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Kosmas

Κοσμᾶς

EintragstypEntry Type
Person
EintragsspracheEntry Language
DeutschGerman
Personenkennziffer
24110
Klerus / Laie
Laie
Geschlecht
Mann
Zeit
10. Jh.
Erste Erwähnung
912
ethnos
Byzanz
Religion
orthodox
Titel / Beruf
Magistros; Vorsitzender der Gerichtshöfe; Protos ton kriterion; Protistos ton politikon kriterion; Rechtsgelehrter; Gesandter; Richter; Jurist; Redaktor kaiserlicher Novellen
Name normalisiert
Kosmas
Ort
Hierissos (Chalkidike); Athos; Hamdanidenstaat; Lamos (Fluß in Kilikien), arab. al-Lamus: al-Lämus; Gradiska (Lokalität bei Hierissos); Hagios Nikolaos (Lokalität auf der Chalkidike); Kolobu-Kloster (Chalkidike); Chalkidike (Makedonien)
Quelle
Actes du Prôtaton (Nr. 6); Theoph. cont. 6; Actes d’Iviron (Nr. 4); Svoronos, Novelles; Ps.-Symeon; Georg. mon. cont. (Bonn); Georg. mon. cont. (Istrin); Leon gr.; Theod. mel.; Konst. Porph., De cerim.; Symeon log. (Cod. Vat. gr. 163); Niketas Magistros, Epp.; Arethas, Scripta minora; Symeon log. (Wahlgren); Symeon sl.; Ius (Zepos); Symeon log.

T: Magistros — Κοσμᾶ τοῦ πανευφήμου μαγίστρου (Actes du Prôtaton, Nr. 6, l. 7f.; Actes d’Iviron, Nr. 4, l. 27, cf. Theoph. cont.). Vorsitzender der Gerichtshöfe — πρῶτος τῶν κριτηρίων (Theoph. cont. 433,15), πρώτιστος τῶν πολιτικῶν κριτηρίων (ibidem 443,9), und als solcher rechtsgelehrt (νομομαθής, ibidem). Eventuell kann man in den Formulierungen bei Theoph. cont. eine Umschreibung des Quaestorenamtes erblicken (cf. Svoronos, Novelles 243), doch wird K. nirgends ausdrücklich als Quaestor — κοιαίστωρ bezeichnet. Mbulg.: magistr.

V: Zwischen Mai 912 und Oktober 927 war er Adressat zweier Schreiben des Arethas von Kaisareia (# 20554) (1). Das erste Schreiben (Nr. 22) ist ein Trostbrief des Arethas auf den Tod eines früh verstorbenen angeheirateten Verwandten (γαμβρός, s. unten). Wir erfahren, daß sowohl dieser Verwandte als auch K. vornehmer Herkunft waren. Ferner werden in dem Schreiben die Witwe und ein Kind (s. unten) des Gambros erwähnt.

Unter Kaiser Romanos I. Lakapenos war K. Vorsitzender der Gerichtshöfe, d. h. er dürfte der ranghöchste Richter des Reiches gewesen sein (2). K.s Bruder war der Mönch Sergios (# 27023), der der geistliche Vater des Kaisers Romanos I. Lakapenos war. Wie sein Bruder Sergios müßte K. demnach ein Neffe oder Großneffe (ἀνεψιός) des Photios (# 26667) gewesen sein (3).

Es ist plausibel, in K. den Redaktor zweier Novellen Romanos’ I. Lakapenos zu sehen (cf. Svoronos, Novelles 243), wie es ein Teil der handschriftlichen Überlieferung der Rubriken bzw. der Pinakes angibt (Svoronos, Novelles 61. 80f.). K. dürfte daher im April 922 die Novelle des Romanos über das Vorkaufsrecht (Περὶ προτιμήσεως) (4) und im September 934 die Novelle des Romanos gegen die Landaufkäufe der Dynatoi nach der Hungersnot (5) formuliert haben.

Zwischen 938 und 944 war K. Adressat eines Briefes des Niketas Magistros (# 25740), den dieser aus der Verbannung auf seinem Landsitz am Hellespont schrieb. Dem Brief läßt sich entnehmen, daß K. in irgendeiner Weise mit einem Antrag des Niketas auf Rückkehr aus der Verbannung bzw. Rehabilitierung betraut war. Letztlich wurde die Sache jedoch abschlägig beschieden – trotz der großen Hoffnungen, die sich Niketas bereits gemacht hatte. Sowohl die Tatsache, daß Niketas dem K. auch nach der Ablehnung seines Antrages noch einmal schrieb, als auch der Ton des Briefes sprechen dafür, daß K. den Antrag unterstützt hatte (cf. Westerink, Niketas 94).

Ca. 942 (6) fällte K. ein Urteil (κρίσις) in einem Rechtsstreit zwischen dem Kolobu-Kloster (Chalkidike) und den Einwohnern von Hierissos: Die umstrittenen 2.000 Modioi Land bei Gradiska, die die Hierissoten zuvor vom Kolobu-Kloster nur gepachtet hatten (cf. Actes d’Iviron, Nr. 1), fielen an die Hierissoten, wofür die Hierissoten dem Kolobu-Kloster jedoch im Austausch 1.000 Modioi Land bei Hagios Nikolaos (für die eine Hälfte der 2.000 Modioi bei Gradiska) und 30 Nomismata (für die zweite Hälfte der 2.000 Modioi bei Gradiska) geben mußten. Das Urteil wird rückblickend erwähnt in: Actes d’Iviron, Nr. 4, l. 27-29, p. 126, aus dem Jahre 982.

K. ist ferner in einem Athos-Dokument vom 2. August 943 bezeugt (Actes du Prôtaton, Nr. 6). Diesem Dokument zufolge hatte er an den Strategos von Thessalonike, Katakalon (# 23685), einen Entscheid (ἡ ψῆφος) hinsichtlich der Grenzziehung zwischen Hierissos und dem Athos geschickt, der zusammen mit dem Dokument (ἡ πρᾶξις) des Epoptes Thomas (# 28296) die Grundlage für die Grenzziehung vor Ort bildete, die der Strategos Katakalon vor vielen Zeugen vornahm und über die er am 2. August 943 das Dokument Actes du Prôtaton, Nr. 6, ausstellte.

Fragmente von zwei Entscheidungen des Magistros K. sind ohne Datierung in der Appendix zur Synopsis Basilicorum überliefert worden: eines über die Paröken (ed. Svoronos, Novelles 246) und eines über die Möglichkeit der Neuaufteilung des Landes innerhalb einer Steuergemeinde (ὑποταγή) (ed. Svoronos, Novelles 247).

Auch während der Alleinherrschaft von Konstantinos VII. Porphyrogennetos fungierte K. als Vorsitzender der Gerichte der Stadt Konstantinopel (Theoph. cont. VI 9, p. 443,9).

Am 30. August 946 nahm K. an einem Empfang arabischer Gesandter in Konstantinopel teil (7). Dieser Empfang stand in Zusammenhang mit den Verhandlungen über einen Gefangenaustausch zwischen Byzantinern und Arabern, an dem auch K. beteiligt war. Konstantinos VII. schickte ihn zusammen mit dem Mönch und Mystikos Ioannes (# 22938) auf eine Gesandtschaft zu Sayfaddawla (# 26998), damit sie einen Gefangenenaustausch aushandelten. Der Gefangenenaustausch wurde im Oktober 946 (s. Vasiliev, Arabes II 1, p. 316) am Fluß Lamos (ὁ Λάμος) durchgeführt. Danach kehrten die Gesandten nach Konstantinopel zurück (8).

Es könnte sein, daß der Quaestor Theophilos (# 28154), der sicher für das Jahr 947 bezeugt ist, der direkte Nachfolger des K. wurde (9).

Anmerkungen: — (1) Die beiden Schreiben des Arethas – Nr. 29, gerichtet an Leon VI., und Nr. 30, gerichtet an K. – stehen in einem engen inhaltlichen Zusammenhang: In beiden Schreiben geht es um die Anwendung des Kirchenasyls in der Hagia Sophia. Zum Zeitpunkt der Abfassung von Nr. 29 war Leon VI. offensichtlich noch am Leben, in Nr. 30 wird er als verstorben erwähnt. Der Tod Leons VI. am 11. Mai 912 ist daher terminus post quem für Nr. 30 des Arethas. Nr. 31 des Arethas ist gerichtet an Kaiser Romanos I. und erwähnt den Friedensschluß mit den Bulgaren am 8. Oktober 827. Dieses Datum ist daher terminus ante quem für Nr. 30 des Arethas. Das erste Schreiben des Arethas an K., Nr. 22, enthält keine Datierungshinweise, dürfte aber nicht allzu lange vor dem zweiten Schreiben, Nr. 30, abgefaßt worden sein. – Der juristische Disput zwischen Arethas und K. über die Anwendung des Kirchenasyls in der Hagia Sophia sowie die verschiedenen Arten der Tötungsdelikte, wie er in Nr. 30 greifbar wird, stützt die Identifizierung des K. aus den Schreiben des Arethas mit dem später aus anderen Quellen bekannten Rechtsgelehrten. — (2) Cf. Weiss, in: Byz 48 (1978) 484. — (3) Theoph. cont. VI 50, p. 433,14f.; p. 434,2f.; Symeon log. (Leon gr. 327,11f.; Theod. mel. 235,26f.; Symeon sl. 142,39f.); Symeon log. (Wahlgren) 136,641f.; Georg. mon. cont. (Bonn) 919,19 – 920,1; Georg. mon. cont. (Muralt) 1188A; Georg. mon. cont. (Istrin) 63,21; Ps.-Symeon 750,3f. — (4) Novelle über das Vorkaufsrecht (April 922, cf. Dölger–Müller, Regesten Nr. 595), ed. Svoronos, Novelles, Nr. 2, p. 62–71; in: Ius (Zepos) I, coll. III, Nov. II, p. 200–204. Svoronos hatte auf 928 datiert, doch ist an April 922 festzuhalten, s. Kresten–Müller, Samtherrschaft 23 Anm. 49; Kresten, Arklai 35 Anm. 2; Schminck, in: FM 11 (2005) 273 Anm. 17. Die Zuschreibung an K. findet sich im Falle dieser Novelle nur in den Indices zweier Hss. (ed. Svoronos, Novelles 61) und ist somit nicht ganz sicher, cf. Schminck, op. cit. 273. — (5) Novelle des Romanos gegen die Landaufkäufe der Dynatoi (September 934, cf. Dölger–Müller, Regesten Nr. 628), ed. Svoronos, Novelles, Nr. 3, p. 82–92; in: Ius (Zepos) I, coll. III, Nov. V, p. 205–214. Die Verfasserschaft K.s war von Zachariae von Lingenthal wegen der gleichzeitigen Fehldatierung in der Rubrik (Jahr der Hungersnot wurde mit Jahr der Erlassung des Gesetzes verwechselt) angezweifelt worden (in: Ius [Zepos] I, p. 206 Anm. 3), bleibt aber dennoch wahrscheinlich, cf. jetzt auch Schminck, in: FM 11 (2005) 271–274. Schminck (ibidem 273f. mit Anm. 22) datiert die Novelle entgegen Dölger–Müller auf “zwischen dem 1. September 928 und dem 31. August 929”. — (6) Cf. Lefort–Oikomomidès–Papachryssanthou, in: Actes d’Iviron, p. 123. — (7) Konst. Porph., De cerim. (Reiske) II 15, p. 593,1 – 594,14, konkrete Erwähnung K.s: 594,12. — (8) Theoph. cont. VI 9, p. 443,1-12; Symeon log. (Cod. Vat. gr. 163) 2,5-14; in den Chroniken werden die Einwohner von Tarsos als Verhandlungspartner genannt. Sayfaddawla war in dieser Zeit Oberherr auch von Tarsos; der ursprüngliche Initiator des Austauschs war allerdings der ägyptische Emir Muḥammad b. Ṭuġǧ al-Ihšīd (# 25443). Die Chronisten nennen als zweiten Gesandten den Ioannes Kurkuas (# 22917), cf. jedoch die Überlegungen von Kresten, Staatsempfänge 25–30; zu den Verhandlungen über den Gefangenenaustausch s. Dölger–Müller, Regesten Nr. 653. 653a. 653b (Juni bis Oktober 946). — (9) Cf. Svoronos, Novelles 243 Anm. 531.

Q: — (Hist.): Theoph. cont.; Symeon log. (Cod. Vat. gr. 163); Symeon log. (Leon gr.; Theod. mel.; Symeon sl.); Symeon log. (Wahlgren), Georg. mon. cont. (Bonn); Ps.-Symeon. — (Ep.): Niketas Magistros, Ep. 17; Arethas, Scripta minora Nr. 22, I, 213–215; Nr. 30, I, 260–264. — (Fs.): Konst. Porph., De cerim. II 15, p. 594,11-14. — (Dok.): Actes du Prôtaton, Nr. 6 (2. August 943 [1. Indiktion]), l. 7f., p. 201; rückblickend erwähnt in: Actes d’Iviron, Nr. 4 (Juli 982 [10. Indiktion; 6490 a. m.]), l. 27, p. 126. — (Sonst.): Entscheidung des Kosmas über die Paröken — Τοῦ μαγίστρου Κοσμᾶ ψῆφος περὶ παροίκων, ed. Svoronos, Novelles 246; ed. Weiss, in: Byz 48 (1978) 480f. (dt. Übers.: 481f.); Entscheidung des Kosmas (über die mögliche Neuaufteilung des Landes innerhalb einer Steuergemeinde) – τοῦ αὐτοῦ (sc. μαγίστρου Κοσμᾶ) ψῆφος, ed. Svoronos, Novelles 247 (dt. Übers. von Zachariae von Lingenthal, abgedruckt bei: Ostrogorsky, Steuergemeinde 41); Indices zur Novelle des Romanos I. Lakapenos über das Vorkaufsrecht (= Svoronos, Novelles, Nr. 2), in: Cod. Laurent. Plut. IV-10 (= J) und Cod. Marc. gr. 174 (= Q), in: Svoronos, Novelles 61: Νεαρὰ βα. Ῥωμανοῦ τοῦ γέροντος, περὶ προτιμήσεως ἐν ταῖς τῶν κτημάτων ἐκποιήσεσιν· ὑπηγόρευσε ταύτην Κοσμᾶς μάγιστρος ἰνδ. ι´, ἔτει ͵ϛυλ´. Verschiedene Rubriken zur Novelle des Romanos I. gegen die Dynatoi (= Svoronos, Novelles, Nr. 3), in: Svoronos, Novelles 80f., z. B. in den Hss. der Familie B (Cod. Laurent. Plut. LXXX-8; Cod. Vat. gr. 852; Cod. Athen. Benaki 20), p. 80, Nr. 3, l. 4f.: ..., ἣν ὑπηγόρευσεν Κοσμᾶς μάγιστρος ἰνδικτιῶνος δευτέρας, ἔτους ͵ϛυλζ´.

L: ODB II 1152 s. v. “Kosmas Magistros”. — Ostrogorsky, Steuergemeinde 40f.; Vasiliev, Arabes II 1, p. 316; Dölger, Diplomatik 350–370 (= Ndr. von BZ 20 [1929–30] 329–344); Westerink in: Niketas Magistros, Epp. (Westerink) 136; Papachryssanthou, in: Actes du Prôtaton, p. 199f.; Weiss, in: Byz 48 (1978) 477–500; Pieler, in: Hunger, Literatur II, 466f.; Lemerle, Agrarian History 162 Anm. 5; 177–182; Lefort–Oikonomidès–Papachryssanthou, in: Actes d’Iviron, p. 118. 122; Svoronos, Novelles 61. 80f. 239–247; Magdalino, Justice and Finance 103 (“the first known justice minister of the middle Byzantine period”); McGeer, Land Legislation 49 Anm. 1; Schminck, in: FM 11 (2005) 272–275.

P: Die Identifizierung des Adressaten des Arethas mit dem Patrikios und Logothetes Kosmas (# 24112) durch Westerink, in: Arethas, Scripta minora 213 und 260, ist unrichtig und wurde widerlegt von Weiss, in: Byz 48 (1978) 483 Anm. 8, s. dazu auch Beck, Kirche 593; Schminck, in: FM 11 (2005) 275 Anm. 36. — Schminck (ibidem 276) hält es für möglich, daß K. auch der Verfasser der ersten Novelle des Konstantinos VII. über die Mörder (Dölger–Müller, Regesten Nr. 676) gewesen sein könnte, weil er Adressat des Arethas zur selben Problematik gewesen war (s. o.; Arethas, Ep. 30).

Angehörige (anonym):

1. Gambros 24110A

V: Er wird zwischen Mai 912 und Oktober 927 in einem Trostbrief des Arethas von Kaisareia (# 20554) an K. anläßlich seines frühen Todes erwähnt. Er war ein Schwiegersohn oder angeheirateter Verwandter (γαμβρός) des K., von vornehmer Herkunft (cf. p. 214,15f.) und hinterließ eine Frau und ein Kind (zu diesen s. unten).

Q: — (Ep.): Arethas, Scripta minora Nr. 22, I, 213–215.

2. Frau des Gambros 24110B

V: Sie wird zwischen Mai 912 und Oktober 927 in einem Trostbrief des Arethas von Kaisareia an K. anläßlich des frühen Todes ihres Mannes erwähnt. Aus dem Schreiben geht hervor, daß sie ein Kind hatte (s. unten).

Q: — (Ep.): Arethas, Scripta minora Nr. 22, I, 215,14–18.

P: Wenn Gambros einen angeheirateten Verwandten meint, muß seine Ehefrau in einem direkten Verwandtschaftsverhältnis zu K. gestanden haben. Ob sie seine Tochter oder eine entferntere Verwandte gewesen ist, läßt sich nicht mehr feststellen.

3. Kind des Gambros # 24110C

V: Dieses Kind wird zwischen Mai 912 und Oktober 827 in einem Trostbrief des Arethas von Kaisareia an K. anläßlich des frühen Todes seines Vaters als verwaist (ὀρφανός) erwähnt.

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