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BY-NC-ND 4.0 license Open Access Published by De Gruyter

Giorgi I. (von Georgien = Sak‘art‘velo)

Ralph-Johannes Lilie, Claudia Ludwig, Beate Zielke and Thomas Pratsch
EintragstypEntry Type
Person
EintragsspracheEntry Language
DeutschGerman
Personenkennziffer
22309
Namensvariante
Georgios (griech.); Gēorgi (arm.); Gorgi (arm.); Ǧirǧis (arab.)
Klerus / Laie
Laie
Geschlecht
Mann
Zeit
11. Jh.
Erste Erwähnung
1014
ethnos
Georgien
Religion
orthodox
Titel / Beruf
Archon Abasgia (griech.) = Herrscher Abchasien; König Georgien ; König Sak‘art‘velo (vereinigtes Georgien) (georg.); Malik al-Abhaz: malik al-Abḫāz (arab.) = König Abchasien; georg.: König Georgien; georg.: König Sak‘art‘velo (vereinigtes Georgien) ; Herrscher Abchasien = König Abchasien = malik al-Abḫāz (arab.) = Archon Abasgia (griech.); georg.: König Abchasien
Name normalisiert
Giorgi
Ort
Georgien = Sak‘art‘velo = vereinigtes Georgien; Sakartvelo: Sak‘art‘velo = (vereinigtes) Georgien; Abasgia (griech.) = Abchasien = Ap‘xazet‘i (georg.) = Westgeorgien; Abchasien = Abasgia (griech.) = Ap‘xazet‘i (georg.) = Westgeorgien ; Westgeorgien = Abasgia (griech.) = Abchasien = Ap‘xazet‘i (georg.) ; Apxazeti: Ap‘xazet‘i = Abasgia, Westgeorgien; Ostgeorgien = K‘art‘li (georg.); Kartli: K‘art‘li (georg.) = Ostgeorgien; Iberia, inneres (griech.) = K‘art‘li (georg.); Tao; Palakacis: Pałakac‘is (See in Vanand); Vanand (Region in Armenien); Sirimni: Širimni (georg. Toponym); Sirimk: Širimk‘ (arm. Toponym); Kura (Fluß) ; Philomelion (Stadt in Phrygien) = al-Filmīl (arab.) ; Filmil: al-Filmīl = Philomelion (Stadt in Phrygien); Trapezunt = Ṭrābzundah (arab.) ; Trabzundah: Ṭrābzundah (arab.) = Trapezunt; Kutatisi: K‘ut‘at‘isi (Stadt in Georgien); Trialeti: T‘rialet‘i (Region in Georgien); Sirimta: Širimt‘a (georg) = Širimni (georg. Toponym) = Širimk‘ (arm. Toponym); Iberien
Quelle
Vita Georgii Athonitae hiberica; Aristakēs Lastivertc‘i; Georgische Chronik (K‘art‘lis C‘xovreba), Sumbat D.; Skylitzes; Zonaras; ‘Aẓīmī; Yaḥyā; Vardan; Georgische Chronik (K‘art‘lis C‘xovreba), Chronik von K‘art‘li; Matthäus von Edessa; Armenische Redaktion der Georgischen Chronik

N: Griech.: Georgios — Γεώργιος; arab.: Ǧirǧis; arm.: Gēorgi bzw. Gorgi.

T: König von Georgien (Sak‘art‘velo) (Mai 1014 – 1027). In den griechischen Quellen heißt er: Herrscher von Abasgia — ὁ ἄρχων Ἀβασγίας, ὁ τῆς Ἀβασγίας ἄρχων (Skylitzes 366,32f.; 377,19). “Abchasien” (Ap‘xazet‘i), womit in dieser Zeit ganz Westgeorgien bezeichnet wird, war nur ein Teil (neben K‘art‘li, d. h. Ostgeorgien bzw. dem “inneren Iberien”) des seit Bagrat III. (# 20740) vereinigten georgischen Königreiches. Da Abchasien in dem vereinigten Reich jedoch noch einige Zeit sein Übergewicht behielt, wurden die Könige von Georgien von ausländischen Quellen (v. a. byzantinischen) teilweise noch als Herrscher von Abchasien bezeichnet; auch in den arabischen Quellen König bzw. von Abchasien — arab.: malik al-Abḫāz (‘Aẓīmī).

V: G. war der Sohn von Bagrat III. (# 20740) von Georgien (Sak‘art‘velo) und der Vater von Bagrat IV. (# 20743) von seiner ersten Frau Maria (# 24943), sowie des späteren Gegenkönigs Demetre (1035–1040. 1047– 1052 [†]) von seiner zweiten Frau Alde (# 20226).  

 G. wurde ca. 995–997 geboren, denn er war im Mai 1014, als sein Vater starb, 19 Jahre alt oder stand im 18. Lebensjahr (1).  

 G. erbte den Anspruch seines Vaters Bagrat III. auf Tao, der dadurch entstanden war, daß einst (vor 988 oder schon vor 978) der Kuropalates David von Tao (# 21432) Bagrat III. adoptiert und damit zu seinem Nachfolger erklärt hatte. Später (989) hatte David sich jedoch byzantinischem Druck beugen müssen und sein Reich testamentarisch dem byzantinischem Kaiser vermacht, der es nach Davids Tod (wahrscheinlich 1000) annektierte, so daß Bagrat III. nicht in den Besitz von Tao gelangte, jedenfalls nicht vom gesamten Tao. Einen Teil von Tao scheint Basileios II. dem Bagrat III. im Jahre 1000 auf Lebenszeit gegeben zu haben (2), doch dürfte Bagrat III. dieses Land nicht als byzantinisches “Lehen”, sondern als ein ihm rechtmäßig zustehendes Erbteil aufgefaßt haben. 

 Als G. nach dem Tode seines Vaters Bagrat III. am 7. Mai 1014 die Herrschaft über Georgien angetreten hatte, erhielt er laut Aristakēs Lastivertc‘i eine Aufforderung des byzantinischen Kaisers Basileios II., alles Land herauszugeben, das sein Vater Bagrat III. nur als byzantinischer Vasall und nur auf Lebenszeit gehalten hatte (3). G. kam dieser Aufforderung nicht nach, so daß ein byzantinisches Heer nach Tao zog, das aber in der Nähe der Stadt Uxt‘ik‘ (georg.: Olt‘i, heute: Oltu) von den Georgiern geschlagen wurde (4). Zu datieren ist diese byzantinische Niederlage auf den Winter 1015/16. 

 Laut Skylitzes löste G. 1021/22 einen byzantinischen Angriff aus. Angeblich hatte er die byzantinische Grenzregion angegriffen, woraufhin Kaiser Basileios II. mit seinem Heer gegen ihn zog. Basileios wurde zunächst durch eine Rebellion in seinem Rücken aufgehalten, die von den Feldherren Nikephoros Xiphias (# 25661) und Nikephoros Phokas (# 25675) unternommen worden war, aber bald niedergeschlagen werden konnte. Angeblich hatten die beiden auch Verbindung mit G. aufgenommen (5).  

 Nach seiner schweren Niederlage am See Pałakac‘is in der armenischen Region Vanand (6) im Herbst 1021 (7), bei der sein Feldherr Rat (# 26805) fiel, flohen G. und sein Adel in die Berge im Landesinneren (8). Von dort nahm G. Verhandlungen mit dem Kaiser auf, stand jede gewünschte Gebietsabtretung zu (τῷ βασιλεῖ ἐκστὰς χώρας ὁπόσης ἐβούλετο), schloß einen Friedensvertrag und stellte seinen Sohn Bagrat IV. als Geisel (9). 

 Die arabischen Quellen berichten über zwei Phasen der Unterwerfung des G. durch Basileios II., eine erste 1021 und eine zweite nach der Überwinterung der Byzantiner in Trapezunt 1022. Laut Yaḥyā wurde die Expedition des Basileios gegen die Georgier anfänglich dadurch ausgelöst, daß G. mit dem fāṭimidischen Kalifen al-Ḥākim (# 22544) Kontakt aufgenommen hatte, um mit ihm ein Kriegsbündnis gegen die Byzantiner zu schließen. Darauf habe Basileios vorgegeben, einen Kriegszug gegen Syrien zu unternehmen, sei aber tatsächlich nach Philomelion (al-Filmīl) gezogen, um von dort aus einen Kriegszug gegen G. vorzubereiten. Al-Ḥākim kam inzwischen als Bündnispartner für G. nicht mehr in Frage, da er gerade zu jenem Zeitpunkt, als Basileios nach Philomelion kam, auf mysteriöse Weise verschwand (am 13. Februar 1021). Im folgenden berichtet Yaḥyā, daß Basileios II. G. in die Flucht geschlagen und alle Städte und Dörfer in der Umgebung bis auf diejenigen zerstört habe, die im Umkreis des Flusses (Kura) lagen, zu denen G. sich zurückgezogen hatte und die von der byzantinischen Armee nicht erreicht werden konnten. Danach habe sich Basileios II. zur Überwinterung des Heeres nach Trapezunt (Ṭrābzunda) begeben, wo er eine Flotte gegen Abchasien rüstete. Ein Gesandter (# 31988) des G. sei aber dem byzantinischen Angriff zuvorgekommen und habe eine Entschuldigung für das Verhalten des G. vorgebracht. Dieser habe sich nun bereit erklärt, sämtliche Festungen und alle Gebiete, die seinem Onkel David gehört hatten, Byzanz zu übergeben und seinen Sohn Bagrat als Geisel zu stellen. Basileios II. willigte ein und entsandte zusammen mit dem Gesandten des G. eine Anzahl von Würdenträgern und Richtern, die G., den Katholikos, alle Bischöfe und andere wichtige Georgier schwören lassen sollten, daß sie die Bedingungen der Byzantiner respektierten. Danach habe sich Basileios II. selbst auf den Weg nach Abchasien gemacht, um die versprochenen Festungen zu übernehmen und Bagrat als Geisel in Empfang zu nehmen. Die Schwüre der Abchasen stellten sich aber bald als List heraus, denn als G. vom Aufstand der beiden Rebellen Nikephoros Xiphias (# 25661) und Nikephoros Phokas (# 25675) gegen Basileios erfuhr, zog er seine Versprechungen zurück, woraufhin Basileios G. als Einschüchterung den Kopf des inzwischen ermordeten Nikephoros Phokas geschickt habe und mit einem Heer nach Abchasien gezogen sei, wo er G. besiegte. Daraufhin habe sich G. dem Kaiser unterworfen und ihm zugesichert, die zuvor getroffenen Abmachungen, also die Übergabe der Festungen und seines Sohnes Bagrat als Geisel, einzuhalten (10). 

 Zwischen 1022 und 1025 stiftete Basileios II. der Kirche von Oški in Tao ein neues Dach, was bedeutet, daß auch Oški zu den Gebieten gehörte, über die Basileios II. die byzantinische Herrschaft sichergestellt hatte (cf. Djobadze, Monasteries 140). Dem georgischen König G. blieb also nur ein kleiner Teil von Tao (nur nördlich und östlich der Flüsse Oltu und Čorox bzw. Čoroḫ [türk.: Çoruh], s. dazu die Karte bei Thierry, in: REGC 2 [1986] 167). Damit wurde die byzantinische Grenze bis ins Kuratal erweitert. 

 G. starb am 16. August 1027 in Mquinvar[n]i in der Region T‘rialet‘i (11). Er wude in K‘ut‘at‘isi beigesetzt (12).

Anmerkungen: — (1) Cf. die unterschiedlichen Übersetzungen von: Georgische Chronik (K‘art‘lis C‘xovreba), Sumbat D., § 56 [Ar53; Qx383], p. 363 (Rapp); p. 475 (Pätsch). — (2) Cf. Aristakēs Lastivertc‘i, cap. 1, [25] p. 7 (Canard–Berbérian). — (3) Aristakēs Lastivertc‘i, cap. 1, [25] p. 8 (Canard–Berbérian). Diese Aufforderung erhielt G. eventuell erst im Jahr 1015, cf. Dölger–Müller, Regesten Nr. 799a [801] (Beihammer). — (4) Aristakēs Lastivertc‘i, ibidem. — (5) Skylitzes, Basileios 45, p. 366,32 – 367,70. — (6) Skylitzes, Basileios 44, p. 367,54-61; Zonaras XVII 9, p. 568,1-5; in der Georgischen Chronik (Chronik von K‘art‘li) und ihrer armenischen Übersetzung (p. 281f. Thomson) wird der Ort als Širimni (georg.) bzw. Širimk‘ (arm.) angegeben, was laut Thomson (p. 281 Anm. 45) “die Gräber” bedeutet. Dieser Name könnte dem Ort erst nach und wegen der Schlacht gegeben worden sein. Bei dem georgischen Historiker Sumbat Davit‘isdze heißt der Ort Širimt‘a (Georgische Chronik, Sumbat D., § 58). — (7) Laut Skylitzes, Basileios 45, p. 367,57-59, am 11.9.1022; Aristakēs Lastivertc‘i, cap. 2, [29f.] p. 13 (Canard–Berbérian), zufolge jedoch vor der Überwinterung Basileios’ II. am Pontos, also noch im Herbst 1021; so auch der georgische Historiker Sumbat Davit‘isdze und die Chronik von K‘art‘li (Georgische Chronik, Sumbat D., § 58f., [Ar54; Qx383]; Chronik von K‘artli [Qx284f.]). — (8) Skylitzes 367,60f.: εἰς τὰ ἐνδότερα ὄρη τῆς Ἰβηρίας; Zonaras XVII 9, p. 568,4f.; Georgische Chronik, Chronik von K‘art‘li: nach T‘rialet‘i. — (9) Laut Skylitzes, Basileios 45, p. 367,62-64; Zonaras XVII 9, p. 568,4-8. — (10) Yaḥyā [p. 90–101] p. 458–469 (PO 47,4); 15:24–27; 29f.; 36–39, p. 322f.; 324. 326f. (Pirone); ‘Aẓīmī 325,3f.; 326,4f.; Yaḥyā datiert die zweite Phase der Georgien-Expedition bis zum Abzug des Basileios aus Abchasien wohl fälschlich erst in das Jahr 414 a. h. (26.3.1023 – 14.3.1024) und gibt anders als die anderen Quellen an, daß eine Vereinbarung getroffen wurde, nach der G. seinen Sohn Bagrat erst wieder sehen sollte, nachdem dieser zwei Jahre im Kaiserpalast in Konstantinopel verbracht haben würde; cf. Forsyth, Yahya 314. ‘Aẓīmī berichtet vom ersten Angriff auf G. unter dem Jahr 412 a. h. (17.4.1021 – 5.4.1022) und fügt hinzu, daß G. dem Kaiser S.n.ğār (# 26911), die Tochter des Königs von Vaspurakan (Senek‘erim-Yovhannēs [# 27008]), die seine Kriegsgefangene gewesen sei, geschenkt habe. Unter dem Jahr 414 a. h. (wahrscheinlich falsche Übernahme von Yaḥyā) berichtet ‘Aẓīmī dann vom Sieg des Basileios über Nikephoros Xiphias und Nikephoros Phokas sowie über den erneuten Angriff auf G. und die Kriegsgefangenschaft von dessen Sohn Bagrat IV. — (11) Georgische Chronik (K‘art‘lis C‘xovreba), Sumbat D., § 65 [Ar58; Qx385], p. 366 (Rapp): am 16. August des Chronikon 247 (= 1027). Sein Sohn und Nachfolger Bagrat IV. war zu diesem Zeitpunkt bereits seit zwei Jahren wieder aus Konstantinopel zurückgekehrt und war neun Jahre alt, als er die Thronfolge antrat (ibidem). Yaḥyā verkürzt, indem er schreibt, G. sei, kurz nachdem Bagrat aus byzantinischer Gefangenschaft zurückgekehrt war, gestorben: Yaḥyā [p. 114–117] p. 482–485 (PO 47,4); 15:73, p. 337 (Pirone). Eine falsche Datierung des Todes auf das Jahr 471 der armenischen Ära (16.3.1022 – 15.3.1023) gibt Matthäus von Edessa I, cap. 55, p. 50 (Dostourian). — (12) Georgische Chronik (K‘art‘lis C‘xovreba), Sumbat D., loc. cit.

Q: — (Hist.): Skylitzes; Zonaras. — (arm.): Aristakēs Lastivertc‘i, cap. 1, [25] p. 7f. (Canard–Berbérian); cap. 2, [27–30] p. 10–13 (Canard–Berbérian); cap. 4, [36–39] p. 21–25 (Canard-Berbérian); Vardan, cap. 52 [92f.], p. 190f. (Thomson); Matthäus von Edessa I, cap. 55, p. 50 (Dostourian); Armenische Redaktion der Georgischen Chronik, [Ab110–111] p. 280–285 (Thomson). — (georg.): Vita Georgii Athonitae hiberica § 4, p. 80,24 (Peeters); § 4, [110] p. 37, l. 186f. (Martin-Hisard); Georgische Chronik (K‘art‘lis C‘xovreba), Sumbat D., § 56–65 [Ar53–58; Qx383–385], p. 363–366 (Rapp); p. 475–479 (Pätsch); Georgische Chronik (K‘art‘lis C‘xovreba), Chronik von K‘art‘li, cap. 51 und bes. 52 [Qx283–291], p. 281–286 (Thomson); p. 359–365 (Pätsch). — (arab.): Yaḥyā; ‘Aẓīmī.

L: Savvides V 285f. — Peeters, in: Vita Georgii Athonitae hiberica, p. 80 Anm. 3; Toumanoff, Manuel 22.2, p. 121; G II. a., p. 545; Felix, Byzanz 71–73. 136f.; Bianquis, Damas et la Syrie 398f.; Juzbašjan, Arm. gosudarstva 142–149; Dölger–Müller, Regesten Nr. 799a. 810. 811. 814. 814a. 815. 816; Rapp, Georgian Historiography 400; Halm, Kalifen 311; Martin-Hisard, in: REB 64–65 (2006–2007) 20f.

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