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BY-NC-ND 4.0 license Open Access Published by De Gruyter

Ioannes I. Tzimiskes

Ἰωάννης

Ralph-Johannes Lilie , Claudia Ludwig , Beate Zielke and Thomas Pratsch

N: Beiname: Tzimiskes — Ἰωάννης, ὃν κικλήσκουσι Τζιμισκῆν (Leon Diakonos, Historia III 2, p. 37,12) oder auch Tzimisches — Ἰωάννης ὁ Τζιμισχῆς (Nikon vom Schwarzen Berg, Taktikon). Laut Leon Diakonos, Historia V 9, p. 92,2-5, soll der Beiname Τζιμισκῆς aus dem Armenischen kommen und dem griechischen μουζακίτζης (von kleiner/kurzer Statur) entsprechen, da I. ausgesprochen klein gewesen sei. Vermutlich handelt es sich jedoch nicht um ein individuelles Attribut, sondern um einen Familiennamen (oder um einen in der Familie von mehreren Personen geführten Beinamen), denn Stephan von Taron nennt ihn einmal den “Enkel des Č‘mškik” (1). Bei Matthäus von Edessa (I, cap. 8, p. 21f.; cap. 17f., p. 27f. [Dostourian]), wird er u. a. Č‘mškik genannt. Dieses armenische Č‘mškik könnte auf einen Ortsnamen zurückzuführen sein (s. unter V und Anm. 4). Andererseits besteht die Möglichkeit, daß es sich bei diesem Beinamen um das Diminutiv von arm.: č‘mušk (“Halbschuh, Stiefel”, also “Stiefelchen”), handelt, und somit doch eine Anspielung auf seine geringe Körpergröße vorliegt. — Arm.: Kiwṙ Žan (Kiuṙ Žan, für κῦρ Ἰωάννης (Stephan von Taron), als Varianten dazu Kiwržan (Matthäus von Edessa) und Kiṙžan (Kirakos) (2). Arab.: Ibn aš-Šumušqīq bzw. Abū s-Sumusqīn (Ibn Ḥayyān, Ibn al-Aṯīr; Abū Šuğā‘; Dawādārī); as-Sumusq (al-Makīn; Bar Hebr., Muḫtaṣar) und Yānis b. aš-Šumušqīq (Yaḥyā; Kamāladdīn) bzw. Ibn aš-Šumīqīq (Sibṭ b. al-Ǧawzī). Abū Firās bezeichnet ihn als Enkel (sibṭ) des Tzimiskes (3), bei dem es sich wiederum um Theophilos Kurkuas (# 28152) handeln dürfte (s. unter diesem). In lateinischen Quellen wird der Name verstümmelt überliefert, s. z. B. Chron. Salernitanum 174, p. 177,12: una cum Iohanne Similchi. Variante altruss.: Ivan Cěmskij; in der Nestorchronik 72,21; 60,27 wird nur der Beiname genannt, allerdings liegt an dieser Stelle – zumindest in der Laurentius-Handschrift – eine Verwechslung mit dem eigentlich gemeinten Konstantinos Porphyrogennetos vor.

T: Magistros und Strategos des Anatolikon (Skylitzes); Magistros und Domestikos des Ostens — Δομέστικος τῆς Ἀνατολῆς, arab.: dumustuq (Ibn Ḥayyān, Dawādārī); Patrikios bzw. Heerführer — arab.: biṭrīq. Kaiser bzw. Basileus (11.12.969 – 10.1.976) — βασιλεὺς Ῥωμαίων (in seiner Unterschrift, in: Actes du Prôtaton, Nr. 7, l. 162); Autokrator (Siegel). Laut einer (sicherlich falschen) Mitteilung bei Michael Psellos, Historia Syntomos 105, p. 102,43-46, wurde er unter seinem Vorgänger Nikephoros II. Phokas Logothetes des Dromos. Michael syr. III 123 sieht in ihm fälschlicherweise den direkten Nachfolger des Ioannes Kurkuas (# 22917). Arm.: t‘agawor Yunac‘ (König der Griechen, Matthäus von Edessa I, cap. 18, p. 28), t‘agawor Hoṙomoc‘ (König der Rhomäer, Matthäus von Edessa I, cap. 17, p. 27).

V: I. wurde ca. 925 geboren. Den armenischen Historikern Samuel von Ani und Matthäus von Edessa zufolge stammte er aus dem Dorf (arm.: tełi) Č‘mškacagk‘ in der Region (arm.: gawaṙ) Chozan. Falls diese Angabe korrekt ist, handelt es sich bei dem Beinamen I.s um ein Toponymikon (4). Laut Michael syr. III 132 lag I.s Heimat im Gebiet von Melitene, wo er zahlreiche Besitzungen besessen habe. Die griechischen Quellen geben das Thema Armeniakon als Herkunftsgebiet an.

I. war ein Enkel des Theophilos Kurkuas (# 28152) und ein Neffe des Nikephoros II. Phokas (# 25535). Seine Mutter war die Schwester (# 20343C) des Nikephoros. Seine erste Frau Maria (# 24924) war die Schwester des Bardas Skleros (# 20785); rund ein Jahr nach seiner Thronbesteigung heiratete er in zweiter Ehe Theodora (# 27604), eine Tochter Konstantinos’ VII. Er hatte einen Schwager namens Romanos Balantes (# 26851).

Zu seinem Aussehen und Charakter s. Leon Diakonos, der ihn als klein, aber gutaussehend und von großer Körperkraft schildert. In einem Schmähgedicht des Abū Firās wird I. als mutigste Person seiner Familie beschrieben (5).

Karriere:

Die militärische Karriere des I. begann wohl in den späten 40er Jahren des 10. Jh.s. In den 50 und 60er Jahren erhielt er immer höhere Kommandos, bis er unter Nikephoros II. Phokas (963–969) in Ungnade fiel.

Laut einer armenischen Quelle nahm er 949 auf einem Feldzug unter dem Kommando seines Großvaters Theophilos Kurkuas an der Eroberung der Stadt Theodosiupolis (Qālīqalā) teil und zeichnete sich dabei durch seine Tapferkeit aus (6).

Laut den arabischen Quellen überfiel I. im Jahr 345 a. h. (15.4.956 – 3.4.957) zusammen mit dem Domestikos Leon Phokas (# 24423) in der Gegend von Melitene auf einem Bergpfad (Darb Ḫayyāṭīn) den Ḥamdāniden Sayfaddawla (# 26998). Dieser hatte kurz zuvor die Festung Tall Biṭrīq eingenommen und die dort stationierten Truppen des I. besiegt, der selbst fliehen konnte. In diesem Zusammenhang bezeichnen die arabischen Quellen die Ortschaft Aškūniyya (Arškeni) als Sitz des I., von wo er sich vor dem heranrückenden Sayfaddawla in die Festung Tall Biṭrīq zurückgezogen habe. Ob Aškūniyya der (private) Wohnsitz des I. war und vielleicht im Zentrum der Besitzungen seiner Familie lag, oder ob er sich dort im Rahmen seiner militärischen Aufgaben aufhielt, läßt sich nicht mehr sagen. Nachdem sich Sayfaddawla dann am 24. Mai auf den Rückzug gemacht hatte, wurde er auf dem Bergpfad von den Byzantinern überfallen, und es kam zu einer heftigen Schlacht, bei der die Ḥamdāniden siegten und angeblich 4.000 Byzantiner töteten. Unter den Getöteten befanden sich u. a. der Schwager des I., Romanos Balantes (# 26851). Gefangengenommen wurde auch ein gewisser Q.l.mūṭ (# 26788). Danach zog Leon Phokas gegen den ḥamdānidischen Heerführer Abū l-‘Ašā’ir (# 20040), den Sayfaddawla in Teluch (Dulūk) zurückgelassen hatte, damit er dort ein Militärlager aufbaue. Abū l-‘Ašā’ir wurde besiegt, gefangengenommen und nach Konstantinopel gebracht (7).

Im Jahr 347 a. h. (25.3.958 – 13.3.959) marschierte I. in die von Sayfaddawla (# 26998) kontrollierte Provinz Diyār Bakr und belagerte Amida, Martyropolis und andere Festungen, so z. B. Ḥisn al-Yamanī. Sayfaddawla entsandte seinen Heerführer Naǧā (# 25487) mit einem Heer von 10.000 berittenen Soldaten, welches jedoch von I. besiegt wurde. Angeblich nahmen die Byzantiner ungefähr 3.000 Mann gefangen (8).

Noch in demselben Jahr eroberten I. und der Parakoimomenos Basileios (# 20925) Samosata (Sumaysāṭ), danach belagerten sie Rhobam (Ra‘bān). Im Ša‘bān 347 a. h. (18.10. – 15.11.958) besiegten sie Sayfaddawla und machten eine große Anzahl von Gefangenen, unter denen sich auch Familienmitglieder des Sayfaddawla befanden. Laut Yaḥyā wurden 1.700 Berittene gefangengenommen und nach Konstantinopel gebracht, wo sie auf ihren Pferden und bewaffnet durch die Straßen geführt wurden. Die griechischen Quellen nennen bei diesem Feldzug nur den Parakoimomenos Basileios (# 20925) als Feldherrn und erwähnen I. nicht (9).

Den syrischen Quellen zufolge wurde I. von Kaiser Romanos II. neben Nikephoros Phokas zum Oberbefehlshaber gegen die Araber ernannt. Da Nikephoros 960/61 die Eroberung Kretas leitete und sich demzufolge auf der Insel aufhielt, dürfte I. zumindest in diesem Zeitraum die byzantinischen Operationen an der byzantinisch-arabischen Landgrenze geleitet haben (10).

Auch bei der Eroberung Aleppos im Dezember 962 durch Nikephoros Phokas bzw. bei den der Eroberung vorausgehenden byzantinisch-ḥamdānidischen Kämpfen soll I. laut den arabischen Quellen beteiligt gewesen sein, obschon die Details unterschiedlich und teilweise widersprüchlich geschildert werden. Zunächst sind sich die Quellen aber darin einig, daß der Vorstoß der Byzantiner nach Aleppo im Ḏū l-Qa‘da 351 a. h. (1.–30.12.962) für Sayfaddawla völlig überraschend kam, was wohl damit zusammenhängt, daß die byzantinischen Heere normalerweise nicht in den Wintermonaten angriffen. Laut Šimšātī wurde Sayfaddawla, der seinen Kommandeur Naǧā (# 25487) mit 3.000 Mann den Byzantinern entgegensandte und selbst vor dem Judentor an der nördlichen Stadtmauer Aleppos spontan ein Heer versammelte, von den Truppen des I. umzingelt und geschlagen (11). Bei Yaḥyā wird von einem Zusammentreffen des I. und des Naǧā bei A‘zāz (‘Azāz) berichtet, bei dem die Byzantiner siegten. I. habe mit dem Schwert auf Naǧā eingeschlagen, worauf dieser flüchtete und in Richtung des Heerlagers von Sayfaddawla zog, um dem herannahenden Nikephoros von hinten den Weg abzuschneiden. Die Idee wäre laut Yaḥyā gewesen, daß Sayfaddawla mit den restlichen Soldaten und den Stadtbewohnern in Aleppo blieb, so daß Nikephoros bei seiner Ankunft von zwei Seiten hätte überrascht und in die Flucht geschlagen werden können. Doch als sich Nikephoros der Stadt näherte, sei Naǧā von einer solchen Furcht ergriffen worden, daß er kehrt machte. Sayfaddawla dagegen habe sich außerhalb der Stadtmauer beim Judentor aufgehalten, wohin ihm um die 10.000 Stadtbewohner zu Hilfe geeilt seien. I. habe Sayfaddawla geschlagen, worauf dieser nach Barbalissos (Bālis) geflohen sei. I. habe ihn verfolgt und bei einem Dorf namens Sab‘īn eingeholt und besiegt. Bei dieser Schlacht hätten die Byzantiner angeblich Tausende von gegnerischen Soldaten getötet. Am 18. Ḏū l-Qa‘da 351 a. h. (18.12.962) näherten sich die Byzantiner dann Aleppo (12).

Als nach dem Tod Kaiser Romanos’ II. am 15. März 963 ein Machtkampf zwischen dem Parakoimomenos Ioseph Bringas (# 23529) und dem Domestikos der Scholen Nikephoros (II.) Phokas ausbrach, versuchte Ioseph Bringas, I. durch das Angebot des Domestikats des Ostens und das Versprechen, ihm später die Kaiserwürde zu verschaffen, auf seine Seite zu ziehen. Einen ähnlichen Brief erhielt der Magistros Romanos Kurkuas (# 26852), dem der Domestikat des Westens versprochen wurde. Beide setzten jedoch Nikephoros Phokas, der sich im Feldlager in Kaisareia (Kappadokien) befand, von dem Angebot in Kenntnis und ermutigten ihn dazu, sich im Feldlager zum Kaiser ausrufen zu lassen (2. Juli 963). I. brachte die Soldaten des Nikephoros dazu, diesen trotz dessen anfänglicher Weigerung zum Kaiser auszurufen. Als Motiv gibt Leon Diakonos an, daß I. es nicht ertragen konnte, daß ein Eunuch und unmündige Kinder über Männer gebieten würden. Angeblich schlug I. bei dieser Gelegenheit das Angebot des Nikephoros Phokas aus, selbst Kaiser zu werden. Nikephoros ernannte ihn daraufhin zum Magistros und zum Domestikos des Ostens (13). Nach seiner Thronbesteigung bestätigte er diese Ernennung (14).

Kurz danach kam es zu mehreren Vorstößen des I. nach Kilikien, an denen z. T. auch Kaiser Nikephoros selbst teilnahm und die sowohl in den byzantinischen als auch in den arabischen Quellen unterschiedlich und in chronologischer Hinsicht nicht immer leicht nachvollziehbar dargestellt werden. Yaḥya datiert einen ersten, von Nikephoros selbst geleiteten Feldzug in den Ḏū l-Qa‘da 352 a. h. (21.11. – 20.12.963). Bei Adana schlug I. ein muslimisches Heer aus Elitetruppen aus ganz Kilikien und tötete angeblich 4.000 Mann. Der Rest der Soldaten sei auf einen bei Adana gelegenen Hügel geflohen, dort aber von den Byzantinern eingekreist und besiegt worden. Skylitzes berichtet darüber, daß sich ein Teil von 5.000 Mann auf einen unzugänglichen Berggipfel flüchtete, wo I. seine Soldaten absitzen und zu Fuß den Hügel stürmen ließ, wobei er sich auch selbst beteiligte. Der Schrecken, den er durch diesen blutigen Sieg, bei dem er keinen Gegner verschonte, bei den Muslimen verbreitet habe, sei ungeheuer gewesen. Inwiefern ein in einigen arabischen Quellen (Ibn al-Aṯīr u. a.) erwähnter Einfall der Tarsioten unter Naǧā (# 25487) auf byzantinisches Gebiet im Šawwāl dieses Jahres (23.10. – 20.11.963) und eine darauf folgende Niederlage der Byzantiner in Zusammenhang mit dem von Nikephoros und I. geführten Feldzug steht, muß offen bleiben. Von einem Vorstoß des “Domestikos” (al-dumustuq), bei dem es sich um I. handeln dürfte, nach Mopsuestia (al-Maṣṣīṣa) erzählen die arabischen Quellen dann unter dem Jahr 353 a. h. (19.1.964 – 6.1.965). Eine Quellengruppe (Ibn al-Aṯīr, Ibn Šaddād) berichtet, daß I. sich, obwohl er nach einer mehrere Tage dauernden Belagerung der Stadt Breschen in die Stadtmauern schlagen konnte, wegen Mangel an Lebensmitteln wieder zurückziehen mußte. Auf dem Rückweg verwüstete er die Umgebung von Mallos, Adana und Tarsos und tötete angeblich 15.000 Muslime. Als er nach 15 Tagen den Feldzug beendete, ließ er die Bevölkerung dieser Städte wissen, daß er zurückkehren und keine Gnade walten lassen werde. Tatsächlich berichten die Quellen von einem weiteren Vorstoß des Nikephoros und I.s nach Tarsos und Mopsuestia noch im selben Jahr. Es kam zu mehreren Gefechten zwischen den Byzantinern und den Tarsioten, bei denen I. einmal zu Boden gestürzt und beinahe gefangengenommen worden sei, wovor ihn aber seine Soldaten bewahren konnten. Dennoch sei eine große Anzahl von byzantinischen Heerführern gefangengenommen worden, woraufhin die Byzantiner abgezogen seien. Über diese Ereignisse berichtet Leon Diakonos, daß I., den er als Dux (τῇ τοῦ Δουκὸς τιμῇ σεμνυνόμενος) bezeichnet, den linken Flügel befehligte. Die arabischen Quellen (Ibn al-Aṯīr u. a.) wiederum berichten, daß Nikephoros auf dem Rückweg bei Mopsuestia eine Armee unter der Führung des I. stationierte, die die Stadt drei Monate belagerte. Die Männer seien aber von einer Seuche heimgesucht worden, und die Preise hätten sich erhöht, so daß die Byzantiner abziehen mußten (15).

Das letzte Mal wird I. im Amt des Domestikos nach der Einnahme von Mopsuestia am 1. Raǧab 354 a. h. (13.7.965) und von Tarsos am 15. Ša‘bān 354 a. h. (16.8.965) durch Nikephoros Phokas ewähnt, als er laut Nuwayrī das von Sayfaddawla beherrschte Martyropolis (Mayyāfāriqīn) angreifen wollte, jedoch von Nikephoros nach Konstantinopel zurückbeordert wurde (16).

Später wurde er von Nikephoros II. abberufen und hielt sich dann – nach dem Tode seiner Frau – auf seinen Gütern im Osten Kleinasiens auf. Laut Zonaras und Michael Psellos, Historia Syntomos, wurde er von Nikephoros II. zum Logothetes des Dromos ernannt, jedoch ist während der Regierungszeit des Nikephoros dessen Bruder Leon als Logothetes bezeugt. Warum I. die Gunst des Kaisers verlor, wird in den Quellen nicht gesagt (17).

Wie Leon Diakonos mitteilt, wurde I. im Herbst 969 nach Konstantinopel gerufen, wobei Leon Diakonos von einer Verschwörung zwischen der Kaiserin Theophano (# 28125) und I. spricht, die den Sturz des Nikephoros und die Erhebung I.s zum Ziel gehabt haben soll (18).

Laut Leon Diakonos gelang es I., der Michael Burtzes (# 25253) und Leon Pediasimos (# 24515) in sein Vertrauen gezogen hatte, mit Hilfe der Theophano einige Männer in den Palast einzuschmuggeln, mit deren Hilfe er den Kaiser ermorden wollte. Am Abend des 10. Dezember 969 sorgte Theophano dafür, daß die Tür des kaiserlichen Schlafgemachs nicht abgeschlossen wurde. I. landete mit einigen Mitverschwörern bei Nacht in einem Boot in der Nähe des Bukoleonpalastes, wo sie in einem Korb hochgezogen wurden und dann bis zu Nikephoros vordrangen und diesen erschlugen, wobei I. selbst mit Hand anlegte (19).

Regierungszeit:

I. wurde in der Nacht zum 11. Dezember 969 in den Straßen Konstantinopels zum Kaiser ausgerufen, zusammen mit Basileios II. und Konstantinos VIII., den Kindern Romanos’ II., die auch unter Nikephoros II. Mitkaiser gewesen waren. Er war zu diesem Zeitpunkt 45 Jahre alt. Interessant sind mehrere Hinweise darauf, daß I. Basileios II. und Konstantinos VIII. ausdrücklich als Mitkaiser und Nachfolger akzeptierte (s. auch Dölger–Müller, Regesten Nr. 735a). Dies könnte dafür sprechen, daß der Sturz des Nikephoros II. Phokas auch erfolgt war, weil Nikephoros, wie in einigen Quellen berichtet wird, versucht hatte, eigene Familienangehörige an die Stelle der beiden minderjährigen Kaiser zu setzen. Allerdings hatte schon Nikephoros II. Phokas 963 einen ähnlichen Sicherheitseid geschworen. I. hatte anscheinend keine eigenen Kinder. Er scheint relativ beliebt gewesen zu sein, nicht zuletzt wohl deshalb, weil er die harschen Maßnahmen des Nikephoros zugunsten der Armee abmilderte und die Steuern erleichtert zu haben scheint. Zum Teil dürfte er auch Glück gehabt haben, da er keine solche Hungersnot zu bewältigen hatte wie sein Vorgänger und dank der Einverleibung des Bulgarenreiches möglicherweise auch über größere Einnahmen verfügte.

I. starb am 10. Januar 976 nach der Rückkehr von einem Feldzug gegen Syrien und Palästina, auf dem er sich anscheinend mit einer Krankheit (Typhus?) infiziert hatte. In den griechischen Quellen ist davon die Rede, daß er auf Betreiben des Parakoimomenos Basileios Lakapenos (# 20925) vergiftet worden sei, da er von den immensen Bereicherungen des Parakoimomenos erfahren und beabsichtigt habe, ihn zur Rechenschaft zu ziehen.

Auch die arabischen Quellen berichten von der Vergiftung des I. durch Basileios Lakapenos. Diese geschah laut Ibn al-Qalānisī auf einem Syrienfeldzug, direkt nach einer vierzigtägigen, erfolglosen Belagerung von Tripolis (Ṭarābulus) durch I.: Basileios (wörtl.: “der Onkel des Basileios und Konstantinos”) habe I. vergiftet, worauf dieser krank geworden und anschließend nach Antiocheia gereist sei. Da aber die Krankheit nicht von ihm abließ, sei er nach Konstantinopel zurückgekehrt, wo er starb. Etwas anders berichten Ibn al-Aṯīr und Abū Šuğā‘, daß I. von Basileios (wörtl.: “vom Bruder der Theophano, der Eunuch und zu jenem Zeitpunkt Minister [arab.: wazīr] war”) vergiftet wurde und dann auf dem Heimweg nach Konstantinopel starb. Bar Hebraeus behauptet demgegenüber, daß eine Schwester (# 24927A) der Kaiserin Theophano ihn bei Tarsos vergiftet habe (20).

I. wurde in der von ihm selbst erbauten Kirche des Erlösers (τοῦ Σωτῆρος) begraben (21).

Innenpolitik:

I. scheint sich in der Innenpolitik von Anfang an auf Basileios Lakapenos gestützt zu haben, der das Amt des Parakoimomenos bekleidete (22). Als erste Maßnahme verbot I. bei Todesstrafe Plünderungen und sonstige Unruhen anläßlich seiner Thronbesteigung. Anschließend sorgte er mit Hilfe des Basileios Lakapenos dafür, daß die Verwandten des Nikephoros II., insbesondere sein Bruder Leon (# 24423) und dessen Söhne Bardas (# 20784) und Nikephoros (# 25609), gefangengenommen und verbannt wurden. Desgleichen wurden die Spitzen der Verwaltung abgesetzt und durch Vertraute des I. ersetzt. Leon Diakonos erwähnt hier besonders den Praitor, den Drungarios der Flotte und den Drungarios der Bigla. Erst nach diesen Maßnahmen ließ I. sich krönen, stieß hierbei jedoch auf den Widerstand des Patriarchen Polyeuktos (# 26715), der verlangte, daß I. sich von dem Mord an Nikephoros II. reinige und außerdem ein von Nikephoros II. erlassenes Gesetz, das die Autonomie der Kirche einschränkte, zurücknehme. I. erklärte, daß der Mord an Nikephoros II. nicht auf ihn selbst, sondern auf die Kaiserin Theophano zurückgehe, woraufhin Polyeuktos ihre Entfernung aus dem Palast und die Bestrafung der Mörder forderte. I. ließ daraufhin die Mörder bestrafen und Theophano verbannen. Auch nahm er die von Nikephoros erlassene Bestimmung zur kirchlichen Autonomie zurück, woraufhin er von dem Patriarchen gekrönt wurde (23). Um die als Legitimation notwendig scheinende Bindung zur Dynastie herzustellen, heiratete I. Theodora (# 27604), eine Tochter Konstantinos’ VII., die zu diesem Zweck aus dem Kloster geholt wurde, in dem sie zusammen mit ihren Schwestern seit der Herrschaft ihres Bruders Romanos II. zwangsweise gelebt hatte (24).

Die Anhänger des Nikephoros II. Phokas wurden, zumindest teilweise, ihrer Ämter enthoben, aber es gab anscheinend keine Hinrichtungen oder Verbannungen. Auch später zeigte sich I. mit Hinrichtungen u. ä. relativ zurückhaltend, jedenfalls wenn Angehörige verwandter Familien betroffen waren. Dies galt auch nach der Rebellion des Bardas Phokas (# 20784) im Sommer 970. Allerdings war dieser Aufstand wahrscheinlich nicht so umfangreich und gefährlich, wie es die Darstellung bei Leon Diakonos glauben machen will. Zumindest spricht hierfür die rasche und relativ unblutige Niederschlagung.

Eine einzige Novelle des I. ist überliefert worden, die Novelle über den Sklavenzoll, die wohl in die zweite Hälfte des Jahres 971 zu datieren ist (25).

In den Jahren 974 und 975 ist es nachweisbar, daß kaiserliche Beamte im Thema Thessalonike (Symeon [# 27510] und Theodoros Kladon [# 27763]) von I. damit beauftragt worden waren, steuerflüchtige Bauern (δημοσιάριοι) aufzuspüren und wieder ihren Pflichten gegenüber dem Fiskus zuzuführen (26).

Kirchenpolitik:

I. wurde noch von Patriarch Polyeuktos gekrönt, der wenig später starb. Diese Krönung scheint in Kreisen der Kirche auf erhebliche Kritik gestoßen zu sein, ohne daß dies jedoch zu einem Schisma o. ä. geführt hätte (27). Als neuen Patriarchen ernannte I. Basileios I. Skamandrenos (# 20983). Zum Patriarchen von Antiocheia wurde Theodoros II. (# 27759) ernannt.

Eine der ersten kirchenpolitischen Maßnahmen I.s war die Rücknahme der Verfügung des Nikephoros II. Phokas über die Ernennungen von Bischöfen (28).

I. erweiterte die Christuskirche auf der Chalke, in der er auch beigesetzt wurde, und erhöhte die Zahl der dortigen Kleriker auf 50, denen eine jährliche Roga von 30 Nomismata ausgesetzt wurde. Außerdem wurde die Kirche mit Reliquien und liturgischen Geräten ausgestattet. (29).

Ioannes I. Tzimiskes und der Athos: Vermutlich gegen Ende des Jahres 971 oder in der ersten Hälfte des Jahres 972 sandte I. den Mönch Euthymios Studites (# 21945) auf den Athos, damit dieser dort einen Konflikt zwischen Athanasios Athonites (# 20670), dem Abt der Megale Laura, einerseits und andererseits wohl den anderen Mönchen des Athos, vertreten durch den Protos Athanasios (# 20679) und den Mönch Paulos (# 26352), schlichtete. Die Versammlung der Athos-Äbte und Mönche unter dem Vorsitz des Euthymios verabschiedete das sogenannte “Typikon des Tzimiskes”, eine erste Verfassung des Mönchsberges (Actes du Prôtaton, Nr. 7). Das Dokument ist unterschrieben vom Kaiser, dann vom Protos Athanasios, dem Athanasios Athonites und 55 weiteren Äbten und Mönchen. Vermutlich wurde eine große Lücke für die Unterschrift des Kaisers freigelassen, als alle Athos-Äbte unterschrieben. Dann wurde das Dokument von Euthymios nach Konstantinopel gebracht, wo der Kaiser das Dokument in dem freigelassenen Raum zwischen Text und den übrigen Unterschriften signierte, und schließlich wurde das Dokument wieder zurück auf den Athos gebracht. Die Unterschrift des Kaisers unter dem “Typikon des Tzimiskes” (l. 162) ist die älteste erhaltene autographe Unterschrift eines byzantinischen Kaisers überhaupt.

I. verdoppelte das jährliche Solemnion für die Megale Laura von 244 auf 488 Nomismata (30). Diese zusätzliche Zuwendung sollte nach dem Chrysobull des Kaisers aus dem Steueraufkommen der Insel Lemnos bestritten werden (Actes d’Iviron, Nr. 6, l. 13-15; Athanasios Athonites, Typikon 115,3f.). Ansonsten habe I. die Anordnungen des Chrysobulls des Kaisers Nikephoros II. Phokas bestätigt (31). Vermutlich zwischen Sommer 972 und ca. Sommer 974 lehnte I. die Bitte des Athanasios Athonites und des Ioannes Athonites Iber (# 22942) ab, deren Wunsch von Euthymios Studites unterstützt wurde, daß er das Kolobu-Kloster bei Hierissos der Megale Laura übertragen möge (32).

Außenpolitik:

Balkan und Italien: Im Juli oder August 969 überfiel Fürst Svjatoslav von Kiew (# 27440) erneut und mit größerem Erfolg Bulgarien, wo er Boris II. (# 21198) absetzte und das Land als seinen eigenen Besitz angesehen zu haben scheint (33). Nachdem I. den Thron in Konstantinopel bestiegen hatte, forderte er Svjatoslav durch eine Gesandtschaft auf, in seine Heimat zurückzukehren und Bulgarien seinen rechtmäßigen Eigentümern, den Rhomäern, zu überlassen, wofür ihm reiche Geschenke in Aussicht gestellt wurden (34). Svjatoslav lehnte dieses Angebot ab. Er hatte zu diesem Zeitpunkt den größten Teil Bulgariens in seiner Hand. In Philippupolis hatte er, wie Leon Diakonos berichtet, angeblich 20.000 Einwohner pfählen lassen und so jeden Widerstand gebrochen. Er forderte nun von den Byzantinern, daß sie die von den Russen gemachten Eroberungen zurückkaufen und ihre Gefangenen freikaufen sollten, andernfalls sollten sie sich nach Kleinasien zurückziehen und den Russen die europäischen Gebiete überlassen. Da der Kaiser hierauf nicht einging, kündigte Svjatoslav an, gegen Konstantinopel zu marschieren (35).

I. mobilisierte daraufhin einen Teil der in Kleinasien stationierten Truppen und ließ sie unter den Feldherren Bardas Skleros (# 20785) und Petros (# 26496) nach Europa übersetzen, wo sie einen gegen sie ausgesandten Teil des russischen Heeres besiegen konnten. Sie sollten, durch weitere Abteilungen verstärkt, in den nach Bulgarien gelegenen Provinzen überwintern, bis I. im nächsten Frühjahr selbst mit dem gesamten Heer gegen Svjatoslav ziehen wollte. Jedoch wurde dieses Vorhaben durch die Rebellion des Bardas Phokas (# 20784) zunächst unterbrochen (36).

Im Frühjahr 971 brach I. mit der gesamten Armee gegen Svjatoslav auf und zog zunächst gegen das von den Russen besetzte Preslav (Πραισθλάβα). Svjatoslav selbst lagerte mit seinem Heer bei Dorystolon (Dristra/Silistra) an der Donau. Er wurde aber bald von der byzantinischen Eroberung Preslavs benachrichtigt, nicht zuletzt durch den – schon früher zu den Russen übergegangenen – Patrikios Kalokyres (# 23631), der aus Preslav zu ihm floh (37).

Im Anschluß an die Eroberung von Preslav wandte I. sich gegen Svjatoslav und zog nach Dorystolon, wo das Hauptheer der Russen unter dem persönlichen Befehl des Fürsten lagerte. Nach verschiedenen Kämpfen und insbesondere nach dem Eintreffen der byzantinischen Flotte, die den Russen den Rückzug über die Donau unmöglich machte, kam es schließlich am 24. Juli 971 zur Entscheidungsschlacht, in der die Byzantiner siegten. Angeblich verloren die Russen 15.500 Mann, während die Byzantiner nur 350 Gefallene zu beklagen hatten. Svjatoslav konnte sich nur mit Mühe und verwundet aus der Schlacht retten und mußte um Frieden bitten, den ihm der Kaiser gewährte. Den Vereinbarungen zufolge mußte er sich verpflichten, künftig weder Bulgarien noch (das byzantinische) Cherson anzugreifen und den Byzantinern bei einem Angriff militärischen Beistand zu leisten. Dafür stellte I. dem russischen Heer Lebensmittel zur Verfügung und bestätigte die alten, noch unter Igor (# 22751) geschlossenen Handelsverträge. Nach einer letzten persönlichen Unterredung am Ufer der Donau kehrten die Russen in ihre Heimat zurück (38).

Svjatoslav fiel auf dem Rückmarsch in seine Heimat: Als er im Frühjahr 972 trotz seiner unsicheren Situation versuchte, die Stromschnellen des Dnjepr, die zu Land umgangen werden mußten, zu passieren, wurde er von den Petschenegen angegriffen und getötet. (39).

In der Nestorchronik (69,24 – 73,19) wird der Feldzug Svjatoslavs gegen Bulgarien deutlich anders dargestellt: Die Bulgaren wurden in offener Feldschlacht geschlagen. Die “treulosen” Griechen boten zunächst Tributzahlungen gegen Frieden an, verweigerten die Zahlungen aber dann doch, woraufhin es zur Schlacht von angeblich 10.000 Russen gegen 100.000 Griechen kam. Die Russen wurden eingeschlossen, gewannen schließlich aber doch die Oberhand, “die Griechen fliehen” und das ganze Land “wurde verwüstet und liegt bis heute wüst” (40). Aber die russischen Truppen waren stark dezimiert, und nur mit List gelang es Svjatoslav, den Byzantinern den Zustand des Heeres zu verschleiern, rasch einen Friedensvertrag mit günstigen Bedingungen und hohen Tributzahlungen abzuschließen und Bulgarien Richtung Heimat zu verlassen. Der Friedensvertrag wurde von Svjatoslav und Svenald (# 27439), einem Feldherrn seines Vaters, in Anwesenheit des Synkellos Theophilos (# 28162) am 1. Juli verfaßt. Er enthält in erster Linie das Versprechen des S., nie mehr byzantinisches Territorium einschließlich Bulgarien und Cherson anzugreifen (41).

Italien und Spanien: In Italien agierte I. eher defensiv und setzte die von seinem Vorgänger betriebene Konfrontationspolitik gegenüber den Deutschen nicht fort. 972 wurden die nunmehr freundschaftlichen Beziehungen zwischen beiden Reichen durch die Heirat der byzantinischen Adligen Theophano (# 28127), bei der es sich um eine weitläufige Verwandte I.s handelte, mit dem westlichen (Mit-)Kaiser Otto II. (# 26212) bekräftigt (42).

Mit den Umayyaden in Spanien scheint Byzanz unter I. gute Beziehungen unterhalten zu haben. Am 24. Ǧumādā I 361 a. h. (13. März 972) wurde Konstantin al-M.l.qī (# 23731), ein Gesandter des I., vom umayyadischen Kalifen al-Ḥakam (II.) (# 22543) empfangen (43).

Ostgrenze: Obschon die Quellen die militärischen Aktionen des I. und die seines Domestikios Melias (# 25042) in Obermesopotamien in den Jahren 972/73 unterschiedlich und teilweise zusammengezogen schildern, geht aus den arabischen Chronisten eindeutig hervor, daß es 972/73 zwei Expeditionen gab. Die erste wurde von I. selbst, die zweite von Melias geleitet. Über die erste Expedition wird berichtet, daß I. in einer Schlacht Subuk (# 27430), den Statthalter von Martyropolis (Mayyāfāriqīn), tötete, nachdem dieser ein byzantinisches Heer besiegt hatte. Am 1. Muḥarram 362 a. h. (12.10.972) nahm I. dann Nisibis (Nuṣaybīn) und danach die ganze Provinz Diyār Rabī‘a ein. Nachdem er ein Blutbad angerichtet, Gefangene gemacht und gebrandschatzt hatte, näherte er sich Martyropolis, das er ebenfalls einnehmen wollte. Erst als sich der ḥamdānidische Emir Abū Taġlib b. Nāṣiraddawla (# 20081) bereit erklärte, einen jährlichen Tribut an die Byzantiner zu bezahlen, zog sich I. zurück, ließ aber Melias (# 25042) als Domestikos des Ostens mit einer Truppenabteilung bei Baṭn Hanzīṭ (am Euphratübergang) zurück. Danach zog Melias gegen Amida, wo er am 4. Juli 973 vom Ḥamdāniden Abū l-Qāsim Hibatallāh b. Nāṣiraddawla (# 20074) geschlagen wurde (44).

Etwa für das Jahr 973 berichtet der armenische Historiker Matthäus von Edessa, daß I. Boten (# 30494) zu Ašot III. “dem Barmherzigen” von Armenien (# 20649) und der Versammlung der armenischen Fürsten mit ihren Armeen (angebl. 80.000 Mann) in den Distrikt Hark‘ gesandt habe. Die byzantinischen Gesandten seien mit armenischen Gegengesandten unter der Leitung Lewons des Philosophen (# 24737) und des Fürsten Smbat Toṙnec‘i (# 27145), darunter Bischöfe (# 30491) und Priester (Vardapets) (# 30492), zurück nach Konstantinopel gereist, wo es zu einem Friedensabkommen zwischen Ašot III. und I. gekommen sei (45).

Einen zweiten Feldzug nach Osten begann I. persönlich im Frühjahr/Sommer 974. Als der Kaiser mit der byzantinischen Armee durch Taron zog, empfing er laut Matthäus von Edessa bei der Festung Ayceac‘ (Aydzik‘) eine zweite Gesandtschaft (# 30497) des armenischen Königs Ašot III., die ihm ein theologisches Schreiben (46) überbrachte. I. soll bei dieser Begegnung das Friedensabkommen bestätigt sowie von Ašot III. Truppen (angeblich 10.000 Mann) und Proviant verlangt und bekommen haben (47). Der Kaiser setzte seinen Feldzug über Amida, das ca. Sommer 974 kapitulierte, und Martyrupolis, das ebenfalls kapitulierte, bis nach Nisibis fort, das er verlassen vorfand. Nach einem kurzen Abstecher nach “Ekbatana” (unklar) soll der Kaiser für den Winter 974/75 nach Konstantinopel zurückgekehrt und dort seine Siege mit einem Triumph gefeiert haben (48).

Den dritten Feldzug nach Syrien unternahm I. nach dem Winter 974/75 (49). Die arabischen Quellen berichten darüber unter dem Jahr 364 a. h. (21.9.974 – 9.9.975). Die byzantinischen Truppen setzten sich im April 975 von ihrem Winterquartier aus in Bewegung und nahmen Emesa (Ḥims) und am 15. Ramaḍān 364 a. h. (29.5.975) Heliupolis (Ba‘labakk) ein. I. machte zahlreiche Gefangene, darunter auch Ḥusayn b. aṣ-Ṣamṣām (# 22643). Danach zog er mit einem großen Heer, das durch Beduinenstämme und Truppen des Emirs von Tarsos, Abū Bakr b. az-Zayyāt (# 20043), verstärkt wurde, gegen das von Alftikīn (# 20253) kontrollierte Damaskus. Nach Verhandlungen mit Abū Bakr übergab Alftikīn Damaskus kampflos und schloß mit den Byzantinern, wohl Anfang Juni 975, einen Friedensvertrag (50). Darin wurde unter der Bedingung der Anerkennung der byzantinischen Oberhoheit über Damaskus und gegen Tributzahlungen eine Sicherheitsgarantie für die Bewohner von Damaskus vereinbart (51). Nachdem der Vertrag urkundlich festgehalten worden war, nahm der Kaiser einige damaszenische Einwohner und Würdenträger als Geiseln, so z. B. ‘Alī b. al-Māward (# 20255). Bei einem feierlichen Empfang schenkte I. Alftikīn Ehrenkleider, Brokatgewänder, Juwelen, Silbergeräte, Paradepferde und Maultiere und ließ die Geiseln wieder frei. Danach erreichte I. die Kapitulation von Sidon (Ṣaydā) durch den Emir von Sidon, Abū l-Fatḥ aš-Šayḫ (# 20047), und kam nach Beirut (Bayrūt). Während Ibn al-Qalānisī und Matthäus von Edessa von einer gewaltsamen Eroberung der Stadt berichten, bei der der Kommandant Nuṣayr/Nāṣir (# 26173) und 1.000 fāṭimidische Soldaten von den Byzantinern gefangengenommen worden seien, schildern Maqrīzī und Dawādārī die Ereignisse etwas anders: Der Kaiser habe sich mehrmals an die Garnison und die Einwohnerschaft der Stadt gewandt und versichert, daß er Beirut nicht zerstören und keinen Krieg gegen sie führen wolle. Seine einzige Forderung sei die Auslieferung des Eunuchen Nuṣayr (# 26173) gewesen, um danach selbst einen Kommandanten (# 31588) einzusetzen. Laut Yaḥyā sei Nuṣayr auf griechisches Territorium geschickt worden. I. indes zog weiter nach Tripolis (Ṭarābulus), das er erfolglos belagerte, da es von der starken Garnison des fāṭimidischen Befehlshabers Rayyān (# 26808) verteidigt wurde. Daraufhin kehrte er entlang der Küste nach Antiocheia zurück, nahm auf dem Weg Balanai (Balanyās) und Ǧabala ein und erwirkte durch Verhandlungen mit Kulayb (# 24209) die Kapitulation der Städte Borzo (Barzūya) und Ṣahyūn. In Beirut und den anderen von ihm eroberten Städten setzte I. neue Statthalter ein. Kulayb ernannte er zum Patrikios und zum Statthalter von Antiocheia und zeichnete auch dessen Söhne mit Ehrentiteln aus (52).

Auf seiner Rückkehr soll Ioannes Tzimiskes – wohl von Antiocheia aus – Ašot III. brieflich die Festung Ayceac‘ überlassen und die Übergabe eines Chrysobulls durch Leon (# 24530) angekündigt haben sowie ferner Lewon den Philosophen in einem Brief nach Konstantinopel zu den Feierlichkeiten zur Wiederauffindung der Sandalen Christi und des Haares Johannes des Täufers sowie zu theologischen Gesprächen eingeladen haben (53).

Nach diesem Feldzug schickte I. erneut eine byzantinische Gesandtschaft unter dem Mönch Nikolaos (# 26008) nach Kairo, die den fāṭimidischen Kalifen al-Mu‘izz (# 25444) kurz vor dessen Tod erreichte.

Anmerkungen: — (1) Stephan von Taron (Asołik) III, cap. 7, p. 132,4 (Gelzer); p. 38 (Macler). — (2) Stephan von Taron (Asołik) III, cap. 7–10, p. 132–137; cap. 15, p. 142,13-18 (Gelzer); p. 38–49. 60 (Macler); Matthäus von Edessa I, cap. 18, p. 28 (Dostourian); Kirakos, cap. II, p. 45. 47 (Brosset); p. 76. 80 (Bedrosian). — (3) Abū Firās 24,9 (Dahhān II 37,2); Übers.: Canard, Noms byzantins chez Abû Firâs 454. — (4) Samuel von Ani (Brosset), p. 439; Matthäus von Edessa I, cap. 18, p. 28 (Dostourian). Das armenische Č‘mškacagk‘ bzw. Č‘emiškacag entspricht dem griechischen Hierapolis im Antitauros bzw. dem modernen türkischen Ort Çemişkezek, einer Stadt nördlich der heutigen Keban-Talsperre des Euphrat (Murat Su; griech.: Arsanias) und ca. 50 km westlich von Hozat (Chozanon), cf. N. Thierry, in: TM 9 (1985) 484 Anm. 27; J.-M. Thierry, in: REA 20 (1986/87) 397; TAVO B VII 16 (R. Hewsen), ca. 39° Ost, 39° Nord. Melitene lag in 80 bis 100 km Entfernung im Südwesten von Hierapolis (Č‘mškacagk‘). — (5) Leon Diakonos, Historia VI 3, p. 96,16 – 98,2; Abū Firās 24,8 (Dahhān II 37,2); Übers.: Canard, Noms byzantins chez Abû Firâs 454. — (6) Cf. Stephan von Taron (Asołik) III, cap. 7, p. 131,32-36 (Gelzer); p. 37f. (Macler). — (7) Yaḥyā [p. 74f.] p. 772f. (PO 18,5); 7:7f.; 7:14f., p. 90–92 (Pirone); Ibn Ẓāfir 29,9-15; Übers.: Vasiliev, Arabes II 2, p. 127f.; Makīn 229,23-34; Übers.: Vasiliev, Arabes II 2, p. 190f.; Kamāladdīn 125,7 – 126,4. Zu den genannten Örtlichkeiten cf. Vasiliev, Arabes II 1, p. 356f.; Vest, Melitene 996–1006 (mit ausführlicher Schilderung des Feldzugs des Sayfaddawla). 1054f.; Honigmann, Ostgrenze 88 Anm. 5 (zum Darb Ḫayyāṭīn). — (8) Yaḥyā [p. 74f.] p. 772f. (PO 18,5); 7:7-10, p. 90f. (Pirone); Kamāladdīn 127,12 – 128,2; Übers.: Vasiliev, Arabes II 2, p. 183; Ibn al-Ǧawzī XIV 6-8. — (9) Kamāladdīn 128,3-6; Yaḥyā [p. 77] p. 775 (PO 18,5); 7:16f., p. 93 (Pirone); zu den arabischen Quellen s. auch Markopoulos, in: Symmeikta 3 (1979) 107f. — (10) Michael syr. III 128. Die Chronik v. 1234: cap. 230, p. 29, und Bar Hebraeus 166 sprechen davon, daß Romanos II. Nikephoros (II.) Phokas und I. zu Oberbefehlshabern gegen die Araber ernannt habe. — (11) Šimšātī (Ḏahabī) 145,1 – 146,7. — (12) Yaḥyā [p. 86–88] p. 784–786 (PO 18,5); 7:46-48, p. 101 (Pirone); Kamāladdīn 133,1-3, erwähnt nur allgemein, daß I. bei der Eroberung Aleppos dabei war. Zu weiteren Details zur Eroberung Aleppos im Jahr 962 s. unter Nikephoros II. Phokas. — (13) Leon Diakonos, Historia III 2, p. 37,20 – 40,7; II 4, p. 40,8-21; 41,7-11; 6, p. 44,9f.; Symeon log. (Cod. Vat. gr. 163) 23,19-25; Skylitzes, Basileios und Konstantinos 6, p. 256,86-10; Zonaras XVI 23, p. 495,14 – 497,1; Bar Hebraeus 169 (Budge); Bar Hebr., Muḫtaṣar 294,3f. — (14) Leon Diakonos, Historia II 8, p. 49,4-7. — (15) Zu diesen Ereignissen s. Skylitzes, Nikephoros 10, p. 267,74 – 268,89; verkürzt bei Zonaras XVI 24, p. 501,9-14; Leon Diakonos, Historia IV 3, p. 59,6-13; laut Michael syr. III 128, der Chronik v. 1234: cap. 230, p. 29 und Bar Hebraeus 169f. soll I. ganz Kilikien mit Tarsos und Mopsuestia erobert und außerdem Antiocheia eingenommen haben. Yaḥyā [p. 95f.] p. 793f. (PO 18,5); 7:69, p. 108f. (Pirone); Ibn al-Aṯīr VIII 547,9-14; 552,8 – 553,3; 555,7-15; Miskawayh II 195; Ibn Šaddād 326,5-16; Übers.: Eddé, Description 201f.; ‘Aẓīmī 301,1f.; 301,8; 301,12; 302,14; Nuwayrī XXIII 192,6-14; 193,1-5; Ḏahabī, Duwal 171,17; Ḏahabī, Ta’rīḫ 174 Anm. 3 (Canard, Recueil); Abū l-Maḥāsin III 337,3-15. — (16) Nuwayrī XXIII 194,13-15; auch wenn in den Quellen nichts davon steht, ist es möglich, daß I. an Nikephoros’ Eroberungszügen im Sommer 965 beteiligt war. — (17) Zonaras XVI 28, p. 516,14 – 517,1; Michael Psellos, Historia Syntomos 105, p. 102,43-46; zu dem Verhältnis zwischen I. und Nikephoros II. Phokas cf. zuletzt Krsmanović–Dželebdžić, in: ZRVI 47 (2010) 83–120. — (18) Leon Diakonos, Historia V 5–6, p. 84,2 – 85,13, läßt Theophano nur allgemein davon sprechen, daß I. nach Konstantinopel kommen solle, wo beide dann die Ermordung des Nikephoros verabredet hätten. Sie soll dies gegenüber Nikephoros II. Phokas damit begründet haben, daß für den Witwer I. eine neue Frau gesucht werden sollte. Daß I. schon zuvor von Nikephoros als Domestikos oder Dux abgesetzt worden wäre, geht aus der Darstellung nicht hervor. Allerdings wirft I. selbst bei Leon Diakonos dem Nikephoros wenig später vor, daß dieser ihn trotz seiner Verdienste abgesetzt hätte. Skylitzes, Nikephoros 22, p. 279,87-91, spricht in demselben Zusammenhang davon, daß I. von Nikephoros wegen eines Argwohns o. ä. — διά τινα ὑποψίαν) abgesetzt worden sei. Theophano habe ihn dann durch eine Nachricht aufgefordert, nach Konstantinopel zu kommen; Zonaras XVI 28, p. 516,14 – 517,1, und Michael Psellos, Historia Syntomos 105, p. 102,46-49, sehen in der Abberufung von seinen militärischen Ämtern und in der Berufung zum (zivilen) Logothetes des Dromos den entscheidenden Anstoß für die Usurpation. I. habe diese Versetzung als “schwere und lakonische Strafe” (Τοῦτο δὲ ἀντὶ βαρείας καὶ λακωνικῆς τιμωρίας ἐλογίσθη τῷ Τζιμισχῇ) empfunden und deshalb seine Verschwörung begonnen. Allerdings wurde I. zwar abberufen, aber nicht zum Logothetes ernannt. Die Ereignisse um die Ermordung des Nikephoros durch I. werden auch bei Yaḥyā [p. 129–133] p. 827–831 (PO 18,5); 8:25-29, p. 135f. (Pirone); Sibṭ b. al-Ǧawzī (Hamawundī) 169,15 – 170,8; Ibn al-Aṯīr VIII 703,7f.; Abū Šuǧā‘ 13,5-13 geschildert; eine Verschwörung zwischen Theophano und I. nehmen auch verschiedene lateinische Quellen an: Widukind von Korvei III 73, p. 149,8-12; Thietmar von Merseburg II 15, p. 56,8-16. — (19) Leon Diakonos, Historia V 6–8, p. 85,13 – 89,12; Michael Psellos, Historia Syntomos 105, p. 102,46 – 104,86; Michael syr. III 128f.; Lupus Protospatarius 55 (a. 970). — (20) Leon Diakonos, Historia X 11, p. 177,1-15; Skylitzes, Ioannes 22, p. 312,15-20; Zonaras XVII 4, p. 537,11-17; Bar Hebraeus 175; Ibn al-Qalānisī 14,17-21; Ibn al-Aṯīr VIII 703,12-14; Abū Šuǧā‘ 13,15-18; Yaḥyā [p. 163] p. 371 (PO 23,3); 10:4, p. 158 (Pirone); als einziger arabischer Autor berichtet Maqrīzī, Itti‘aẓ I 222,10, daß I. an einer Krankheit gestorben sei. Woher Bar Hebraeus 175 (Budge) seine Nachricht hat, ist unklar. Ebenso findet eine Schwester Theophanos sonst keinerlei Erwähnung; allgemeine Erwähnung des Todes des I. bei Sibṭ b. al-Ǧawzī (Hamawundī) 190,12. Eine weitere, indes sicher erfundene Variante bietet Matthäus von Edessa I, cap. 23, p. 34 (Dostourian): I. sei ins Kloster gegangen und habe sein Leben in selbstgewählter Armut beschlossen. — (21) Zu dem Bau und seinem angeblichen Anlaß s. Leon Diakonos, Historia X 5, p. 166,23 – 168,3; Theodoros Skutariotes 156,13f. Es handelt sich um die von I. vergrößerte und reich ausgestattete Christuskirche τῆς Χαλκῆς, cf. Janin, Églises 529f.; Berger Patria 269; cf. auch Anm. 29. — (22) Dies laut Leon Diakonos, Historia VI 1, p. 94,8-15; allgemeiner: Skylitzes, Ioannes 1, p. 284,97-9. — (23) Etwas beschönigend bei Leon Diakonos, Historia VI 4, p. 98,10 – 99,12; Skylitzes, Ioannes 2, p. 285,21 – 286,43; Zonaras XVII 1, p. 521,5-8. Zu der Rücknahme des von Nikephoros erlassenen Gesetzes über die Ernennung der Bischöfe cf. auch Dölger, Regesten Nr. 726. Bei Dölger–Müller, Regesten Nr. 726 (vacat), ist dieses Regest dagegen eliminiert, weil A. Müller mit Christophilopulu, in: Byzantina 13/1 (1985) 171–176, hier keinen kaiserlichen Erlaß annahm. Schminck, in: FM 11 (2005) 297, hält diese Streichung aus den Kaiserregesten für falsch. — (24) Leon Diakonos, Historia VII 9, p. 127,3-8; wohl aus Anlaß dieser Hochzeit entstand ein satirisches Gedicht, das den Fehlschlag der Pläne Theophanos und die von der Bevölkerung sehr positiv aufgenommene Hochzeit I.s mit Theodora beschreibt; ed. Morgan, in: BZ 47 (1954) 293,2f. — (25) Wohl kurz nach dem Feldzug des I. gegen Svjatoslav von Kiew (# 27440), der bis Juli 971 dauerte, cf. Schminck, in: FM 11 (2005) 296. Schminck vermutet als Redaktor der Novelle Basileios Lakapenos; zu der Novelle cf. auch Dölger–Müller, Regesten Nr. 754. — (26) Actes de Lavra, Nr. 6; Actes d’Iviron, Nr. 2; cf. Lemerle et al., in: Actes d’Iviron, p. 107; Lefort et al., in: Actes de Lavra, p. 111. — (27) Cf. zuletzt Lilie, Caesaropapismus 394f. — (28) Cf. dazu oben Anm. 23. — (29) Leon Diakonos VIII 1, p. 128f.; Patria III 213, p. 282,11 – 283,3; s. Dölger–Müller, Regesten Nr. 735c (mit weiteren Quellen). — (30) Athanasios Athonites, Typikon (ca. 973–975) 114,33 – 115,1; cf. Vita Ioannis et Euthymii hiberica § 16. — (31) Athanasios Athonites, Typikon 114,33 – 115,6; cf. Vita Athanasii Athon. B (BHG 188) 36,39-43, p. 169; cf. Dölger–Müller, Regesten Nr. 744. — (32) Rückblickend erwähnt in: Actes d’Iviron, Nr. 7. — (33) Kurze Nachricht bei Skylitzes, Nikephoros 20, p. 277,35-37; Zonaras XVI 27, p. 513,13f.; XVII 1, p. 522,17 – 523,2. — (34) Leon Diakonos, Historia VI 8, p. 103,11-18; cf. Dölger–Müller, Regesten Nr. 729. — (35) Leon Diakonos, Historia VI 10, p. 105,1 – 107,6. — (36) Leon Diakonos, Historia VI 11–13, p. 107,13 – 111,16; Skylitzes, Ioannes 5–6, p. 287,91 – 291,99; Zonaras XVII 1, p. 523,10 – 525,3. — (37) Leon Diakonos, Historia VIII 5, p. 134,10-20; Skylitzes, Ioannes 9, p. 295,33 – 296,37; zu dem (nicht unproblematischen) Verhältnis zwischen I. und Bardas Skleros cf. Vlyssidou, in: ZRVI 40 (2003) 19–26. — (38) Leon Diakonos, Historia VIII 8–10; IX 1–12, p. 138,4 – 157,15; Skylitzes, Ioannes 11–12, p. 298,12 – 303,47; 14–18, p. 304,74 – 310,51; Zonaras XVII 2–3, p. 530,4 – 535,9; laut Skylitzes, Ioannes 16, p. 307,76 – 308,86, soll Svjatoslav im Lauf dieser Kämpfe auch eine Aufforderung I.s, den Krieg durch einen persönlichen Zweikampf zu entscheiden, abgelehnt haben; zu dem Friedensvertrag s. Dölger–Müller, Regesten Nr. 739. — (39) Leon Diakonos, Historia IX 12, p. 157,16-21; Skylitzes, Ioannes 18, p. 310,69-73; Zonaras XVII 4, p. 536,3-5; Nestorchronik 73,20 – 74,7; angeblich wurde sein Schädel von den Petschenegen zu einem Trinkgefäß verarbeitet. — (40) Nestorchronik 70,21-24. — (41) Nestorchronik 72,18 – 73,19; cf. Dölger, Müller, Regesten Nr. 739 (mit weiteren Quellen); zum Friedensvertrag von 971 cf. Hellmann, Handelsverträge 652f. 665f.; Malingoudi, Russisch-byzantinische Verträge 51–54. 112; die Echtheit des Vertrags von 971, der nur in der altrussischen Nestorchronik, aber weder in griechischen Quellen noch in der Ersten Nowgoroder Chronik überliefert ist, wird jetzt wieder bezweifelt von Raev, in: REB 64–65 (2006–2007) 329–340, der den Vertrag für einen ca. 1095 in Kiew erfolgten Einschub in die Chronik hält. Die Erste Nowgoroder Chronik würde also auch hier die ältere Fassung des Chroniktextes greifbar werden lassen. — (42) S. dazu unter Theophano, Otto II. und Otto I. (# 26211). — (43) Ibn Ḥayyān 71,5 – 72,2. — (44) Yaḥyā [p. 145] p. 353 (PO 23,3); 8:52, p. 142 (Pirone); Ibrāhīm aṣ-Ṣābī’ 47,17 – 48,4; Übers.: Canard, Expéditions mésopotamiennes 103; Hamadānī 210,13-15 (Erwähnung der Einnahme von Nisibis und des Tributvertrages mit Abū Taġlib); Ibn Ẓāfir 37,6-16; Ibn al-Ǧawzī XIV 214,1-13; Sibṭ b. al-Ǧawzī (Hamawundī) 176,1-4; Ibn al-Aṯīr VIII 618,1-7; bei Ibn al-Aṯīr werden versehentlich Elemente des Kriegszuges des Jahres 975 nach Syrien im Zusammenhang mit I.s Expedition 972 nach Mesopotamien geschildert. Zum Friedensvertrag zwischen Abū Taġlib und I. cf. Dölger–Müller, Regesten Nr. 747a (Beihammer). Zur Niederlage des Melias (# 25042) s. dort. — (45) Matthäus von Edessa I, cap. 17, p. 27 (Dostourian), cf. Dölger–Müller, Regesten Nr. 749 (Beihammer). — (46) Angeblich war dieses Schreiben vom armenischen Katholikos Vahan verfaßt worden, der aber zu dieser Zeit bereits seit zehn Jahren tot war, s. dazu Mahé, Kirche 519 Anm. 236. — (47) Matthäus von Edessa I, cap. 17, p. 28 (Dostourian). Cf. Dölger–Müller, Regesten Nr. 749b [746] (Beihammer). — (48) Leon Diakonos, Historia X 1–2, p. 161,19 – 163,9; cf. auch Dölger–Müller, Regesten Nr. 749c. 749d. 749e (Beihammer). Als legendär zu verwerfen ist hier der Bericht des Matthäus von Edessa I, cap. 18, p. 28 (Dostourian), demzufolge I. Amida nicht eroberte, weil dort die Schwester (# 30097) des Hamtan (arm.: k‘oyr Hamtnoy), also wohl Ḥamdān – laut Dostourian, in: Matthäus von Edessa, p. 289, soll damit Abū Taġlib (# 20081) gemeint sein – Statthalterin gewesen sei, die aus I.s Heimat gestammt und einst mit I. ein Verhältnis gehabt haben soll. Ebenfalls abweichend zu Nisibis: Matthäus von Edessa I, cap. 19, p. 29 (Dostourian). — (49) Leon Diakonos, Historia X 4, p. 165,17 – 166,22. — (50) Anhaltspunkt für die Datierung ist die kurz vor diesem Ereignis anzusetzende Eroberung von Ba‘labakk (Heliupolis) am 29. Mai 975. — (51) Die Höhe der durch Alftikīn jährlich zu entrichtenden Tributzahlungen variiert in den Quellen: Yaḥyā: 60.000 dīnār; Ibn al-Qalānisī: 100.000 dīnār; Matthäus von Edessa I, cap. 19, p. 30 (Dostourian): 40.000 dahekan in Gold; Bar Hebr.: 300.000 zūzē. — (52) Yaḥyā [p. 160f.] p. 368f. (PO 23,3); 9:21-23 p. 154f. (Pirone); Hamadānī 225,7-15; Ibn al-Aṯīr VIII 703,10f.; Maqrīzī, Kitāb al-muqaffā 368,2-6 (Yalaoui); Maqrīzī, Itti‘aẓ I 220,15-17; 221,1-18; Dawādārī VI 170,13 – 171,10; Ibn al-Qalānisī 12,20 – 14,8; Dawādārī 169,13-15. Der Bericht des Leon Diakonos, Historia X 4, p. 165,17– 166,22; X 6, p. 168,4 – 169,13, über diesen Feldzug erwähnt teils dieselben Eroberungen oder Unterwerfungen (Damaskos, Borzo, Balanai, Beirut), teils andere Städte (Mempetze, Apameia). Als I. erfolglos Tripolis belagerte, sei August gewesen und es sei ein großer Komet sei erschienen. Bar Hebraeus 175 (Budge) gibt neben einer Aufzählung der eroberten Städte (Emesa, Baalbek, Sidon, Beirut, Ǧabala) weitere Einzelheiten zu dem Empfang des Alftikīn durch I. und zu den gegenseitigen Geschenken, die bei dieser Gelegenheit ausgetauscht wurden; zum Vertrag mit Alftikīn cf. Dölger–Müller, Regesten Nr. 749g (Beihammer); zum Feldzug insgesamt auch Todt, Antiocheia 200–202. Der armenische Historiker Matthäus von Edessa I, cap. 19–21, p. 29–33 (Dostourian), überliefert einen Brief des I. (cf. Dölger–Müller, Regesten Nr. 750 [Beihammer]) an den armenischen König Ašot III., in dem I. selbst von seinem Feldzug durch Syrien und Palästina berichtet. Danach wäre I. bis nach Nazareth und zum Berg Tabor vorgedrungen, wo er die Unterwerfung der Städte Ramla und Jerusalem durch deren Abgesandte entgegengenommen hätte. Im Süden sei er bis Caesarea Maritima gekommen. Die Authentizität dieses Briefes ist jedoch fraglich. — (53) Matthäus von Edessa I, cap. 21f., p. 33f. (Dostourian), und Korrekturen des Matthäus-Textes durch Adontz, in: Byz 9 (1934) 376; zum Chrysobull cf. Dölger–Müller, Regesten Nr. 750 (Beihammer); zum Brief an Lewon den Philosophen ibid. Nr. 752 (Beihammer).

Q: — (Hist.): Leon Diakonos, Historia; Symeon log. (Cod. Vat. gr. 163); Skylitzes; Zonaras; Kleinchroniken I 14,59f., p. 141; I 15,3f., p. 158; I 16,7, p. 165; Michael Psellos, Historia Syntomos; Theodoros Skutariotes. — (Hag.): Vita Athanasii Athon. A (BHG 187) § 114,9f. (ohne Namensnennung); Vita Athanasii Athon. B (BHG 188) § 36,6f. 25f. 30-43, p. 168f.; Vita Niconis (BHG 1366. 1367) cap. 2,14f., p. 32; Vita Nicephori Milesii (BHG 1338) cap. 12, 144,16f. (AnBoll) = 163,11 (Wiegand); cap. 13, 145,12 (AnBoll) = 163,27 (Wiegand); Apocalypsis Anastasiae § 42; Vita Sampsonis auctore Symeone Metaphrasta (BHG 1615) cap. 15, col. 297D (mit Anm. 15); Vita Sampsonis (BHG 1615a) cap. 12, p. 109. — (Fs.): Patria III 213, p. 282,11 – 283,3; Suda I 46,2f.; Nikon vom Schwarzen Berg, Taktikon, p. 581,34 – 582,6 (Beneševič). — (Dok.): Actes du Prôtaton, Nr. 7 (= “Typikon des Ioannes Tzimiskes” oder auch “Tragos”), p. 209–215, bes. l. 2. 6, p. 209 (ohne Namensnennung); l. 157f. 162 (Unterschrift), p. 214 (= Meyer, Haupturkunden 141,1 – 151,15 passim); Actes de Lavra, Nr. 6 (September 974 [3. Indiktion]), l. 4, p. 110 (ohne Namensnennung); Actes d’Iviron, Nr. 2 (September 975 [4. Indiktion]), l. 3, p. 112 (ohne Namensnennung); Nr. 6 (Dezember 984 [13. Indiktion; 6493 a. m.]), l. 13-15, p. 138; Nr. 7 (Januar 985 [13. Indiktion; 6493 a. m.]), l. 16, p. 149; Athanasios Athonites, Typikon (BHG 190), p. 114,33 – 115,6; p. 119,28-30 (ed. Meyer); Athanasios Athonites, Diatyposis (BHG 191) 125,19 (ed. Meyer). — (Vers.): Ioannes von Melitene, Gedicht auf I. (Incipit: Μικρὸν χρόνον τὸ κέρδος εὑρὼν τοῦ φόνου), ed. Hörandner, in: JÖB 19 (1970) 115; Anonymus, Gedicht auf I. (Incipit: Κίνει κατ᾿ ἐχθρῶν δεξιὰν τὴν ὁπλίτιν), ed. Ševčenko, in: DOP 23/24 (1969–1970) 190; Ioannes Geometres, ed. Cramer, p. 267,22 – 269,19; p. 286,4-8; ed. van Opstall 282–284 (Nr. 80), v. 1f. (ohne Namensnennung: κοίρανος); v. 20 (Ansprache an I.: ἀνάσσετε ...) = ed. Cramer 295,10f. 20; satirisches Lied auf Theophano (# 28125), ed. Morgan, in: BZ 47 (1954) 293,2. — (Sonst.): Novelle des I. über den Sklavenzoll (Dölger–Müller, Regesten Nr. 754), in: Ius (Zepos) I, Coll. III, Nov. XXV, p. 257f. — (lat.): Dandolo, Chron. Venet. 176,1-4; 178,12f.; Chron. Salernitanum 174, p. 177,11-15; Lupus Protospatarius 55 (a. 970); Widukind von Korvei III 73, p. 149,8-12; Thietmar von Merseburg II 15, p. 56,8-16; 57,8-16. — (arm.): Matthäus von Edessa I, cap. 8, p. 21f. (Dostourian); I, cap. 16, p. 27 — cap. 23, p. 34 (Dostourian); Stephan von Taron (Asołik) III, cap. 7, p. 132,2-4 (Gelzer); p. 38 (Macler); cap. 8, p. 134,11 — 135,25 (Gelzer); p. 43–45 (Macler); cap. 10, p. 137,6-24 (Gelzer); p. 48f. (Macler); cap. 15, p. 142,13-15 (Gelzer); p. 60 (Macler); Vardan, cap. 49 [91], p. 190 (Thomson); Kirakos cap. II, p. 45. 47 (Brosset); p. 76. 80 (Bedrosian). — (georg.): Vita Ioannis et Euthymii hiberica § 16, p. 25,12 (Peeters); § 16 [52], l. 316, p. 94 (Martin-Hisard); Synodikon georg. 313. — (syr.): Michael syr. III 123. 128. 132; Bar Hebraeus 173–175; Chronik v. 1234: cap. 230f., p. 29f. — (arab.): Yaḥyā; Miskawayh; ‘Aẓīmī; Hamadānī; Ibn al-Qalānisī; Ibn al-Aṯīr; Ibn Šaddād; Abū Šuğā‘; Maqrīzī, Itti‘aẓ; Maqrīzī, Kitāb al-muqaffā; Dawadārī; Ibn Ḥayyān; Ibn Ẓāfir; al-Makīn; Kamāladdīn; Šimšātī (Ḏahabī); Abū l-Maḥāsin; Ibn al-Ǧawzī; Sibṭ b. al-Ǧawzī (Hamawundī); Bar Hebr., Muḫtaṣar; Abū Firās; Nuwayrī; Ḏahabī, Duwal; Ḏahabī, Ta’rīḫ; Ibrāhīm aṣ-Ṣābī’. — (sl.): Nestorchronik. — (Inscr.): Fragment einer Inschrift in der Kirche des Christos Chalkites auf der Chalke, in: Mango, Brazen House 166f.; cf. dazu Lauxtermann, Poetry 239; Inschrift in der Taubenschlag-Kirche in Çavuşin, ed. N. Thierry, in: TM 9 (1985) 478f.: Ἰωάν(νου) βασιλέως πολ(λ)ὰ τὰ ἔτη (cf. Rodley, in: JÖB 3 [1983] 311); Brooks, in: Abstracts 24 (1998) 23f. — (Sg.): ZV 73 (969–976): Ἰωάννης ἐν Χριστῷ αὐτοκράτωρ Ῥωμαίων. ZV 74 a-b (969–976): Θεοτόκε, βοήθει Ἰωάννῃ δεσπότῃ. — (Num.): Morrisson II 593–595; Catalogue, Byzantine Coins III/2, p. 589–598: Taf. XLII; Grierson, Coins 402 (Reg.): Abb. Nr. 792. 807. 889.

L: ODB II 1045; LdMA V (1991) 532 (Johannes 2); SSS II (1964) 313f. — Đurić, in: ZRVI 17 (1976) 272–277; Krsmanović–Dželebdžić, in: ZRVI 47 (2010) 83–120. — Zu den militärischen Auseinandersetzungen zwischen I. und den Arabern cf. Canard, Hamdanides 838–843; idem, Expéditions mésopotamiennes 99–108; Salibi, Syria 66, Anm. 30; 67. 70f., 81. 84; Bianquis, Damas et la Syrie 6. 55. 90. 93f.; 98. 101; 111–114. 242; Hild–Hellenkemper, Kilikien 58f.; Dölger–Müller, Regesten Nr. 725–754 (Beihammer); Vlyssidou, in: ZRVI 40 (2003) 19–26; Schreiner, Geschenke 274, Nr. 19; Vest, Melitene 995–1020. — Zum “Typikon des Ioannes Tzimiskes” s. Papachryssanthou, in: Actes du Prôtaton 95–102; zur Taubenschlag-Kirche in Çavuşin s. Rodley, in: JÖB 33 (1983) 301–339; N. Thierry, in: TM 9 (1985) 477–484; eadem, in: REGC 4 (1988) 128–131; Brooks, in: Abstracts 24 (1998) 23f.; Schminck, in: Αυτοκρατορία σε κρίση 357f.; Restle, Gunthertuch 556–558; zur Novelle über den Slawenzoll cf. McGeer, Sowing the Dragon’s Teeth 365–368 (mit engl. Übers. der Novelle); Kolias, in: Bsl 56 (1999) 129–135; Magdalino, Army and Land 22 Anm. 26; Schminck, in: FM 11 (2005) 295–297.

P: Matthäus’ von Edessa Nachrichten über I. sind teils falsch (so I, cap. 8, p. 21 [Dostourian], die Information, daß I. vor der Verschwörung gegen Nikephoros II. Phokas, zum Tode verurteilt und auf einer Insel inhaftiert gewesen sei), teils übertrieben oder unkorrekt ausgeschmückt (so die Darstellung des Mordes an Nikephoros Phokas [ibidem p. 22]), teils werden sie durch andere Quellen nicht bestätigt (so die Sendung der Prinzen Basileios [II.] und Konstantinos [VIII.] zu Spramik [# 27176] nach Vasakawan [ibidem p. 22]). Ähnliches gilt auch für seine Darstellung der Verhandlungen zwischen I. und Ašot III. und der des Feldzugs von 974/75 (s. oben Anm. 47 und 49-52). — Eine bildliche Darstellung des I. (als Reiter) befindet sich möglicherweise in der sog. Taubenschlag-Kirche in Çavuşin (ca. 13–15 km östlich bis nordöstlich von Nevşehir, wenig nördlich von Korama/Göreme) in Kappadokien. Die Inschrift neben der Darstellung (Polychronion für den Kaiser I.) dürfte eine spätere Überschreibung der nicht mehr lesbaren ursprünglichen Inschrift sein, denn die Malereien sollen geschaffen worden sein, als noch Nikephoros II. Phokas Kaiser war, wahrscheinlich nicht lange nach 965 (so Thierry, in: TM 9 [1985]. Schminck hält dagegen eine Datierung der Malereien in die Zeit vor 1000 für unmöglich.). Laut S. T. Brooks, in: Abstracts 24 (1998) 23f., handelt es sich um eine Darstellung des älteren Bardas Phokas (# 20769) und von dessen Ehefrau (# 20343B) sowie des Kaiserpaares Nikephoros II. Phokas und Theophano. Jedoch erscheint auch diese Interpretation kaum beweisbar. Restle, Gunthertuch 556–558, spricht sich dezidiert gegen Schminck aus und hält I. für eine der abgebildeten Personen.

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