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BY-NC-ND 4.0 license Open Access Published by De Gruyter

Ioannes Garidas

Ἰωάννης

Ralph-Johannes Lilie, Claudia Ludwig, Beate Zielke and Thomas Pratsch
EintragstypEntry Type
Person
EintragsspracheEntry Language
DeutschGerman
Personenkennziffer
22900
Namensvariante
Garidas (Bei- oder Familienname)
Klerus / Laie
Laie
Geschlecht
Mann
Zeit
10. Jh.
Erste Erwähnung
900
ethnos
Byzanz
Religion
orthodox
Titel / Beruf
Patrikios; Hetaireiarches; Domestikos scholai; Magistros
Name normalisiert
Ioannes
Ort
Lazaroskloster (Kpl.); Kpl.: Lazaroskloster; Kubikulum (Kaiserpalast); Kpl.: Kaiserpalast; Kaiserpalast (Kpl.); Thrakien; Katasyrta (Thrakien)
Quelle
Georg. mon. cont. (Bonn); Vita Euthymii (BHG 651); Leon gr.; Theod. mel.; Georg. mon. cont. (Muralt); Theoph. cont. 6; Ps.-Symeon; Georg. mon. cont. (Istrin); Skylitzes; Zonaras; Symeon log. (Wahlgren); Symeon sl.; Vita Basilii iun. (BHG 263); Symeon log.

N: Bei- oder Familienname: Garidas — Γαριδᾶς.

T: Möglicherweise ein Mitglied der Hetaireia Kaiser Leons VI.; Patrikios (913); während der Regentschaft der Zoe Karbonopsina (# 28506) Hetaireiarches; Magistros (Vita Basilii iun. [BHG 263]); nach dem Sturz der Zoe 919 wurde er kurzzeitig zum Domestikos der Scholen ernannt, jedoch scheint er das Amt nicht angetreten zu haben.

V: I. war der Vater des Symeon (# 27480) und der Schwager des Theodoros Zephinezer (# 27682; in den Chroniken: Zuphinezer), der der Bruder seiner Frau (γυναικάδελφος) war. Als Kaiser Leon VI., vermutlich im Jahre 900, nach der Aufdeckung der Verschwörung des Basileios (# 20911) gegen die Verschwörer vorging, ließ er auch den Hetaireiarches Nikolaos (# 25910), den Vater des Basileios, festnehmen. Hierzu gab er vor, daß er im Kloster des hl. Lazaros, das von Leon selbst erbaut worden und mit dem Palastkomplex verbunden war, speisen wolle, und ließ I. mit den restlichen Mitgliedern der Hetaireia im Kubikulum (des Kaiserpalastes) Aufstellung nehmen (Georg. mon. cont. [Bonn]: ἔστησεν Ἰωάννην Γαριδᾶν μετὰ καὶ τῶν λοιπῶν τῆς ἑταιρείας ἐν τῷ κουβουκλίῳ). Als der Kaiser herunterkam, nahmen die Leute um I. den Hetaireiarches Nikolaos fest und führten ihn aus der Stadt (1).

Bei dem Usurpationsversuch des Konstantinos Dukas (# 23817) unmittelbar nach dem Tod des Kaisers Alexandros (6. Juni 913), tötete, wie die Vita Eustathii mitteilt, der Patrikios I. den Gregoras Dukas (# 22329), den Sohn des Konstantinos (2).

Nach der Rückkehr der Kaiserinmutter Zoe Karbonopsina an die Regierung setzte sie den Theophylaktos (# 28193) als Hetaireiarches ein, um ihn wenig später wieder abzusetzen, da man ihm Umsturzpläne vorwarf. An seiner Stelle wurde I. neuer Hetaireiarches (3).

Im Winter 917/18 zog der Domestikos der Scholen, Leon Phokas (# 24408), der zuvor am Acheloos eine große Schlacht gegen die Bulgaren verloren hatte, wiederum gegen die Bulgaren aus, die Thrakien angegriffen hatten. Begleitet wurde er unter anderem von I. Bei dem Ort Katasyrta wurde das Heer nachts von den Bulgaren überfallen, wobei viele Männer ums Leben kamen (4).

Anfang des Jahres 919 wurde Zoe Karbonopsina als Leiterin der Regentschaftsregierung gestürzt. Da man eine Erhebung des Leon Phokas fürchtete, ernannten Konstantinos VII. und Patriarch Nikolaos I. Mystikos (# 25885) anstelle des bisherigen Amtsinhabers Leon Phokas den I. zum neuen Domestikos der Scholen. Dieser verlangte für seine Einwilligung, daß sein Schwager Theodoros Zephinezer und sein Sohn Symeon zu Hetaireiarchen ernannt würden. Das hätte freilich bedeutet, daß I. faktisch die Macht übernommen hätte, da er dann Oberbefehlshaber der Armee und seine beiden Verwandten die Kommandanten der Leibwache geworden wären. Nachdem Konstantinos und Nikolaos I. ihre Zustimmung eidlich zugesichert hatten, kehrte I. in sein Haus zurück (5). Aber sofort danach vertrieben Konstantinos VII. und Nikolaos I. Mystikos die beiden Verwandten aus dem Palast. Als sie zu I. kamen, erschrak dieser und wandte sich seinerseits sofort an Romanos Lakapenos, der ihn freundlich aufnahm. Beide kamen überein, sich miteinander zu verbinden und beschlossen sogar, diese Verbindung durch ein Ehebündnis zu festigen (6).

Anmerkungen: — (1) Symeon log. (Leon gr. 273,5-11; Theod. mel. 190,28 – 191,3; Symeon sl. 118,36-39); Symeon log. (Wahlgren) 133,207-212; Georg. mon. cont. (Bonn) 859,7-12; Georg. mon. cont. (Muralt) 1104B-C. — (2) Vita Euthymii (BHG 651) XXI, p. 131,24-26 (Karlin-Hayter); zum Lazaroskloster cf. Jenkins–Laourdas–Mango, in: BZ 47 (1954) 8; Janin, Églises 298–300. — (3) Theoph. cont. VI 6, p. 386,20f.; Skylitzes, Konstantinos 4, p. 201,47f.; Symeon log. (Leon gr. om.; Theod. mel. 205,26f.; Symeon sl. 126,37f.); Symeon log. (Wahlgren) om.; Georg. mon. cont. (Bonn) 879,18f.; Georg. mon. cont. (Muralt) 1133C; Georg. mon. cont. (Istrin) 42,12-14; Ps.-Symeon 722,11-13. — (4) Theoph. cont. VI 10, p. 390,15-21; Skylitzes, Konstantinos 9, p. 205,45-56 (sieht als einzige Quelle einen byzantinischen Sieg); Symeon log. (Leon gr. 296,12-19; Theod. mel. 208,17-23; Symeon sl. 128,12-16); Symeon log. (Wahlgren) 135,172-179; Georg. mon. cont. (Bonn) 882,21 – 883,5; Georg. mon. cont. (Muralt) 1140B; Georg. mon. cont. (Istrin) 44,14-19; Ps.-Symeon 725,4-8. — (5) κατῆλθεν ἐν τῷ οἴκῳ αὐτοῦ. Wahrscheinlich soll das heißen, daß er den Kaiserpalast und vielleicht sogar Konstantinopel verließ und sich in seinen Palast zurückzog, weil er sich seiner Sache sicher war. — (6) Theoph. cont. VI 11, p. 392,19 – 393,10; Skylitzes, Konstantinos 11, p. 208,25-36; Symeon log. (Leon gr. 298,20 – 299,11; Theod. mel. 210,12-25; Symeon sl. 129,10-20); Symeon log. (Wahlgren) 135,220-232; Georg. mon. cont. (Bonn) 885,6-19; Georg. mon. cont. (Muralt) 1141C–1144A; Georg. mon. cont. (Istrin) 45,19-29; Ps.-Symeon 726,9-15; verkürzt: Zonaras XVI 17, p. 467,14f. Konstantinos VII. und Nikolaos Mystikos hatten zwar offenbar versucht, I. als Gegengewicht zu Leon Phokas zu benutzen, fürchteten jetzt aber, daß er selbst die Macht an sich reißen könnte, und gingen trotz ihrer eidlichen Zusagen gegen seine Verwandten vor. I. reagierte, indem er auf die Seite des Romanos Lakapenos überging und dessen Gefolgsmann wurde. Romanos gewann damit einen einflußreichen Verbündeten im Machtkampf.

Q: — (Hist.): Theoph. cont.; Symeon log. (Leon gr.; Theod. mel.; Symeon sl.); Symeon log. (Wahlgren); Georg. mon. cont. (Bonn); Georg. mon. cont. (Muralt); Ps.-Symeon; Zonaras. — (Hag.): Vita Euthymii (BHG 651); Vita Basilii iun. (BHG 263) fol. 14v (p. 291 Vilinskij); cap. 10, p. *22A (AASS).

L: Guilland, Recherches I 441; Karlin-Hayter, in: Vita Euthymii (BHG 651) 231. — Zu der Verschwörung des Basileios (# 20911) s. dort. — Zur Hetaireia in der mittelbyzantinischen Zeit cf. auch Beck, Gefolgschaftswesen.

P: Die Einzelheiten der Festnahme des Nikolaos durch I. werden nur von den oben genannten Quellen erzählt, während Theoph. cont. und Skylitzes lediglich erwähnen, daß Nikolaos aus der Stadt gebracht worden sei. — Das relativ kompliziert erscheinende Vorgehen des Kaisers erklärt sich daraus, daß Nikolaos als Hetaireiarches Chef der Hetaireia des Kaisers war, die offensichtlich auch Funktionen als unmittelbare Leibwache des Kaisers ausübte. Möglicherweise identisch mit dem Siegler Ioannes (# 22971).

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