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BY-NC-ND 4.0 license Open Access Published by De Gruyter

Gregorios Tarchaneiotes

Γρηγόριος

Ralph-Johannes Lilie, Claudia Ludwig, Beate Zielke and Thomas Pratsch
EintragstypEntry Type
Person
EintragsspracheEntry Language
DeutschGerman
Personenkennziffer
22438
Namensvariante
Tarchaneiotes (Familienname); Trachaniotus (lat. Variante); Trachaniotes (Variante); Trachaneotes (Variante); Trachamoti (Variante); Trachamonti (Variante); Chanioti (Variante)
Klerus / Laie
Laie
Geschlecht
Mann
Zeit
10. Jh.
Erste Erwähnung
998
ethnos
Byzanz
Religion
orthodox
Titel / Beruf
bas. Protospatharios und Katepano Italias; Katepano Italias
Name normalisiert
Gregorios
Ort
Italien: Apulien; Venedig (Italien); Bari (Apulien); Montecassino (Kloster); Montecassino (Latium); Ascoli (Apulien) = Ascoli Satriano; Tricarico (Unteritalien); Acerenza (Unteritalien); Tolve (Unteritalien); Gravina (Italien); Italien: Gravina; Italien: Acerenza; Unteritalien; Süditalien; Italien: Tolve; Italien: Latium; Italien: Venedig; Arsaphiakloster (Kalabrien); Kloster: Arsaphia (Kalabrien)
Quelle
Johannes Diaconus, Cronaca Veneziana; Dandolo, Chron. Venet.; Catalogue I; Trinchera; Guillou–Holtzmann; Lupus Protospatarius; Anonymus Barensis; Leccisotti, colonie cassinesi; Beltrani, Documenti; Oikonomides, Dated Seals; SSig

N: Familienname: Tarchaneiotes — Ταρχανειώτης bzw. Trachaneiotes — τραχανιώτης, τραχανηωτης u. ä. (laut Guillou, in: Holtzmann–Guillou 17, handelt es sich bei der Form Trachaneiotes [und ähnlichen Varianten, die mit trach... beginnen] um eine Fehllesung von Trinchera). Allerdings bieten auch die Siegel (Τραχανιώτης), Lupus Protospatarius (Trachamoti), der Anonymus Barensis (Trachamonti bzw. Trachamoti und einmal sogar Chanioti) und Beltrani, Documenti (Τραχανιώτης bzw. Trachianota) ähnliche Lesungen.

T: Basilikos Protospatharios und Katepano von Italien — βασιλικὸς πρωτοσπαθάριος καὶ κατεπάνω Ἰταλίας.

V: G. amtierte als Nachfolger des Ioannes Amiropulos (# 23162) seit Herbst 998 (nach dem 1. September: Lupus Protospatarius 56; Anonymus Barensis 148) als Katepano in Unteritalien.

In dem ersten Jahr seiner Amtszeit belagerte G., wie der Anonymus Barensis mitteilt, Gravina und nahm (den Aufrührer?) Theofilacto (# 28006) gefangen. Außerdem bestätigte er noch im Jahre 998 dem Hegumenos Nikolaos (# 26128) den Besitz eines dem Kloster geschenkten Dorfes (Chorion).

Im November 999 schenkte G. dem Christophoros Bochomakes (# 21304) und dessen Sohn, dem Mönch Theophilos (# 28164), als Dank für die Tätigkeit des Christophoros im Dienste des Reiches und besonders in den Kämpfen gegen die Araber das Petroskloster in Tarent mitsamt den Rechten und Besitzungen des Klosters, darunter drei Schiffen und verschiedenen Fischteichen. Die beiden sollten diesen Besitz auf Lebenszeit nutzen dürfen. Zugleich versprach G., daß er sich beim Kaiser dafür einsetzen werde, daß dieser die Schenkung durch ein Chrysobull bestätige (Falkenhausen, Dominazione 187f. [Regest Nr. 28]).

Im Dezember 999 entschied G., der hierbei von einer ganzen Reihe von Beisitzern unterstützt wurde, in einem Gerichtsverfahren zugunsten des Klosters Montecassino über den Besitz eines Hauses in Ascoli (Apulien), das von Muscatus (# 25455), einem Prior des Klosters, dem Kloster widerrechtlich entzogen und verkauft worden war (Falkenhausen, Dominazione 188 [Regest Nr. 29]).

Ebenso bestätigte er im Februar 1000 dem Kloster nach einer Überprüfung weitere Besitzungen in Unteritalien (Falkenhausen, Dominazione 188f. [Regest Nr. 30]).

Im Winter 1001/1002 stellte er nach dem Sieg über den Renegaten Lukas (# 24780) und nach der endgültigen Vertreibung aus dessen Schlupfwinkel Petrapertusa (Πετραπερτούσα, heute Pietrapertosa in der Basilicata) die alten Grenzen zwischen den Ortschaften Tricarico und Acerenza wieder her, nachdem der alte Grenzverlauf durch eine Kommission aus Untergebenen G.s und aus Einwohnern der Tricarico benachbarten Ortschaft Tolve festgestellt worden war (Falkenhausen, Dominazione 189 [Regest. Nr. 31]).

Wohl im September 1002 wehrte er, zusammen mit der venezianischen Flotte unter dem Befehl des Dogen Petrus II. Orseolus (# 26566), einen arabischen Angriff auf Bari ab, der wiederum von dem Renegaten Lukas unternommen worden war.

Zu den von ihm zwischen 998 und 1002 erlassenen Verfügungen s. Falkenhausen, Regesten Nr. 26–31, p. 187–189.

Im Jahre 1003 nahm er den Aufrührer Smaragdus (# 27138) gefangen, der 997 in Oria (Apulien) den Exkubitor Theodoros (# 27884) getötet hatte.

Laut dem Anonymus Barensis verließ G. im Jahre 1006 Unteritalien und wurde durch Alexios Xiphias (# 20246) ersetzt: Descendit Xifea Catepano; et Chanioti perrexit.

Q: — (Dok.): Trinchera Nr. X–XII, p. 9–12 (= Leccisotti, colonie cassinesi, Nr. XIX, p. 65–67); außerdem erwähnt in: Nr. XIV, p. 14 (Oktober 1011); Nr. XVII, p. 18 (Erwähnung in einem – zweifelhaften – Privileg von 1018); Guillou–Holtzmann Nr. I, p. 18,13f.; 19,53-60; Beltrani, Documenti Nr. 9, p. 11–13. — (lat.): Johannes Diaconus, Cronaca Veneziana 165,18-21; 166,7-11; 167,9-11 (Monticolo); IV 66. 68 (Berto); Dandolo, Chron. Venet. 202,1-4; Lupus Protospatarius 56 (a. 999. a. 1000); Anonymus Barensis 148 (a. 999. a. 1003. a. 1006). — (Sg.): Catalogue I 2.4 (ca. 1000): Γρηγόριος βασιλικὸς πρωτοσπαθάριος καὶ κατεπάνω Ἰταλίας ὁ Τραχανειώτης. Ein ähnliches Siegel von einem anderen Bulloterion mit identischem Text ist Oikonomides, Dated Seals 73 = SSig 212f.,3 (Februar 1000).

L: LdMA VIII (1997) 470. — Pochettino, Langobardi 400; Holtzmann–Guillou 17; Borsari, Monachesimo 62; Falkenhausen, Dominazione 53 mit Anm. 10; 87f. (Nr. 35); 187–189 (Regesten Nr. 26–31); 193 (Regest. Nr. 40). — Zu den Siegeln cf. Leontiades, in: SBS 3 (1993) 41.

P: Die Schenkung des Petrosklosters (Falkenhausen, Regest Nr. 28) ist ein relativ frühes Beispiel für das Institut des Charistikion (Übertragung kirchlichen Besitzes an Laien), das zwar schon seit mindestens dem 8. Jh. bekannt war, in größerem Umfang jedoch erst ab dem 11. Jh. in Byzanz gebräuchlich wurde, cf. ODB I 412f. — Das Datum der Belagerung Baris wird von den verschiedenen Quellen unterschiedlich angegeben: zwischen 1001 und 1004. Ebenso geben einige lateinische Quellen an, daß die Belagerung bis in den Oktober hinein gedauert habe. Laut Lupus Protospatarius wurde sie am Festtag des hl. Lucas (18.10.) aufgehoben, was Falkenhausen, Dominazione 53 mit Anm. 10, zu der Vermutung verleitet, daß dieses Datum irrtümlich aus dem Namen des Belagerers abgeleitet worden ist. — Möglicherweise ist er der ohne Namensnennung angeführte Katepano, dessen Kinder (# 30555) ein Landgut (προάστειον) besaßen, für das sie dem Arsaphiakloster (Kalabrien) abgabepflichtig waren; Näheres s. unter # 30555.

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