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BY-NC-ND 4.0 license Open Access Published by De Gruyter

Ioannes Geometres

Ἰωάννης

Ralph-Johannes Lilie, Claudia Ludwig, Beate Zielke and Thomas Pratsch
EintragstypEntry Type
Person
EintragsspracheEntry Language
DeutschGerman
Personenkennziffer
23092
Namensvariante
Geometres (Beiname); Kyriotes (Beiname bzw. Bezeichnung der Klosterzugehörigkeit)
Klerus / Laie
Laie
Geschlecht
Beides
Zeit
10. Jh.
Erste Erwähnung
959
ethnos
Byzanz
Religion
orthodox
Titel / Beruf
Autor ; Dichter; Hymnograph; Hagiograph; Kommentator ; Scholiast; Protospatharios; Militär (Dienstgrad und Kommando unklar)
Name normalisiert
Ioannes
Ort
Kyru: ta-Kyru-Kloster (Kpl.); Kpl.: Kyru: ta-Kyru-Kloster ; Mesomphalos (Kpl.); Kpl.: Mesomphalos; Aretaigarten (kaiserlicher Jagdpark außerhalb von Kpl, genaue Lage unbekannt); Kpl.: Kyroskloster; Kyroskloster (Kpl.); Kpl.: Theotokoskloster ta Kyru; Theotokoskloster ta Kyru (Kpl.)
Quelle
Ioannes Geometres; Michael Psellos, Theologica

N: Beiname: Geometres — Γεωμέτρης, weiterer Beiname: Kyriotes — Κυριώτης nach dem Kloster ta Kyru — τὰ Κύρου, in dem I. seinen letzten Lebensabschnitt verbrachte (zu den Beinamen s. Lauxtermann, in: Byz 68 [1998] 358f.).

T: Militär unter den Kaisern Konstantinos VII., Romanos II., Nikephoros II. Phokas, Ioannes I. Tzimiskes und Basileios II., wobei unklar ist, welche Kommandos I. innehatte. Was seinen Rang anbelangt, so wird er in einer Handschrift als Protospatharios bezeichnet (Cod. Oxon. Barocc. 25 [s. XIV ineunte], fol. 280v. 287r, cf. Lauxtermann, in: Byz 68 [1998] 365 Anm. 39; van Opstall 9). Autor (Hymnograph, Dichter von Epigrammen u. a.).

V: I. war “einer der bedeutendsten Dichter der mittelbyzantinischen Epoche” (Tusculum-Lexikon). Neben Dichtung (Epigrammen, Hymnen, poetischen Paraphrasen) schrieb I. auch Homilien und Kommentare auf Homilien, ferner Kommentare zu den rhetorischen Schriften des Aphthonios und Hermogenes (cf. Lauxtermann, in: Byz 68 [199]) 363 mit Anm. 20; Hunger, Literatur I 83; van Opstall 16), die verloren sind, sowie rhetorische Übungen (Progymnasmata, erhalten, s. unter W).

I. wurde ca. 935–940 (Lauxtermann, in: Byz 68 [1998] 357. 360f.) in Konstantinopel als jüngerer Sohn einer angesehenen Familie geboren (s. unten). Ob I. selbst verheiratet war oder Kinder hatte, ist unbekannt (Lauxtermann, in: Byz 68 [1998] 359). I. besaß ein großes Haus mit Garten am Mesomphalos (Μεσόμφαλος) im Stadtzentrum von Konstantinopel, von dem wir nicht wissen, ob es ererbter Familienbesitz war oder ob erst I. es erworben hat. I. erhielt früh eine umfassende (weltliche und theologische) Bildung, denn aus dem Epigramm “Auf sich selbst” (Εἰς ἑαυτόν), ed. Cramer, p. 333,9-13, geht hervor, daß I. sich bereits im Alter von 18 Jahren als voll ausgebildet (οὐρανίων, ἐπιγείων ἵστωρ) verstand (cf. Lauxtermann, in: Byz 68 [1998] 360; idem, Poetry 38). Eventuell war er damals auch schon Soldat und hatte sich militärisch ausgezeichnet, denn er spricht von seiner Tapferkeit in diesem Alter (ἠνορέη ἀριπρεπής, op. cit., p. 333,12f.). An Lehrern erwähnt er nur einen Nikephoros (# 25587). Falls dieser Lehrer Nikephoros mit Nikephoros Erotikos (# 25583), einem Lehrer der Geometrie, zu identifizieren ist, würde sich aus diesem Lehrer-Schüler-Verhältnis der Beiname des I., Geometres, erklären lassen.

I.s dichterische Betätigung dürfte in den 950er Jahren begonnen haben (Lauxtermann, Poetry 299), denn im Jahre 959 schrieb I. Grabgedichte auf Kaiser Konstantinos VII. (ed. Cramer, p. 303,17 – 304,13), eine Aufgabe, die schon eine gewisse Erfahrung als Dichter voraussetzt (Lauxtermann, in: Byz 68 [1998] 360). Zudem hat der “Anonyme Patrikios” (# 31326) ein Gedicht des I. (auf die 40 Märtyrer von Sebasteia, ed. Sajdak, in: Eos 32 [1929] 197 [Nr. 8]; abgedruckt und übersetzt bei Lauxtermann, Poetry 149) in einem seiner Gedichte auf das von Kaiser Konstantinos VII. gestiftete Bildnis der Jungfrau Paraklesis (Nr. 4, ed. Lampros, in: NE 16 [1922] 49,5-10; abgedruckt und übersetzt bei Lauxtermann, Poetry 169) nachgeahmt, was bedeutet, daß das Vorbild des I. bereits einige Zeit vor 959 existiert haben muß; cf. Lauxtermann, Poetry 169. 299. 321; van Opstall 7f.).

Wohl gleichzeitig absolvierte I. eine militärische Karriere, auf die er häufig in seinen Gedichten anspielt, über die er jedoch keine konkreten Informationen gibt, so daß wir nicht wissen, welche Kommandos und Ämter er innehatte. Die einzige konkrete Angabe liefert eine Handschrift (Cod. Oxon. Barocc. 25, s. o.), die ihn an zwei Stellen als Protospatharios bezeichnet. Dies scheint somit der höchste Rangtitel zu sein, den I. in seinem Leben erreicht hat (cf. Lauxtermann, in: Byz 68 [1998] 365).   

Unter den Gedichten des I., von denen viele sich auf die Jungfrau Maria, Heilige, antike Schriftsteller, Kirchen und Bilder, Orte und Objekte oder auch auf eigene Erfahrungen beziehen, gibt es einige, die sich mit bekannten Personen oder politischen Ereignissen befassen. Der große Held des I. ist der Kaiser Nikephoros II. Phokas, den er in einer Reihe von Gedichten preist (ed. Cramer, p. 266,20 – 267,21; p. 305,1-3, vielleicht auch ed. Cramer, p. 289,15-30) und dessen Tod er in mehreren Gedichten beklagt, in denen er aus der Perspektive des toten Kaisers spricht (Ethopoiien, Nr. 61. 80. 147 van Opstall). I.s Verhältnis zu Ioannes I. Tzimiskes ist dementsprechend eher ambivalent (ed. Cramer, p. 267,22 – 269,19 [Epitymbia]; p. 286,4-8).

Zwei von I.s Gedichten können wohl als Dichtungen zum Lobpreis des Basileios Lakapenos (# 20925) aufgefaßt werden, auch wenn dies nirgends direkt ausgesagt ist. Es handelt sich dabei um die Gedichte ed. Cramer, p. 276,3 – 278,20 (die Ekphrasis einer Villa) und p. 308,1 – 309,13, cf. Lauxtermann, in: Byz 68 (1998) 373–378.

In Ungnade fiel I. wohl 985 oder 986 im Zuge des Sturzes des Basileios Lakapenos. Diese Datierung für I.s Entlassung wurde von Lauxtermann, in: Byz 68 (1998) 367–371 (cf. idem, Poetry 158. 304), wahrscheinlich gemacht und ist allgemein akzeptiert worden (cf. van Opstall 11. 13), während man früher angenommen hatte, daß I. unter Ioannes Tzimiskes aus dem Militärdienst entlassen wurde (z. B. Scheidweiler). I. verlor seine Ämter und fühlte sich, wie er in einem Gedicht auf den hl. Theodoros Teron bekennt, vorzeitig zum Greise gemacht (Nr. 68 van Opstall, v. 8: καὶ ἐν ὠμῷ γήραϊ θῆκεν). Den Kaiser, der ihn entließ (wohl Basileios II.), nennt I. einen bösartigen Pharao (ibidem, v. 7: Φαραώ κακόμητις). Deutliche Kritik scheint auch aus dem Gedicht über die Niederlage “im bulgarischen Paß” (Nr. 90 van Opstall), also wohl auf die byzantinische Niederlage bei der Trajanischen Pforte am 17. August 986, anzuklingen, “wo der Löwe (= Byzanz) vor Angst, den Rehen (= den Bulgaren) zu begegnen, erstarrt war.” Bitter beklagt sich I., daß jemand wie er, der militärische Leistung und Bildung in seiner Person verbinde, nicht mehr gefragt sei (ed. Cramer, p. 342,6 – 347,32). I.s Entlassung scheint auch mit einem Verlust seines Eigentums einhergegangen zu sein, denn er beklagt sich über Nachbarn (# 30521), die sich sein Hab und Gut aneigneten.

Wohl schon bald nach seiner Entlassung trat I. in das Theotokos-Kloster ta Kyru ein, auf das er auch ein Gedicht schrieb (Nr. 142 van Opstall) und nach dem er als Kyriotes bezeichnet wurde (in Werktiteln in drei Handschriften, cf. Lauxtermann, in: Byz 68 [1998] 358 Anm. 10).

Den Bürgerkriegen 986–989 (Rebellion des Bardas Phokas [# 20784]) widmete I. mehrere Gedichte, in denen jedoch keinerlei Namen genannt werden: Es sind dies laut Lauxtermann (in: Byz 68 [1998] 368) die Gedichte ed. Cramer, p. 271,31 – 273,29 und 322,11 – 325,16, sowie “Auf den Raub durch die Iberer” (Εἰς τὰς τῶν Ἰβήρων ἁρπαγάς, ed. Cramer, p. 282,21-27), wo auf die militärische Hilfe des einstigen Verbündeten David von Tao (# 21432) für Bardas Phokas angespielt wird, und der folgende Zweizeiler (ed. Cramer, p. 282,29f.) zum selben Thema (der Titel Εἰς τοὺς Βουλγάρους gehört erst zu dem mit p. 282,31 beginnenden Gedicht, cf. Lauxtermann, in: Byz 68 [1998] 373 Anm. 58).

Sein spätestes Gedicht stellt vielleicht das Epigramm Εἰς τοὺς Βουλγάρους (ed. Cramer 282,31 – 283,8) dar, das Lauxtermann (Poetry 289 Anm. 10) auf 996/97 datiert, weil darin auf die Annahme des Basileus-Titels durch den bulgarischen Zaren Samuel (# 26983) Bezug genommen wird. Später könnte allenfalls noch das Grabepigramm auf den wohl etwas älteren Theodoros Dekapolites (# 27708) sein, der irgendwann zwischen 990 und 1000 gestorben sein dürfte. Für I. ist daher vermutlich ein Todesdatum um das Jahr 1000 anzunehmen (cf. Lauxtermann, Poetry 289).

W: Die Epigramme des I. werden vor allem von einer Handschrift überliefert, dem Cod. Paris. Suppl. gr. 352 (olim Vat. gr. 997, s. XIII), fol. 155v–176r. Diese wurden von J. A. Cramer im Jahre 1841 ediert (ed. Cramer, p. 266,1 – 352,2; teilweise ebenfalls ediert in: PG 106, 901–987, und von E. Cougny, Epigrammatum Anthologia Palatina cum Planudeis et appendice nova, vol. III, Paris 1890, passim). Andere fand S. Lampros in Cod. Vat. Palat. gr. 367, fol. 140r-v und 143r-v, und edierte sie in: NE 16 (1922) – noch ohne sie dem I. zuzuschreiben, was erst I. Sajdak, in: Eos 33 (1930–1931) 521–534 (griech. Text: 530–534) tat. Sajdak schrieb auch die 13 Epigramme, die im Cod. Paris. Suppl. gr. 690 (s. XII), fol. 118r-v, anonym überliefert sind (ed. Sajdak, in: EOS 32 [1929] 191–198 [griech. Text: 196–198]), dem I. zu, weil ein Epigramm (Nr. 1 Sajdak) sich auch im Cod. Paris. Suppl. 352 unter den Werken des I. befindet (ed. Cramer, p. 273,31 – 274,10). Lauxtermann (Poetry 297–301) schloß sich dieser Zuschreibung von Sajdak an, während van Opstall (p. 558) I.s Verfasserschaft für die in Eos 32 (1929) 191–198 edierten Gedichte für unsicher hält. Die in Hexametern oder elegischen Distichen gehaltenen Gedichte wurden 2008 von van Opstall neu ediert (mit franz. Übers. und ausführlichem Kommentar), die auch für die von ihr nicht edierten Gedichte, die nach wie vor nach den Editionen von Cramer und Sajdak zu benutzen sind, eine neue Numerierung vornahm (s. p. 551–558). Die Ekphrasis auf einen neuangelegten kaiserlichen Jagdpark (Aretaipalast und -garten?), ed. Cramer, p. 276,3 – 278,20 (85 vv.), wurde abgedruckt von Maguire, in: Journal of Garden History 10 (1990) 209–213 (griech. Text: 209f., engl. Übers.: 210f.). Das Gedicht auf den Kometopulos (Samuel [# 26983]), ed. Cramer, p. 283,15-26 (bzw. PG 106, 920), wurde ebenfalls abgedruckt bei Leroy-Molinghen, in: Byz 42 (1972) 410 (franz. Übers. ibidem 410f.). Einige Gedichte des I. druckte auch Lauxtermann, Poetry, mit engl. Übers. und Interpretation ab (cf. p. 376f. [Index]). — Polemischer Wechsel von Epigrammen zwischen I. und Stylianos (# 27424) im Cod. Hauniensis 1899 (s. XIII), fol. 1r, ed. C. Graux, Rapport sur les manuscrits grecs de Copenhague, in: C. Graux, Les articles originaux publiés dans divers recueils, Paris 1893, 225–336 (zuerst erschienen in: Archives des Missions Scientifiques et Littéraires III,6 [1880] 133–242), bes. p. 277f. — Unsicher: Epigramm auf den Psalter (10 vv.; Incipit: σίγησον, Ὀρφεῦ· ῥίψον, Ἑρμῆ, τὴν λύραν ...), ed. Sajdak, in: EOS 24 (1919–1920) 43f., das im Cod. Athous Dion. 60 (s. XIII) dem I. zugeschrieben wird (s. dazu Lauxtermann, Poetry 303). — Paraphrase der Oden — Ὁμοῦ εἰσὶ στίχοι ἡρωικοὶ πεντακισχίλιοι, πεντακόσιοι πεντήκοντα· Μετάφρασις τῶν ᾠδῶν ἀπὸ φωνῆς Ἰωάννου Γεωμέτρου, ed. A.-P. Koumantos (aus dem Cod. Meteor. 402), in: Δελτίον βιβλικῶν μελετῶν 3 (1975) 128–133 = Μετάφρασις τῶν ᾠδῶν, ed. Cramer, p. 352–366 (= PG 106, 987–1002); dazu M. de Groote, Joannes Geometres und das Metaphrasieren der Oden, in: BZ 97 (2004) 95–111; neue Edition: de Groote, in: GRBS 44 (2004) 375–410 (griech. Text 380–404). — Vier Hymnen (Chairetismoi — Χαιρεστιμοί) auf die Theotokos, ed. I. Sajdak, Ioannis Kyriotis Geometrae Hymni in S. Deiparam, Posen 1931, 61–78; ältere Ed. in: PG 106, 853–868. — Laudatio metrica Panteleemonis (BHG 1415), ed. L. Sternbach, Ioannis Geometrae Carmen de S. Panteleemone, Krakau 1892, p. 3–41,6 = ed. L. Sternbach, in: Rozprawy Academiae Cracoviensis, sect. philol. 16 (1892) 220–258; s. dazu K. Demoen, in: Philomathestatos 165–184. — Progymnasmata, ed. A. R. Littlewood, The progymnasmata of Joannes Geometres, Amsterdam 1972. Zwei der Progymnasmata (p. 3–13 ed. Littlewood) finden sich abgedruckt bei: Agapetos–Hinterberger, in: Eikon kai Logos, p. 129–137 (griech. Text mit paralleler neugriech. Übers.: 136–147). — Cf. die Aufstellung bei van Opstall 15f.; zu den unedierten oder nur teilweise edierten Werken des I. s. die Aufstellung bei van Opstall 16f. (Nr. 8-12).

Q: (Vers.): Ioannes Geometres, Gedichte (cf. unter W). — (Sonst.): Michael Psellos, Theologica I 47,80–105, p. 180f. (Gautier) (Nachricht, daß I. Opfer von Angriffen des Ioannes Sikeliotes [# 23413] gewesen sei, sowie Psellos’ Beurteilung der rhetorischen Arbeiten des I.). Zu weiteren Erwähnungen bei späteren Autoren (Doxopatres, Eustathios von Thessalonike) s. van Opstall 15 (Nr. 4) und 16 (Nr. 7).

L: ODB II 1059; Savvides V 282–284; SSS VIII (1991) 240; Tusculum-Lexikon 273f.; Beck, Kirche 553f. 597; Hunger, Literatur I 79. 83. 88. 106. 111. 117; II 169. — Scheidweiler, in: BZ 45 (1952) 277–319; Cresci, Eventi storici; Lauxtermann, in: Byz 68 (1998) 356–380 (p. 357 Anm. 7 listet die ältere Lit. zu I. auf); Tziatze-Papagianne, in: Hellenika 52 (2002) 263–277 (Emendationen und Interpretation von Εἰς τὴν ἀπόστασιν, ed. Cramer, p. 271,31 – 273,29); Lauxtermann, Poetry 13. 35f. 68f. 118f. 220f. 231–234; bes. Appendices I–II, p. 287–304; de Groote, in: BZ 97 (2004) 95–111; idem, in: GRBS 44 (2004) 375–410, bes. 375f.; Demoen, in: Philomathestatos 165–184; Agapetos–Hinterberger, in: Eikon kai Logos 129–135. 194f.; van Opstall passim, bes. 3–14 (“Esquisse biographique”). 15–17 (“List des œuvres”). 438; De Stefani, in: Medioevo greco 7 (2007) 81–84 (Ed. der zwei Epigramme Cramer 290,21 – 291,27; 293,24 – 294,4); Rhoby, Epigramme Fresken 350–352 (zum Epigramm ed. Sajdak, in: Eos 32 [1929] 197 [Nr. 8]; Lit.).

P: Er ist nicht zu verwechseln mit Ioannes, dem Metropoliten von Melitene (# 23161), mit dem er von einigen Wissenschaftlern identifiziert wurde (Scheidweiler, op. cit.; Hörandner, in: JÖB 19 [1970] 110), cf. dazu Lauxtermann, in: Byz 68 (1998) 365–367; idem, Poetry 305f. — Im Titel von Progymnasma 4 bezeichnet eine Handschrift, der Cod. Matrit. 4614, I. als Protothronos — πρωτόθρονος, d. h. als ersten Suffraganbischof einer unbekannten Metropolis oder als Protothronos des Patriarchats von Konstantinopel, also als Metropoliten von Kaisareia. Diese Angabe ist sicher falsch und mag auf die irrtümliche Auflösung einer Abkürzung durch einen Kopisten zurückzuführen sein. I. war mit Sicherheit zu keinem Zeitpunkt seines Lebens Bischof oder Metropolit, cf. Lauxtermann, in: Byz 68 (1998) 365f.

Angehörige (anonym):

1. Vater 23092A

V: I. bezeichnet seinen Vater als treuen Diener des Kaisers. Der Vater starb in Kleinasien, während er dort im Dienst war, nachdem er zuvor bereits an verschiedenen Orten im ganzen Reich für den Kaiser tätig gewesen war (vermutlich als Militär). Sein Leichnam wurde von I. und dessen älterem Bruder (# 23092C) zurück nach Konstantinopel überführt. Es sind vier Epigramme von I. auf seinen Vater erhalten. Eines davon (ed. Cramer, p. 329,1-12) dürfte am Grab des Vaters (v. 9: ἔγραψα καὶ νῦν τῷδε τῷ τύπῳ, πάτερ·) angebracht gewesen sein, wo auch ein Bildnis (v. 10: ὄψις) des Vaters gewesen sein muß (cf. Lauxtermann).

Q: — (Vers.): Ioannes Geometres, Epigramme auf seinen Vater (Εἰς ἑαυτοῦ πατέρα), ed. van Opstall 128 (Nr. 15); ältere Edition: ed. Cramer, p. 280,13-21; ed. van Opstall 134 (Nr. 16); ed. Cramer, p. 280,22-25; ed. van Opstall, p. 138 (Nr. 17); ed. Cramer 280,26-29; ferner: ed. Cramer, p. 329,1-12 (abgedruckt – mit Emendation – bei Lauxtermann, Poetry 220); Gebet — δέησις, ed. van Opstall 480 (Nr. 290), v. 77: τοκέων (ed. Cramer, p. 338,14).

L: Lauxtermann, Poetry 220f.; van Opstall 127–131 (Nr. 15); 133–136 (Nr. 16); 137–140 (Nr. 17).

2. Mutter 23092B

Q: — (Vers.): Ioannes Geometres, Epigramme auf seinen Vater, ed. van Opstall 128 (Nr. 15), v. 4: φίλης ἀλόχου (ed. Cramer, p. 280,13-21, bes. l. 17); ed. van Opstall 134 (Nr. 16), v. 3: ἀλόχου (ed. Cramer, p. 280,22-25, bes. l. 24); ed. Cramer, p. 329,1-12, bes. l. 7 (v. 6): ... συζύγου ... ; Gebet — δέησις, ed. van Opstall 480 (Nr. 290), v. 77: τοκέων (ed. Cramer, p. 338,14).

3. Bruder 23092C

V: Er war der ältere Bruder und wird von I. im Zusammenhang mit der Überführung des Leichnams des Vaters (# 23092A) zurück nach Konstantinopel erwähnt. Da I. sich in einem anderen Epigramm (ed. Cramer, p. 329,1-12, bes. l. 9) als jüngeren Sohn bezeichnet, muß der Bruder der älteste Sohn gewesen sein. I. vergleicht ihn und sich mit dem Brüderpaar Kleobis und Biton (Nr. 15 van Opstall, v. 7). Der Bruder könnte auch vor I. gestorben sein (oder sich von ihm abgewandt haben?), denn I. beschreibt sich in dem Gebet, ed. Cramer, p. 331,111 – 332,4, bes. l. 14f., das er nach seiner Entlassung, also nach 985/86, verfaßt hat, als “verlassen von Freunden, Geschwistern, Verwandten”.

Q: — (Vers.): Ioannes Geometres, Epigramme auf seinen Vater, ed. van Opstall 128 (Nr. 15), v. 5: τέκνων ζεῦγος, v. 7: τεκέων δυάδι (ed. Cramer, p. 280,13-21, bes. l. 18. 20); ed. van Opstall 134 (Nr. 16), v. 3: τέκνων (ed. Cramer, p. 280,22-25, bes. l. 24); Gebet — εὐχή, ed. Cramer, p. 331,15: ἀδελφῶν.

4. Verwandte 23092D

V: Sie ließen I. nach dessen eigener Aussage im Stich.

Q: — (Vers.): Ioannes Geometres, Gebet — εὐχή, ed. Cramer, p. 331,15: συγγενῶν; Gebet — δέησις, ed. van Opstall 480 (Nr. 290), v. 79: συγγενέες δ᾿ ἐπέμυξαν, ἀπηνήναντο δὲ πηοί (ed. Cramer, p. 338,16).

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