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Disinios

Δισίνιος

EintragstypEntry Type
Person
EintragsspracheEntry Language
DeutschGerman
Personenkennziffer
21570
Namensvariante
Melitenes: ho Melitenes (Beiname bzw. Toponymikon); Melitinis: ho Melitinis (Variante) s. unter Melitenes
Klerus / Laie
Laie
Geschlecht
Mann
Zeit
10. Jh.
ethnos
Byzanz
Religion
orthodox
Titel / Beruf
Magistros; Richter (Dikazon); Dikazon; Synkletikos (Senatsmitglied); Arzt ?
Name normalisiert
Disinios
Ort
Melitene
Quelle
Vasil'evskij, in: VV 3 (1896) 574–578

N: Beiname (Toponymikon), vermutlich Herkunftsbezeichnung: der von/aus Melitene — ὁ Μελιτινῆς (Titel des Gedichtes)

T: Magistros — μάγιστρος (Titel des Gedichtes).

V: Der Cod. Paris. gr. 1277 überliefert zwei Grabgedichte des Logotheten Symeon (# 27504) in iambischen Trimetern, von denen das erste dem verstorbenen Stephanos Lakapenos (# 27251; † April 963) Worte der Reue über den Sturz seines Vaters Romanos I. in den Mund legt, das zweite aber eine bösartige Invektive gegen einen Magistros “Disinios” ist. Das Gedicht verhöhnt D., vor seinem Aufstieg seinen Lebensunterhalt in verschiedenen Krankenhäusern/Gasthäusern (v. 2: ἐν τοῖς ξενῶσι πανταχοῦ διατρέχων) mit Klistieren verdient zu haben (v. 1). Ob diese Zeilen wörtlich zu verstehen sind und auf eine frühere Tätigkeit des D. als Arzt oder Arzthelfer hinweisen, oder vielleicht einen unklaren metaphorischen Sinn haben, läßt sich nicht erkennen. Dann habe Tyche, der personifizierte Zufall, D. in die Mitte des Senates erhoben (v. 3: ὕψωσεν ἡ τύχη σε συ‹γ›κλήτου μέσον). Die “Schmucklosigkeit/Ruhmlosigkeit” seines Geschlechtes wird erwähnt (v. 4: τοῦ γένους ... τὴν ἀκοσμίαν), so daß wohl anzunehmen ist, daß D. keine berühmten Vorfahren hatte, sondern aus wenig bemerkenswerten Verhältnissen stammte. D. liebe es, Recht zu sprechen, tue dies aber in Unkenntnis des Gesetzes, so daß die ganze Schar der Richter ihn auslache (v. 5f.: φιλεῖς δικάζειν, ἀλλ᾿ ἐν ἀγνοίᾳ νόμου | γελᾷ σε τὸ πλήρωμα τῶν δικασπόλων). Diese zwei Verse weisen darauf hin, daß D. als Magistros und Senatsmitglied ein Amt innegehabt haben muß, das ihn auch richterliche Funktionen ausüben ließ. Das Präsens in diesen Versen veranlaßte E. Kurtz, im Adressaten dieser Verse eine noch lebende Person zu sehen (p. 443: “obwohl dasselbe kein eigentliches Grabgedicht ist, sondern vielmehr ein derbes Spottgedicht auf einen noch Lebenden”). Der Hauptvorwurf, den Symeon dem D. macht, ist der Neid (φθόνος, v. 8), der ihn beherrsche. Das Gedicht endet mit vier Versen, deren Sinn schon E. Kurtz nicht vollkommen klar war (“nicht mit völliger Sicherheit zu erklären”). Sie sprechen jedoch vom Altern bzw. dem Verfall und dem Tod des Angegriffenen.

Q: — (Vers.): “Grabgedicht” des Symeon Logothetes auf D. — ‹Συμεῶνος τοῦ λογοθέτου ἐπιτύμβιοι› εἰς Δισίνιον μάγιστρον τὸν Μελιτινῆς (13 vv.), Incipit: Κλυστῆρσι τὸ πρὶν κοπροπάγ[ος] (κοπραγωγοῖς coni. Kurtz) ἐτρέφου, ed. V. Vasil’evskij, Dva nadgrobnychŭ stichotvorenija Simeona Logofeta [Zwei Grabgedichte des Symeon Logothetes], in: VV 3 (1896) 574–578, bes. p. 578; cf. die Konjekturen von Kurtz, in: BZ 6 (1897) 443.

L: Vasil’evskij, loc. cit.; Kurtz, in: BZ 6 (1897) 442f. (Rez. von Vasil'evskij).

P: Da sonst der Name “Disinios” nirgends belegt ist, stellt sich die Frage, ob es sich um eine Verschreibung (der handschriftlichen Überlieferung) oder um eine bewußte, eine Anspielung enthaltende Verballhornung des Namens handelt und der Angegriffene in Wahrheit Sisinnios hieß. Falls diese Vermutung korrekt sein sollte, käme wohl besonders ein Sisinnios als Identifikationskandidat in Frage: der Magistros Sisinnios (# 27115), der in seiner Funktion als Stadteparch auch als Richter wirkte. Dieser Magistros Sisinnios ist nach 967 nicht mehr bezeugt, so daß auch sein Tod vielleicht noch in die Regierungszeit des Kaisers Nikephoros II. Phokas fiel, in jedem Falle aber in dieselbe Zeit wie Symeons Karriere. — Daß es sich bei D. um den ersten byzantinischen Strategos von Melitene nach der byzantinischen Eroberung Melitenes im Jahre 927 handelte, wie der Herausgeber V. Vasil’evskij annahm, wird man heute verwerfen dürfen, denn bei dem Angegriffenen muß es sich um einen Zeitgenossen und persönlichen Feind des Autors Symeon gehandelt haben.

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