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BY-NC-ND 4.0 license Open Access Published by De Gruyter

Ivan Vladislav

Σφενδοσθλάβος

Ralph-Johannes Lilie, Claudia Ludwig, Beate Zielke and Thomas Pratsch
EintragstypEntry Type
Person
EintragsspracheEntry Language
DeutschGerman
Personenkennziffer
23582
Namensvariante
Ioannes (zweiter Name); Bladisthlabos (griech. für Vladislav); Ivan Vladislav (Sekundärliteratur); Svjatoslav; Vladislavus (lat.); Aaron bzw. Hārūn; Hārūn bzw. Aaron; Jan Władysław (Sekundärliteratur); Sphendosthlabos (griech.)
Klerus / Laie
Laie
Geschlecht
Mann
Zeit
11. Jh.
Erste Erwähnung
1015
ethnos
Bulgarien
Religion
orthodox
Titel / Beruf
Zar Bulgarien; car i samodrzc: car i samodr'ž"c (abulg.) = Autokrator; imperator (Priester von Diokleia); Herrscher der Bulgaren = ra’īs al-Bulġar; ra’īs al-Bulġar (arab.) = Anführer bzw. Herrscher der Bulgaren; samodrăžec (Bulgarien)
Name normalisiert
Ivan Vladislav
Ort
Bulgarien; Dyrrhachion; Prespa (Bulgarien); Zeta; Diokleia; Bitola
Quelle
Skylitzes; Zonaras; Lupus Protospatarius; Yaḥyā; Bitolski nadpis; Priester von Diokleia (ed. Šišić)

N: In griechischen Quellen wird I. als Sphendosthlabos und Ioannes bezeichnet: Σφενδοσθλάβος ὁ καὶ Ἰωάννης. Bei späterer Gelegenheit wird er von Skylitzes Bladisthlabos — Βλαδισθλάβος genannt. Variante: Altbulg.: Ioan (inschriftl.). In der Sekundärliteratur heißt er gewöhnlich Ivan Vladislav. Lateinische Namensform: Vladislavus (Priester von Diokleia). Yaḥyā bezeichnet S. fälschlich mit dem Namen seines Vaters Aaron (arab.: Hārūn).

T: Bulgarischer Zar (1015/16–1018). Altbulg.: car i samodr’ž"c / samodrăžec (= Kaiser und Autokrator), lat.: imperator (Priester von Diokleia); Anführer bzw. Herrscher der Bulgaren — arab.: ra’īs al-Bulġar (Yaḥyā).

V: Sohn des Aaron Kometopulos (# 20003). Sein Vater war einer der vier Kometopulen. Aaron wurde wahrscheinlich am 14. Juni 987 von seinem jüngeren Bruder Samuel (# 26983) getötet, weil er angeblich auf der Seite der Byzantiner stand. Die gesamte Familie Aarons soll ausgelöscht worden sein. Nur sein Sohn I. sei von Gabriel-Radomir (# 22032), dem Sohn Samuels, gerettet worden (1).

I. war verheiratet mit Maria (# 24944), mit der er sechs Söhne und sechs Töchter (# 24944A) hatte. Drei Söhne hießen Prusianos (# 26775), Alusianos (# 20263) und Aaron (# 20004), die Namen von drei weiteren werden in einem Zusatz zu Skylitzes mit Traïanos (# 28368), Rodomir (# 26826) und Klimen (# 23717) angegeben (2).

Im Jahre 1015/16 soll I. den neuen Zaren Gabriel-Radomir während einer Jagd getötet haben. Er schickte danach einen Brief an Kaiser Basileios II., in dem er diesem die bulgarische Unterwerfung anbot. Der Kaiser ging darauf ein und erließ zugunsten des I. ein Chrysobull (3).

Es stellte sich bald heraus, daß I. nicht an Unterwerfung dachte, sondern den Kaiser nur täuschen wollte. Laut einem Zusatz bei Skylitzes bot Theodoros Kaukanos (# 27855), ein bei dem Fall von Moglena zu den Byzantinern übergegangener bulgarischer Adliger, dem Kaiser an, I. zu töten. Auch der Diener (# 31968) des I. war eingeweiht, wurde dann aber durch Geschenke bewogen, wieder die Seite zu wechseln. In der Nähe von Stupion (Diabolis) erschlug er den Theodoros (4).

Am 20. Oktober 1015 begann I., wie eine altbulgarische Bauinschrift bezeugt, den Ausbau der Festung Bitola als “Fluchtpunkt und zur Rettung und für das Leben der Bulgaren”. Der Ausbau dauerte wohl bis ins Jahr 1016 hinein. Diese Festung konnte trotz mehrfacher Angriffe der Byzantiner schon vor der Fertigstellung erst mit dem Zusammenbruch des bulgarischen Reiches 1018 eingenommen werden (5).

Ebenfalls im Jahre 1016 lockte I. durch Vermittlung des bulgarischen Erzbischofs David (# 21440) den kroatischen Fürsten Ioannes-Vladimir (# 28434), der mit Kosara (# 24095), einer Verwandten Samuels, verheiratet war und die Region Zeta (Diokleia) nördlich von Dyrrhachion beherrschte, nach Prespa, wo er ihn am 22. Mai 1016 tötete. In der Folge flammten die Kämpfe um Dyrrhachion wieder auf. Jedoch konnten die Byzantiner die Stadt trotz einer schweren Niederlage gegen den bulgarischen Feldherrn Ibatzes (# 22679) halten (6).

Im Jahre 1017 plante I. eine neue Offensive. Er vereinigte seine Truppen mit denen des Krakras (# 24188) und nahm Kontakt zu den Petschenegen auf, um einen gemeinsamen Angriff auf Byzanz durchzuführen. Jedoch wurde aus dem Unternehmen nichts, da die Petschenegen letztlich nicht zustimmten (7).

Wohl noch in demselben Jahr versuchte I. einen weiteren Überfall auf die byzantinischen Truppen. Jedoch erfuhr Basileios II. rechtzeitig von dem Vorhaben und führte selbst seine Reiterei gegen die Bulgaren heran, die daraufhin entsetzt flohen. Bei der ungeordneten Verfolgung erschlugen die Byzantiner viele, nahmen 200 Bewaffnete gefangen und bemächtigten sich der Pferde und der Bagage des I. Sie nahmen auch seinen Neffen (ἀνεψιός) (s. u.) gefangen.

Im Februar des Jahres 1018 griff I. Dyrrhachion an, das von dem Strategos Niketas Pegonites (# 25851) verteidigt wurde. Während der Belagerung scheint es zu einem Zweikampf zwischen I. und Niketas gekommen zu sein, der zu Pferde ausgetragen wurde und bei dem I. fiel, wobei Skylitzes erklärt, daß niemand etwas Genaues wisse. Ein Zusatz zu Skylitzes weiß allerdings zu berichten, daß zwei Fußsoldaten (# 30594) zu dem Kampf hinzugekommen seien und I. durch einen Stoß in die Eingeweide getötet hätten (8).

Die Dauer seiner Herrschaft betrug laut Skylitzes zwei Jahre und fünf Monate (9).

Anmerkungen: — (1) Skylitzes, Basileios 11, p. 329,86-91; Zonaras XVII 6, p. 547,14 – 548,1. — (2) Skylitzes, Basileios 41, p. 359,32 – 360,46; 42, p. 360,51 (Zusatz). — (3) Skylitzes, Basileios 35, p. 349,53-55; 38, p. 353,39-59; verkürzt bei Zonaras XVII 9, p. 564,9-12; 564,19 – 565,8; Lupus Protospatarius 57 (a. 1016); Yaḥyā [p. 38f.] p. 406f. (PO 47,4); 13:45, p. 283f. (Pirone) — (4) Skylitzes, Basileios 38, p. 353,39-56 (z. T. Zusatz zu Skylitzes). — (5) In der altbulgarischen Inschrift von Bitola von 1016 (Zaimov/Zaimova, Bitolski nadpis; Božilov in: KME I [1985] 196–198), wird I. wörtlich als “Sohn des Aron, des Bruders des Samuel” (l. 7f.) bezeichnet. Weiterhin liegt das Besondere der Inschrift darin, daß hier erstmals – vorausgesetzt, die Ergänzungen der teilweise zerstörten Inschrift sind richtig – vor dem 13. Jh. ein bulgarischer Zar als altbulg. car i samodr’ž"c “Kaiser und Autokrator” bezeichnet wird. — (6) Skylitzes, Basileios 38, p. 353,64 – 354,87. — (7) Skylitzes, Basileios 40, p. 355,26 – 356,36; Cheynet, Skylitzes 297 Anm. 210f., nimmt, wohl zu Recht, an daß Basileios II., der rechtzeitig durch einen Brief des Strategos von Dorostolon, Tzotzikios (# 28388) gewarnt worden war, diplomatisch interveniert hatte. — (8) Skylitzes, Basileios 41, p. 357,54-60; verkürzt bei Zonaras XVII 9, p. 565,12-14. — (9) Skylitzes, Basileios 41, p. 357,60f.; Zonaras XVII 9, p. 565,15.

Q: — (Hist.): Skylitzes; Zonaras. — (lat.): Lupus Protospatarius 57 (a. 1016); Priester von Diokleia (ed. Šišić) cap. 36f., p. 336–342. — (arab.): Yaḥyā. — (sl.): Bitolski nadpis.

L: LdMA V (1991) 833; ODB II 1071; Savvides V 99; SSS II (1964) 317f. — Zlatarski, Istorija I/2 634. 644.705–743 passim; Seibt, Kometopulen, bes. 93; Glossar (griech.) I 4-6; Istorija na Bălgarija II 276f. 402. 407. 417f.; I. Božilov, in: KME I (1985) 196–198 (mit Hinweisen zu Lit. und älteren Editionen der Inschrift von Bitola); Andreev–Lazarov–Pavlov, Koj koj e 147–149; Dölger–Müller, Regesten Nr. 801a (mit Überlegungen zur Chronologie); Pirivatrić, Samuilova država 120–132; Nikolov, Centralizăm 126ff. passim, bes. 126f.; Stephenson, Basil 26. 28–31. 34f.; Božilov–Gjuzelev, Istorija 327–331; Geschichte Südosteuropas 74.

Angehörige (anonym):

1. Neffe 23582A

V: Bei einem Zusammentreffen zwischen Bulgaren und Byzantinern konnten letztere den Neffen (ἀνεψιός) des Ivan Vladislav gefangennehmen. Laut einem Zusatz zur Chronik des Skylitzes blendeten sie ihn unverzüglich: ὃν καὶ παραυτίκα στερεῖ τῶν ὀφθαλμῶν.

Q: — (Hist.): Skylitzes, Basileios 40, p. 356,49f.

L: Nikolov, Centralizăm 157.

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