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BY-NC-ND 4.0 license Open Access Published by De Gruyter

Ioannes (von Melitene)

Ἰωάννης

  • Ralph-Johannes Lilie , Claudia Ludwig , Beate Zielke and Thomas Pratsch

N: Im Cod. Marc. XI 22 (s. XIV), fol. 87v, wird ein Epigramm auf den Kaiser Ioannes Tzimiskes (ed. Hörandner) als Werk τοῦ Μέλητος bezeichnet, also eines Dichters mit dem Namen Meles — Μέλης oder dem Beinamen Meletos — ὁ Μέλητος; dabei handelt es sich aber vermutlich nur um eine irrtümliche Entstellung von ho Melitenes — ὁ Μελιτηνῆς, der Angabe der Metropolis des I., cf. Lauxtermann, Poetry 310, und unter T.

T: Metropolites von Melitene (Armenien) — ὁ Μελιτηνῆς μητροπολίτης (Skylitzes); Autor (Dichter).

V: I. lebte in der zweiten Hälfte des 10. Jh.s und ist der Autor mehrerer erhaltener Epigramme. Er schrieb den Epitaph auf den Kaiser Nikephoros II. Phokas (963–969), der laut Skylitzes angeblich auf dem Sarg des Nikephoros zu lesen war. Allerdings dürfte das Gedicht niemals tatsächlich als Inschrift an dessen Grab zu lesen gewesen sein, sondern in den Jahren 988–989 als polititsches Pamphlet zirkuliert haben (cf. Lauxtermann, Poetry 233–236. 306).

Eine echte Inschrift ist deshalb unwahrscheinlich, weil Ioannes Tzimiskes, der Nikephoros II. still und leise in einem Sarkophag im Konstantinsmausoleum in der Apostelkirche bestatten ließ, kein Interesse an einer aufsehenerregenden, die Ermordung des Nikephoros so deutlich beklagenden Inschrift gehabt haben dürfte. Ebenso schwer ist vorstellbar, daß Kaiser Basileios II. dieses Gedicht als offizielle Grabinschrift toleriert hätte, da in ihm seiner Mutter Theophano (# 28125) die Schuld an der Ermordung des Kaisers Nikephoros II. zugeschrieben wurde (cf. Lauxtermann, Poetry 233f.).

W: “Epitaphios” auf Nikephoros II. (27 vv., Incipit: Ὃς ἀνδράσι πρὶν καὶ τομώτερος ξίφους), ed. Lauxtermann, Poetry 308f.; ältere Editionen: ed. S. G. Mercati, Epigramma di Giovanni Geometra sulla tomba di Niceforo Foca, in: Bessarione 25 (1921) 158–162 (Ndr. in: Mercati, Collectanea Byzantina, Bari 1970, vol. II, 252–256 [griech. Text: p. 255f.]) und ed. Thurn, in: Skylitzes, Nikephoros 23, p. 282,64 – 283,90; Epitaphios auf einen Bardas (# 20781) (Incipit: Καὶ Βάρδας ὧδε τὴν τελευταίαν μένει ...), ed. Ševčenko, in: DOP 23–24 (1969–1970) 191; satirisches Epigramm auf Ioannes Tzimiskes (Incipit: Μικρὸν χρόνον τὸ κέρδος εὑρὼν τοῦ φόνου), ed. Hörandner, in: JÖB 19 (1970) 115; Epigramme auf die Kreuzabnahme und den hl. Iakobos, den Perser, ed. Hörandner, in: JÖB 19 (1970) 115f. (Hörandner hatte jedoch alle von ihm edierten Epigramme dem Ioannes Geometres [# 23092] zugeschrieben); ein Epigramm auf die Kreuzigung (Incipit: Ἤ φρικτὸν εἶδε ζωγράφος Θεοῦ πάθος), das in den Codd. Salamanca 2722, fol. 11v; Vat. Urb. 120, fol. 2v, und Athous Dion. 264 (s. XVII), fol. 337r, überliefert ist und im Cod. Athous Dion. 264 die Überschrift τοῦ Μελιτηνῆς trägt, ed. H. Maguire, Image and Imagination: the Byzantine Epigram as Evidence for Viewer Response, Toronto 1996, p. 21 Anm. 49; s. dazu Lauxtermann, Poetry 315.

Q: — (Hist.): Skylitzes, Nikephoros 23, p. 282,61f. — (Vers.): s. unter W.

L: Ševčenko, in: DOP 23–24 (1969–1970) 191f.; Poppe, in: DOP 30 (1976) 195–244, bes. 215–217 (zum Epitaphios auf Nikephoros II.); Lauxtermann, Epigram 88–92; idem, in: Byz 68 (1998) 366; idem, Poetry 13. 233–236 (zum Epitaphios auf Nikephoros II.). 305–316 (Appendix III: John of Melitene).

P: Eine Identität mit dem Metropoliten Ioannes von Melitene (# 23377), der für die Jahre 1027–1039 bezeugt ist, erscheint eher unwahrscheinlich, da im Jahre 997 sicher ein Theodoros (# 27772) als Metropolites von Melitene belegt ist. — Er ist nicht zu verwechseln mit Ioannes Geometres (# 23092), mit dem er von einigen Wissenschaftlern identifiziert wurde (Vasilievsky; Mercati; Hörandner, in: JÖB 19 [1970] 110); cf. dazu Lauxtermann, in: Byz 68 (1998) 365–367; idem, Poetry 305f.; van Opstall 14. I.s Dichtung zeigt starke stilistische Ähnlichkeiten zu der des Ioannes Geometres, weshalb Lauxtermann (Poetry 305) annimmt, daß I. entweder den Ioannes Geometres nachahmte oder daß es sich bei den Gemeinsamkeiten der beiden Dichter in Wahrheit um Charakteristika der gesamten Dichtung des 10. Jh.s handelt. — Zur Zeit der Abfassung des “Epitaphios” auf Nikephoros II. Phokas muß die Bedrohung durch die Russen und Bulgaren aktuell gewesen sein (l. 12f.), und es scheinen sich Vertreter dieser Völker (oder anderer barbarischer Völker; zum textkritischen Problem s. Lauxtermann, p. 307f.) innerhalb der Stadtmauern Konstantinopels aufgehalten und dort “geplündert” zu haben (λεηλατοῦσι, l. 14; vermutlich eine Übertreibung), die einstmals als Feinde des Reiches nicht in die Nähe der Stadt gelangt wären (l. 14-16). Poppe (p. 217) und Lauxtermann (p. 235f.) denken bei den “Plünderern” in der Stadt an die Russen (Waräger), die 988 von Fürst Vladimir von Kiew (# 28433) dem Kaiser Basileios II. gegen die Bedrohung durch die Rebellion des Bardas Phokas (# 20784) zu Hilfe geschickt worden waren und sich vielleicht ungebührlich in der Hauptstadt aufführten. Da Lauxtermann (p. 236) die explizit die Russen betreffende Zeile des “Epitaphios” auf Nikephoros II. Phokas (l. 12: ὁρμᾷ καθ᾿ ἡμῶν Ῥωσικὴ πανοπλία· “Es stürmt gegen uns eine russische Streitmacht an.”) ebenfalls auf das 988 von Vladimir dem Basileios II. geschickte Kontingent von Warägern bezieht, muß er in den Angegriffenen, d. h. in dem “wir” dieser Zeile, die Partei des rebellischen Bardas Phokas sehen, der sich der Verfasser I. demnach zugehörig fühlte (Lauxtermann: “there can be little doubt where he [sc. I.] stands politically, namely, at the side of Bardas Phokas. This is hardly surprising since the revolt of Bardas Phokas began in Melitene, the city of which John was the metropolitan ... In short, what we have here is plain propaganda for the cause of Bardas Phokas.”). Folglich datiert Lauxtermann (p. 236) das Gedicht in den Zeitraum zwischen Sommer 988 (nach dem Eintreffen des russischen bzw. warägischen Kontingents) und 13. April 989 (Niederlage und Tod des Bardas Phokas bei Abydos). Obwohl kaum an dem antimakedonischen oder zumindest sehr kritischen Tenor des “Epitaphios” gezweifelt werden kann, scheint Lauxtermanns Interpretation doch zu weit zu gehen. Vor allem die Deutung der russischen Aggressoren aus l. 12 als Teil der von Basileios II. aufgebotenen Armee gegen Bardas Phokas erscheint problematisch, denn der “Hilferuf” an den längst verstorbenen Kaiser Nikephoros Phokas und der parallele Satz über die Bulgaren lassen es notwendig erscheinen, daß es in l. 12f. um eine Bedrohung durch äußere Feinde geht und nicht durch ein fremdländisches Kontingent in dem Bürgerkrieg zwischen Bardas Phokas und Basileios II., einer eher innenpolitischen Auseinandersetzung. Mit den “plündernden” Barbaren innerhalb der Stadt könnten dennoch, wie von Poppe und Lauxtermann angenommen, die 988 ins Reich gekommenen Waräger gemeint sein, vielleicht aber auch andere Nichtbyzantiner, die in Konstantinopel mehr Einfluß und Wohlstand genossen, als I. ihnen zubilligen wollte. Eventuell sollte man die im “Epitaphios” erwähnten Bedrohungen durch Russen und Bulgaren auch mit der Erwähnung zweier Verluste an Russen und Bulgaren durch Leon Diakonos (Historia X 10, p. 175,9-11) in Verbindung setzen. Es handelt sich dabei um die Eroberung Chersons durch die Russen (“Tauroskythen”) und die Besetzung von Berrhoia durch die Bulgaren (“Myser”). Diese beiden von Leon Diakonos als schweres Unglück empfundenen Ereignisse lassen sich durch die im Zusammenhang mit ihnen erwähnte Sichtung eines Kometen, den man wohl mit Halley (August/September 989) identifizieren kann, recht zuversichtlich auf Sommer bis Herbst 989 datieren (zu Halley cf. Kronk, Cometography 162–165). Dies würde die Abfassung des “Epitaphios” auf Sommer–Herbst 989 datieren.

QuelleSource

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