, p. 72f. — (29) Zum Datum s. ead., in: Actes du Prôtaton, p. 72 mit Anm. 88. — (30) Vita A, § 45,9 – 49,18, p. 23–25; Vita B, § 17, p. 143f. — (31) Vita A, § 52–54, p. 26f.; Vita B, § 19, p. 144f. Laut Lemerle, in: Actes de Lavra, p. 56 Anm. 6, handelt es sich dabei um das Kellion von Prophurni [τὸ κελλίον τὸ τοῦ Προφοῦρνι], cf. Actes de Lavra, Nr. 57 [1108?] l. 1, p. 298. — (32) Vita Athanasii Athon. A (BHG 187) § 55,3 – 56,8, p. 27f.; Vita Athanasii Athon. B. (BHG 188) § 20,3-20, p. 145f. Zur Problematik der Identifizierung dieses byzantinischen Sieges und seiner Datierung s. unter Leon Phokas (# 24423). Papachryssanthou, in: Actes du Prôtaton, p. 74, datiert Leons Athos-Besuch “vers la fin de 959 ou au début de 960”. — (33) Vita A, § 57, p. 28; cf Vita B, § 21,1-12, p. 146. — (34) Cf. Papachryssanthou, in: Actes du Prôtaton, p. 72 Anm. 88. — (35) Cf. Papachryssanthou, in: Actes du Prôtaton, p. 74f. — (36) Athanasios Athonites, Typikon (BHG 190) 103,17-36 (ed. Meyer); cf. Vita A, § 68–70, p. 32f.; Vita B, § 22,26-50, p. 148f. — (37) Laut Athanasios Athonites, Typikon (BHG 190) 104,1-19, fast zehn Monate vor der Krönung des des Nikephoros I. Phokas zum Kaiser, also Oktober/November 962; laut Vita A, § 72, p. 34, jedoch bald nach dem Tode des Michael Maleïnos im Juli 961. — (38) So z. B. ODB; DO Hagiography Database, Introduction: Gründung 962/63. — (39) Vita A, § 73,3 – 81,2. — (40) Vita A, § 81,2-15; cf. Vita B, § 25. — (41) Vita A, § 79; Vita B, § 25,12f. — (42) Cf. Vita Athanasii Athon. A [BHG 187] § 84–89, p. 39–42, bzw. Vita Athanasii Athon. B [BHG 188] § 26–29, p. 153–159; cf. Prolegomena II 134. — (43) Vita A, § 90,16 – 91,21; Vita B, § 30,14-37. — (44) Vita B, § 33,15-28; cf. Vita A, § 99,22-33. — (45) Cf. Papachryssanthou, in: Actes du Prôtaton, p. 77. Die Datierung hängt an der Datierung des Chrysobulls Actes de Lavra, Nr. 5 (Mai 964), das eine Rückkehr des A. auf den Athos und eine Reise nach Konstantinopel vor Mai 964 voraussetzt. In der Vita A (§ 96,19-23, p. 45) wird als Grund für die Rückreise des A. (neben einer Vision) allerdings angegeben, daß er und Antonios nicht nach Jerusalem hätten reisen können, wie sie es erwogen hätten, weil sie auf dem Festland gegenüber Zypern erfuhren, daß es in Jerusalem antichristliche Ausschreitungen gegeben hatte und der Patriarch von Jerusalem, Ioannes VII. (# 23099), dabei ums Leben gekommen war. Wenn die Vita A hier den tatsächlichen Grund für die Rückreise bewahrt haben sollte, so kann A. erst nach dem 29. Mai 966, dem Todesdatum des Ioannes VII., die Rückreise von Zypern bzw. Pamphylien angetreten haben. Da die Echtheit von Actes de Lavra, Nr. 5, bestritten werden muß (cf. zuletzt Dölger–Müller, Regesten Nr. 706), erscheint es nicht ausgeschlossen, daß auch das Datum Mai 964 falsch ist und sowohl die Rückreise des A. als auch die kaiserlichen Chrysobullia auf eine spätere Zeit, nämlich nach Mai 966, zu datieren sind. — (46) Zur Problematik der Datierung s. vorige Anm. — (47) Vita A, § 102–104; Vita B, § 34,26-36. — (48) S. Kresten, Geleitbrief 68f. mit Anm. 86; Kresten, Arkumenon hapanton 298 Anm. 133; Dölger–Müller, Regesten Nr. 706. — (49) Eventuell handelte es sich auch nur um ein einziges Chrysobull, cf. Dölger–Müller, Regesten Nr. 699a [704]; denn die einzige Quelle für die Dreizahl der Chrysobullia ist ja die zweifelhafte Urkunde Actes de Lavra, Nr. 5, s. vorige Anm. — (50) Cf. Dölger–Müller, Regesten Nr. 699a [704]; Lemerle, in: Actes de Lavra, p. 37f.; Papachryssanthou, in: Actes du Prôtaton, p. 81–83. — (51) Athanasios Athonites, Typikon (BHG 190) 114,35 – 115,1; Vita B, § 34,27-29; cf. Vita A, § 103,34f., p. 50. — (52) Athanasios Athonites, Typikon (BHG 190) 106,35; 114,28. — (53) Athanasios Athonites, Typikon (BHG 190) 117,10. — (54) Athanasios Athonites, Typikon (BHG 190) 119,24-28; cf. Vita A, § 103,35-37; Vita B, § 34,29-31, wo es nur als “Großes Kloster” — μέγα μοναστήριον in Thessalonike bezeichnet wird. — (55) Eine Steuerfreiheit, die einst durch ein Chrysobull des Romanos II. vermutlich dem Andreaskloster von Peristerai geschenkt worden war; Actes de Lavra, Nr. 6. — (56) Athanasios Athonites, Typikon (BHG 190) 107,4-16; 109,3-6. 27-31. — (57) Vita A, § 108,5f.; Vita B, § 35,14-21. — (58) Vita A, § 110; Vita B, § 35,37-50. — (59) Cf. auch die Mitteilung des A. in: Actes d’Iviron, Nr. 6, l. 11f., p. 138, die in der Würdigung der Verdienste des Ioannes Athonites Iber um die Megale Laura nach dem Todes des Kaiser Nikephoros II. durchscheinen läßt, daß A. nach dem Tode des Nikephoros II. keinen direkten Zugang mehr zum Kaiser hatte, sondern auf die Vermittlung des Ioannes Athonites Iber angewiesen war. — (60) Zur Datierung cf. Papachryssanthou, in: Actes du Prôtaton, p. 207. — (61) Cf. Vita A, § 114,12-14; Vita B, § 36,7-9. — (62) Vita A, § 114; Vita B, § 36. — (63) Vita A, § 114,20, cf. § 115,16f.; Vita B, § 36,12f. 32f. — (64) Hafen, Wasserleitung, Kauf von Ochsengespannen und Maultieren, Ackerbau und Weinbau, Vita A, § 114,23-27; Vita B, § 36,13-18. — (65) Vita A, § 114,24f.; cf. Vita B, § 36,15f. — (66) Siehe die Unterschriftenliste (Actes du Prôtaton, Nr. 7, p. 214) und die Anzahl der Schüler, die A. zur Synaxis mitbringen durfte (ibid. l. 27f., p. 210). — (67) Actes du Prôtaton, Nr. 7, § xxiii, l. 137f., p. 213, – wie die Vita B, § 48,33-37, uns unterrichtet, um die von A. erfundene Teigknet-Maschine anzutreiben. — (68) Die chronologische Reihenfolge von Privileg und “Typikon des Tzimiskes” ist nicht unumstritten. Die Viten des A. stellen es so dar, als sei die Verleihung des Privilegs der von Euthymios einberufenen Versammlung auf dem Athos und dem “Typikon des Tzimiskes” vorangegangen: Als Reaktion auf die gegen A. vorgetragenen Beschwerden soll Ioannes Tzimiskes A. in die Hauptstadt bestellt haben, wo dieser ihn jedoch für sich einzunehmen verstand (Vita A, § 116). Und es soll diese Begegnung gewesen sein, bei der A. von Ioannes Tzimiskes die Erhöhung des Solemnions für die Megale Laura von 244 auf 488 Nomismata jährlich erhalten habe (Vita A, § 116,10-15; Vita B, § 36,39-43). Dann sei A. auf den Athos zurückgekehrt, wo seine Gegner ihn um Verzeihung gebeten hätten. A. habe die Verzeihung gewährt, aber, um ähnliche Konflikte in der Zukunft zu vermeiden, den Kaiser um die Entsendung eines Bevollmächtigten auf den Athos gebeten. Daraufhin sei Euthymios auf den Athos gekommen und habe das “Typikon des Tzimiskes” ausgearbeitet. Dieser Reihenfolge der Ereignisse folgen auch Papachryssanthou, in: Actes du Prôtaton, p. 97–99, bzw. Papachryssanthu, Ὁ Ἀθωνικὸς μοναχισμός 258–262, und Dölger–Müller, Regesten Nr. 743. 744. 744a. 745. Da aber nach A.s eigenen Worten (in seiner Schenkung von 984, Actes d’Iviron, Nr. 6, l. 13-15) das Privileg dem Ioannes Athonites Iber zu verdanken war, ist es eher zweifelhaft, daß A. selbst es beim Kaiser erwirkt hat, so daß den Viten eine Unwahrheit zumindest in der Unterschlagung der Rolle des Ioannes Athonites Iber nachzuweisen ist. Angesichts der starken hagiographischen Topik der Viten an dieser Stelle (für ein ähnliches Beispiel s. Pratsch, Topos 368f.), fragt sich aber, ob die Darstellung der Viten nicht noch weitere Unwahrheiten enthält. Da keine andere Quelle die Verleihung des Privilegs vor der Abfassung des “Typikon des Tzimiskes” bestätigt, erscheint es eher unwahrscheinlich, daß Ioannes Tzimiskes die Megale Laura so reich bedacht haben soll, bevor er sich einer gütlichen Einigung auf dem Athos sicher sein konnte. Hier ist daher gegen Papachryssanthou und Dölger–Müller der Ansicht von P. Lemerle (in: Actes de Lavra, p. 43 Anm. 156) gefolgt worden, daß das Privileg erst aus der Zeit nach dem “Typikon des Tzimiskes” stammen kann. Die Viten könnten die Chronologie der Ereignisse verwirrt, eventuell sogar absichtlich verfälscht haben, um die Überzeugungskraft und den Erfolg ihres Heiligen in strahlenderem Licht erscheinen zu lassen. Ob A., wie die Viten es berichten, in direkter Reaktion auf die Vorwürfe vom Kaiser nach Konstantinopel zitiert wurde, läßt sich kaum entscheiden. Für eine solche Anhörung auch der beschuldigten Seite vor dem Kaiser gibt es genügend Beispiele, doch erweckt das “Typikon des Tzimiskes” in seiner kurzen Vorgeschichte (l. 1-13) eher den Eindruck, als seien der Entsendung des Euthymios auf den Athos keine anderen Maßnahmen des Kaisers vorausgegangen. — (69) Actes d’Iviron, Nr. 7 (Januar 985), l. 16f., p. 149. — (70) Cf. Dölger–Müller, Regesten Nr. 744; cf. oben Anm. 68. — (71) Cf. Müller, in: BZ 89 (1996) 409 Anm. 1; Kresten, Arkumenon hapanton 294 Anm. 133; Dölger–Müller, Regesten Nr. 760. Der Umrechnung der zehn Silbertalente in Gold-Nomismata, die Schilbach, Metrologie 173 mit Anm. 5, vornahm, ist wohl nicht zuzustimmen, da die von Schilbach angenommenen 62,5 Gold-Nomismata keine große Steigerung der kaiserlichen Zuwendungen für die Laura dargestellt hätten. Der Fälscher scheint vielmehr die Gewichtseinheit 1 Talent = 1 Kentenarion im Sinn gehabt haben. In diesem Falle ergäben sich 10 Talente Silber = 320 kg Silber, die im Wert 26,67 kg Gold = 83,34 Gold-Litrai = 6000 Nomismata (!) entsprechen würden. Denn der Fälscher schreibt ausdrücklich, daß die Summe zum Unterhalt von 500 Mönchen ausreichen würde, so daß pro Mönch 12 Nomismata zur Verfügung stünden. — (72) Cf. Dölger–Müller, Regesten Nr. 768. — (73) Vita Athanasii Athon. A (BHG 187) § 210,1-9; Vita Athanasii Athon. B (BHG 188) §58,14-21. — (74) Zum Monoxylitu-Kloster s. Lemerle et al., in: Actes de Lavra, p. 131; Papachryssanthou, in: Actes du Prôtaton, p. 88f. — (75) Laut Lemerle, in: Actes de Lavra 20, wahrscheinlich nach 984 abgefaßt; laut Noret, Vitae duae, p. CXXII Anm. 55, auf die Zeit nach dem Document Actes de Lavra, Nr. 10, vom Sept. 993 (Erwerb der zweiten Insel für die Megale Laura, was den Plural “Inseln” in der Diatyposis rechtfertige) zu datieren. Diese Datierung wurde übernommen von Polemes, Kanones 7, und Dennis, in: Monastic Foundation Documents, no. 14, vol. I, p. 271. Einen terminus ante quem dürfte die Ernennung des in der Diatyposis nur als Patrikios und epi tu kanikleiu bezeichneten Nikephoros Uranos zum Domestikos der Scholen des Westens (996) sein. — (76) Die Datierung auf den 5. Juli 1000 findet sich z. B. bei DO Hagiography Database, Introduction; Lemerle, in: Actes de Lavra. — (77) Die Datierung auf den 5. Juli 1001 findet sich z. B. bei Polemes, Kanones 7; Dennis 210. — (78) Vita B, § 66,7-11. — (79) Vita A, § 234,25-27; cf. § 235,8f.; § 237,6-11; Vita B, § 66,20-22; cf. § 67,1-4. Diese Nachricht könnte vielleicht darauf hinweisen, daß A. in einem Hohlraum unter den Trümmern eingeschlossen wurde und erst nach mehreren Stunden an Luftmangel starb. Vielleicht aber wurden sie nur vom Hagiographen erfunden, um den gewaltsamen und somit nicht heiligmäßigen Tod des A. abzumildern und noch mit Zügen des Wunderbaren auszustatten. — (80) Vita A, § 37,46f.; § 240,115; Vita B, § 12,38; § 67.

W: — (Dok.): Athanasios Athonites, Typikon (BHG 190); idem, Diatyposis (BHG 191); idem, Hypotyposis (BHG 190b).

Q: — (Hag.): Vita Athanasii Athon. A (BHG 187); Vita Athanasii Athon. B (BHG 188); Laudatio Athanasii Athon. (BHG 189); Epitome laudationis Athanasii Athon. (BHG 189b); Vita Phantini iun. (BHG 2366z) cap. 39, p. 446–448; Synax. Cpl. 799/800,56-58 (im Cod. Paris. Coisl. 223 von 1301); zu den Hymnen auf A. s. Polemes, Kanones (Edition [1993]); ältere Editionen einzelner Kanones: A. Kominis, Ὑμνογραφικὰ εἰς ὅσιον Ἀθανάσιον τὸν Ἀθωνίτην, in: EEBS 32 (1963) 262–313; A. Kominis, Un canone inedito in onore di Sant’Atanasio l’Atonita, in: Millénaire du Mont Athos 135–143; I. D. Polemes, Δύο ἀνέκδοτοι κανόνες πρὸς τιμὴν τοῦ ὁσίου Ἀθανασίου τοῦ Ἀθωνίτου, ποιήματα Ἰωάννου τοῦ Σγουρῆ, in: Diptycha 5 (1991/92) 149–171. — (Dok.): siehe unter W, ferner: Actes du Prôtaton, Nr. 7 (= “Typikon des Ioannes Tzimiskes” oder auch “Tragos”), bes. l. 3-5, p. 209 (= Meyer, Haupturkunden 141,10-12); l. 27f., p. 210 (= Meyer, Haupturkunden 142,30f.); l. 163, p. 214 (Unterschrift); Actes de Lavra, Nr. 6 (September 974 [3. Indiktion]), l. 2, p. 109; l. 11, p. 110; Nr. 8 (April 989 [2. Ind.; 6497 a. m.]), l. 14f. 18-30, p. 117; Nr. 9 (November 991 [5. Ind., 6500]), p. 120f., bes. l. 7f., p. 121; Nr. 10 (September 993 [7. Ind., 6501 a. m.]) l. 7f. 21-33, p. 124f.; Nr. 12 (Oktober 996 [Ind. 10, 6505 a. m.]) p. 132f., bes. l. 3f.; Actes d’Iviron, Nr. 3 (16. April 982 [Ostern der 10. Indiktion]), l. 30 (Unterschrift [Original]), p. 116; Nr. 4 (Juli 982 [10. Ind.; 6490 a. m.]), l. 70, p. 128 (Unterschrift [Original]); Nr. 5 (Juli 982 [10. Ind.; 6490 a. m.]), l. 44, p. 134 (Unterschrift [Original]); Nr. 6 (Dezember 984 [13. Ind.; 6493 a. m]), p. 138f. passim, bes. l. 1, p. 138 (Unterschrift in der Protage [Original]) u. l. 42, p. 139 (Unterschrift [Original]); Nr. 7 (Januar 985 [13. Ind.; 6493 a. m.), l. 1 (Unterschrift in der Protage [Original]), p. 148; l. 16, p. 149; l. 58 (Unterschrift [Original]), p. 151; rückblickend erwähnt in: Actes de Lavra, Nr. 31 (Chrysobull des Konstantinos IX. Monomachos, Juni 1052 [6560 a.m.], 5. Indiktion), l. 11-20, p. 191; Fälschungen: Actes de Lavra, Nr. 5 (Mai 964 [7. Ind.; 6472 a. m.]), p. 104–106, und Nr. 7 (Juli 978 [6. Ind.; 6486 a.m.), p. 112–114. — (georg.): Synaxarium Euthymii hiberi § 2–3, p. 4f.; Vita Ioannis et Euthymii hiberica § 8, p. 19,8. 11. 23 (Peeters); § 8 [44f.] l. 143. 145. 154, p. 88f. (Martin-Hisard); § 9, p. 20,14f.; 20,21 – 21,3 (Peeters); § 9 [46], l. 169. 175–188, p. 90 (Martin-Hisard); § 11, p. 22,17 (Peeters); § 11 [48], l. 229, p. 91 (Martin-Hisard); § 21, p. 32,7f. (Peeters); § 21 [59], l. 485f., p. 100 (Martin-Hisard); § 58, p. 51,14 (Peeters); § 58 [81], l. 1013f., p. 119 (Martin-Hisard).

L: ODB I 219; LdMA I (1980) 1161f.; Savvides I 144–148 (Muzakes); II 54f.; IV 65; DHGE 4 (1930) 137–177 (Janin); EPLBHC I 443–445; BHG 187-191f.; Beck, Kirche 578f. — Meyer, Haupturkunden 21–29; Lemerle, Vie ancienne; Leroy, Idéal cénobitique; idem, in: AnBoll 82 (1964) 409–429; Kominis, in: AnBoll 82 (1964) 397–407; Lemerle, in: Actes de Lavra 24–30; Mossay, in: AnBoll 91 (1973) 121–132; Papachryssanthou, in: Actes du Prôtaton 69–102; Galavaris, The Portraits of St. Athanasius of Athos, in: Byzantine Studies / Études Byzantines 5 (1978) 96–124; Glossar (griech.) II 346f.; Noret, Vitae duae XIX–CXXIC; idem, in: AnBoll 100 (1982) 545–566; idem, in: AnBoll 101 (1983) 287–293; Kazhdan, in: Byz 53 (1983) 538–544; Noret, in: AnBoll 103 (1985) 243–252; Kazhdan, in: BZ 78 (1985) 50–53; Grumel–Darrouzès, Regestes Nr. 802 (zu Actes de Lavra, Nr. 8); Papachryssanthu, Ὁ Ἀθωνικὸς μοναχισμός 253–268; Morris, Monks 315 (Reg.); DO Hagiography Database, Nr. 91. 92; Vlyssidou, in: Byzantina 21 (2000) 189–198; Dennis, in: Monastic Foundation Documents, vol. I, 205–210; Pavlikianov, Aristocracy 83f.; Dölger–Müller, Regesten Nr. 698. 699a [704]. 705. 706. 743–745. 757b. 760. 768; Noret, in: Atanasio e il monachesimo 47–64; Thomas, in: Atanasio e il monachesimo 65–77; Krausmüller, in: Mullet, Founders 63–86.

P: Eine frühe georgische Vita des A. (eine Übersetzung aus dem Griechischen durch Euthymios Athonites Iber [# 21960]), die Tarchnišvili (p. 147) angenommen hatte, dürfte es nie gegeben haben. Es dürfte sich bei dem in der Quelle (Vita Ioannis et Euthymii hiberica § 24, p. 35,7 [Peeters]; § 24 [63], l. 578, p. 105 [Martin-Hisard]) erwähnten Text um eine Vita des Athanasios von Alexandreia und nicht des A. Athonites gehandelt haben, cf. Noret, Vitae duae CXLVI–CXLVIII; Martin-Hisard, in: Vita Ioannis et Euthymii hiberica 105 Anm. 106.

Angehörige (anonym):

1. Vater 20670A

V: Beide Elternteile A.s sollen von vornehmer Herkunft gewesen sein: τὸ γένος οὐκ ἄσημοι (Vita A, § 5,6, p. 5), ... εὐγενεῖς ... καὶ πλούσιοι καὶ πᾶσι περίβλεπτοι (Vita B, § 2,10f., p. 128). Die Familie des Vaters stammte aus Antiocheia in Syrien: ὁ μὴν πατὴρ ἐξ Αντιοχείας εἷλκε τῆς μεγάλης τὰς τοῦ γένους πηγάς (Vita A, § 5,6-8; Vita B, § 2,8f.). Der Vater starb noch vor der Geburt des A. (Vita A, § 5,17-19; Vita B, § 2,13-15).

Q: — (Hag.): Vita Athanasii Athon. A (BHG 187) § 5,6-8. 17-19, p. 5; Vita Athanasii Athon. B (BHG 188) § 2,7-15, p. 128.

2. Mutter 20670B

V: Die Mutter des A. soll aus Kolchis stammen (τῷ πατρῴῳ γένει Κολχὶς ἀντανίσχει τὸ μητρικόν, Vita A, § 5,10, p. 5; ἡ δὲ ἐκ Κολχίδος τῆς ἐπαινετῆς καὶ θαυμαστῆς πόλεως [sc. εἷλκε τὸ γένος], Vita B, §2,9f., p. 128), d. h. sie oder ihre Familie kam aus Westgeorgien bzw. Lazike. Sie soll ihren Mann nicht lange überlebt haben und bald, nachdem sie ihren Sohn abgestillt hatte, gestorben sein (Vita A, § 5,19-21; Vita B, § 2,15-17).

Q: — (Hag.): Vita Athanasii Athon. A (BHG 187) § 5,10. 19-21, p. 5; Vita Athanasii Athon. B (BHG 188) § 2,7-17, p. 128.

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