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BY-NC-ND 4.0 license Open Access Published by De Gruyter

David

Δαβίδ

Ralph-Johannes Lilie, Claudia Ludwig, Beate Zielke and Thomas Pratsch
EintragstypEntry Type
Person
EintragsspracheEntry Language
DeutschGerman
Personenkennziffer
21440
Klerus / Laie
Klerus
Geschlecht
Mann
Zeit
11. Jh.
Erste Erwähnung
1016
ethnos
Bulgarien
Religion
orthodox
Titel / Beruf
Archiepiskopos (Bulgarien); Patriarches (Bulgarien)
Name normalisiert
David
Ort
Bulgarien; Prespa; Kpl.: Goldenes Tor; Goldenes Tor (Kpl.); Diokleia (Duklja)
Quelle
Skylitzes; Zonaras

T: Archiepiskopos bzw. Patriarch von Bulgarien — ἀρχιεπίσκοπος Βουλγαρίας.

V: Im Jahre 1016 überbrachte D. dem Fürsten Vladimir (# 28434) von Diokleia (Duklja) eine Einladung des bulgarischen Zaren Ivan Vladislav (# 23582). Vladimir begab sich im Vertrauen auf die gegebenen Zusagen nach Prespa, wo er von Ivan Vladislav am 22. Mai 1016 getötet wurde.

Nach dem Tod des Ivan Vladislav im Februar 1018 überbrachte D. Kaiser Basileios II. einen Brief der Gattin des Ivan Vladislav, Maria (# 24944), in dem diese sich bereit erklärte, gegen entsprechende Zusagen des Kaisers Bulgarien zu verlassen. Der Kaiser stimmte dem zu.

Als Kaiser Basileios im Frühjahr 1019 im Triumphzug durch das Goldene Tor nach Konstantinopel einzog, mußte ihm neben Maria und den anderen Bulgaren auch der bulgarische Archiepiskopos vorausziehen. Hierbei dürfte es sich aller Wahrscheinlichkeit nach um D. gehandelt haben, möglicherweise aber auch schon um seinen Nachfolger Ioannes (# 23365).

Q: — (Hist.): Skylitzes, Basileios 38, p. 354,67-70; 41, p. 357,76-78; 43, p. 364,89 – 365,92 (Zusatz, ohne Namensnennung); Zonaras XVII 9, p. 566,2-5.

L: SSS VIII (1991) 17; Fedalto 547. — Gelzer, Achrida 8; Zlatarski, Istorija I/2 723. 731–733; Istorija na Bălgarija II 418; Gautier, Theóphylacte 30; diesem folgend Cheynet, Skylitzès 208 Anm. 219; Božilov–Gjuzelev, Istorija 329. 365. 370; Andreev–Lazarov–Pavlov, Koj koj e 84f.; Nikolov, Centralizăm 155f.; zuletzt J. Iliev, Ochridskijat Archiepiskop Dimităr Chomatian i Bălgarite, Sofia 2010, 53f. (mit weiteren Nachweisen).

P: Gautier, Théophylacte 30 mit Anm. 8 (unter Hinweis auf eine Arbeit von B. Prokić, Prvi ohridski archiepiskop Jovan, in: Glas srpske kraljevske Akademije 88 [1911] 267–303) nimmt an, daß D. mit dem 1018/19 ernannten Ioannes (# 23365) identisch gewesen ist (Jean, appelé aussi David ... Sur cet évêque, que Basile II dépouilla de son titre de patriarche, mais confirma comme archevêque de Bulgarie ...). Tatsächlich ist in der von Michael von Devol geschriebenen Fassung des Skylitzes (in der Edition Thurn unter der Sigle U) an den beiden Stellen David durch Ioannes ersetzt. Aber weder dort noch an anderer Stelle ist von einem Doppelnamen die Rede. Auch der Text des Sigillions von 1019/20 (Dölger–Müller, Regesten Nr. 806, datieren nur auf “vor Mai 1020”) läßt sich u. E. nicht in dem von Gautier (Prokić) angenommenen Sinn interpretieren: Ἐντεῦθεν (gemeint ist: nach der Unterwerfung Bulgariens) οὖν καὶ τὸν εὐλαβέστατον μοναχὸν Ἰωάννην ἀρχιεπίσκοπον Βουλγαρίας ἐκυρώσαμεν εἶναι καὶ τὰ τῇ ἀρχιεπισκοπῇ προσήκοντα παρ᾿ αὐτοῦ ἰθύνεσθαι. Auch wenn ein Archiepiskopos mit Namen David in der Liste der bulgarischen Patriarchen (Gelzer, Achrida 6f.) fehlt, läßt sich kaum sinnvoll postulieren, daß der in dem Sigillion genannte Ioannes mit D. identisch sei. Dafür ist die Liste in jedem Fall zu lückenhaft. Zudem war D. offenbar ein enger Vertrauter des Ivan Vladislav, was ebenfalls gegen eine Ernennung bzw. Bestätigung durch Basileios II. spricht. Daher dürfte es sich wahrscheinlicher um zwei Personen handeln. Man wird wohl davon ausgehen können, daß D. von 1016 oder früher bis 1019 amtierte. Er dürfte auch der in dem Zusatz des Michael von Devol (Sigle U) zur Chronik des Skylitzes genannte Archiepiskopos sein, der dem Kaiser bei dessen feierlichem Einzug nach Konstantinopel zusammen mit den anderen Bulgaren vorausziehen mußte. Ob er danach starb, abgesetzt wurde oder zurücktrat, ist unklar. Sein Nachfolger wurde dann Ioannes. — Natürlich läßt sich auch eine Identät beider nicht mit letzter Sicherheit ausschließen; für diese cf. z. B. Ferluga, in ZRVI 10 (1967) 168, der annimmt, daß Michael den Namen David korrekt durch Ioannes ersetzt habe. Aber woher stammt dann der Name David in der ursprünglichen Fassung? Denkbar wäre ja auch, daß Michael von Devol von der Existenz eines David nichts gewußt hat und ihn daher durch den ihm – auch durch die kaiserlichen Privilegien – bekannten Ioannes ersetzt hat.

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