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BY-NC-ND 4.0 license Open Access Published by De Gruyter

Gabriel-Radomir-Romanos

Ῥαδομηρός

Ralph-Johannes Lilie, Claudia Ludwig, Beate Zielke and Thomas Pratsch
EintragstypEntry Type
Person
EintragsspracheEntry Language
DeutschGerman
Personenkennziffer
22032
Namensvariante
Romanos (griech. Name von Gabriel-Radomir); Radomir s. Gabriel-Radomir; Rodomeros (Variante zu Gabriel–Radomir); Rodomir (Variante); Gavril Radomir (Sekundärliteratur); Qumturiyas: al-Qumṭūriyās; Radomeros
Klerus / Laie
Laie
Geschlecht
Beides
Zeit
10. Jh.
Erste Erwähnung
987
ethnos
Bulgarien; Ungarn
Religion
orthodox
Titel / Beruf
bulg.: Zar; Zar (Bulgarien); Diener des Samuel (wohl irrtüml.) = ġulām Samū’il (arab.); Herrscher Bugarien; gulam: ġulām Samū’il (arab.: Diener des Samuel [irrtüml.])
Name normalisiert
Gabriel
Ort
Thessalien; Spercheios (Fluß); Hellas; Peloponnesos; Kleidionpaß (Bulgarien) = Ključ (Bulgarien); Ključ (Bulgarien); Vuteli (Bulgarien); Butele (Bulgarien) = Bitola = Pelagonia; Pelagonia (Bitola); Peteriskon (Bulgarien) = Petriskon (Bulgarien); Petriskon (Bulgarien) = Peteriskon (Bulgarien)
Quelle
Skylitzes; Zonaras; Lupus Protospatarius; Anonymus Barensis; Priester von Diokleia (ed. Šišić); Yaḥyā

N: G. trug zugleich den Namen Romanos: Ῥαδομηρός ὁ καὶ Ῥωμανός. In den Quellen wird er auch Gabriel-Romanos genannt: Γαβριὴλ ὁ καὶ Ῥωμανός. Eine weitere Variante ist Rodomir — Ῥοδομηρός. Die lateinische Namensform lautet Radomirus (Priester von Diokleia). Bei Yaḥyā wird G. al-Qumṭūriyās genannt, wohl in der Bedeutung “der Kometopule”.

T: Bulgarischer Zar (1014–1015). Bei Yaḥyā wird er fälschlich “Diener des Samuel” — arab.: ġulām Samū’il genannt, wohl statt “Sohn des Samuel”.

V: Sohn des Samuel Kometopulos (# 26983). Sein Vater war der jüngste der vier Kometopulen. Die Mutter G.s hieß Agathe (# 20171), außerdem hatte er neben einem Bruder (# 26983A) die Schwester Miroslava (# 25408) sowie zwei weitere anonyme Schwestern (# 26983B). Verheiratet war G. zunächst mit einer Tochter (# 22032A) des ungarischen Königs Stephan I. (# 27204), die er jedoch verstieß, obwohl sie schwanger war, um eine überaus schöne (πανωραία) Gefangene aus Larissa namens Eirene (# 21629) zu heiraten (1). Wie Skylitzes mitteilt, hatte G. zwei Töchter (# 22032B) und fünf Söhne (# 22032C), von denen einer (# 22032D) offenbar sein offizieller Nachfolger war. 

 Laut Skylitzes übertraf G. seinen Vater an Kraft und Körperstärke, war ihm aber an Verstand und Einsicht weit unterlegen (2). 

 Als Samuel wahrscheinlich am 14. Juni 987 seinen älteren Bruder Aaron (# 20003) zusammen mit dessen ganzer Familie tötete, weil dieser angeblich auf der Seite der Byzantiner stand, überlebte allein Aarons Sohn Ivan Vladislav (# 23582), der von G. gerettet worden sein soll (3). 

 G. begleitete seinen Vater auf dem großen bulgarischen Feldzug des Jahres 996, der über Thessalien und Hellas bis auf die Peloponnes führte. Auf dem Rückmarsch trafen die Bulgaren am Fluß Spercheios auf eine byzantinische Armee, die unter dem Befehl des Domestikos der Scholen, Nikephoros Uranos (# 25617), stand. Da beide Seiten durch den Fluß getrennt waren, stellten die Bulgaren keine Wachen auf. Nikephoros fand jedoch eine Furt, setzte überraschend über und bereitete dem bulgarischen Heer eine schwere Niederlage. Samuel und sein Sohn G. sollen sich nur mit Mühe und verwundet nach Bulgarien gerettet haben. Sie konnten angeblich nur deshalb entkommen, weil sie sich unter den Leichen der erschlagenen Bulgaren verbargen. Vermutlich fand diese Schlacht im Herbst/Winter 996 statt (4). 

 In einer weiteren Schlacht am 29. Juni 1014 am Kleidionpaß (Ključ) wurden die Bulgaren wiederum geschlagen, und Samuel konnte sich nur dank der Hilfe seines Sohnes retten. Als er wenig später starb, wurde G. sein Nachfolger als Zar, sollte aber nur wenig mehr als ein Jahr regieren. 

 In einem Zusatz zu Skylitzes wird behauptet, daß G. den byzantinischen Dux Theophylaktos Botaneiates (# 28251) 1014 mit der Lanze getötet habe. Skylitzes selbst spricht nur davon, daß Theophylaktos in einen bulgarischen Hinterhalt geraten und gefallen sei, ohne daß er sich gegen die Steine und Wurfgeschosse habe wehren können (5). 

 G. residierte anscheinend in Pelagonia (heute Bitola, bei Skylitzes: Butele — Βουτέλη), denn Skylitzes berichtet, daß Basileios II. auf dem Rückmarsch von Pelagonia nichts zerstört habe mit Ausnahme des Palastes des G. (τὰ ἐν Βουτέλῃ βασίλεια τοῦ Γαβριήλ), den er habe niederbrennen lassen (6). 

 Nach der byzantinischen Eroberung von Edessa (Vodena), die ca. 1015 stattgefunden haben muß, bot G. Basileios II. brieflich seine Unterwerfung an, was von dem Kaiser jedoch abgelehnt wurde, der im Gegenteil seine Angriffsbemühungen intensivierte (7). 

 Wenig später wurde G. von seinem Vetter Ivan Vladislav auf der Jagd getötet. Ein Zusatz zu Skylitzes präzisiert, daß dies bei Peteriskon bzw. Petriskon geschehen sei (8).

Anmerkungen: — (1) Skylitzes, Basileios 35, p. 350,56-58 (Zusatz zu Skylitzes). — (2) Skylitzes, Basileios 35, p. 349,46-48. — (3) Skylitzes, Basileios 11, p. 329,86-91. — (4) Skylitzes, Basileios 23, p. 341,22 – 342,51; Zonaras XVII 8, p. 559,6-10; zum wahrscheinlichen Datum der Schlacht cf. Strässle, in: BF 26 (2000) 231–254. — (5) Skylitzes, Basileios 36, p. 351,80 (Zusatz zu Skylitzes); verkürzte Darstellung bei Zonaras XVII 9, p. 564,8-12. — (6) Skylitzes, Basileios 36, p. 351,1-4. — (7) Skylitzes, Basileios 37, p. 352,22f.; Zonaras XVII 9, p. 564,15-19. — (8) Skylitzes, Basileios 35, p. 349,52 – 350,55; 38, p. 353,39-43; Zonaras XVII 9, p. 564,9-12; Lupus Protospatarius 57 (a. 1016); Yaḥyā [p. 38f.] p. 406f. (PO 47,4); 13:45, p. 283f. (Pirone).

Q: — (Hist.): Skylitzes; Zonaras — (lat.): Lupus Protospatarius 57 (a. 1016); Anonymus Barensis 148 (a. 1015); Priester von Diokleia (ed. Šišić) cap. 36, p. 336f. — (arab.): Yaḥyā.

L: LdMA IV (1989) 1073f.; Savvides V 224f.; SSS II (1964) 77. — Zlatarski, Istorija I/2 630–735. 817–819; Seibt, Kometopulen, bes. 93; Istorija na Bălgarija II 402–422; Pirivatrić, Samuilova država 121–124; Andreev–Lazarov–Pavlov, Koj koj e 66f.; Nikolov, Centralizăm 134f. 137; Stephenson, Basil 17. 26–28. 30; Strässle, Krieg 558 (Index); Božilov–Gjuzelev, Istorija 326–330.

Angehörige (anonym):

1. Ehefrau 22032A

V: Sie war die Tochter des ungarischen Königs Stephan I. (# 27204) und die erste Ehefrau des G., von dem sie jedoch verstoßen wurde. Angeblich war sie zum Zeitpunkt der Verstoßung von G. schwanger.

Q: — (Hist.): Skylitzes, Basileios 35, p. 350,56f. (Zusatz zu Skylitzes).

2. Zwei Töchter 22032B

V: Als nach dem Tod des Ivan Vladislav im Februar 1018 der bulgarische Widerstand zusammenbrach, begab sich auch Maria (# 24944), die Frau des Ivan Vladislav, zusammen mit ihren Kindern und zahlreichen weiteren Verwandten zu Kaiser Basileios II. Unter diesen Verwandten werden auch zwei Töchter G.s erwähnt.

Q: — (Hist.): Skylitzes, Basileios 41, p. 359,20-26.

3. Fünf Söhne 22032C

V: Als nach dem Tod des Ivan Vladislav im Februar 1018 der bulgarische Widerstand zusammenbrach, begab sich auch Maria (# 24944), die Frau des Ivan Vladislav, zusammen mit ihren Kindern und zahlreichen weiteren Verwandten zu Kaiser Basileios II. Unter diesen Verwandten werden auch fünf Söhne G.s erwähnt.

Q: — (Hist.): Skylitzes, Basileios 41, p. 359,20-26.

4. Sohn 22032D

V: Dieser Sohn wurde, offenbar als einziger, von Ivan Vladislav geblendet, als dieser Gabriel-Radomir und dessen Frau tötete. Das läßt darauf schließen, daß dieser Sohn entweder offen Widerstand leistete oder bereits von G. als Nachfolger nominiert worden war. Wahrscheinlich waren die anderen Söhne noch zu klein, um von Ivan Vladislav als Bedrohung angesehen zu werden.

Q: — (Hist.): Skylitzes, Basileios 41, p. 359,23-26.

L: Pirivatrić, Samuilova država 124.

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