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Leon Philosophos

Λέων

EintragstypEntry Type
Person
EintragsspracheEntry Language
DeutschGerman
Personenkennziffer
24313
Namensvariante
Philosophos (Beiname); Megas (Beiname); Poetikos (Beiname)
Klerus / Laie
Laie
Geschlecht
Mann
Zeit
9. Jh.
ethnos
Byzanz
Religion
orthodox; Konvertit (Ikonoklast zu orthodox)
Titel / Beruf
Autor; Dichter; Poetikos (Dichter)
Name normalisiert
Leon
Ort
Konstantinssäule (Forum) (Kpl.); Kpl.: Konstantinssäule auf dem Forum; Sigma (Kpl.); Kpl.: Sigma; Kpl.: Theotokoskirche am Sigma; Theotokoskirche am Sigma (Kpl.); Gottesmutterkirche am Sigma = Theotokoskirche am Sigma (Kp.); Konstantinsforum (Kpl.); Kpl.: Konstantinsforum
Quelle
Spadaro, in: Siculorum Gymnasium 24 (1971); Leon gr.; Theod. mel.; Georg. mon. cont. (Muralt); Georg. mon. cont. (Istrin); Georg. mon. cont. (Bonn); Ps.-Symeon; Michael Psellos, Historia Syntomos; Leon Magistros, Gedichte; Gallavotti, in: RSBN 24; Symeon sl.; Symeon log. (Wahlgren); Symeon log.

Fortsetzungsartikel: Leon (# 4440).

N: Beinamen: Megas und Philosophos — Λέων ἐκεῖνος ὁ μέγας τε καὶ φιλόσοφος (Theoph. cont. IV 26, p. 185,10); Poietikos (Dichter) und Philosophos (Index Cod. Vat. Barb. 310). In der Logothetenchronik nur Philosophos — φιλόσοφος, mbulg.: filosof (Symeon sl.).

V: Laut Michael Psellos, Historia Syntomos, war L. der Lehrer des (späteren) Kaisers Leon VI. und unterrichtete diesen in Zauberei und Orakelkunst. Auch abgesehen von Leon VI. hatte er zahlreiche Schüler, u. a. Theodoros (# 7693), Theodegios (# 7277), Sergios (# 6671), Arethas von Kaisareia (# 20554) und Konstantinos Sikelos (# 23741); cf. hierzu auch den Artikel zu L. in PmbZ I.

L. dichtete auch anakreontische Gedichte. Der alte Index des Cod. Vat. Barb. 310 überliefert noch die Titel von Gedichten, deren Folia im inzwischen stark mutilierten Codex ausgefallen sind, und bezeugt so, daß L. ein Anakreonteion auf den Kaisar Bardas (# 791) zu dessen Brumalien verfaßt hat (Λέοντος ποιητικοῦ καὶ φιλοσόφου ἀνακρεόντιον εἰς τὰ βρουμάλια τοῦ καίσαρος Βάρδα). Zu datieren wäre dieses verlorene Gedicht auf 860–865 (Gallavotti, in: RSBN 24 [1987] 46). Derselbe Index führt danach den Titel eines Enkomions auf (ἐγκώμιον  Ἡφαίστου στρατηλάτου Ἀλεξ[ίου?]), das wohl noch demselben Autor, also ebenfalls L. zuzuschreiben wäre.

Die Logothetenchronik berichtet von einem großen, 40 Tage andauernden Erdbeben, das am Tag des hl. Polyeuktos (9. Januar) des Jahres 869 begonnen habe und bei dem u. a. die Weltkugel der Konstantinssäule auf dem Forum herabgestürzt und die Kirche der Gottesmutter am Sigma eingestürzt seien. L., der sich zufällig dort aufhielt, habe alle anwesenden Sänger und sonstigen Personen aufgefordert, die Kirche zu verlassen. Alle, die nicht auf ihn hörten, seien getötet worden. L. selbst, der sich an einer Säule unter dem Systemation aufgehalten habe, sei zusammen mit zwei anderen gerettet worden, sonst nur noch fünf andere, die sich unter dem Ambon aufgehalten hätten (# 30157). Für die Zeit nach dem 9. Januar 869 liegen keine Nachrichten mehr über L. vor.

Leon Choirosphaktes (# 24343) dichtete ein kurzes Epigramm auf L.s Tod, in dem die Wissenschaft, Erkenntnis, Vernunft u. a. darüber klagen, daß L. nicht mehr am Leben sei.

L.s Schüler Konstantinos Sikelos, der sich zu einem unbekannten Zeitpunkt von L. abgewandt und dem Photios (# 26667) angeschlossen hatte, kritisierte seinen früheren Lehrer L. dagegen scharf und bezichtigte ihn in zwei Invektiven, der sogenannten “Apologie” und dem sogenannten “Psogos”, der Abwendung vom Christentum und der Rückkehr zum Heidentum.

W: Zusätzlich zu den in PmbZ I (Leon Philosopos [# 4440]), genannten Werken: Titel von Gedichten im Index des Cod. Vat. Barb. 310, ed. Gallavotti, in: RSBN 24 (1987) 38 (Nr. 58f.); Leon Philosophos, Hiob (Lehrgedicht in 638 Hexametern, überliefert vom Cod. Paris. gr. 2075 [a. 1439], fol. 396r–410v): Λέοντος φιλοσόφου Ἰὼβ ἢ περὶ ἀλυπίας καὶ ὑπομονῆς, ed. Westerink, in: Illinois Classical Studies 11 (1986) 205–222.

Q: — (Hist.): Symeon log. (Leon gr. 254,15-20; Theod. mel. 177,24-30; Symeon sl. 111,26-30); Symeon log. (Wahlgren) 132,31-35; Georg. mon. cont. (Bonn) 840,14-22; Georg. mon. cont. (Muralt) 1073C–1076A; Georg. mon. cont. (Istrin) 18,21-28; Ps.-Symeon 688,14-21; Michael Psellos, Historia Syntomos 100, p. 88,11 – 90,13. — (Vers.): Leon Choirosphaktes, Epigramm auf L.: Εἰς Λέοντα τὸν φιλόσοφον, in: Leon Magistros, Iamben, p. 132 (Kolias); Konstantinos Sikelos, Invektive (“Psogos”) in 22 elegischen Distichen gegen L.: Στίχοι ἡρωικοὶ καὶ ἐλεγειακοὶ εἰς Λέοντα φιλόσοφον Κωνσταντίνου μαθητοῦ αὐτοῦ, ed. Spadaro, in: Siculorum Gymnasium 24 (1971) 198f. (Incipit [v. 1]: Μυρία μὲν δεδάηκας, ὅσα προγενέστεροι ἄνδρες, Desinit [v. 44]: Ὀψὲ μόγις κακίην κευθομένην ἐδάην.) (ältere Edition: ed. Matranga, Anecdota Graeca II 555f. = PG 107, p. LXII–LXIV); die Zuschreibung ist nicht ganz sicher, der “Leon philosophos” und der ehemalige Schüler “Konstantinos” des Gedichts sind auch mit Leon Choirosphaktes (# 24343) und Konstantinos Rhodios (# 23819) identifiziert wurden. Konstantinos Sikelos, Apologie, ed. Spadaro (loc. cit.) 200–202 (Incipit [v. 1]: Πολλοί με τωθάζουσι γλώσσῃ κερτόμῳ ... Desinit [v. 70]: Ὦ τοὺς λογισμοὺς ἐξερευνῶν ἐννόμως.) (ältere Edition: ed. Matranga, Anecdota Graeca II 557–559 = PG 107, col. 660B–661D).

L: Vogt, Basile 33. 45; Westerink, in: Illinois Classical Studies 11 (1986) 193–222; Gallavotti, in: RSBN 24 (1987) 29–83, bes. 38 (Nr. 58f.); 46f. (Kommentar); Baldwin, in: BMGS 14 (1990) 1–17. — Zu diesem Erdbeben, das am 9. Januar 869 begann und angeblich 40 Tage dauerte, und zur Zerstörung der Sphaira der Konstantinssäule und der Muttergotteskirche cf. Berger, Patria 297. 644f.; zu anderen Vorhersagen L.s, der hierfür berühmt war, s. PmbZ I.

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