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Konstantinos Karamallos

Κωνσταντῖνος

EintragstypEntry Type
Person
EintragsspracheEntry Language
DeutschGerman
Personenkennziffer
23816
Namensvariante
Karamallos (Familienname); Karamalos (Familienname)
Klerus / Laie
Laie
Geschlecht
Mann
Zeit
10. Jh.
Erste Erwähnung
902
ethnos
Byzanz
Religion
orthodox
Titel / Beruf
Kommandant Tauromenion; Befehlshaber Tauromenion; Patrikios; Strategos Sizilien
Name normalisiert
Konstantinos
Ort
Tauromenion (Sizilien) = Taormina = Tavromenia (mbulg.) ; Sizilien; Castel Mola (Kastron bei Taormina); Taormina (Sizilien) = Tauromenion; Tavromenia (mbulg.) = Tauromenion; Sikelia (mbulg.) = Sizilien; Pera; Pikridionkloster (in Pera)
Quelle
Georg. mon. cont. (Bonn); Vita Eliae iun. (BHG 580); Inscriptions (Guillou); Leon gr.; Theod. mel.; Georg. mon. cont. (Muralt); Symeon log. (Wahlgren); Symeon sl.; Symeon log.

N: Familienname: Karamalos — Καράμαλος bzw. Karamallos — Καράμαλλος.

T: Patrikios und Strategos von Sizilien; Befehlshaber von Tauromenion (Taormina, Sizilien).

V: Nach Aussage der Chroniken war im Jahre 902 ein gewisser Karamalos Befehlshaber von Tauromenion auf Sizilien, als die Stadt vom aġlabidischen Emir Ibrāhīm (II.) b. Aḥmad al-Aġlab (# 22708) angegriffen und schließlich am 1. August 902 erobert wurde. K. konnte sich jedoch zusammen mit (zumindest einem Teil) der Flotte unter dem Kommandanten der kaiserlichen Flotte, dem Drungarios tu ploïmu, Eustathios (# 21836), und dem Kommandanten wohl der kalabrischen Flotte, Michael Charaktos (# 25161), nach Konstantinopel absetzen. Dort wurde vom Kaiser (Leon VI.) und vom Patriarchen Nikolaos (I. Mystikos [# 25885]) eine Untersuchung der Angelegenheit angestrengt, in deren Verlauf offenbar sowohl K. als auch Eustathios von Michael Charaktos belastet wurden (so die naheliegende Deutung des Textes, der an dieser Stelle eine syntaktische Härte aufweist). Daraufhin wurden K. und Eustathios zunächst zum Tode verurteilt, ihre Strafe wurde jedoch auf die Intervention des Patriarchen hin abgemildert und in Strafschur und Klosterhaft umgewandelt. K. und Eustathios wurden anschließend geschoren. Danach wurden K. im Pikridionkloster in Pera und Eustathios im Studioskloster in Konstantinopel interniert.

Der Fall von Tauromenion am 1. August 902 wird auch in der Vita Eliae iun. (BHG 580) dargestellt. Dort wird im Rahmen einer Prophezeiung und Wundergeschichte als Kommandant von Tauromenion ein Patrikios Konstantinos erwähnt. Diesem wurde von Elias der Untergang geweissagt, wenn er nicht seine Truppen diszipliniere und zu tugendhaftem Verhalten ermahne. Der Patrikios beachtete diese Warnung nicht, und als Elias bereits weitergereist und in Amalfi eingetroffen war, holte ihn dort die Nachricht vom Fall Tauromenions ein. Dieser Patrikios Konstantinos ist aller Wahrscheinlichkeit nach mit dem Karamallos aus den Chroniken zu identifizieren (cf. Rossi-Taibbi).

Schließlich wird er unter dem Namen Konstantinos als Patrikios und Strategos von Sizilien in einer Bauinschrift aus Castel Mola, einer byzantinischen Festung vier bis fünf km nördlich von Tauromenion, erwähnt. Diese Inschrift befindet sich heute in Taormina und ist in der Fassade der dortigen Kathedrale verbaut; sie vermerkt, daß K. die Festung Castel Mola hatte bauen lassen. Unter paläographischen Gesichtspunkten muß die Inschrift in das 9./10. Jh. datiert werden. Daher hat der Herausgeber, A. Guillou, diesen Konstantinos mit K. Karamallos identifiziert.

Q: — (Hist.): Symeon log. (Leon gr. 274,15 – 275,4; Theod. mel. 192,2-12; Symeon sl. 119,19-27); Symeon log. (Wahlgren) 133,238-248; Georg. mon. cont. (Bonn) 860,20 – 861,6; Georg. mon. cont. (Muralt) 1105C. — (Hag.): Vita Eliae iun. (BHG 580) cap. 49,1015-1045. — (Inscr.): Inscriptions (Guillou) Nr. 185.

L: Rossi-Taibbi, in: Vita Eliae iun. (BHG 580) 75 Anm. 3; 168f.; Falkenhausen, Dominazione 101f. (Nr. 65); Guillou, in: Inscriptions (Guillou) 197f. — Zu einem möglichen literarischen Vorbild für K. in der Vita Eliae iun. cf. Efthymiades, in: JÖB 48 (1998) 48; zu dem Fall Taorminas cf. Amari, Storia II 100 Anm. 1; 101 Anm. 1; 108f.; Dolley, Eustathios passim; Talbi, L’Émirat aghlabide 520f. 524; Eickhoff, Seekrieg 248f.; Vasiliev, Arabes II 1, p. 145; Maurici, Arabi 53.

P: Vom Namen her erscheint es möglich, daß K. der Großvater des 975 in Italien erwähnten Konstantinos Karamallos (# 23918) gewesen ist. Weitere mögliche Verwandte Georgios (Laurent, Orghidan 309) und Christophoros (SSig 631,1) aus dem 11. Jh. Der Name Karamallos ist in späterer Zeit mehrfach belegt, cf. PBW: Georgios 20183, Leon 175, Nikephoros 20168, Theodoros 20231; PLP Nr. 11099–11105.

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